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FÜR NAGELSMANN GIBT ES KEINE AUSREDEN MEHR


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 31/2022 vom 03.08.2022

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Nagelsmann emotional beim Supercup-Sieg in Leipzig. Auf der Bank hat sich die Situation geändert: Salihamidzic sitzt auf der Tribüne, der Technische Direktor Marco Neppe beim Trainer

Von seinem neuen Platz aus konnte Hasan Salihamidzic (45) Julian Nagelsmann (35) genau beobachten. Seit dem Supercup-Finale am vergangenen Samstag sitzt der Sportvorstand nicht mehr auf der Trainerbank, sondern bei den restlichen Vorständen auf der Tribüne. Aus der Distanz konnte er betrachten, wie ausgelassen sein Trainer den 5:3-Sieg über Leipzig feierte.

Über die sichtbare Anspannung während des Finals scherzte Nagelsmann nach Abpfiff: „Gibt’s Spiele, bei denen ich emotional bin?“ Und dennoch schien eine erste kleine Last abzufallen: Ja, es geht ohne Lewandowski! Ja, hier ist der erste Titel! Und: Nein, bitte nicht direkt Diskussionen, wie erfolgreich die neuen Bayern sein werden!

Nagelsmann muss jetzt zeigen, dass er Spieler entwickeln kann

Nagelsmann steht in seiner zweiten Bayern-Saison mehr denn je unter Beobachtung. Die Transfer-Wünsche wurden ihm erfüllt, mit Sadio Mané (30) und ...

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... Matthijs de Ligt (22) wurden zwei Superstars verpflichtet, zudem mit Ryan Gravenberch (20), Noussair Mazraoui (24) und Mathys Tel (17) entwicklungsfähige Spieler geholt. Mit den Zugängen kommen auf den Trainer genauso große Aufgaben zu: Ein neues Team-Gebilde muss sich ohne das größte Ego, Robert Lewandowski (33), finden. Nagelsmann muss zeigen, dass er Spieler entwickeln kann. Und: Es soll am Ende mehr als „nur“ ein Titel sein wie in seiner Premieren-Saison mit der Meisterschaft. Die Spielzeit 2022/23 wird Nagelsmanns Reifeprüfung!

In der Sommerpause erlebten die Profis einen aktiven Trainer: Speziell mit den Führungsspielern tauschte sich Nagelsmann intensiv über WhatsApp und Anrufe aus. Dabei ging es um private wie sportliche Themen. Nagelsmann hatte zuvor für sich die vergangene Saison analysiert: Was war gut, was war schlecht? Er will Anpassungen vornehmen, z. B. seltener das System ändern.

Der Trainer muss nach dem Abgang von Lewandowski zu Barcelona eine neue Sturm-Formation und eine neue Führungsachse im Team formen. Die Entscheidung, Joshua Kimmich (27) zum dritten Kapitän zu machen, stand lange fest. Leon Goretzka (27) wurde zudem in den Mannschaftsrat befördert, Mané könnte noch nachrücken.

Nach dem Lewandowski-Abgang ist der größte Problemfall für den Coach aus der Kabine verschwunden – und auch der Spieler, der Nagelsmanns System immer wieder hinterfragte, das geforderte Pressing selten ausübte. Die erfahrenen Spieler wie Manuel Neuer (36), Thomas Müller (32) oder sein Haupt-Ansprechpartner Kimmich werden genau beäugen, wie der Trainer jetzt seine Ideen umsetzt.

„Mit den Transfers hat der Verein ein Zeichen gesetzt. Jetzt muss Julian beweisen, dass er diese Mannschaft managen kann. Die Erwartungen der Fans und Verantwortlichen sind größer, Julian muss zeigen, dass er auch mit unzufriedenen Spielern umgehen kann“, erklärt „Sky“-Experte Lothar Matthäus (61) im Gespräch mit SPORT BILD: „Er ist als Trainer und Moderator der Truppe gefragt, muss nach dem Abgang von Robert Lewandowski ein neues System und Offensivspiel kreieren.“

Am 29. August könnte Salihamidzic’ neuer Vertrag abgesegnet werden

Auf dem Transfermarkt setzten die Bayern ein Zeichen: Salihamidzic hat geliefert und soll dafür belohnt werden. Nach SPORT BILD-Informationen findet am 29. August eine Aufsichtsratssitzung statt, bei der die Verlängerung seines aktuell bis 30.

Juni 2023 gültigen Vertrages abgesegnet werden soll. Die Einkäufe erhöhen den Druck auf Nagelsmann: Weil neue Stars da sind und weil mit den jungen Spielern ein klarer Auftrag an den Trainer einhergeht. Gravenberch und Tel wurden mit Einsatzzeiten gelockt, welche Nagelsmann nun bereitstellen muss.

„Das ist ein Projekt für uns alle, besonders natürlich für unser Trainerteam: ihm Einsätze und Rhythmus zu geben“, erklärte Salihamidzic bei der Vorstellung von Sturm-Juwel Tel. Genauso wird bei eigenen Talenten beobachtet, welche Schritte sie machen: Paul Wanner (16), der sogar Mané in den ersten Einheiten beeindruckte, soll sich entwickeln. Und Jamal Musiala (19) ist mehr als ein Juwel: Sein Auftritt in Leipzig begeisterte. Er macht den etablierten Spielern Druck und wird Nagelsmann zu harten Entscheidungen zwingen.

„Wenn er so spielt, wird er auf jeden Fall beginnen“, lobte ihn der Trainer am Samstag. In der vergangenen Saison stand Musiala nur 18-mal in der Startelf. Das wird weder dem Techniker noch den Verantwortlichen im Verein in der neuen Spielzeit genügen.

Ein klassischer, erfahrener Mittelstürmer wurde als Lewandowski-Nachfolger nicht geholt. Am Ende sprach Oliver Kahn (53) am Wochenende ein Machtwort: „Es gibt da keine Diskussion.“ Der Vorstandsvorsitzende macht klar: Mit diesem Kader sind genug Offensiv-Optionen vorhanden.

Nagelsmann überraschte seine Spieler in der Vorbereitung mit knallhartem Training.

Schon während der USA-Reise keuchten die Profis bei den Einheiten, die oftmals Sprints am Ende beinhalteten. Bei diesen Steigerungsläufen mussten die Stars am Ende mit 21 km/h über das Spielfeld rennen. Extreme Belastungen vor einer extremen Saison. Sein Punkte-System hat Nagelsmann bereits eingeführt: Von allen Spielern werden nun die Trainingsleistungen und Siege in Übungspar-tien aufgezeichnet und in Tabellen angelegt. So kann das Trainerteam im Zweifel bei einer Aufstellungs-Entscheidung auf die Statistik bauen.

Nagelsmann und seine Assistenten schauen ganz genau hin – und werden selbst beobachtet: So war das Interesse an Leipzigs Konrad Laimer (25) in den vergangenen Wochen Diskussionsthema in der Kabine. Braucht es wirklich einen weiteren Mittelfeldspieler? Zumal mit Gravenberch ein Zugang da ist, der im Training überzeugte. „Von Ryan bin ich am meisten begeistert! Wie er das macht, er ist technisch top, verliert kaum einen Ball. Der wird uns noch richtig Freude bereiten“, meinte Kimmich nach dem Sieg in Leipzig.

Nagelsmann, dessen Vertrag bis 2026 läuft, macht in Interviews einen relaxten Eindruck. „Ich verspüre wenig Druck von außen, weil es geht ja hier nicht um Leben und Tod im Fußball“, erklärte er zuletzt: „Man bauscht das immer so extrem auf, Druck und Angst vor Entlassung. Wenn ich irgendwann mal entlassen werde, werde ich entlassen.“

Offen und ehrlich: So nehmen ihn auch die Mitarbeiter wahr. Manchmal vielleicht zu ehrlich, wenn er über Barcelonas Finanzgebaren spricht oder sich von Youngster Tel irgendwann „40 Tore“ erhofft. Matthäus sagt: „Die vergangene Saison war unbefriedigend, nicht Bayern-like. Das Ausscheiden aus Pokal und Champions League, die vielen Diskussionen, das Auftreten in der Rückrunde, welches immer schlechter wurde. Der Druck auf Julian Nagelsmann in seiner zweiten Saison ist auf jeden Fall größer. Der Kader ist nun in der Breite besser aufgestellt.“

Nagelsmann ließ im Training Steigerungsläufe bis zu 21 km/h machen

Dass der mit 35 Jahren immer noch zweitjüngste Trainer der Bundesliga nach Werders Ole Werner (34) damit ein Problem haben könnte, glaubt Matthäus nicht: „Julian will die größtmöglichen Herausforderungen, er stellt sich. Nun ist er aber fast schon in der Pflicht, vor allem in den Pokal-Wettbewerben anders zu performen und möglicherweise einen Titel mehr zu holen.“

In der Premieren-Saison wurden Nagelsmann die Knock-outs gegen Gladbach – 0:5 in der zweiten Pokalrunde – und im Viertelfinale der Champions League gegen Villarreal noch verziehen. Wiederholen sollten sich solche Blamagen nicht.