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Fürstliches Vergnügen


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daheim - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 13.04.2022

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Artikelbild für den Artikel "Fürstliches Vergnügen" aus der Ausgabe 3/2022 von daheim. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: daheim, Ausgabe 3/2022

Die Natur erwacht im Rheintal. Insekten schwirren zwischen Schilfhalmen, lassen sich auf Schwertlilien nieder. Vor allem Wildbienen und Hummeln lieben die lila Blüten, ihren weichen Duft, ihren köstlichen Nektar, ihre feinen Pollen.

Tausende Sibirische Schwertlilien blühen alljährlich im Ruggeller Riet, einem Moorgebiet ganz im Norden von Liechtenstein. Es ist eines der größten Vorkommen weit und breit, ein Schauspiel der Natur, die sich hier wieder frei entfalten darf. Pärchen schlendern zwischen den Wiesen hindurch, Fotografen gehen auf Motivsuche, Anzugträger schnappen in der Mittagspause frische Luft. „Sieht echt cool aus“, meint eine Frau, die einem Besucher den Weg zu den schönsten Stellen erklärt.

Zu Fuß auf der Route 66 durch Liechtenstein

Das Ruggeller Riet ist heute ein Naturschutzgebiet, das größte, das der Kleinstaat Liechtenstein zu bieten hat. Der Torfabbau ist längst ...

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... eingestellt, das Kanalsystem renaturiert, die Ausbringung von Pestiziden verboten. Ein Weißstorch zieht hier seine Kreise und findet auf den feuchten Uferwiesen einen reich gedeckten Tisch.

Ruggell ist eine von elf Gemeinden des Fürstentums Liechtenstein. Es liegt direkt am Rheinufer, ein Stück Flachland im ansonsten alpinen Kleinstaat, dessen höchster Gipfel, der Grauspitz, 2599 Höhenmeter misst. Das Ruggeller Riet markiert mit 430 Metern über Null den Tiefpunkt des Landes – rein geografisch natürlich.

Es ist zudem der Endpunkt einer Wanderstrecke, die durch ganz Liechtenstein führt. Route 66 heißt sie in Anlehnung an die bekannte amerikanische Ferien­ und Fernstraße. 2451 Meilen, also fast 4000 Kilometer, ist das US­Vorbild lang, die Liechtensteiner Variante hingegen bringt es gerade mal auf 48 Kilometer.

Die haben es jedoch in sich, zumal man sie zu Fuß absolvieren muss. Die Panoramaroute beginnt im Bergdorf Malbun. Im Winter ist dort richtig was los, wenn Skifans aus aller Welt die Hänge hinabsausen. Malbun ist neben der Hauptstadt Vaduz das bekannteste Reiseziel Liechtensteins. Auch die britischen Royals kommen gerne hierher. In der abgeschiedenen Welt des Fürstentums mit seinen diskreten Einwohnern lässt man sie weitgehend in Ruhe.

Ab Juni sind die alpinen Abschnitte der Route 66 begehbar. Ganz ruhig ist es dann hier, die Luft klar, die Aussicht famos. Auf der anderen Rheinseite liegt die Schweiz. Seit 1924 gibt es eine Zoll-und Wirtschaftsunion mit den Eidgenossen. Seither sind Schweizer Franken Zahlungsmittel.

Selbst Hydranten sind in den Landesfarben gestrichen

Deutsch ist hier Amtssprache, aber der alemannische Dialekt der Liechtensteiner ist für Außenstehende kaum von dem im Schweizer Appenzell oder in St. Gallen zu unterscheiden. „Hoi metan-and!“, heißt es, wenn man auf der Route 66 Einheimischen begegnet. Das Hallo der Liechtensteiner hat inzwischen Kultstatus und ist sogar Namensgeber einer Souvenir-Boutique in Vaduz.

Der zweite Abschnitt der Panoramaroute ist der schwierigste: eine Gratwanderung für Schwindelfreie auf dem Fürstensteig. Schon 1898 wurde er in den Felsen gesprengt – ein Topziel für ambitionierte Bergwanderer, die sich am Abend in den urigen Hütten treffen, bei Fondue, Käsknöpfle oder einer Liechtensteiner Gerstensuppe.

Die letzte Etappe ist weniger hochalpin und ein abwechslungsreiches Wandervergnügen. Man steigt ins Tal ab, in jenes schmale Stück Land, das den mächtigen Gipfeln vorgelagert ist. Hier liegen die meisten Gemeinden Liechtensteins, aber auch ein paar sanfte Hügel.

Von Mauren führt der Weg hinauf zum Eschnerberg, vorbei an saftig grünen Wiesen, auf denen Kühe grasen. Der knapp 700 Meter hohe Bergrücken im Rheintal ist das einzige Stück Mittelgebirge, das sich nach Liechtenstein verirrt hat. Auf seiner Höhe liegt die Burgruine Neu-Schellenberg, ein im Appenzeller Krieg zerstörtes Gemäuer, über dem nun die blau-rote Liechtensteiner Flagge weht.

Die Liechtensteiner sind stolz auf ihr Land und haben selbst die Feuerwehrhydranten in den Landesfarben gestrichen. Damit ist wenigstens klar, dass man sich noch in Liechtenstein befindet, denn ganz schnell stößt man hier an Grenzen. Wer im Nordosten des Eschnerbergs ins Tal schaut, blickt schon auf die Dörfer Vorarlbergs. Ein paar Schritte weiter befindet man sich dann auch in Österreich. Die Alpenrepublik ist der östliche, südliche und nördliche Nachbar Liechtensteins.

Die 160 Quadratkilometer Fläche des Kleinstaats entsprechen dem Stadtgebiet von Freiburg, allerdings leben dort gerade einmal 38 000 Menschen. Die größte Liechtensteiner Gemeinde ist nicht die Hauptstadt Vaduz mit ihren 5700 Einwohnern, sondern der Nachbarort Schaan, der es auf 6000 Seelen bringt. Ein Zwerg, den außerhalb von Liechtenstein kaum jemand kennt, aber ein ökonomischer Gigant: 10 000 hochwertige Arbeitsplätze gibt es hier, die aus dem einstigen Bauerndorf ein reiches Gemeinwesen gemacht haben.

Bürgermeister von Schaan, der nur Vorsteher genannt wird, ist Daniel Hilti. Er heißt genauso wie das größte Unternehmen im Ort: Hilti, international bekannt für seine Bohrmaschinen. Der Familienbetrieb mit 30 000 Mitarbeitern weltweit hat hier seinen Hauptsitz.

„Uns geht es gut“, sagt Daniel Hilti und meint damit auch das friedliche Miteinander der politischen Parteien. „Die ideologischen Unterschiede müssen Sie hier suchen.“

Hightech, Hochadel und eine majestätische Natur

Vergeblich sucht man hier auch die Touristinformation: Schaan hat sie geschlossen. Man kann schließlich nicht alles machen in einem Ort, der so viele Firmen auf kleiner Fläche und Vaduz als Nachbarn hat. Im Kern ist Schaan trotzdem ein ansehnlicher Ort geblieben. Sauber herausgeputzte Bürgerhäuser strahlen in den schönsten Farben, ein schickes Kulturzentrum buhlt um Besucher, und die katholische Kirche St. Laurentius streckt ihren spitzen Kirchturm in den Alpenhimmel.

Katholisch ist man noch immer in großer Zahl in Liechtenstein, das Fürstentum hat sogar einen eigenen Bischof. Dem geistlichen Oberhaupt steht mit Fürst Hans Adam auch ein weltliches gegenüber. Der Monarch residiert, wie sein Sohn Alois, dem er schon 2004 die Regierungsgeschäfte übergeben hat, im Familienschloss hoch über den Dächern von Vaduz.

2019 feierte der kleine Staat sein 300­jähriges Jubiläum. 1719 waren die Grafschaft Vaduz und die Herr­schaft Schellenberg vereinigt und zum Reichsfürstentum erhoben worden – ein Relikt des Heiligen Römischen Reichs.

Es ist diese eigentümliche Mischung aus Tradition und Moderne, die das Fürstentum Liechtenstein bis heute kennzeichnet. Hightech und Hochadel führen hier eine friedliche Koexistenz. Das alles wird umrahmt von einer alpinen Gebirgskulisse und einem Meer aus lila Schwertlilien, die das Tal zum Leuchten bringen. In einem Land wie Liechtenstein ist eben auch die Natur majestätisch.

TIPPS FÜR DAS FÜRSTENTUM LIECHTENSTEIN

DIE REGION

Das Fürstentum Liechtenstein ist der sechskleinste Staat der Erde. Es liegt zwischen Österreich und der Schweiz. Zur Rheinseite ist Liechtenstein flach, auf seiner Ostseite hochalpin.

ANREISE

Mit dem Zug sind es von Köln gut sieben Stunden nach Schaan-Vaduz, mit dem Auto etwa 650 Kilometer. Von der deutschen Grenze in Lindau liegt es noch gut 60 Kilometer entfernt. Man kann über Österreich oder über die Schweiz einreisen.

www.bahn.de

ÜBERNACHTEN

Das Preisniveau ist ähnlich hoch wie in der Schweiz. Erschwinglich ist das Hotel Meierhof in Triesen (DZ ab 140 €). Ebenfalls moderate Preise hat das Hotel Kulm in Triesenberg (DZ ab 145 €). Es gibt auch Ferienwohnungen und Ferien auf dem Bauernhof.

www.meierhof.li www.hotelkulm.li

ESSEN & TRINKEN

Ein Traditionshaus ist das Restaurant Rössle in Schaan. Auf der Karte stehen Käsespätzle und Capuns (Mangoldrollen). Im Edelweiss im Bergdorf Triesenberg werden Gerstensuppe und Wildgerichte serviert. Die Schellenberger Weinlaube ist ein bekanntes Gourmet-Restaurant.

www.restaurant-roessle.li

www.restaurant-edelweiss.li

www.weinlaube.li

ROUTE 66

Der Panoramawanderweg führt in drei Etappen durch ganz Liechtenstein (48 Kilometer, 2200 Höhenmeter). Die ersten beiden Abschnitte sind anspruchsvoll.

www.tourismus.li

LIECHTENSTEIN-WEG

Die 75 Kilometer lange Wanderroute geht ebenfalls durchs ganze Land, allerdings eher durch seine Tallagen.

www.tourismus.li

RUGGELLER RIET

Das Moor ist Naturschutzgebiet und zur Schwertlilienblüte im Mai und Juni eine Attraktion. Ab Ruggell gibt es eine Rundwanderroute.

www.ruggell.li/naturschutzgebietruggeller-riet

VADUZ

Durch den Hauptort Liechtensteins zieht sich eine Fußgängerzone, in der die Touristeninformation und das Landesmuseum zu finden sind.

www.vaduz.li

KONTAKT: Liechtenstein-Marketing Äulestr. 30, 9490 Vaduz; Tel. 00/4 23/ 2 39 63 63; www.tourismus.li