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FÜR MEIN KIND


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Grazia - epaper ⋅ Ausgabe 23/2022 vom 02.06.2022
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ELITE-CLUBS? NORMALER-WEISE DENKT MAN DA WOHL AN GOLF ODER POLO, vielleicht auch ans Berliner „Soho House“, Zutritt nur für zahlende Mitglieder. Nie hätte ich gedacht, dass ich ausgerechnet mit der Geburt meines Kindes quasi unwissentlich den Antrag auf Annahme in den exklusivsten Club der Stadt gestellt hatte: den Club der Supermütter. „Gehst du denn gar nicht zum PEKiP?“, fragten mich meine Freundinnen ungläubig, als ich meine Tochter Mia nach vier Monaten einfach nur zu Hause auf der Krabbeldecke spielen ließ. „Doch, klar“, versicherte ich eilig (und googelte heimlich nach dem „Prager Eltern-Kind-Programm“, ...

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... der offenbar unentbehrlichen Stufe eins der frühkindlichen Förderprogramme).

Wer im Club der Super-Moms dabei sein will, muss sich das Ganze schon was kosten lassen. Hier erzählt eine Mutter, welchen Preis sie für die Mitgliedschaft zahlte

Ziemlich schnell wurde mir klar, dass Mütter nicht gleich Mütter sind – jedenfalls nicht in unserem gentrifizierten Hipster-Viertel. Denn wer hier im Club der Top-Moms mitspielen möchte, braucht passende Accessoires. Das fängt schon mit dem coolen Kinderwagen an. Fast alle lässigen Mütter fuhren ihren Nachwuchs in einem Modell der Marke Bugaboo spazieren: klein, wendig, stylish – und teuer. Ich redete mir ein, dass sich die Anschaffung ja spätestens dann auszahlen würde, wenn das zweite Kind käme. In Wirklichkeit, das ist mir heute klar, ging es mir aber nur um eins: den Hip-Faktor.

Die tägliche Jagd nach den Insignien einer Super-Mom zog sich durch sämtliche Lebensbereiche: von den Klamotten diverser französischer In-Labels bis zu handgenähten Lauflernschuhen, von der extrem lässigen Wickeltasche für 250 Euro (warum nicht, andere halten das für ein Schnäppchen) über die angesagten Säuglingsförderkurse bis hin zum ökologischen Kautschukschnuller – und bitte immer alles in Bio-Qualiät! Ich gebe zu: Es war mir wirklich wichtig, dass mein Kind sich optimal in die Gruppe der anderen Cool-Kids einfügt. Kleider machen nun mal Leute! Vielmehr: Die Kleider, die wir kaufen, machen unsere Kinder. Und weil wir die Kids nun mal als Spiegel unserer selbst sehen, wollen wir, wollte ich, den perfekten Auftritt – koste es, was es wolle.

Leider kostete es ziemlich viel. Und dummerweise war uns durch die Elternzeit gerade mein Gehalt weggebrochen. Das führte erst mal dazu, dass ich stundenlang das Internet nach Markenschnäppchen für Mia durchforstete. Die teure Wintergarderobe shoppte ich schon im Frühjahr, Mias abgelegte Klamotten verkaufte ich weiter. Doch irgendwann reichte das nicht mehr. Neue Kurse, neue Kleidung, neues Spielzeug: Das musste alles bezahlt werden, um bei der ständigen Leistungsschau nicht auf den hintersten Plätzen zu landen.

Und manchmal kam es mir so vor, als wäre der Spielplatz ein Runway, wo gestylte Mütter ihre lebenden Accessoires präsentieren. Und ich selbst mittendrin.

Um im Spiel zu bleiben, schnorrte ich Geld bei meinen Eltern. Ich erzählte von den giftigen Schadstoffen in Billigkleidung und den lebenslangen Schäden, die günstige Schuhe an empfindlichen Kinderfüßen anrichten. Oma und Opa lieben ihre Enkeltochter: Natürlich zahlten sie.

Den ersten Kleinkredit nahmen wir auf, als der vierte Geburtstag unserer Tochter mit einer Mieterhöhung zusammenfiel. Ich arbeitete zwar wieder in Teilzeit, trotzdem war das Konto regelmäßig überzogen. Aber an Geschenken oder der Party sparen? Undenkbar! Ungefähr ein Jahr später haben wir einen weiteren Kredit aufgenommen. Damals sollte unsere Tochter Klavierunterricht an einer privaten Musikschule bekommen…

Ich glaube, dass unser zweites Kind uns gerettet hat. Wäre unser Sohn nicht geboren, wir hätten wahrscheinlich weiter gekauft, gezahlt und Kredite aufgenommen. Aber mit zwei Kindern konnten wir uns die teure Wohnung in unserem Viertel nicht mehr leisten. Wir sind an den Stadtrand gezogen. Hier sehen die Kids nicht aus wie aus dem Ei gepellt – und Matschflecken verursachen bei mir keine Hitzewallungen mehr.

Neulich habe ich den Bugaboo aus dem Keller geholt. Mäuse hatten den Stoff zerfressen. Ich habe das Ding weggeschmissen.■