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Für und Wider den Piks


ÖKO-TEST Kompakt Kinder & Eltern - epaper ⋅ Ausgabe 12/2008 vom 08.10.2008

Impfungen sind der effektivste Schutz gegen viele Infektionskrankheiten. Deutsche Kinder-und Jugendärzte fordern einen umfassenden Impfschutz nach Vorgaben der Ständigen Impfkommission für alle Kinder, die Gemeinschaftseinrichtungen besuchen.


Artikelbild für den Artikel "Für und Wider den Piks" aus der Ausgabe 12/2008 von ÖKO-TEST Kompakt Kinder & Eltern. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Kompakt Kinder & Eltern, Ausgabe 12/2008

No shot, no school“, nicht geimpfte Kinder dürfen in den USA nicht in die Schule. Diese rigorose Regelung ist dem Präsidenten des Deutschen Berufsverbandes Kinder-und Jugendärzte (BVKJ), Dr. Wolfram Hartmann sehr sympathisch.

Er fordert, dass Kinder, die hierzulande einen Krippenplatz bekommen, einen vollständigen Impfstatus vorweisen müssen. „Alle Kinder, die in ...

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... einer Kinderkrippe sind, sollten unbedingt die altersgemäßen Impfungen haben. Wir wissen, dass manche im Säuglingsalter durchgemachte Infektionskrankheit, wie zum Beispiel Masern, sehr gefährliche Konsequenzen haben kann.“ Die jüngsten Fälle aus Deutschland zeigten, dass die Krankheit mitunter auch tödlich verlaufen könne. Deshalb müssten vermeidbare Ansteckungen verhindert werden. Die Kinder-und Jugendärzte in Deutschland setzen sich dafür ein, dass Kinder und auch Schüler ohne vollständigen Impfstatus keine Gemeinschaftseinrichtungen besuchen dürfen. In vielen Ländern, die diese Regelung eingeführt haben, ist es gelungen, gefährliche Infektionskrankheiten wie Masern oder Keuchhusten zu eliminieren. In Ländern wie Finnland, USA, Südamerika und Afrika sind die Masern ausgerottet. Nur in Deutschland sterben noch immer Kinder an vermeidbaren Infektionskrankheiten.

Kompromisslos. Kinder ohne vorgeschriebenen Impfschutz dürfen in den USA keine Schule besuchen.


Veränderte Empfehlungen für Keuchhusten

In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) aktuell für Kinder Impfungen gegen zwölf Krankheiten: Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Hirnhaut-und Kehlkopfentzündungen (Hib), Kinderlähmung, Hepatitis B, Pneumokokken, Meningokokken, Masern, Mumps, Röteln und Windpocken.

Die Stiko ist beim Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin angesiedelt und besteht aus Fachleuten, die Daten zu Infektionskrankheiten, Impfstoffen und neuen Medikamenten sammeln und daraus den Impf-kalender entwickeln. Ziel ist es, Krankheiten auszurotten und das Impfen zu vereinfachen. Gleichzeitig will man die Kosten für ärztliche Behandlungen senken. Die Stiko hat bei ihren Empfehlungen auch die öffentliche Gesundheit im Sinn. Nur durch dauerhaft hohe Impfraten lassen sich Krankheiten zurückdrängen. Wird nicht mehr oder weniger jeder geimpft, können Krankheiten wieder zurückkehren. Geringe Impfraten können nach Expertenmeinung sogar gefährlicher sein als nicht zu impfen: Gelingt es nicht, eine breite Immunität aufzubauen, werden die Kinderkrankheiten ins Jugendlichen-und Erwachsenenalter verschoben. Dann verlaufen sie meist besonders schwer.

Je nach Datenlage können sich die Empfehlungen der Stiko ändern. So empfiehlt die Impfkommission jetzt für die Erfüllung einer vollständigen Impfung gegen Tetanus, Diphtherie und Polio (Grundimmunisierung) die Gabe von vier Impfdosen, sofern die Impfung mit einem Kombinationsimpfstoff erfolgt, der eine Keuchhustenkomponente enthält. Bei der Keuchhustenimpfung zeige sich deutlich, so das RKI, dass die veränderten Impfempfehlungen zu einer besseren Durchimpfung der jüngeren Jahrgänge geführt habe: Während nur 36 Prozent der 14-bis 17-Jährigen gegen Keuchhusten grundimmunisiert sind, sind es bereits 90 Prozent der Drei-bis Sechsjährigen. Masern sollen bis zum Jahr 2010 in Europa sogar völlig ausgerottet sein, lautet das Ziel der Weltgesundheitsorganisation WHO. Im Jahr 2006 kam es allerdings in Nordrhein-Westfalen (NRW) zu einem außergewöhnlich heftigen Masernausbruch, bei dem 1.750 Erkrankungsfälle gemeldet wurden. Auch 2007 gab es in Deutschland Masernausbrüche.

Impfquote bei Masern zu gering

Im ersten Halbjahr wurden insgesamt 112 Verdachtsfälle aus NRW untersucht. Insgesamt gab es 2007 nach Angaben des RKI rund 500 Masernfälle. Im Zeitraum 2005 bis 2007 sind sechs Übertragungsketten iden tifiziert worden, die mit jeweils einem Ausbruch innerhalb Deutschlands verbunden waren. Einige der Masernviren wurden aus dem Ausland eingeschleppt und werden vom Robert-Koch-Institut mit jeweils mehr als 100 Krankheitsfällen oder Übertragungsketten über mehrere Wochen als nachhaltig eingestuft. Die gegenwärtige Situation in Deutschland zeige, dass das Ziel der WHO vermutlich nicht erreicht werde, so das Robert-Koch-Institut. 94 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von zwei bis 17 Jahren haben eine Masernimpfdosis erhalten, jedoch nur 74 Prozent die erforderliche zweite Impfdosis. Die aktuellen Impfquoten sind zu gering, um die Masernerkrankung zu eliminieren, dafür müssen 95 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwei Impfdosen erhalten. Die Impfquoten von Mumps und Röteln liegen noch unter denen der Masernimpfung. So sind insbesondere bei den Jugendlichen nur 87 Prozent wenigstens einmal gegen Röteln geimpft, nur 60 Prozent haben zwei Impfdosen gegen Röteln erhalten.

Trotz insgesamt hoher Impfquoten finden sich deutliche Defizite bei den Auffrischimpfungen gegen Tetanus und Diphtherie, der Immunisierung gegen Keuchhusten und Hepatitis B sowie der zweiten Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln“, erklärt Dr. Christina Poethko-Müller vom RKI. Dazu ein weiteres Beispiel: Die Impfquote für die Grundimmunisierung gegen Tetanus und Diphtherie betrage bei zwei-bis 17-jährigen Kindern und Jugendlichen in Deutschland zwar 93 Prozent. Allerdings hätten nur 57 Prozent der sieben-bis zehn-Jährigen Schulkinder die empfohlene Auffrischungsimpfung gegen Tetanus und Diphtherie erhalten. Das führt dazu, dass derzeit nur 78 Prozent der Kinder im Alter von zwei bis 17 Jahren als gegen Tetanus und Diphtherie geimpft gelten könnten, erklärt Poethko-Müller.

Nur wenn alle Impftermine eingehalten werden, ist ein entsprechender Schutz der Kinder gewährleistet.


Etwa fünf Prozent Impfgegner

In den ersten Lebensjahren eines Kindes impfen die Kinderärzte am meisten. Sie beginnen in der achten Lebenswoche mit der Grundimmunisierung und sehen die Säuglinge durch die zeitlich festgelegten „Us“ regelmäßig. „Damit erreichen wir weit über 90 Prozent aller Kinder“, erklärt Dr. Ulrich Fegeler, Pressesprecher des Berufsverbandes Kinder-und Jugendärzte. Nur wenige Eltern hätten Bedenken, ihre Kinder impfen zu lassen. Einen Zwang zum Impfen gibt es in Deutschland nicht. Die Eltern entscheiden selbst, ob sie ihr Kind immunisieren lassen. Etwa zehn Prozent der Eltern stehen dem Impfen skeptisch gegenüber, schätzungsweise drei bis fünf Prozent zählen zu den harten Impfgegnern. Während Impfbefürworter vor Krankheiten und möglichen Langzeitschäden warnen, wenn das Impfen unterlassen wird, führen Gegner Impfkomplikationen und eine durch das Impfen angeblich geschwächte Krankheitsabwehr ins Feld.

So argumentiert der Münchener Kinderarzt Dr. Martin Hirte, das noch unreife Immunund Nervensystem könne möglicherweise geschädigt werden, wenn man Säuglinge impfe. Hirte vermutet, dass die Zunahme von Allergien und Autoimmunkrankheiten damit zusammenhängen könnte. Befunde aus Ostdeutschland sprechen allerdings gegen den Zusammenhang zwischen Impfen und Allergie. Denn obwohl in der DDR Impfpflicht galt, gab es dort weniger Allergiker als in der Bundesrepublik. Außerdem hat eine Studie ergeben, dass die frühe Impfung gegen Masern, Keuchhusten, Diphtherie und Tetanus das Allergierisiko sogar verringert.

Problematische Entscheidung. Drei bis fünf Prozent der Eltern sprechen sich generell gegen eine Impfung der Kinder aus.


Impfskeptische Ärzte, Homöopathen und Heilpraktiker kritisieren zudem, dass dem Impfling mit der Injektion des Impfstoffs geringe Spuren von Chemikalien aus der Herstellung des Präparats mit verabreicht werden. Solche Zusatzstoffe können Überempfindlichkeitsreaktionen oder sogar Allergien auslösen. Besonders in der Kritik ist das quecksilberhaltige Thiomersal, das ÖKO-TEST immer wieder kritisiert hat und das in neuen Impfstoffen nicht mehr verwendet wird.

Bedenken bestehen auch hinsichtlich der Nebenwirkungen. Nach der Impfung haben Patienten Schmerzen, Schwellung oder Rötung an der Injektionsstelle und manchmal ein allgemeines Krankheitsgefühl mit leichtem Fieber. Diese Impfreaktionen – bedingt durch die Abwehrreaktion des Körpers – verschwinden jedoch rasch wieder. Bei etwa zehn Prozent der Impflinge kann es stärkere Reaktionen wie geschwollene Lymphknoten, Appetitlosigkeit, Erbrechen und Fieber bis 39,5 Grad geben. Kleine Kinder haben unter Umständen Fie-berkrämpfe. In solchen Fällen sollte man mit dem Kind einen Arzt aufsuchen. Wird mit abgeschwächten Lebendviren geimpft, wie bei der Masernimpfung, können etwa eine Woche nach der Impfung leichte Krankheitssymptome auftreten. Diese Impfmasern mit leichtem Hautausschlag und Fieber währen aber nur kurz und sind nicht ansteckend.

Säuglinge stecken sich fast nur über die Mutter mit Hepatitis B an.


Kritik an Mehrfachimpfstoffen

Vor einigen Jahren gerieten Sechsfachimpfstoffe ins Gerede. Damit werden Babys gleichzeitig gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Hämophilus influenza (Hib), Kinderlähmung und Hepatitis B (Leberinfektion) geimpft. Fünf Kinder zwischen vier und 23 Monaten waren innerhalb von 24 Stunden nach der Impfung gestorben. Ein vom Paul-Ehrlich-Institut und der europäischen Arzneimittel-Zulassungsagentur EMEA einberufenes Expertengremium kam jedoch mehrheitlich zu dem Schluss, dass ein Zusammenhang zwischen Impfung und dem Tod der Kinder nicht belegt sei. Die Ständige Impfkommission entschied daraufhin, ihre Empfehlung für die Sechsfachimpfung aufrechtzuerhalten. Einer wurde allerdings im Herbst 2005 vom Markt genommen –Hexavac . Das ist einer der beiden hierzulande bisher gebräuchlichen Sechsfachimpfstoffe. Die EMEA legte die Zulassung fürHexavac auf Eis, weil der andere gebräuchliche Sechsfachimpfstoff –Infanrix hexa – möglicherweise einen besseren Schutz gegen Hepatitis B bietet alsHexavac . Manche Ärzte halten es nicht für sinnvoll, Säuglinge routinemäßig gegen Hepatitis B zu impfen und plädieren für eine Fünffach-statt Sechsfachimpfung im Babyalter. Die häufigste Form der Übertragung im Säuglingsalter erfolgt über die Mutter, während der Schwangerschaft oder der Entbindung. Dann muss gleich nach der Geburt gezielt geimpft werden. Ein allgemeines Risiko, sich mit Hepatitis B zu infizieren, bestehe erst im Jugendlichenalter, mit Beginn der sexuellen Aktivität. Denn der Erreger wird nur durch Blut und andere Körperflüssigkeiten übertragen. Das geschieht über die Haut oder Schleimhäute, meist beim ungeschützten Geschlechtsverkehr.

Auch das Robert-Koch-Institut räumt ein, dass das Erkrankungsrisiko für Säuglinge ohne familiäre Risiken niedrig sei. Doch verlaufe die Hepatitis-BErkrankung bei Säuglingen fast immer sehr schwer, werde in 90 Prozent der Fälle chronisch und könne Leberkrebs auslösen. Für eine frühe Impfung sprächen vor allem pragmatische Überlegungen. Mit den sehr sicheren Kombinationsimpfstoffen werde inzwischen eine große Zahl von Kindern erreicht und so ein langfristiger Schutz ermöglicht.

Info | Impfnebenwirkungen / Impfkomplikationen

Bei der Mehrzahl der Todesfälle wurde der Zusammenhang zur Impfung als unwahrscheinlich bewertet. Beim Paul-Ehrlich-Institut gehen immer wieder Meldungen ein, die schon einige Jahre zurückliegen. Die Zahlen geben somit nicht die Verdachtsfälle wieder, die tatsächlich aus dem Meldejahr stammen.

Quelle: Paul-Ehrlich-Institut, 2007

Grafik: ÖKO-TEST