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GALOPPARBEIT: Schwungvoll durchgesprungen


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 110/2018 vom 12.10.2018

Vom freien Galoppieren durch die Natur bis hin zu versammelten Sprüngen im Viereck – der Galopp ist eine faszinierende Gangart in der Sie Ihr Pferd lösen, gymnastizieren und kräftigen können. Neben derAuswahl der richtigen Übungen kommt es dabei auch auf den Sitz und dieEinwirkung des Reiters an


Artikelbild für den Artikel "GALOPPARBEIT: Schwungvoll durchgesprungen" aus der Ausgabe 110/2018 von Mein Pferd. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 110/2018

Wer den Galopp verbessern will, sollte das Training systematisch aufbauen und dabei den Ausbildungsstand von Pferd und Reiter berücksichtigen


Erinnern Sie sich noch an Ihre ersten Galoppsprünge im Sattel? Womöglich auf einem Schulpferd an der Longe? Anfangs ist es für die meisten Reiter ein ungewohntes ...

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... Gefühl, wenn sich das Pferd im Dreitakt und in einem mehr oder weniger schnellen Tempo bewegt. Im Laufe der reiterlichen Ausbildung ist „oben bleiben“ nicht mehr die oberste Devise. Dennoch braucht die Entwicklung eines geschmeidigen Sitzes und einer unabhängigen Einwirkung Zeit. Ebenso müssen Pferde lernen, sich im Galopp auszubalancieren und Last mit der Hinterhand aufzunehmen. Die systematisch aufgebaute Galopparbeit kann vielseitig gestaltet und genutzt werden. Einblicke in die Biomechanik von Pferd und Reiter helfen, ein Verständnis für den Trainingsaufbau und die Trainingsmöglichkeiten zu entwickeln. Wundern Sie sich also nicht, warum scheinbar einfache Themen wie Fußfolge oder Hilfengebung im Galopp erläutert werden. Oder können Sie in diesem Moment, ohne lange zu überlegen, beides genau erklären? Also beginnen wir mit den Grundlagen.

Drei Takte und einmal schweben

Jeder einzelne Galoppsprung vollzieht sich in drei Takten. Auf hartem Boden sind diese sogar hörbar. Im Rechtsgalopp sieht das Ganze folgendermaßen aus: Zuerst fußt das linke Hinterbein ab, anschließend das rechte Hinterund das linke Vorderbein zusammen, gefolgt vom rechten Vorderbein. Zusätzlich besteht der Galopp aus sechs Phasen, in denen sich das Pferd mit einem, zwei, drei oder aber keinem Bein abstützt. Befinden sich alle vier Beine in der Luft, spricht man von einer Schwebephase. Unabhängig von der Phase des Galoppsprungs trägt das jeweilige Stützbein (hinten, vorne oder diagonales Stützbeinpaar) in einem korrekten Galopp immer dasselbe Gewicht. Zudem bleibt die Fußfolge in jedem Tempo gleich. Unterschieden wird zwischen vier Tempi: Arbeitsgalopp, Mittelgalopp, starker Galopp und versammelter Galopp. Während der Arbeitsgalopp geregelt, fleißig und schwungvoll ist, werden im Mittelgalopp raumgreifendere Sprünge mit entsprechender Rahmenerweiterung gefordert. Der größtmögliche Bodengewinn bei entsprechender Rahmenerweiterung wird im starken Galopp erzielt, wobei der Galoppsprung gegenüber dem Mittelgalopp nicht eiliger werden soll. In der Versammlung nimmt die Hinterhand vermehrt Last auf, ohne an Fleiß zu verlieren. So wird der Galoppsprung erhabener und der Bodengewinn geringer. Der versammelte Galopp muss systematisch erritten werden und fordert vom Ausbilder Erfahrung, Technik, Geduld und Geschick. Ein Pferd bis dahin zu fördern ist gleichzeitig auch eine faszinierende Aufgabe.

Junge Pferde müssen erst lernen, sich im Galopp auszubalancieren. Dabei kann es helfen, in den Entlastungssitz zu gehen


Diagonal oder einseitig?

Ob die Hilfen zum Angaloppieren diagonal oder einseitig gegeben werden sollten und welche Rolle dabei der innere oder äußere Zügel beziehungsweise Schenkel spielt, wird je nach Reitlehre rege diskutiert. Unabhängig davon ist es generell wichtig, die innere Hälfte de Pferdes leicht und frei zu machen. Die Art der Einwirkung ist dabei auch eine Frage von Takt und Timing. Grundsätzlich wird die Hilfengebung zum Angaloppieren folgendermaßen beschrieben: Die äußere Schulter des Pferdes wird mit dem äußeren Zügel sozusagen gestützt und die innere Schulter frei gemacht. Mit dem inneren Zügel hält der Reiter die Stellung. Dabei belastet er beide Gesäßknochen gleichmäßig, wobei er etwas mehr Gewicht in den äußeren Steigbügel bringt. Der äußere Schenkel, der eine Linie mit Schulter, Gesäß und Absatz bildet, wird ein Stück zurückgelegt. Dabei reagiert jedes Pferd unterschiedlich sensibel auf Schenkelhilfen. Einige Stuten sind in der Rosse besonders empfindlich und mögen es nicht, wenn das Bein des Reiter zu weit zurückgelegt wird. Der innere Schenkel liegt am Gurt und treibt sozusagen ab dem Angaloppieren den Galoppsprung heraus. Lassen Sie sich Zeit, um herauszufinden, wie Sie am besten mit Ihrem Pferd kommunizieren können, ohne negative Spannungen zu erzeugen.

Wechsel vom Außen- zum Handgalopp sollten konzentriert und ruhig geritten werden


Stark durch Galopparbeit

Ohne Bauch kein Rücken – das gilt nicht nur für unsere Vierbeiner. Auch beim Menschen spielt die Bauchmuskulatur eine wichtige Rolle in Bezug auf das Rückentraining. Beim Pferd wird der Rücken erst durch die Bauchmuskulatur richtig belastbar. Ist sie schwach ausgeprägt, lässt das Pferd den Rücken durchhängen. Dabei läuft es nahezu dauerhaft im Hohlkreuz. Der Rückenmuskel übermüdet nach kurzer Zeit, was wiederum Schmerzen und Blockaden zur Folge haben kann. Die Bauchmuskeln heben und stützen den Rücken. Zudem halten sie das Becken in gekippter Position. Eine Möglichkeit, die Bauchmuskulatur zu trainieren, ist die Galopparbeit. In der Flugphase gibt es einen Moment, in dem sich alle vier Beine aufwärts Richtung Rumpf bewegen. Genau dann wird die Bauchmuskulatur angespannt und der Rücken angehoben. Entscheidend ist hierbei die Qualität des Galopps. Unter anderem sollte er taktsicher und rund gesprungen sein. Je nach Ausbildungsstand von Pferd und Reiter kann die Galopparbeit individuell gestaltet werden. Im Folgenden zeigen wir Ihnen anhand verschiedener Übungen, wie Sie das Training anpassen können.

DEN RICHTIGEN WEG WÄHLEN

Sie müssen kein Profi sein, um Ihr Pferd im Galopp zu arbeiten. Wichtig ist, das Training entsprechend dem Ausbildungsstand von Reiter und Pferd zu gestalten. Die folgenden Übungen bieten zwei Variationsmöglichkeiten. Level eins richtet sich an Reiter der Klasse E bis A und ebenso an junge Pferde oder solche, die wieder antrainiert werden. Level zwei richtet sich an fortgeschrittene Reiter und Pferde ab Klasse L, denn hier wird bereits ein gewisser Versammlungsgrad vorausgesetzt. Lesen Sie sich am besten beide Varianten durch. Natürlich können Sie auch einzelne Elemente der beiden Levels kombinieren, beispielsweise, wenn Sie zwar ein junges Pferd reiten, jedoch über viel Erfahrung verfügen, oder wenn Sie sich auf dem Weg von Klasse A nach Klasse L befinden.

DIE GANGART VERSTEHEN

Der Galopp ist ein Dreitakt in sechs Phasen. Je nachdem, welches Vorderbein führt, wird zwischen Rechts- und Linksgalopp unterschieden.

Die Fußung im Rechtsgalopp:

ERSTER TAKT: äußerer Hinterfuß (links)

ZWEITER TAKT: gleichzeitig innerer Hinterfuß (rechts) und äußerer Vorderfuß (links)

DRITTER TAKT: innerer Vorderfuß (rechts) – führendes Vorderbein

DANACH: Schwebephase (alle vier Beine vom Boden gelöst) Die sechs Phasen im Rechtsgalopp:

ERSTE PHASE: Einbeinstütze hinten links

ZWEITE PHASE: Dreibeinstütze

DRITTE PHASE: Zweibeinstütze, nachdem das Pferd hinten links abgefußt hat

VIERTE PHASE: Dreibeinstütze

FÜNFTE PHASE: Einbeinstütze vorne rechts

SECHSTE PHASE: Schwebephase

Hintere Einbeinstütze


Diagonale Zweibeinstütze


Vordere Einbeinstütze


Schwebephase

GUT VORBEREITET IN DEN GALOPP

Ein kurzes Anzackeln aus dem Schritt oder schnelle Trabtritte, bevor die Galopphilfe durchkommt – ein korrekt gerittener Übergang in die dritte Gangart ist oft gar nicht so einfach und sorgt nicht nur bei jungen Pferden für Aufregung. Je nachdem, auf welchem Ausbildungsstand sich Pferd und Reiter befinden, kann das Angaloppieren unterschiedlich vorbereitet werden.

LEVEL 1: Lernen Sie, Ruhe zu vermitteln. Besonders jungen Pferden fällt es oft schwer zu warten. Ebenso müssen sie lernen, sich unter dem Reiter auszubalancieren. Wenn Ihr Pferd im Trab eilig wird, statt anzugaloppieren, dann werden Sie nicht hektisch, sondern sichern Sie zunächst wieder Takt und Tempo, um den Übergang einzuleiten. Lenken Sie Ihr Pferd mit anderen Übungen, die es beherrscht und bei denen es sich entspannen kann ab. Das können einfache Bahnfiguren wie Schlangenlinien oder Übergänge zum Schritt sein. Analysieren Sie in Ruhe die Situation: Möglicherweise haben Sie selbst durch Ihren Sitz und Ihre Einwirkung Unruhe in die Vorbereitung des Galopps gebracht. Auch das ist kein Grund, demotiviert zu sein. Wenn Sie die Ursachen kennen, können Sie daran arbeiten, am besten gemeinsam mit Ihrem Trainer.

Nutzen Sie Seitengänge, um Ihr Pferd an die Hilfen zu stellen und das Angaloppieren vorzubereiten


LEVEL 2: Je weiter Pferd und Reiter ausgebildet sind, desto mehr Möglichkeiten bestehen, das Angaloppieren dem Galopp entsprechend vorzubereiten. Seitengänge sind dabei eine echte Schlüssellektion. Sie helfen, das Pferd an die Hilfen zu stellen, es geradezurichten, zu sensibilisieren und aufmerksam zu machen. Je besser der Reiter die Position von Vorder- und Hinterhand bestimmen kann, desto besser können auch Galoppfehler korrigiert werden, die häufig auf die Schiefe des Pferdes zurückzuführen sind. Auch bei zur Hektik neigenden Pferden oder solchen, die vor dem Schenkel fliehen, können Seitengänge helfen. Versuchen Sie es mit Schultervor, Schulterherein oder Travers, auch wenn Ihr Pferd nach dem Durchparieren oder bei den einfachen Wechseln eilig wird. Bringen Sie Abwechslung ins Training. Kombinieren Sie Seitengänge mit halben und ganzen Paraden und sorgen Sie dafür, dass Ihr Pferd nicht jede Übung vorausnimmt.

Überfallen Sie Ihr Pferd nicht mit der Galopphilfe, denn jedes Pferd reagiert unterschiedlich sensibel auf den Schenkel


DEN GALOPP VERBESSERN

Während manche Pferde von Natur aus mit einer guten Galoppade strahlen, kann bei anderen das richtige Training für mehr Ausdruck sorgen. Der Galopp lässt sich nicht durch längeres Galoppieren verbessern, sondern durch entsprechende Übungen, von Übergängen bis zur Stangenarbeit. Eine wichtige Rolle spielen dabei Takt, Losgelassenheit und Gleichgewicht.

Dosieren Sie die Galopparbeit so, dass Sie Ihr Pferd nicht überfordern


LEVEL 1: Konzentrieren Sie sich auf korrekte Übergänge und zwar nicht nur vom Trab zum Galopp oder umgekehrt. Auch ganze Paraden oder Übergänge vom Trab zum Schritt und vom Schritt zum Trab können dazu beitragen, die Tragkraft und Durchlässigkeit und somit den Galopp des Pferdes zu verbessern. Ist Ihr Pferd nicht in der Lage, sich im Dreitakt auszubalancieren, oder haben Sie Probleme mit Sitz und Einwirkung, dann hilft auch langes Galoppieren nicht. Vielmehr sollten Sie Wert auf die richtige Vorbereitung und kurzeReprisen legen. Vergessen Sie dabei das Lob nicht. Probieren Sie doch einmal aus, Ihr Pferd für ein oder zwei Wochen nur im Schritt und Trab zu arbeiten, und überprüfen Sie, wie sich die Qualität des Galopps anschließend verändert hat. Junge Pferde sollten auf großen Linien galoppiert werden. Steigern Sie die Anforderungen Schritt für Schritt, ohne das Pferd zu überfordern. Ein Durchreiten der Ecke im Galopp kann anfangs schon eine Herausforderung sein. Bleiben Sie ruhig, auch wenn Ihr Pferd mal aus dem Gleichgewicht kommt und davoneilen möchte. Parieren Sie kontrolliert durch und fordern Sie anschließend noch einmal ein paar Sprünge, bevor Sie die Galopparbeit beenden.

Auch durch Trabarbeit kann der Galopp verbessert werden


Reiten Sie Tempounterschiede und unterschiedliche Halslängen


LEVEL 2: Reiten Sie Tempounterschiede im Galopp und achten Sie dabei auf eine feine Hilfengebung. Zulegen und Aufnehmen darf nicht zum Kraftakt werden. Vielmehr sollten Sie Ihr Pferd durch entsprechendes Training dazu befähigen, vermehrt Last mit der Hinterhand aufzunehmen. Auch wenn Ihr Pferd schon einen gewissen Versammlungsgrad erreicht hat, kann die Arbeit im Schritt und Trab den Galopp weiter verbessern. Ebenso helfen Übungen wie Seitengänge, Rückwärtsrichten und daraus antraben sowie Wechsel vom Außen- zum Handgalopp und umgekehrt. Egal ob Links-, Rechts- oder Außengalopp, achten Sie im versammelten Tempo stets auf den gleichen Takt, die gleiche Haltung und den gleichen Versammlungsgrad. So erleichtern Sie sich auch das Erarbeiten des fliegenden Wechsels. Setzen Sie den inneren Schenkel ein, wenn die Galoppade flacher wird. Nehmen Sie Ihr Pferd vor jedem Richtungsoder Tempowechsel vermehrt auf und erhalten Sie die Aufmerksamkeit durch ein abwechslungsreiches Training. Reiten Sie unterschiedliche Halslängen, also einen Wechsel zwischen Aufrichtung und Dehnungshaltung. Dabei können Sie ruhig hin und wieder frisch vorwärts galoppieren und dabei gegebenenfalls den Rücken des Pferdes entlasten. Wichtig ist, dass Ihr Vierbeiner dabei nicht auf die Vorhand fällt oder die Balance verliert.

SITZÜBUNGEN IM GALOPP

Eine reelle Ausbildung des Pferdes in allen Gangarten ist nur möglich, wenn der Reiter in der Lage ist, unabhängig von der Hand zu sitzen und fein einzuwirken. Sitzübungen sind nicht nur etwas für Anfänger an der Longe. Auch fortgeschrittene Reiter profitieren von schulenden Maßnahmen.

LEVEL 1: Zu Beginn ist es wichtig, die Bewegungen des Pferdes zu erfühlen. Lassen Sie sich an die Longe nehmen, ohne dass Sie die Zügel führen müssen. Galoppieren Sie an und gehen Sie in den leichten Sitz. Wenn möglich, schließen Sie die Augen und spüren Sie, wie Auf- und Abbewegungen durch Ihre Gelenke und Ihren Körper schwingen. Bleiben Sie passiv und lassen Sie sich von Ihrem Pferd bewegen. Legen Sie die Hände auf den Widerrist auf, und atmen Sie in den gesamten Körper hinein. Im nächsten Schritt nehmen Sie den vorgeneigten Oberkörper langsam nach hinten. Sobald Ihr Gesäß Kontakt mit dem Sattel hat, stellen Sie sich vor, wie Sie von einer Welle mit nach oben genommen werden, bis sich Ihre innere Hüfte wieder absenkt. Erfühlen Sie dieses rhythmische Auf und Ab. Ein Lächeln hilft, Spannungen zu lösen. Ebenso erleichtert eine aufrechte, selbstbewusste und offene Körperhaltung mit aufgerichtetem Blick das Sitzen im Galopp.

An der Longe können Sie lernen, die Bewegungen des Pferdes zu erfühlen


Üben Sie das Angaloppieren und Durchparieren ohne Zügelhilfen


LEVEL 2: Fortgeschrittene können diese Übung zunächst auf einem ausgebundenen Pferd an der Longe und später auch ohne Hilfszügel reiten. Sie hilft nicht nur dabei, die Galoppqualität zu verbessern und das Angaloppieren zu üben, sondern dient auch der Vorbereitung der Serienund Einerwechsel. Zunächst sitzen Sie im Trab aus und finden den richtigen Takt. Nehmen Sie dann mit dem äußeren Sitzbein etwas mehr Kontakt auf. Dabei wird die innere Seite entlastet. Um anzugaloppieren, denken Sie an Schultervor und an einen neuen veränderten Takt (Drei- statt Zweitakt). Der Moment des Angaloppierens gleicht einem sanften Anheben in die dritte Gangart. Der Galopp wird sozusagen durch den Gedanken an das Schultervor nach oben und vorne herausgelassen. Nehmen Sie sich vor, nur eine bestimmte Anzahl an Galoppsprüngen zu reiten, und denken Sie rechtzeitig wieder an den Trab und den Zweitakt. Durch diese Art des Mentaltrainings können Sie Ihr Timing optimieren und die Hilfen verfeinern.

ÜBER STOCK, STEIN UND STANGEN

Sowohl im Gelände als auch im Viereck können Sie spielerisch Abwechslung ins Training bringen und die Galoppade verbessern. Nutzen Sie dafür, was die Natur und der Parcours hergeben.

Lassen Sie Ihr Pferd im Gelände nicht davonstürmen, sondern kontrollieren Sie stets das Tempo im Galopp


LEVEL 2: Durch Bergauf- und Bergabreiten im leichten Sitz in einem gleichmäßigen, ausbalancierten Galopp kann der Raumgriff verbessert werden. Achten Sie darauf, dass der Rhythmus erhalten bleibt. Auf ebenem Boden können Sie Ihr Pferd dann rund, im Gleichgewicht und mit Ruhe dynamischer ausgreifen lassen, ohne dass es auf die Vorhand fällt oder eilig wird. Am Berg fallen vielen Pferden die einfachen Wechsel leichter, da sie aufgrund der Steigung schon vermehrt Last mit der Hinterhand aufnehmen müssen. Im Viereck können Sie Stangen auf den Zirkel legen und diesen im Galopp verkleinern und vergrößern. Je kleiner der Durchmesser, desto versammelter muss das Pferd galoppieren. Da diese Arbeit sehr anstrengend ist, sollten Sie regelmäßig Pausen einlegen.

Cavaletti-Arbeit bringt Abwechslung ins Training und hilft dabei, Muskulatur aufzubauen


Fotos: slawik.com (15), Daniel Elke (1), IMAGO/ Frank Sorge (1), Privat (1)