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FULL METAL JACKET


Stereo - epaper ⋅ Ausgabe 12/2021 vom 03.11.2021

TEST PLATTENSPIELER

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Bildquelle: Stereo, Ausgabe 12/2021

MEMO-STICKER

Damit ja niemand die zahlreichen technischen Finessen des Copperhead-X übersieht, listet Zavfino sie auf einer kupferfarbenen Plakette auf.

Sie sehen edel aus und verleihen dem Copperhead-X des kanadischen Analogspezialisten Zavfino ein extravagantes Gepräge: die 28 nahe der Tonarmbasis ins Aluminiumchassis verankerten, runden Kupferbolzen, von denen sich der Hersteller resonanztechnisch eine perfekte Ergänzung zur 15 Millimeter dicken Leichtmetallzarge verspricht. Wie es ohne klänge, lässt sich nicht ermitteln, da die kurzen Zylinder fest mit der recht ausladenden Zarge verbunden sind, die links hinten die Montage eines weiteren Tonarms erlaubt.

So viel sei jedoch hier bereits verraten, weil es mir auf den Nägeln brennt: Einen musikalischeren, zugleich kernig-konturiert wie weiträumig, gelassen, ja, geradezu abgeklärt klingenden Plattenspieler wird man zu diesem zwar ...

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... gehobenen, aber noch nicht abgehobenen Preis kaum antreffen. Und selbst darüber wohl nur schwerlich. Denn der Copperhead-X besitzt geradezu einen Instinkt für Stimmungen, wobei getragene Stile seinem stoisch-souveränen Charakter besonders entgegenkommen. Die Melancholie der wunderschönen Jazzballade „Les adieux“ des Sebastian Sternal Trios etwa konnte selbst unsere Plattenspielerreferenz nicht inniger vermitteln, wobei der kanadische Dreher für sein emotionales Potenzial nicht die unteren Lagen übertreibt, um gefühligen Wohlklang zu erzeugen.

Meister des Atmosphärischen

Im Gegenteil kam etwa der üppige Basslauf in James Taylors „Her Town Too“ betont knorrig und straff. Das Geheimnis des eigenwillig konstruierten Zavfinos liegt in seiner audiophilen Spielart begründet, die Enge vermeidet und so dem Ausdruck der Musiker Raum verschafft. Mit diesen Fähigkeiten profiliert sich der Copperhead-X als Meister des Atmosphärischen, der zum Beispiel die leichtfüßig-beschwingten, luzide gewebten Titel des „Reunion“-Albums von Gary Burton und Pat Metheny, bei denen das Schwirren der Luft um die Instrumente herum, ihr schillerndes Flair fürs audiophile Erlebnis beinahe ebenso wichtig ist wie deren Darbietung selbst, wie mit spitzen Fingern sortierte und in ihrer bezaubernd lebhaft-heiteren Aura darbot.

So reif und beherrscht, aber zugleich mit der lässigen Note des Könners bekommt man das nicht oft geboten, egal, was der Dreher auch kosten mag. Für die stark flächig angelegten, weil nur wenig strukturierten Titel aus dem „Ambient Music“-Album „Melt“ des US-Duos Blank Gloss, deren Wirkung stark davon abhängt, ob und in welchem Maße das Abspielgerät eine „Antenne“ für solcherlei Introversion hat, erzeugten über den Copperhead-X Aufmerksamkeit beim Hörer, krochen ihm mit ihrer reizvollen, da nur vordergründigen Belanglosigkeit unwiderstehlich ins Gemüt. Ob das tatsächlich etwas mit den 28 „copper heads“ zu tun hat, die wie Kopfsteinpflaster unterm Abtaster liegen? Zavfinos größerer ZV8-X, Test in STEREO 6/20, der in vielerlei Details dem kleinen Bruder stark ähnelt oder sogar entspricht, aber eben keine Kupferköpfchen bietet, hatte sich damals zwar als hochklassiger Vertreter seiner Gattung mit geradlinigem, markantem Auftritt entpuppt, ohne jedoch jenen „Spirit“ und Reichtum an Empfindungen zu offenbaren, durch den sich der Copperhead-X auszeichnet und der diesem eine gewisse Sonderstellung innerhalb seiner Produkt- sowie noch halbwegs zivilen Preisgruppe verleiht.

ABGELAGERT

Der knapp vier Zentimeter hohe und 5,5 Kilogramm schwere Plattenteller aus einer in „Bronze antik“ eloxierten Aluminiumlegierung thront auf der kryoge nisch behandelten Keramikkugel des mit einer Edelstahlachse, Bronzebuchse und Teflonspiegel ausgestatteten Inverslagers mit oben liegendem Schwerpunkt. Dieses ist in eine 20 Millimeter starke Acrylscheibe gebettet, die wiederum von zwölf Stahlschrauben in Nylonbuchsen fixiert wird, was insgesamt bestmögliche Entkopplung gewährleisten soll.

KOMBI-TIPP

Zavfinos hiesiger Vertrieb bietet den Copperhead-X auf Wunsch in unterschiedlichen Sonderpreispaketen mit dem individuellen Wunschabtaster an, sofern dieser von Ortofon stammt. Das MC Quintet Black S passt absolut prima.

TEST-GERÄTE

Plattenspieler: Acoustic Signature Maximus Neo/TL-500 Neo/MCX 2, Clearaudio Ovation/Clarify/ Talismann V2 Gold, Transrotor Rondino nero/TRA 9/ 2.1/EMT JSD Pure Black

Tonabnehmer: Ortofon Cadenza Red

Phono-Vorverstärker: Brinkmann Edison MK II, Musical Fidelity MX-VYNL

Phono-Kabel: Boaacoustic Silver Galaxy

Antrieb & Steuerung extern

Für sein Geld erhält man aber ohnehin eine Menge: So sitzt der absichtlich drehmomentschwache Synchronmotor, der so kaum Störungen auf den schweren Teller übertragen soll, in einem eigenen Gehäuse, das linkerhand in eine Aussparung in der Grundplatte geschoben wird. Versorgt und kontrolliert wird er über das externe Steuerteil, das wir bereits vom ZV8-X kennen. Dieses erzeugt quarzbasiert einen präzisen Sinus und erlaubt mittels versenkter Mini-Potis feinfühlige Drehzahlkorrekturen. Es kann, muss aber nicht abseits aufgestellt werden. Man darf es getrost unters Laufwerk schieben, was Platz spart und obendrein prima aussieht. Etwaige Einstreuungen in Tonabnehmer traten nicht auf, zumal das Netzteil ausgelagert ist.

Die durch Materialeinsatz und Raffinement gekennzeichnete Invers-Lagereinheit sorgt für eine geräuscharme Aufhängung des aus einer Aluminiumlegierung gefertigten Tellers, den ein Silikonrundriemen sachte in Schwung hält. Drei per kupferner Spikes in der Höhe einstellbare, massiv ausgeführte Fußtürme erleichtern das Ausnivellieren des Drehers. Dabei ist zu beachten, dass stets ein Luftspalt zwischen dem extrem leisen Motorblock und der Zargenplatte bleibt, die Teile einander also nicht berühren, was die unerwünschte Übertragung von Schwingungen zur Folge haben könnte.

Ein guter Bekannter ist auch Zavfinos höhenverstellbarer 9,5-Zoll-Tonarm „Aeshna“ – in diesem Fall mit einem besonders harten Carbonrohr bestückt –, dessen kryotechnisch kältebehandelte Schneidlager magnetisch bedämpft werden, was etwaiges Vibrieren respektive Resonieren zuverlässig unterbinden soll. Damit seine Performance und die des Tonabnehmers umfänglich erhalten bleibt, gehört Zavfinos mit versilberten Reinkupferlitzen bestücktes Phono-Kabel „The Spirit“ für solo 180 Euro zum Lieferumfang. Das nennt man konsequent!

Apropos Kosten: Der hiesige Zavfino-Vertrieb ATR-Audio Trade schnürt auf Wunsch mit Ortofon-Abtastern gegenüber der Summe der Einzelpreise deutlich vergünstigte Paketangebote. Bei der Auswahl genießt der Kunde maximale Freiheit. Im Zusammenhang mit dem von uns zum Copperhead-X und Aeshna Carbon, die im Set 4700 Euro kosten, kombinierten MC Quintet Black S des dänischen Analogspezialisten – Einzelpreis: 875 Euro – stehen dann statt 5575 gerade mal 5300 Euro auf der Rechnung.

Ästhetische Perspektive

Immer noch ein stolzer Batzen? Freilich, doch angesichts der hehren, von highendigem Fluidum umwehten Darbietungen des in dieser Form ausstaffierten Kanadiers sowie des damit verbundenen Glücksgefühls verliert der schnöde Mammon schnell an Bedeutung.

Ein paarmal mehr registrierten wir, mit wie viel Einfühlungsvermögen der Copperhead-X unsere oft und gern gehörten Testscheiben darbot. Dabei stürzte er sich allerdings selbst bei turbulenten Stilen nie wirklich ins Getümmel. Vielmehr behielt er stets seine leicht distanzierte, das musikalische Geschehen aus überblickender Position heraus betrachtende, ordnende Perspektive, die ihn bei der Wiedergabe gemächlicherer Genres so perfekt abgewogen, ja, geradezu ästhetisch hatte erscheinen lassen.

Ein letzter Punkt: Für maximale Finesse unbedingt die Netzphase beachten (siehe Schema). Und so prima Ortofons Quintet Black S passte: Der Zavfino verträgt locker noch bessere Abtaster, etwa ein Cadenza Red für 1250 Euro. Wie auch immer ist dieser „Full Metal Mix“-Dreher eine Granate!

Zavfino Copperhead-X

Preis: um 5300 € (vergünstigter Paketpreis inklusive Tonarm Aeshna Carbon und Abtaster Ortofon MC Quintet Black S)

Maße: 52 x16 x38 cm (BxHxT)

Garantie: 2 Jahre

Kontakt: ATR -Audio Trade

Tel.: +49 208 882660 www.audiotra.de

Erschafft das raffinierte Resonanzsystem aus Aluminiumplatte und Kupfereinsätzen den ausgeprägt audiophilen Charakter dieses besonderen Plattenspielers? Zavfinos Copperhead-X enthüllt den emotionalen Kern der Musik, klingt dabei extrem übersichtlich wie geordnet und vermittelt zugleich ein highendiges Flair, das über die Preisklasse hinausweist. Das durchdachte Konzept mit aufwendigem Steuerteil machen diesen Dreher perfekt!

Messergebnisse

Ausgangsspannung: 0,43 mV

Auflagekraft: 23 mN

Labor-Kommentar

Netzphase am Testgerät

Der sehr gute Gleichlauf wie auch die insbesondere bei der Messung mit dem Koppler überzeugenden Rumpelwerte belegen den technischen Anspruch. Die Netzphasenangabe bezieht sich auf den Eingang des ausgelagerten Netzteils vom Steuergerät.

Ausstattung Externes Steuerteil, digitaler Drehzahlmesser, höhenverstellbare Füße, hochwertiges Phono-Kabel

DAMIT HABEN WIR GEHÖRT

Blank Gloss: Melt

Das vielbeachtete Album des US-Duos besticht mit stilvoller „Ambient Music“, ohne zur Sound-Tapete zu verkommen.

Sebastian Sternal Trio: Paris

Ein so charmantes wie unkonventionelles Jazzalbum mit einer traumhaft schönen Ballade am Schluss.