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Für immer wir zwei


myself - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 14.07.2021

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Bildquelle: myself, Ausgabe 8/2021

Tief verbunden: Ann-Charlott lebt inzwischen als Journalistin in Berlin, Lara arbeitet als PR-Beraterin in Hamburg, aber es vergeht kein Tag, ohne dass sie miteinander sprechen.

DIE BESTE FREUNDIN

Es vergeht kein Tag, an dem sich die beiden nicht hören, ihre Telefonate bezeichnen sie als Zufluchtsorte und emotionale Kurzurlaube vom Alltag. Die Welt bleibt dann für eine Weile außen vor. So war das schon immer bei Ann-Charlott und Lara. Vor 28 Jahren haben sie sich im Kindergarten kennengelernt, beide sind in einem kleinen Dorf in der Nähe von Hamburg aufgewachsen. Wie damals beim Barbie-Spielen vergessen sie zu zweit noch heute alles um sich herum. Weil sie sich gegenseitig genug sind.

„Egal, ob mich etwas in der Familie, im Job oder in meiner Beziehung beschäftigt, Lara ist mein Fels in der Brandung, meine erste Anlaufstelle“, sagt Ann-Charlott. „Ich kann sie zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen. Sie in meinem Leben zu wissen gibt mir Kraft, Ruhe und Sicherheit.“ Umgekehrt ist es genauso, bestätigt Lara: „Ann-Charlott ist mein Partner in Crime. Wir können alles miteinander ...

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... teilen, lachen, bis uns die Tränen kommen. Sie hat mich in meinen größten Krisen gestärkt.“

Hört man den beiden Frauen zu, merkt man schnell: Diese Sandkastenfreundschaft hat eine andere Tiefe als die meisten Bekanntschaften, die man im Erwachsenenalter macht – vielleicht weil man die Familie der anderen kennt, die Wurzeln, und weil man weiß, wie die Freundin der Mensch wurde, der sie heute ist. Lara formuliert es so: „Es tut gut, jemanden zu haben, dem ich nichts groß erklären muss, der mich ohne Worte versteht.“ Wenn sich eine von beiden zu verlieren droht, fängt die andere sie garantiert auf. Typisch, Sandkastenfreundinnen eben? Nicht ganz. Vier von fünf Kindergartenfreundschaften zerbrechen nach der Einschulung. Später kommen Hürden wie Partner, Jobs, Umzüge hinzu.

Dass sie und Lara es so weit gebracht haben, nennt Ann-Charlott deshalb „das größte Geschenk, das es gibt“. Sie könne und wolle sich nicht vorstellen, wie das Leben ohne ihre Freundin wäre. Überflüssig zu erwähnen, dass Lara es genauso sieht.

DAS EHEPAAR

Marilyn & Irvin D. Yalom. Eine Liebe unzertrennlich über den Tod hinaus

65 Jahre Ehe mit demselben Partner? In einer Zeit, in der amour öse Freiheit, ökonomische Unabhängigkeit und digitales Nomadentum gepredigt werden, muss man schon ziemlich romantisch sein, um das erstrebenswert zu finden. Für Marilyn und Irvin D. Yalom war es selbstverständlich, ein Leben lang gab es für die beiden nur einander. Geboren 1932 und 1931, lernten sie sich mit 15 Jahren kennen – und lieben. Sie wurde als Kulturwissenschaftlerin und Buchautorin zu einer Vorreiterin der Gender Studies, er zu einer Ikone der Psychotherapie und zum viel gelesenen Schriftsteller. Ihre vier Kinder leben – Ironie des Schicksals – alle in Scheidung. Als Marilyn Yalom 2019 mit 87 Jahren an Krebs starb, schrieben sie und ihr Mann gerade ein Buch über ihre Beziehung und ihren Umgang mit der Vergänglichkeit: „Unzertrennlich. Über den Tod und das Leben“ (btb, 22 Euro). Irvin Yalom musste die Arbeit allein zu Ende bringen.

Wer im gemeinsamen Alterswerk des Paares liest, hat keine Zweifel, dass diese Ehe bis ans Ende von Liebe und Neugier geprägt war. Auch deshalb wird der 90-jährige Irvin Yalom in Interviews immer wieder nach dem Geheimnis der Beziehung gefragt. Mit einer Antwort tut er sich schwer. Ehen seien so individuell wie Ehepaare, sagt er. Nur offensichtliche Handlungsweisen ließen sich verallgemeinern – sich für die Gefühle des anderen zu interessieren, sich gegenseitig zu respektieren, Sorge füreinander zu tragen, Krisen nicht zu tabuisieren, sondern auszuhalten. Das Entscheidende: Man müsse das, was man in der Ehe tue, aus Liebe tun, so Yalom, nicht aus Pflichtgefühl.

Der Schlüssel zum Glück: dem anderen nicht nur Raum lassen, sondern von Herzen gönnen

Diese Art Liebe lässt sich nicht verordnen, belegt die Statistik. 14,8 Jahre halten deutsche Ehen im Schnitt, nach 20 Jahren steigt die Scheidungsrate rasant. Auch früher war die Menschheit nicht liebesbegabter. Oft kam das Ende durch den frühen Tod eines oder beider Partner, hinter langen Ehe standen eher wirtschaftliche Zwänge. Paare wie Marilyn und Irvin D. Yalom, die jahrzehntelang aus Liebe beieinanderbleiben, waren immer schon selten, bestätigt Pasqualina Perrig-Chiello. Die Psychologin forscht zu sehr langen Beziehungen und hat herausgefunden: Liebe braucht neben Respekt, Humor und guter Kommunikation vor allem eine gemeinsame Basis – geteilte Interessen, Ziele und Projekte.

Auf die von intellektuellem Austausch geprägte Ehe der Yaloms angesprochen, erklärt Perrig-Chiello: „Offenbar ist es ihnen gelungen, die Ehe immer wieder neu zu definieren, sich gemeinsam weiterzuentwickeln und einander Raum zu lassen für persönliche Entfaltung.“ Eine englische Studie bringt den Schlüssel zu dauerhaftem Glück ähnlich auf den Punkt: Großzügigkeit – also verstehen, verzeihen, über Macken hinwegsehen, dem anderen nicht nur Raum lassen, sondern von Herzen gönnen. Und dann braucht es noch eine gute Portion Glück.

Wie sonst soll man es nennen, wenn zwei sich finden, bei denen die Begeisterung füreinander 65 Jahre lang anhält?

TEXT: Mercedes Lauenstein

DAS GLÜCKS-RAD

Marie Jaster, 27, Gründerin des Lifestyle- Blogzines „Beige“ radelt auf einem „Oldtimer“

Eigentlich war „Goldie“ bloß eine Notlösung, aber so hat ja schon manche große Liebesgeschichte begonnen. Das alte Rad ihrer Mutter hatte Marie jedenfalls nur aus dem Keller geholt, weil Fahrräder in Berlin so häufig geklaut werden. Um ihr eigenes wollte sie sich nicht ständig Sorgen machen müssen. Also begann die Journalistin, auf „Goldie“ zur Arbeit zu radeln – so wie ihre Mutter früher. Die hatte das goldfarbene Citybike als 19-Jährige von ihren Eltern geschenkt bekommen, 1978 war das. Später brachte sie die kleine Marie darauf jeden Tag in den Kindergarten. Viele Jahre später radelt nun die erwachsene Tochter auf „Goldie“ durch die Stadt.

Wenn sie damit nicht gerade in den Straßen von Berlin unterwegs ist, schließt Marie das Rad mit drei Schlössern ab. Sicher ist sicher, schließlich hängen viele Erinnerungen daran: „Mein Kindersitz war vorn, so konnte ich damals mehr sehen. Um den Lenker hat meine Mutter ein blaues Band gewickelt, damit meine kleinen Hände beim Festhalten nicht kalt wurden.“ Das Band ist immer noch dort befestigt, der Anblick gebe ihr Halt und ein gutes Gefühl, sagt Marie.

„Goldie“ ist nicht das Einzige, was Marie von ihrer Mutter übernommen hat. Auch Teile ihres Schmucks und ihrer Kleidung sind heute im Besitz der Tochter: „Auf diese Weise fühle ich mich mit ihr verbunden, wo immer ich bin. Meine Mutter ist mein Anker und hilft mir, mich in meinem schnellen Alltag nicht zu verlieren.“ Viele Termine, Stress und Pressegeschenke gehören zu diesem Alltag. Das könne einen den Wert von Dingen schnell vergessen lassen, sagt Marie. Mit dem alten Rad zu Geschäfts- terminen zu fahren hilft ihr, die Erdung im Heute nicht zu verlieren. Und es lässt sie vom Morgen träumen.

„Goldie“ schenkt Marie im Alltag Halt – und sie dem Fahrrad ein zweites Leben

Bei der Vorstellung, mit „Goldie“ irgendwann eigene Kinder durch die Gegend zu fahren, wird die 27-Jährige emotional: „Ich fände es wunderschön, wenn noch weitere Menschen besondere Erinnerungen mit diesem Rad verbinden – und mit dem blauen Band am Lenker.“

DAS HERZENSPROJEKT

Die Moderatorin Katharina Heckendorf, 32, renoviert eine Ruine

Wegen eines Fachwerkhauses pendeln Sie regelmäßig zwischen Hamburg, wo Sie leben, und Kassel – mehr als 300 Kilometer. Was verbindet Sie mit diesem Haus?

Es steht auf dem alten Bauernhof meiner Großeltern. Meine Schwester und ich haben als Kinder jede freie Minute und alle Ferien hier verbracht, zwischen Pony, Hund, Schafen und Apfelbäumen. Für uns war es der schönste Ort der Welt, wir konnten tun und lassen, was wir wollten. Nach Hause kamen wir erst, wenn es dunkel wurde. Diese Freiheit verspüre ich noch heute, wenn ich hier bin – und ein Grundvertrauen, dass alles gut werden wird.

Also die klassische Sehnsucht nach dem guten Leben auf dem Land?

Als Jugendliche wollte ich unbedingt die Großstadt entdecken. In der Pandemie saß ich dann in Hamburg, und meine Sehnsucht nach dem Landleben wurde immer größer, was ich nie für möglich gehalten hätte. Ich habe dann entschieden, die Bauernhofruine aus dem 18. Jahrhundert zu sanieren, die seit den 1950ern leer steht. Es soll ein Zufluchtsort werden, und ich will die Geschichte meiner Familie bewahren. Es ist schon etwas Besonderes, etwa den abgegriffenen Lauf der denkmalgeschützten Treppe zu berühren und sich so mit den Generationen verbunden zu fühlen, die dort vor mir gelebt haben.

Klingt, als wären Sie mit Ihrer Entscheidung ziemlich glücklich.

Ich hatte immer eine totale Unruhe in mir und das Gefühl, etwas zu verpassen. Und dann ist man in der Stadt auch umgeben von so vielen Menschen, die man nicht kennt. Die körperliche Arbeit auf dem Hof ist da für mich eine Art Meditation. Ich lebe hier viel stärker mit der Natur und den Jahreszeiten. Die Erde unter meinen Füßen gibt mir Bodenhaftung, dadurch komme ich bei mir an – und zur Ruhe. Anderes verliert seither an Bedeutung, ich erkenne, was mir wirklich wichtig ist.

Gibt es auch Schattenseiten?

Erst mal ist es vor allem eine kostbare Erfahrung, als Erwachsene noch mal viel Zeit mit meinen Eltern zu verbringen – beide helfen mir, so gut sie können – und gemeinsam mit ihnen etwas für die Ewigkeit zu schaffen. Aber klar, die körperliche Arbeit ist hart und die finanzielle Verantwortung enorm. Wenn das Tagwerk geschafft ist, spüre ich dafür eine tiefere Zufriedenheit, als ich sie beruflich bisher kannte.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Ich wage mich an Dinge, die ich noch nie gemacht habe und die mir niemand zutraut – Lehmbau, verfugen, dämmen, Möbel restaurieren. Wenn etwas nicht klappt, fange ich von vorn an. Das Scheitern ist mein ständiger Begleiter und völlig okay. Das finde ich befreiend.