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für jeden Tag: Nach langer Funkstille „Geschafft! Endlich verstehen wir Schwestern uns wieder“


Bild der Frau - epaper ⋅ Ausgabe 27/2018 vom 29.06.2018

Viele Jahre waren Daniela (32) und Katrin (29, l.) wie Hund und Katz. Ständig flogen die Fetzen, fielen böse Worte – bis die beiden kaum noch ein Wort miteinander sprachen. Mit diesem 5-Punkte-Programm fanden die zwei wieder zueinander


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Bildquelle: Bild der Frau, Ausgabe 27/2018

„Spring, ich fang dich auf!“ Heute vertrauen sich die Schwestern wieder blind


Eiszeit? Gibt’s für die Schwestern nur noch im wörtlichen Sinne


Erst sind es nur typische Pubertätsstreitigkeiten. „Mal ging es um ein T-Shirt, mal um einen Jungen, den wir beide toll fanden“, erzählt Katrin Janssen (29, Sonderpädagogin) aus Hamburg. Mit der Zeit werden die Konflikte immer ...

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... heftiger. Katrin fühlt sich von Daniela (32, Doktorandin) bevormundet, Daniela von Katrin unverstanden. „Zum Schluss waren da echte Hassgefühle, wir behandelten uns wie Fremde“, sagt Daniela. Als beide zum Studieren in unterschiedliche Städte ziehen – nach Köln und Frankfurt – bricht der Kontakt fast komplett ab. Nur zum Geburtstag gratulieren sie sich noch halbherzig. Doch irgendwann verändert sich etwas in Daniela. „Ich vermisste Katrin plötzlich und fand es schrecklich, gar nichts mehr von ihr zu wissen. Schließlich ist sie meine Schwester.“

1Verletzungen heilen lassen

Die räumliche Entfernung löst in Daniela noch mehr aus: Die Wunden, die sie sich gegenseitig zugefügt haben, tun nicht mehr so weh. „Ich war durch die Distanz und Jahre reifer und eigenständiger geworden. Und hatte mich viel mit meiner Kindheit beschäftigt, die durch die Trennung unserer Eltern überschattet war“, erzählt Daniela. Damals verschwindet die Mutter eines Tages von der Bildfläche. Der Vater zieht Daniela, Katrin und die jüngste Schwester alleine groß. Jedes der Mädchen geht mit dem Trauma anders um: Daniela laut und rebellisch, Katrin leise und in sich gekehrt. „Natürlich bemühte sich unser Vater, uns so gut wie möglich aufzufangen. Aber er stieß oft an seine eigenen Grenzen“, sagt Katrin.

2Mut haben

Es dauerte noch Monate, bis Daniela dann tatsächlich über ihren Schatten springt und zum Telefon greift. „Erst fühlte es sich komisch an, nach so langer Zeit wieder miteinander zu reden. Aber letztlich hatte ich ja nicht viel zu verlieren.“ Katrin freut sich über Danielas Anruf, denn auch sie hat sich in der Zwischenzeit viele Gedanken über das schlechte Verhältnis gemacht. Ab da telefonieren die Schwestern wieder häufiger. „Als ein guter Freund an Krebs starb, rief ich als Erstes Daniela an. Das wäre mir vorher nie in den Sinn gekommen“, sagt Katrin. Und Daniela? Setzt sich in den nächsten Zug, fährt zu Katrin: „Sie nahm mich einfach wortlos in den Arm und weinte mit mir.“

Damals war die Welt für die zwei kleinen Wonneproppen noch in Ordnung


3Geduldig sein

Stück für Stück werden die Gespräche vertrauter. Auch wenn Daniela sich manchmal mehr Nähe wünscht, akzeptiert sie Katrins Tempo – ohne enttäuscht zu sein: „Wenn ich Lust hatte, Katrin anzurufen, überlegte ich nicht, ob eigentlich sie dran wäre, sondern wählte ihre Nummer.“ Bei ihren Besuchen merken die Schwestern, dass sie sich anders begegneten als früher. Katrin: „Ich fühlte mich das erste Mal auf Augenhöhe mit Daniela.“ Rückblickend versteht sie, warum Daniela sie aus ihrer Sicht ständig bevormundet hat: „Sie glaubte, als große Schwester für uns Kleinere verantwortlich zu sein und übernahm eine Rolle, der sie gar nicht gewachsen war.“

4Probleme offen besprechen

So oft wie möglich reden die zwei über belastende Situationen und stellen fest, dass sie häufig ähnlich empfunden haben, es nur nicht ausdrücken konnten. „Aus heutiger Sicht ist es tragisch, dass wir uns nicht stützen konnten bei dem ganzen Mist, den wir zusammen erlebt haben“, findet Katrin. Beide litten zudem unter dem Gefühl, gegen die andere nicht bestehen zu können. „Eifersucht war ein riesiges Thema“, sagt Daniela. „Katrin bekam zum Beispiel größere Geschenke, weil mein Vater weniger Zeit für sie hatte. Er sagte mir mal, dass er so sein schlechtes Gewissen beruhigen wollte.“ Lange lastet Daniela diese Ungleichbehandlung ihrer Schwester an, obwohl sie gar keine Schuld daran hat. Fotos aus der Vergangenheit helfen beiden, ins Gespräch zu kommen: „Die größte Erkenntnis war, dass wir uns sehr oft falsch eingeschätzt und der anderen Boshaftigkeit unterstellt hatten. Dabei steckten häufig Traurigkeit, Angst und Verzweiflung hinter den Streitereien.“

5Eine gemeinsame Zukunft aufbauen

Was sich seitdem verändert hat? „Alles“, sagen beide. „Heute können und wollen wir einander blind vertrauen. Weil wir wissen, wie zerbrechlich Beziehungen sind.“ Daniela: „Es war kein Spaziergang, wieder zueinander zu finden. Aber es hat sich gelohnt. Ich habe nicht nur meine Schwester wieder, sondern eine Freundin dazubekommen.“ Auch Katrin ist froh: „Wir sind völlig unterschiedlich. Aber heute ist das okay für uns. Daniela ist die stärkste Frau, die ich kenne. Ohne sie kann ich mir mein Leben nicht mehr vorstellen.“

„Versöhnung schenkt inneren Frieden“

Angelika Rohwetter (65)Psychotherapeutin und Buchautorin aus Bremen


Nach einem heftigen Streit ist Versöhnen oft schwer.
Angelika Rohwetter: Je schmerzhafter der Konflikt, desto wichtiger ist der Mensch meist für uns. Nur gegenüber engen Vertrauten zeigen wir uns, wie wir sind. So entsteht Vertrauen. Aber natürlich steigt das Risiko, verletzt zu werden, wenn der andere unsere wunden Punkte kennt.
Wie wichtig ist es, sich wieder zu vertragen?
Frieden zu schließen, ist wichtig. Ungeklärte Konflikte gären in uns. Zum Beispiel, weil wir immer wieder über das Problem nachdenken. Das kostet Kraft, Lebensfreude. Versöhnen und Verzeihen befreit uns aus der Opferrolle, schenkt innere Ruhe.
Trotzdem fällt es oft schwer …
Weil es um das Sensibelste geht, das wir haben: Gefühle. Entscheidend ist, dass mein Gegenüber immer noch die Person ist, die ich eigentlich mag. Auch wenn es gerade kracht. Meistens hilft es, etwa Zeit verstreichen zu lassen.
Und wenn die andere Person sich nicht versöhnen will?
Eine Versöhnung muss nicht zwingend von beiden Seiten erfolgen. Es erleichtert auch, für sich zu beschließen: Ich hege keinen Groll mehr gegen diesen Menschen. Für mich ist der Streit zu Ende.

BUCH-TIPP

Versöhnung: Warum es keinen inneren Frieden ohne Versöhnung gibt, Angelika Rohwetter, Klett-Cotta Verlag, 15,99€


Fotos: Frank Krems (3), privat (2)