Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 9 Min.

GALERIA KARSTADT KAUFHOF: Friede den Innenstädten


manager magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 20.12.2019

GALERIA KARSTADT KAUFHOF Mit der Verschmelzung von Galeria Kaufhof und Karstadt ist für den Eigentümer René Benko nicht viel gewonnen. Ein Geheimplan soll deshalb langfristig den Erfolg sichern. Am Ende werden die Warenhäuser nicht wiederzuerkennen sein.


Artikelbild für den Artikel "GALERIA KARSTADT KAUFHOF: Friede den Innenstädten" aus der Ausgabe 1/2020 von manager magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: manager magazin, Ausgabe 1/2020

BRENNPUNKT CITY
René Benko spekuliert mit seinem Handelsgeschäft wie mit seinen Immobilien auf ein Comeback der Innenstädte


Ein Herbsttag an der Schweizer Goldküste, dem abendsonnigen Ufer am Zürichsee. Etwa ein Dutzend handverlesene Spit zen kräfte des Handels sind zusammengekommen, um über die heikle Zukunft der Branche zu sprechen. Amazons ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 8,99€
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von manager magazin. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 1/2020 von Lieb und teuer. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Lieb und teuer
Titelbild der Ausgabe 1/2020 von VOLKSWAGEN: Dumm angelaufen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
VOLKSWAGEN: Dumm angelaufen
Titelbild der Ausgabe 1/2020 von DAIMLER: Viele Solisten, kein Team. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DAIMLER: Viele Solisten, kein Team
Titelbild der Ausgabe 1/2020 von Ciao & Adieu. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Ciao & Adieu
Titelbild der Ausgabe 1/2020 von AFFÄRE: Schneeballschlacht. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
AFFÄRE: Schneeballschlacht
Titelbild der Ausgabe 1/2020 von LUFTHANSA: Schleudertrauma. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LUFTHANSA: Schleudertrauma
Vorheriger Artikel
AUTOINDUSTRIE: WER BREMST, VERLIERT
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel GABOR STEINGART: KAPITÄN ZUR SPREE
aus dieser Ausgabe

... Deutschland-Chef Ralf Kleber (53) sitzt mit am Tisch, ebenso der gefeuerte Boss von Ceconomy, Jörn Werner (58). Eingeladen haben die Universität St. Gallen und der größte Einzelhändler des Landes, die Migros, es geht um agile Unternehmensführung. Ein höchst „inspirierender Abend“, schwärmt ein Teilnehmer.

Beeindruckt hat die Runde vor allem ein jugendlich wirkender Mann mit zahlreichen Freundschaftsbändern am Handgelenk, an einem davon baumelt eine Peace-Zeichen: Dieter Berninghaus (54), Chairman der Signa-Gruppe, des schnell wachsenden Imperiums von René Benko (42).

Allein im Retailbereich zählte das Unternehmen im Oktober 2019 45.000 Beschäftigte, besaß rund 350 Standorte und über 100 Webshops. Tendenz: weiter wachsend. Den Umsatz seines Handelsgeschäfts beziffert Signa auf etwa 7,2 Milliarden Euro. Zwei Charts hat Berninghaus mitgebracht, mehr braucht er nicht, um seine Vision des wichtigsten Unternehmens an die Wand zu werfen: die Pläne für Galeria Karstadt Kaufhof.

Das, was der Manager präsentiert, könnte nicht nur Galeria Karstadt Kaufhof langfristig eine Zukunft verschaffen. Auch die deutschen Innenstädte, in denen der rasant wachsende Onlinehandel sein zerstörerisches Wirken entfaltet hat, sollen davon profitieren.

Das Duo Benko/Berninghaus denkt groß. Unterm Dach der bröckelnden Traditionshäuser sehen sie Banken und Reisebüros, Coworkingflächen sowie Küchen für diverse Restaurants und Essensdienste. Logistikzentren sollen auf den Flächen entstehen, die 80 Prozent der urbanen Bevölkerung in Deutschland bedienen könnten. Man traut sich nicht weniger zu als das Comeback der Innenstädte.

Ein Abend an der Goldküste

Neun Wachstumsfelder definiert Berninghaus an jenem Abend an der Zü - richer Goldküste für Galeria Karstadt Kaufhof. Die Einnahmen aus dem klassischen Warenhausgeschäft, na - türlich auf allen Kanälen, sieht er nur noch als Grundeinkommen, Wachstum soll aus dem größer werdenden Rest kommen.

„Die machen es uns gerade vor“, sagt einer der Teilnehmer im Nachgang. Mit dem piefigen Warenhaus, wo im obersten Stockwerk Rentnergruppen Schnitzel auf Plastiktabletts zu ihren Tischen transportieren, hat das Signa-Konzept nichts mehr zu tun.

Berninghaus ist ein guter Verkäufer, ein Händler wie wenige, in seiner Branche gilt er als „Brain“. Direkt nach der Promotion stieg der Wirtschaftswissenschaftler in den Vorstandsstab der schweizerischen Metro ein. Mit Ende 30 war er Rewe-Chef, einer der jüngsten in der Unternehmensgeschichte, später holte ihn die Migros an Bord. Für die Genossenschaft baute er das Online - geschäft auf, nebenbei zog er seine zwei ältesten Söhne allein auf.

SINNIEREN UND SANIEREN

Dieter Berninghaus (r.) ist Benkos wichtigster Mann und sein Spezialist für Handelsfragen. Stephan Fanderl, Chef von Galeria Karstadt Kaufhof, ist maß - geblich für den Erfolg der Gruppe. Die fährt insgesamt noch Verlust ein, einzelne Warenhäuser aber sind saniert.

Seine Expertise und die langjährige Freundschaft zur österreichischen Immobiliengröße René Benko brachten ihn vor gut drei Jahren zu dessen Holding Signa.

Aus kleinen Anfängen – dem Ausbau von Dachgeschossen – hat Benko ein Unternehmen mit einer aktuellen Bilanzsumme von 25 Milliarden Euro gebaut. Der Gründer kümmert sich vor allem um die Immobilien, da - runter spekta kuläre wie das New Yorker Chrysler Building. In Hamburg bereitet Benko ge - rade den Bau eines neuen Wahrzeichens der Stadt vor, den Elb - tower.

Die Strategie für den Handel und damit die Zukunft von Galeria Karstadt Kaufhof entsteht maßgeblich unweit der Züricher Bahnhofstraße. Dort residiert Berninghaus in einem Bürokomplex mit Blick auf Schanzengraben, den See und fern am Horizont die schneebedeckten Glarner Alpen. Im Großraumbüro in Essen, am Firmensitz von Galeria Karstadt Kaufhof, exekutiert derweil Vorstandschef Stephan Fanderl (56).

Gerade mal ein gutes Jahr ist es her, dass René Benko den Kaufvertrag für Kaufhof unterzeichnete. Doch er leistete jahrelang akribische Entwicklungsarbeit, noch bevor ihm beide Häuser gehörten. Alles wirkt wie von langer Hand geplant.

Sein erster Schritt zur Warenhaus AG erfolgte 2011 – noch ohne Berninghaus an Bord –, als die Metro in Deutschland ihre Tochter Galeria Kaufhof zum Verkauf stellte. Benko gab ein Gebot ab, doch Metro-Chef Olaf Koch (49) misstraute dem Jungunternehmer und sagte ab.

Benko gab nicht auf und fragte stattdessen bei dem partyfreu - digen Kunstmäzen Nicolas Berggruen an. Der hatte den Konkurrenten Karstadt zuvor quasi geschenkt aus der Insolvenz übernommen. Im Herbst 2013 stand der Konzern erneut vor der Pleite, Benkos Geld wurde jetzt dringend gebraucht. Als Aufsichtsratschef setzte er den früheren Rewe-Manager Fanderl durch, ein Studienfreund von Berninghaus.

Ein Jahr später übernahm Benko Karstadt dann komplett. Fanderl machte er zum Chef des maroden Kerngeschäfts – und plante gleichzeitig weiter den Erwerb von Kaufhof, um die beiden Häuser zu fusionieren.

Doch wieder folgte ein Rückschlag: Metro-Chef Koch gab Kaufhof an den kanadischen Konzern Hudson’s Bay Company (HBC). Benko sah HBC von Anfang an als ein „Fake-Unternehmen“, dessen Kollaps nur eine Frage der Zeit sei; Signa-intern hießen die HBC-Manager nur „die Verrückten“.

Tatsächlich war HBC 2018 dann so geschwächt, der Aktienkurs am Boden, dass die Kanadier sich aus der Verlustzone Deutschland zurückzogen. Benko bekam die Mehrheit an Galeria Kaufhof übertragen. Mit der Vertrags - unterzeichnung stand der Sanierungsplan. Ende Januar 2020 soll nun der Gemeinschaftsbetrieb starten.

Von der Insolvenz bedroht

Doch jetzt, wo Benko und Berninghaus den jahrzehntealten Traum heimischer Händler von der Deutschen Warenhaus AG verwirklicht haben, könnte es fast schon zu spät sein. Das Warenhaus wirkt vielerorts wie ein vergilbtes Bild aus den Wirtschaftswunderjahren; lediglich 2,4 Prozent des Einzelhandels - umsatzes landen noch dort, Anfang des Jahrtausends waren es 4,2 Prozent.

Vom boomenden Onlinehandel profitieren Karstadt und Kaufhof kaum, gut eine Million Artikel und damit ein Bruchteil des Gesamtangebots lassen sich ab 2020 im Netz erwerben, vier bis fünf Millionen sollen es künftig sein. In einer im September herausgegebenen Rangliste des EHI Retail Instituts für die umsatzstärksten Onlineshops in 2018 rangierte Galeria Kaufhof weit abgeschlagen auf Platz 48. Von einem „Marktplatz der Zukunft“, wie sich ihn die Geschäftsführung wünscht, sind die Häuser sehr viele Sanierungsschritte entfernt.

Erste Synergien immerhin werden inzwischen gehoben, beispielsweise durch die Zusammenlegung von Einkauf und Logistik (zusammen gut 140 Millionen Euro). Doch das reicht nicht für den Turn around.

Wie kritisch es um die Warenhäuser bestellt ist, zeigt ein Gutachten der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ebner Stolz. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hatte das Papier in Auftrag gegeben, um sich für die Tarifverhandlungen zu rüsten, die Mitte Dezember noch liefen. Doch die Analyse spielt eher den Gesellschaftern in die Hände, belegt sie doch eindringlich den Sanierungsbedarf.

Für beide Häuser fallen die Jahresergebnisse negativ aus. Kaufhof, das durch eine Umstellung des Geschäftsjahres nur ein Rumpfjahr ausweist, häufte demnach für den Zeitraum Februar bis September 2019 einen Verlust von 194 Millionen Euro an, bei Karstadt lief ein Minus von 78 Millio- nen Euro auf. Von „existenzbedrohenden Verlusten“ schreiben die Prüfer. Lediglich aufgrund der Zuwendungen der Gesellschafter in Höhe von 700 Millionen Euro bis 2020 sind die Warenhäuser momentan lebensfähig.

Für einen erfolgreichen Turn - around jedoch, lautet das Fazit, müssten Synergien genutzt, Gehälter gekürzt und die Häuser strategisch neu ausgerichtet werden. Durch die Fusion könnten Einsparungen in Höhe von 343 bis 418 Millionen Euro jährlich gehoben werden, heißt es in dem Papier.

Kulturkrieg im Kaufhaus

Beim Zusammenschluss der beiden Häuser legt Fanderl ein scharfes Tempo vor. In 400 Einzelprojekte ist die Fusion aufgeteilt, für jedes definierte Signa eine Kalenderwoche. Permanent werden die Ziele gemessen, überwacht und kontrolliert. So erfolgte der Umzug des Kaufhof-Kassensystems auf das von Karstadt (Projekt name „all in“) bereits ein halbes Jahr früher als geplant. Fanderl selbst stand am entscheidenden verkaufsoffenen Sonntag im Oktober im Centro Oberhausen und kassierte zwischen Damen- und Herrenkonfektion. Auch die gemeinsame Verkaufsplattform Galeria.de ging schon im Oktober online statt wie vorgesehen im Februar nächsten Jahres.

Die Bereinigung des Angebots läuft, etwa 30 bis 40 Prozent der Lieferanten werden wegfallen. Von den derzeit 95 Eigenmarken werden nur noch drei Kernmarken (Manguun im Fashion - bereich, Galeria unter anderem mit Haustextilien und Schreibwaren sowie K-Town, eine Einsteigermarke in fast allen Sortimenten von Karstadt) und elf Segmentmarken übrig bleiben; dafür soll deren Bekanntheitsgrad steigen – auch durch den Verkauf auf Amazon. Viele Flächen werden frei werden – die Berninghaus für seine Vision von einem Warenhaus als Vollversorger („Öko - system“) nutzen kann, so wie er sie seinen Handelskollegen am Zürichsee präsentierte.

Zu der neuen Kaufhauswelt gehören bereits heute Untermieter wie der Buchhändler Hugendubel oder Aldi, sie belegen aktuell etwa 15 Prozent der Fläche; eine Verdoppelung für weitere externe Anbieter erscheint realistisch, wird aber von den Arbeitnehmern skeptisch betrachtet. Denn wo sollen sie einmal arbeiten, wenn sich ganze Stockwerke vom klassischen Warenhausgeschäft verabschieden?

Seit dem 19. November verhandelt Galeria Karstadt Kaufhof mit den Gewerkschaften einen neuen Tarifvertrag. Verdi schreckte sogar vor Streiks im Weihnachtsgeschäft nicht zurück. Obwohl die Geschäftsführung den Arbeitnehmern bei ihren Gehaltsforderungen entgegenkam, müssen die Kaufhof-Leute in der Verschmelzung die größten Einbußen hinnehmen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld fallen weg.

„Die Motivation an der Basis ist auf dem Nullpunkt“, sagt ein Mitarbeiter. Von „mangelnder Wertschätzung“ ist die Rede.

Als Sinnbild dafür gilt den Kaufhof-Leuten eine Versteigerung Ende Mai. Das Kunstauktionshaus Lempertz am Kölner Neumarkt veräußerte das 1,25 Meter mal 1,75 Meter große Bild „Judengasse in Amsterdam“ des Impressionisten Max Liebermann. Viele Jahre hing es im Weltsaal der Kölner Kaufhof-Zentrale. Kaufhof-Gründer Leonhard Tietz war wie der Maler jüdischen Glaubens, die beiden galten als Freunde. 856.000 Euro erzielte das Bild bei der Auktion. Man sei „geschockt“ von dieser Vorgehensweise, hieß es aus der Kaufhof-Fraktion.

Vorbild El Corte Inglés

Benko, Enkel eines Spitzengewerk - schafters und SPÖ-Politikers, der selbst aber eher die Nähe zur Macht sucht, etwa zum konservativen Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz, will die Fusionsschmerzen lindern. Durch Zuwendungen aus Wien – sowie eine Standort- und eine Beschäftigungs garantie für die Mitarbeiter bis 2025; sie soll auch für die sogenannten Doppelstandorte gelten, wo ein Karstadt und ein Kaufhof miteinander konkurrieren. Auch danach werde es keine Massenschließungen geben.

Erste Konturen der Zukunft sind schon sichtbar. Ende November übernahm das Unternehmen für einen kleinen zweistelligen Millionenbetrag 106 Reisebüros vom Pleitier Thomas Cook. Von Otto haben die Essener gerade das chronisch defizitäre Geschäft von Sportscheck für einen Negativkaufpreis übernommen. Aktuell betragen die Verluste von Sportscheck etwa 30 bis 40 Millionen Euro jährlich.

Neben Reiselustigen, die ihre Trips buchen, und Sportlern, die sich ihre Ausrüstung zusammenstellen, sollen auch Hungrige die Häuser füllen. Das Café- und Restaurantangebot soll sich über alle Etagen erstrecken; die heute schon oft vorhandenen Küchen könnten auch für Essensdienste kochen. Das Angebot mit reduzierter Markenware, wie das Geschäft der Internetplattform Dress-for-less, soll auch in den Häusern ausgebaut werden.

Das Warenhaus wird zu einem Ort, der neben bekannten auch völlig neue Produkte anbietet. Dazu Services, die man dort bisher nicht vermutete. Vorbild in vielen Punkten ist Europas führendes Warenhaus El Corte Inglés. Die spanische Kaufhauskette mit dem grünen Schriftzug steckte bis vor fünf Jahren in ihrer schwersten Krise. Nun laufen die Geschäfte wieder besser, auch weil man jetzt erfolgreich Konsumenten kredite anbietet. Partner ist die Banco Santander.

Ein ähnliches Gemeinschaftsunternehmen kann sich Benko auch für Galeria Karstadt Kaufhof vorstellen. Als mögliche Partner werden die HypoVereinsbank, BNP Paribas oder N26 gehandelt, die sich auf die Kontoführung mit Smartphones spezialisiert haben. Erste Verhandlungen laufen.

Auch das von Corte Inglés auf den Weg gebrachte Click & Express – ein Sofortbestelldienst, der in zwei Stunden nach Hause liefert – könnte Galeria Karstadt Kaufhof kopieren. Das Prinzip ist dasselbe: Die Einkaufszentren in den Städten werden zunehmend zu Lagern auch für andere Anbieter.

Auf der Klimawelle surfen

Bei Galeria Karstadt Kaufhof heißen sie City-Hubs, wenn Fanderl darüber redet, schwärmt er von einem „Game Changer“, der den Handel noch einmal revolutionieren könnte. Aktuell baut das Unternehmen in Mülheim an der Ruhr, Hamburg, Berlin und München solche Zentren als Pilotprojekte auf. Die Auslieferung der Ware könnte – wie in diesen Tagen schon in Köln –mit umweltfreundlichen Lastenfahrrädern oder Elektrofahrzeugen erfolgen, was den Städten bei der Reduzierung von Emissionen hilft. Für ein nachhaltiges Konzept beauftragte Signa vier Logistik - experten.

Beim klimafreundlichen Umbau der Innenstädte sieht sich Signa ebenfalls als Unternehmen der Stunde. So könnte man Ladesäulen für E-Autos in Park - häusern anbieten, mit 30.000 Stellplätzen ist Galeria Karstadt Kaufhof der zweitgrößte Anbieter von Abstellflächen in der Bundesrepublik. Aus Sicht von Signa sind die Parkhäuser noch „undermanaged“.

Mit einigen Bürgermeistern hat Berninghaus schon über Teile des Konzepts gesprochen. Schließlich müssten die Städte die Umdefinition des Warenhauses behördlich mittragen. Man fühlt sich willkommen. Denn niemand wolle – heißt es bei Signa – „Dark Stores“ in der Fußgängerzone.

So gut die Ideen sein mögen, so zeitgemäß sie (Stichwort Klima!) wirken – das doppelte B, Benko und Berninghaus, riskiert einiges.
► Laufen die Häuser nicht und können sie deshalb die Mieten nicht zahlen, verlieren auch Signas Innenstadtimmobilien Geld.
► Man wagt sich geschäftlich in Bereiche vor, von denen man bisher nicht viel versteht; auch wenn Benko Gesprächspartnern schon mal mit auf den Weg gibt, dass etwa die Herausgabe von Konsumentenkrediten nun wirklich keine „Rocket Science“ sei.
► Das Geschäft wird mit der Herein - nahme diverser Partner – beispielsweise für Banking und Logistik – sehr viel schwieriger zu steuern sein als bisher, wo Signa in der Regel allein das Sagen hat.

Wenn Dieter Berninghaus, der Mann vom Zürichsee, über das große Unterfangen spricht, dann vergleicht er es mit einem Chassis, um das er bei laufendem Motor obendrein noch eine Karosserie bauen muss. Eigentlich ist ein solches Projekt unmöglich zu realisieren. Außer man macht es.


Foto: Ingo Pertramer

Fotos: Marcus Simaitis / laif, Esther Michel