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Galerie der großen Meister


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 30/2021 vom 23.07.2021

RIJKS-MUSEUM AMSTERDAM

Artikelbild für den Artikel "Galerie der großen Meister" aus der Ausgabe 30/2021 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 30/2021

KUNSTKATHEDRALE Das Rijksmuseum liegt zentral am Amsterdamer Museumplein. Das monumentale Gebäude wurde am 13. Juli 1885 eröffnet

Viele Großstädte haben einen Kunsttempel. In Amsterdam jedoch steht sogar eine wahre Kathedrale der Kunst. Innen und außen reich verziert, mit Türmen und Erkern, mit Kuppeldecken und Säulen. Das Rijksmuseum wurde 1876 bis 1885 nach Plänen des katholischen Architekten Pierre Cuypers errichtet, der zuvor meist Kirchen gebaut hatte. Eine verblüffende Entscheidung, denn die Gemäldesammlung im Inneren wirkt alles andere als sakral oder majestätisch. Wo sind die Heiligen, die Marienbilder, die Helden und Schlachten, Kaiser und Könige?

„Demokratisch“ nennen die Amsterdamer ihr Nationalmuseum. Hier hängen größtenteils Bilder niederländischer Meister aus dem 17. Jahrhundert. Sie zeigen Bürger der Mittelschicht, Alltagsszenen, Menschen aus dem Goldenen Zeitalter, als die jungen Niederlande in Handel, Wissenschaft, Schifffahrt und Kunst weltweit an der Spitze standen. Insgesamt sind es ...

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... rund 8000 Objekte in 80 verschiedenen Galerien. Wie etwa „Briefleserin in Blau“ oder „Dienstmagd mit Milchkrug“ von Jan Vermeer van Delft (1632 – 1675). Oder das berühmteste Gemälde des Rijksmuseums: „Die Nachtwache“ von Rembrandt van Rijn (1606 – 1669). Das 1642 für die Amsterdamer Büchsenschützengilde fertiggestellte Bild gilt als Hauptwerk des niederländischen Malers. Wer heute durch die Ehrengalerie wandelt und das monumentale Gemälde erstmals erblickt, hält den Atem an. Schon die Maße beeindrucken: Rembrandt hinterließ ein 393,1 Zentimeter hohes und 507,4 Zentimeter breites Meisterwerk. Fast scheint es, als wäre alles nur geschaffen, um „Die Nachtwache“ stolz präsentieren zu können. Dieser Eindruck täuscht nicht: Architekt Pierre Cuypers plante den reich verzierten Raum Ende des 19. Jahrhunderts ausschließlich für Rembrandt van Rijns großartiges Gemälde.

Gehasstes Haus, geliebte Bilder

Sowohl „Die Nachtwache“ als auch das Museum erzählen bewegte und überaus verblüffende Geschichten. Ein katholisches Gebäude als kulturelles Herz der Niederlande? Unmöglich! Noch im gesamten 20. Jahrhundert kämpften Bürger gegen dieses Bollwerk. „Das niederländische Königspaar war damals wütend, dass es kein protestantischer Bau war, und setzte keinen Fuß in dieses ‚Kloster‘. Auch nicht zur Eröffnung“, berichtet Taco Dibbits, seit 2016 Generaldirektor des Rijksmuseums. Die eigentlich prunkvolle Eingangshalle wurde sogar weiß übermalt. Erst als im Jahr 2003 eine große Renovierung nötig wurde, folgte der Sinneswandel. Taco Dibbits, damals noch Kurator, erinnert sich: „Als wir das Museum renovierten, sagte der Architekt etwas sehr Schönes: Kämpfe nicht gegen das Gebäude, du musst es umarmen.“ Viele der alten Innenraumdekore wurden wiederhergestellt, auch die Eingangshalle mit ihren massiven Buntglasfenstern, historischen Szenen und katholischen Motiven sollte in neuem altem Glanz erstrahlen. Zehn Jahre dauerte die Renovierung. Länger als geplant. Daran war auch der Protest von Radfahrern schuld, deren Route nicht mehr über das Gelände führen sollte. Und sie hatten Erfolg! Jetzt dürfen die Radler und Fußgänger den Weg direkt durchs Museum nehmen – zum Hauptportal hinein, zwischen Säulen hindurch, wieder ins Freie. Wo gibt es so etwas sonst auf der Welt?

Zum ersten Mal seit 300 Jahren ist ,Die Nachtwache‘ wieder komplett.“

Taco Dibbits, Generaldirektor Rijksmuseum

„Operation Nachtwache“

Ein Meisterwerk reloaded

Die im Jahr 1715 von Rembrandts berühmtem Gemälde abgeschnittenen Streifen sind bis heute verschwunden. Allein in den fehlenden linken Rand würde Leonardos „Mona Lisa“ fünfmal passen! Das Team von „Operation Nachtwache“ hat diese Teile erfolgreich mithilfe künst­ licher Intelligenz nachgebaut. Die Forschungsarbeiten dazu begannen im Sommer 2019. Zum Projekt gehört darüber hinaus eine gründliche Analyse mit dem Ziel, den Zustand des Meisterwerks für die Zukunft zu sichern: mit 3-D-Scans, hochauflösenden Fotos, bildgebender Reflexionsspektroskopie. So blicken die Forscher auf jede einzelne Schicht, vom Firnis bis zur Leinwand.

Auch „Die Nachtwache“ musste bereits einiges mitmachen. Mehrfach beschädigt, gerissen, geflickt, von einem Hammer durchschlagen, in Festsälen aufgehängt, von Vandalen mit Messern oder Schwefelsäure traktiert. Mehr als 20-mal wurde das Meisterwerk bislang restauriert. Einige Pigmente, die Rembrandt benutzte, verfärben sich stärker als andere. Die Farben verändern sich aber nicht nur durch dieses natürliche Altern, sondern auch durch frühere Restaurierungen, die nicht immer fachgerecht waren. Die aktuelle „Operation Nachtwache“ nutzte deshalb moderne Technologien, um das bedeutendste Gemälde der Ehrengalerie wieder so zu zeigen, wie Rembrandt es einst gemalt hat. Für die Restaurierung wurde das Bild nicht abgenommen und hinter verschlossenen Türen bearbeitet, sondern direkt im Museum – Forscher live bei der Arbeit!

Alter Frevel, neuer Zauber

„Die Nachtwache“ wurde hochauflösend digital fotografiert sowie mittels Röntgenfluoreszenzanalyse und Spektroskopie erfasst. Dabei waren die Experten des Rijksmuseums gleichzeitig einem Frevel auf der Spur, der Kunstkennern die Haare zu Berge stehen lässt. 1715 sollte das Bild im damaligen Amsterdamer Rathaus auf- gehängt werden. Leider war es zu groß. Die Lösung: Wir schneiden einfach auf allen Seiten etwas ab! Am linken Rand etwa fehlt seitdem ein 64,4 Zentimeter breiter Streifen (siehe Fotos oben). Wie das Gemälde ursprünglich aussah, wissen die Restauratoren durch eine vermutlich zwischen 1642 und 1655 entstandene Kopie für Hauptmann Frans Banninck Cocq, der auf dem Bild in der Mitte dargestellt ist. Diese Kopie diente als Grundlage für die Rekonstruktion. Gemalt wurden die fehlenden Teile übrigens nicht von Menschen, sondern vom Computer. Künstliche Intelligenz „lernte“ zunächst Rembrandts Technik und dessen Einsatz von Farben, dann stellte der Computer die Bildteile im Stil des Meisters wieder her. „Dieses Projekt zeugt von der zentralen Bedeutung von Wissenschaft und modernen Techniken für die Forschung zur ‚Nachtwache‘“, erklärt der Amsterdamer Museumswissenschaftler Prof. Robert Erdmann. Am 23. Juni 2021 wurde das Gemälde erstmals seit 300 Jahren wieder komplett gezeigt. „Dank dieser Rekonstruktion können wir nun sehen, dass die Komposition, wie sie von Rembrandt gemalt wurde, noch dynamischer war“, schwärmt Taco Dibbits. „Es ist wunderbar, die ‚Nachtwache‘ jetzt mit eigenen Augen so sehen zu können, wie Rembrandt sie uns zeigen wollte.“ Neues Hightech im Dienst der alten Meister!

Große Maler, kleine Künstler

So stolz das Rijksmuseum auf diese alten Meister auch sein mag, altmodisch ist es auf keinen Fall. Davon zeugt nicht nur die „Operation Nachtwache“, sondern auch das sogenannte „Rijksstudio“. Auf dieser

Website finden Besucher alle Meisterwerke: von Vermeers „Briefleserin“ bis zu Vincent van Goghs Selbstporträt. Zusätzlich lassen sich unzählige Bilder bestaunen, für die kein Platz mehr in den Ausstellungen war. Insgesamt 722.509 Werke! Bestaunen? Von wegen! Generaldirektor Taco Dibbits möchte die altehrwürdige Distanz zu den Kunstwerken aufheben. Deshalb lassen sich die Bilder des Rijkstudios herunterladen, verändern, zerschneiden, neu zusammensetzen. Denn die Menschen sollen selbst kreativ werden, inspiriert von der einzigartigen Sammlung des Amsterdamers Rijksmuseums.

KAI RIEDEMANN

SO 1.8. TV-TIPP

16.15

ARTE

DAS RIJKSMUSEUM, AMSTERDAM DOKU Kulturelles Herz der Niederlande. Aus der Reihe „Magie der Museen“