Lesezeit ca. 8 Min.
arrow_back

Für Wickelkinder


Logo von ÖKO-TEST Spezial Kinder & Familie
ÖKO-TEST Spezial Kinder & Familie - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 07.04.2022

Windeln

Artikelbild für den Artikel "Für Wickelkinder" aus der Ausgabe 4/2022 von ÖKO-TEST Spezial Kinder & Familie. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Welche Arten von Windeln gibt es?

Grob unterscheidet man Einweg-und Stoffwindeln. Die meisten Eltern bevorzugen klassische Wegwerfwindeln: Neun von zehn Kindern werden mit Pampers, Lillydoo und Co. gewickelt. Aber angesichts der dadurch erzeugten Müllberge – in manchen Kommunen machen Einwegwindeln zehn Prozent des Restmülls aus – entscheiden sich einige Eltern für Mehrwegsysteme mit Stoffwindeln.

Stoff-oder Wegwerfwindel: Welche hat die bessere Ökobilanz?

Die Studienlage dazu ist leider sehr dünn. Eine der wenigen Studien, die es gibt, kam zu dem Ergebnis, dass es in Sachen Ökobilanz keinen klaren Sieger gibt. Allerdings steht diese Studie in der Kritik, weil für Stoffwindeln der Worst Case angenommen wurde: Trocknernutzung, alte Waschmaschinen, die Nutzung durch nur ein Kind, das dann auch noch mit zweieinhalb Jahren komplett trocken ist. Alles in allem spricht also viel für Stoffwindeln, da ...

Weiterlesen
Artikel 1,14€
epaper-Einzelheft 6,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Spezial Kinder & Familie. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 4/2022 von Nichts ist größer. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Nichts ist größer
Titelbild der Ausgabe 4/2022 von Wochen im Bett. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Wochen im Bett
Titelbild der Ausgabe 4/2022 von Stimmungstief oder Depression?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Stimmungstief oder Depression?
Titelbild der Ausgabe 4/2022 von Booster fürs Baby. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Booster fürs Baby
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Das perfekte Babyzimmer
Vorheriger Artikel
Das perfekte Babyzimmer
Jede Nacht wach
Nächster Artikel
Jede Nacht wach
Mehr Lesetipps

... Eltern – im Gegensatz zu Wegwerfwindeln – selbst einiges tun können, um die Ökobilanz positiv zu beeinflussen. Etwa, indem sie die Windeln an der frischen Luft trocknen, energiesparende Waschmaschinen und -programme verwenden, Löcher stopfen, anstatt die Stoffwindeln wegzuwerfen – und sie für weitere Kinder wiederverwenden. Und: Der Müllberg, der am Ende der Windelzeit entstanden ist, ist im Vergleich zu den Wegwerfwindeln winzig klein.

Was brauche ich an Windeln für die ersten Tage zu Hause?

Mit ein bis zwei Packungen Windeln der Größe Newborn (Nummer 1) kommen Sie über die ersten Tage zu Hause. Dann können Sie auch absehen, ob Sie schon die nächstgrößeren für Ihr Baby benötigen. Wenn Sie überlegen, mit Stoffwindeln zu wickeln, lassen Sie sich vorher beraten, welches System für Sie am ehesten infrage kommt. Und kaufen Sie sich nicht gleich 15 oder 20 Stück, sondern probieren Sie es mit zwei oder drei. Oder leihen Sie sich welche von Freunden. Wennʼs gut klappt, können Sie immer noch mehr besorgen. Wenn nicht, haben Sie nicht unnötig viel Geld ausgegeben.

Welche Windelgröße für welches Alter?

Windelgrößen richten sich eher nach dem Gewicht der Kinder als nach dem Alter. Es gibt Windeln für Neugeborene in der Größe Newborn für zwei bis fünf Kilogramm schwere Babys sowie die Größen Mini (3 bis 6 kg), Midi (4 bis 9 kg), Maxi (7 bis 18 kg), Maxi plus (9 bis 20 kg), Junior (11 bis 25 kg) und Extralarge (16 bis 30 kg). Viele Hersteller nummerieren die Windeln auch einfach von 1 (Newborn) bis 7 (Extralarge).

Wie oft braucht das Baby eine frische Windel?

Um zu verhindern, dass das Baby einen roten, wunden Po bekommt, was wirklich schmerzhaft sein kann, sollten Sie die Windel nach dem Stuhlgang möglichst sofort, ansonsten alle vier Stunden wechseln. Wenn Ihr Kind schläft, wecken Sie es aber nachts keinesfalls extra auf, um ihm eine frische Windel anzulegen – Baby-und Elternschlaf ist kostbar! Nur, falls Ihr Kind schon einen roten Po hat, sollten Sie für diesen Zeitraum überlegen, auch nachts einen Windelwechsel einzulegen.

Was ist der Unterschied zwischen Ökound herkömmlichen Windeln?

Bei Öko-oder Bio-Windeln handelt es sich zwar auch um Wegwerfwindeln, die genauso verwendet werden – sie enthalten aber Komponenten aus nachwachsenden, zum Teil biologisch abbaubaren Rohstoffen. Das EU-Ecolabel für Hygieneprodukte verlangt, dass Materialien wie Zellstoff oder Viskose aus nachhaltiger Herkunft stammen und rückverfolgbar sind. Bestimmte Substanzen wie optische Aufheller sind verboten, Schadstoffemissionen unterliegen Grenzwerten, und die verwendeten Farb-, Duft-oder Klebstoffe müssen strengere ökologische Anforderungen erfüllen als bei konventionellen Windeln.

Bei Stoffwindeln können Eltern selber einiges tun, um die Ökobilanz positiv zu beeinflussen. Bei Wegwerfwindeln liegt das nicht in ihrer Hand.

Warum gibt es noch keine vollständig biologisch abbaubaren Windeln?

Knackpunkt ist der Windelkern aus superabsorbierenden Polymeren, der dafür sorgt, dass die Windeln nicht auslaufen. Denn die erdölbasierten, sehr saugfähigen Kügelchen, die auch in den allermeisten Öko-Windeln stecken, werden bei Kontakt mit Flüssigkeit zu einem Gel. Alternativen zu den Superabsorbern gibt es bislang kaum. Allerdings hat das Start-up Fairwindel eine Windel mit einem Saugkern aus Kartoffelstärke und einer Außenhülle auf der Basis von Mais entwickelt. Ihre Windel besteht nach eigenen Angaben zu 85 Prozent aus nachwachsenden beziehungsweise biologisch abbaubaren Rohstoffen. Ziel sei es, in Zukunft auch Klettverschlüsse oder Gummibänder kompostierbar zu machen. Bleibt das Problem, dass Windeln wegen der enthaltenen Fäkalien nicht in die Biotonne dürfen – und am Ende doch in der Müllverbrennung landen.

Einige Wegwerfwindeln tragen das Label „Blauer Engel“. Wofür steht das?

Für Windeln verlangt das Umweltzeichen Blauer Engel, dass das Material für den Zellstoff aus nachhaltiger Forstwirtschaft und ressourcenschonender Produktion stammt. Seine Hersteller müssen strenge Anforde-rungen in puncto Abwasser, Abluft und Energieverbrauch einhalten und dürfen nicht mit Chlor bleichen. Die Windeln dürfen weder Kosmetikzusätze wie Lotionen und Düfte noch optische Aufheller enthalten. Zudem müssen die Hersteller belegen, dass die Windeln auf eine Reihe von Schadstoffen hin kontrolliert wurden, darunter hautreizendes Formaldehyd, Phthalate und das Umwelthormon Nonylphenol.

Was ist der Unterschied zwischen Windeln und Windelhosen bzw. Pants?

Im Gegensatz zu Windeln haben Pants keinen Klettverschluss. Sie werden wie ein Slip angezogen und lassen sich daher auch im Stehen anlegen. Bei älteren Kindern unterstützen sie angeblich das Trockenwerden – da diese sich die Pants allein hoch-und herunterziehen können und schneller aufs Töpfchen oder die Toilette kommen. Zum Wechseln die Pants an den Seiten aufreißen und durch die Beine des Kindes ziehen.

Wie unterscheiden sich Stoffwindeln?

All-in-three, Snap-in-one, Pocket, Prefold …: Wer sich mit Stoffwindeln beschäftigt, gerät in einen Begriffsdschungel. Aber keine Angst, wir gehen systematisch vor. Zunächst: Es gibt ein-, zwei-und dreiteilige Stoffwindeln – und Hybridwindeln. Die Einteiligen: Bei den All-in-one sind äußere Hülle, Nässeschutz und Saugmaterial fest miteinander vernäht. Sind sie voll, kommen sie komplett in die Waschmaschine. Vorteil: Sie sind so einfach handhabbar wie Einwegwindeln. Nachteil: Wer nicht jeden Tag waschen will, braucht 20 bis 30 Stück – das geht ins Geld.

Die Zweiteiligen: All-in-two bestehen aus Überhose und Einlage. Werden beide Komponenten mit Druckknöpfen verbunden, handelt es sich um Snap-in-one. Überhosen gibt es zum Reinschlüpfen, mit Laschen oder als Pockets mit einer Art Tasche für die Saugeinlage. Bei den Einlagen unterscheidet man zwischen Höschenwindeln, Mulltüchern und Prefolds – vorgefalteten Einlagen. Vorteile: Überhose und Einlage lassen sich herstellerunabhängig kombinieren; im Vergleich zu den Einteiligen reduziert sich der Wäscheberg deutlich. Nachteil: All-in-two erfordern etwas Übung, etwa beim Falten der Mulltücher.

Die Dreiteiligen: All-in-three setzen sich aus Außen-, Innenwindel und Saugeinlage zusammen. Die Innenwindel wird dabei in die Außenwindel geknöpft. Vorteile: einfaches Handling; kleiner Wäscheberg, da nur der wirklich verschmutzte Teil gewaschen wird. Nachteil: Bei Außen-und Innenwindel legt man sich auf einen Hersteller fest.

Hybridwindeln: Kombi aus Einweg und Mehrweg. Heißt: In die Stoffwindel kommt eine Wegwerfeinlage. Vorteil: praktisch im Alltag. Nachteil: Müll bleibt Müll, wenngleich viel weniger als bei Einwegwindeln.

Geht es auch komplett ohne Windeln?

Ja. Anhänger des Windelfrei-Konzepts gehen davon aus, dass Windeln antrainiert sind und Babys von Natur aus signalisieren, wenn sie müssen. Indem sie das Gesicht verziehen, ihre Beinchen steifmachen oder Laute von sich geben. Eltern halten ihr Kind dann ab – über einem Töpfchen, der Toilette oder im Freien. Als Auslösereflex machen sie ein bestimmtes Geräusch, etwa „schsch“ für Pipi oder „hrrmm“, eine Art Drücken fürs große Geschäft.

Abgesehen davon, dass man viel Müll und Geld spart – was ist der Vorteil?

Kinder, die ohne Windeln aufwachsen, haben so gut wie nie einen wunden Po, und sie müssen auch nicht erst mühsam lernen, trocken zu werden. Außerdem soll die windelfreie Erziehung die Bindung zwischen Kind und Eltern stärken, da diese lernen, ihr Baby zu „lesen“ und dessen Bedürnisse so besonders wahrzunehmen.

Thema wunder Po – wie entsteht eine Windeldermatitis?

Viele Windeln halten hermetisch dicht, sodass keine Luft an den Babypo gelangt. Doch wenn sich Wärme und Feuchtigkeit in der Windel stauen, kann die dünne, empfindliche Babyhaut aufweichen und so durchlässiger für Reizstoffe werden. Das feuchtwarme Klima in den Windeln bietet Bakterien ideale Bedingungen. Damit nicht genug: Durch den Abbau des im Urin enthaltenen Harnstoffs entsteht scharf riechendes Ammoniak; der pH-Wert in der Windel steigt und greift die aufgequollene Babyhaut zusätzlich an. Unter Umständen kann es dann zu Infektionen kommen, etwa dem Windelsoor, der durch Hefepilze ausgelöst wird. Erste Anzeichen eines Befalls sind rote, scharf begrenzte Punkte mit kleinen, bläschenartigen Herden.

Wie lässt sie sich vermeiden, auch wenn das Baby Windeln trägt?

Ganz ohne roten Po kommt kaum ein Baby durch die Windelzeit. Der beste Schutz gegen das Wundsein: Reinigen Sie den Po sanft und trocknen Sie ihn anschließend gut, wechseln Sie regelmäßig die Windel und lassen Sie beim Wickeln zwischendurch ein paar Minuten lang Luft an die windelgeplagte Haut. Übrigens müssen Sie nicht von vornherein auf scharfe oder saure Speisen verzichten, von denen Babys angeblich einen wunden Po bekommen. Die meisten Säuglinge vertragen das Essen ihrer stillenden Mutter recht gut. Reagiert Ihr Baby tatsächlich empfindlich auf bestimmte Lebensmittel, die Sie zu sich nehmen, lassen Sie die natürlich weg.

Welche Wundschutzcremes sind empfehlenswert?

Abbaubare Feuchttücher sind nicht per se ökologischer als Vlies aus Kunstfasern.

Wenn der Po schon wund ist, können Sie es mit zinkhaltigen Wundschutzcremes probieren. Aber unbedingt sparsam auftragen und nicht auf nasse Haut. Zusätzlich können Extrakte aus Ringelblume (Calendula Officinalis Extract), Kamille (Chamomilla Recutita Flower Extract) oder Nachtkerzenöl (Oenothera Biennis Oil) der Haut beim Heilen helfen. Das häufig eingesetzte Panthenol, auch Dexpanthenol genannt, kommt im Körper natürlich vor, wird für Pflegeprodukte aber chemisch-synthetisch hergestellt. Es hemmt Entzündungen und wirkt antimikrobiell und wundheilend. Wundschutzcremes sollten parfümfrei sein sowie keine ätherischen Öle und keine erdölbasierten Paraffine enthalten. Letztere erkennen Sie auf der Liste der Inhaltsstoffe an Bezeichnungen wie Petrolatum (Vaseline) und Paraffinum liquidum. Wir haben Wundschutzcremes getestet. Die Ergebnisse finden Sie im Jahrbuch Kinder und Familie für 2022 (oekotest.de/11671).

Wie reinige ich den Po meines Babys am schonendsten?

Besonders sanft reinigen Sie den Po Ihres Babys mit etwas Öl und einem weichen Tuch. Das reibt und irritiert die empfindliche Hautpartie weniger als ein Waschlappen mit Wasser oder gar Seife. Auf heiler Haut ist warmes Wasser aber auch okay. Wichtig ist, siehe oben, den Po und die Genitalregion anschließend gut trocken zu tupfen.

Warum nicht einfach mit Feuchttüchern säubern?

Feuchttücher haben per se den Nachteil, dass sie Konservierungsmittel enthalten. Gerade unterwegs sind sie aber – zugegeben – unschlagbar praktisch. Wenn Sie Feuchttücher verwenden wollen, dann raten wir zu parfümfreien Varianten. Gute Feuchttücher finden Sie in unserem Test auf oekotest.de/11328. Die Wegwerftücher sind ein echtes Müllproblem, hinterlassen ihre Spuren in der Umwelt und verstopfen Kläranlagen. Zudem bestehen viele Wisch-und-weg-Tücher aus erdölbasierten Kunstfasern, also Plastik, und brauchen Jahrhunderte, um sich zu zersetzen. Seit Juli 2021 müssen Hersteller auf der Verpackung deklarieren, wenn sie Kunststofffasern für ihre Feuchttücher verwenden. Die sind dann an dem Hinweis „Produkt enthält Kunststoff“ erkennbar.

Auf vielen Feuchttüchern steht, sie seien biologisch abbaubar. Die sind doch unproblematisch, oder?

Jein. Viele Hersteller von Feuchttüchern stellen zwar derzeit auf Vliese um, die sie als „biologisch abbaubar“ ausloben dürfen. Doch Lyocell, Viskose & Co. sind – auch wenn es sich um natürlich nachwachsende Rohstoffe handelt – nicht per se ökologischer als Kunstfasern auf Erdölbasis. Denn wenn das Tuch über den Hausmüll in die Verbrennung kommt, spielt das Material keine allzu große Rolle in der Umweltbilanz. Und bei Fasern aus Zellulose ist beispielsweise die Herkunft des Holzes wichtig. Landen die Feuchttücher jedoch fälschlicherweise in der Toilette, machen auch sie Probleme in der Kläranlage. Möglicherweise verleitet die Auslobung „biologisch abbaubar“ viele auch dazu, die Tücher noch achtloser zu entsorgen.