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FÜR MEINE KINDER HABE ICH QUASI EIN DORF GEBAUT


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Grazia - epaper ⋅ Ausgabe 1/2023 vom 22.12.2022
Artikelbild für den Artikel "FÜR MEINE KINDER HABE ICH QUASI EIN DORF GEBAUT" aus der Ausgabe 1/2023 von Grazia. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Grazia, Ausgabe 1/2023

Für die anspruchsvolle Rolle seines Filmkinds hat Florian Davd Fitz ein echtes Naturtalent entdeckt: Laurì

INTERVIEWS PER ZOOM-SCHALTE können sogar persönlicher sein als ein Gespräch Face-to-Face. Zumindest dann, wenn man – wie wir – beim Talk in seinen eigenen vier Wänden sitzt. Florian David Fitz freut’s. „Ha, jetzt sehe ich auch mal die Wohnungen der Journalisten“, feixt der Schauspieler (48). Wir dagegen seine Bude allerdings nicht. Florian sitzt in Strickjacke und T-Shirt ganz offensichtlich in einem Hotelzimmer, auch wenn er es mit einem verräterischen Schmunzeln auf den Lippen versucht abzustreiten: „Doch, doch, das ist meine Wohnung…“ Genug geflunkert, kommen wir mal zu den Fakten: Sein Film „Der Nachname“ läuft derzeit noch erfolgreich in den Kinos und nun startet außerdem „Oskars Kleid“, eine von ihm geschriebene Vater-Sohn/ Tochter-Geschichte. Die Gelegenheit, mit dem Papa von zwei Jungs auch übers Elternsein zu sprechen.

Was stresst Sie gerade mehr, Herr Fitz: der Start Ihres neuen ...

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... Kinofilms oder der Alltag zu Hause? Na, eindeutig der Kinostart. Da bin ich eher aufgeregt!

Warum? Ich hoffe wie bei jedem Film, dass die Leute reingehen und sich gut unterhalten, vielleicht sogar mehr als nur unterhalten.

Als zweifacher Vater müssen Sie sich eine Frage gefallen lassen, die meistens nur Frauen gestellt wird… … halt, darf ich raten: Wie schaffen Sie es, als Singlevater Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen? Richtig. Finde ich nur fair! (lacht) Ich bin ja keine 25 mehr, sonst wäre das vielleicht ein Problem. Aber zum einen drehe ich nur

in München, wo ich lebe. Zum anderen führe ich erst mal keine Regie – nicht, weil ich keinen Bock darauf hätte, sondern einfach, weil es viel mehr von meiner Zeit beanspruchen würde. Und das m chte ich gerade nicht. Und drittens: Ich habe Hilfe.

Nach dem Motto: Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen? In dem Fall habe ich wirklich quasi ein Dorf gebaut, denn ich bin aus der Innenstadt in meinen Sprengel zurückgegangen, wo ich aufgewachsen bin – was ich vermutlich nicht getan hätte, wenn es die Kinder nicht gäbe. Ich bin mit Freunden zusammengezogen, meine Schwester wohnt da, meine Mutter auch – und so geht das!

Sind Sie denn geübt darin, Hilfe anzunehmen? Oder machen Sie immer alles am liebsten selbst? Auf seltsame Art bin ich in der Beziehung stereotyp männlich und sehr strukturiert – heißt, dass ich mir vorher viele Fragen gestellt und die Antworten dazu gesucht habe. Außerdem gibt es Leute in meinem Umfeld, die viel Erfahrung mit Kindern haben – von denen lasse ich mir gern was beibringen. Das hat mir in mancher Hinsicht das Leben gerettet. (lacht)

Früher konnten Sie zu jeder Tages- und Nachtzeit Ihre Drehbücher schreiben, brauchen Sie jetzt mit zwei Kids mehr Disziplin? Ach, die brauchst du immer, wenn du ein Drehbuch schreibst. Jetzt ist einfach der Zeitrahmen knapper. Aber ich finde es sogar eher hilfreich, ich kann nicht mehr endlos darauf herumkauen oder die Dinge vor mir herschieben. Denn genaugenommen habe ich jetzt für gar nichts mehr so wahnsinnig viel Zeit! (lacht)

Hätten Sie „Oskars Kleid“, in dem es um ein Transkind geht, schon vor, sagen wir, zehn Jahren drehen können? Nein, da war das Trans-Thema ja noch nicht so virulent. Ich selbst bin vor fünf Jahren darauf gestoßen. Ich war mit Alice Schwarzer in einer Talkshow und habe hinterher ein Gläschen Wein zu viel mit ihr getrunken. Später hat sie mir eine „Emma“ geschickt, und darin gab’s ein Foto, an dem ich hängengeblieben bin. Und ich habe mir gedacht: Das wäre ein tolles Ende für einen Film. Und ich will mir ausdenken, wie es dazu gekommen ist. Eine Geschichte über einen einfachen, geschiedenen Streifenpolizisten, der sich noch überhaupt nicht mit diesem Thema auseinandergesetzt hat, einen Vater, dessen kleiner Sohn plötzlich ein Kleid trägt. Der nicht damit klarkommt, der sich aber nach und nach als viel nachdenklicher und vielschichtiger entpuppt als die deutsche Kartoffel, die man zuerst in ihm sieht.

Im Film tun sich vor allem Männer schwer mit dem Thema Transgender. Sind Frauen da offener? Als Erstes macht er sich ja selber Vorwürfe, weil er denkt, er hat seine Familie an die Wand gefahren und das Kleid sei einfach ein Schrei nach Aufmerksamkeit. Und auch bei seiner Exfrau, die ja viel progressiver erscheint, gibt es einen Moment, wo sie in Tränen ausbricht, als ihr final klar wird, dass sie sich hier von dem Kind verabschieden muss, das sie bisher kannte. Alle wollen das Beste für ihr Kind. Aber was genau ist das? Diesen Fragen nachzu- gehen fand ich spannend – ohne gleich die Antworten mitliefern zu müssen.

Im Film zeigen Sie eine Patchworkfamilie. Hat das klassische „Vater, Mutter, Kind“-Modell ausgedient? In dieser Form gibt es das ja auch erst seit der industriellen Revolution. Früher waren da die Eltern, Großeltern, Onkel, Tanten, Kinder, Kinder, Kinder – also eine Großfamilie. Die Last wurde auf viele Schultern verteilt. Heute muss die Kleinfamilie alles wuppen. Das macht’s nicht leichter.

Der von Ihnen gespielte Ben kommt nicht mit der Abwesenheit seiner Kinder klar und trinkt zu viel. Hatten Sie als kinderloser Single auch das Gefühl, dass Ihnen etwas fehlt? Ich würde das gar nicht als Manko bezeichnen. Ich hatte das Gefühl, Kinder zu haben ist etwas ganz Selbstverständliches, quasi der Lauf des Lebens. Mit 27 hat sich da bei mir ganz klar ein biologisches Fenster geöffnet.

Als junger Vater machen Sie sich jetzt vermutlich sogar auf den eigenen Premierenpartys als Erster aus dem Staub? (lacht) Ach, das war schon früher so. Ich bin einfach ein Partypuper! Und ob ich mit 48 noch als junger Vater durchgehe, wage ich zu bezweifeln.

Kommt Ihr Hund damit klar, dass er nur noch die zweite Geige spielt? Hunde sind doch Rudeltiere. Außerdem bin ich mir gar nicht sicher, ob er wirklich nur noch die zweite Geige spielt. (lacht)

Interview: Kalle Schäfer