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GANGSTERBLUES UND FLÜSTERKNEIPEN


Bücher - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 22.05.2019

Im vier Romane umfassenden „City-Blues Quartett“ von Ray Celestin geht es um Serienmord, die Historie des Jazz und der Mafia. Nach dem fulminanten Auftakt mit „Höllenjazz in New Orleans“, folgt Celestin im zweiten Band „Todesblues in Chicago“ den Spuren Louis Armstrongs in den goldenen Zwanzigern in die Stadt Al Capones mit Flüsterkneipen und wilden Jazz-Partys.


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Bildquelle: Bücher, Ausgabe 4/2019

RAY CELESTIN
ist das Pseudonym eines englischen Drehbuchautors. Sein erster RomanHöllenjazz in New Orleans wurde mit dem CWA John Creasey Dagger für das beste Debüt und dem schwedischen Preis für den besten übersetzen Kriminalroman ...

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RAY CELESTIN
ist das Pseudonym eines englischen Drehbuchautors. Sein erster RomanHöllenjazz in New Orleans wurde mit dem CWA John Creasey Dagger für das beste Debüt und dem schwedischen Preis für den besten übersetzen Kriminalroman ausgezeichnet, sowie vom Indipendent zum „Krimi des Jahres“ gekürt.


Was fasziniert Sie an den Zwanzigerjahren?
Es war eine facettenreiche Dekade. Ich denke, dass sie immer noch einen Reiz ausübt, hat etwas mit der damaligen Freiheit zu tun. Politische, soziale und vor allem künstlerische Barrieren brachen ein. Es war die Ära des Modernismus mit optimistischem Blick in die Zukunft und Glaube an Fortschritt. Wir dagegen leben in einer Ära des Pessimismus und Dystopie. Vielleicht ist es diese Art der Hoffnung, nach der wir uns zurücksehnen, wenn wir in Jahre zurückblicken, in denen Menschen zu Recht gespannt auf die Zukunft waren. Rückblickend erscheinen sie jugendlich frisch, inspiriert und voller Sinnesfreude. Und Hedonismus: Die Menschen gingen aus, tranken, tanzten, waren high und freizügig in der Liebe. Wie in der Belle Époque.

RAY CELESTIN LESEN

Höllenjazz in New Orleans (Bd. 1)
Übersetzt von Elvira Willems Piper (2018), 512 Seiten, 16 Euro

Todesblues in Chicago (Bd. 2)
Übersetzt von Elvira Willems Piper, 592 Seiten, 16 Euro

BÜCHERmagazin verlost fünfmal „Todesblues in Chicago“ (Piper). Teilnahmebedingungen auf S. 4. Viel Glück!

Sie haben Japanologie studiert. Woher kam die Idee, Ihren ersten Roman in New Orleans in dieser Zeit anzusiedeln?
Ich wollte einen historischen Kriminalroman schreiben, weil ich das Genre liebe, ebenso wie Bücher, die auf wahren Fällen basieren. Ich suchte also nach einem Fall, auf den ich aufbauen konnte. Unter anderem auf Websites mit Daten zu ungelösten Serienmorden stieß ich relativ schnell auf den „Axtmann von New Orleans“ aus dem ersten Buch. Ich mochte, wie grotesk die Geschichte war. Er hatte vermutlich einen Brief an die Presse geschrieben, ein wenig wie bei Jack the Ripper. In New Orleans wurde gerade der Jazz geboren, die Prohibition begann, die Mafia wurde mächtiger. Alles in allem ein brillantes Setting fand ich.

Wann wussten Sie, dass daraus eine Tetralogie werden würde, angesiedelt in New Orleans, Chicago, New York und Las Vegas?
Nach dem ersten Buch fragte mein Verleger, ob ich nicht eine Serie machen möchte. Erst dachte ich, das geht nicht, aber die Idee trieb mich um. Und dann erinnerte ich mich an ein eigentümliches Detail: dass Louis Armstrongs Karriere seltsame Parallelen zu der der Mafia hatte. In New Orleans, wo Armstrong geboren wurde, war die Mafia in den 20ern als Erstes auffällig, während der Ära Al Capones war Armstrong in Chicago. Als die Mafia den Höhepunkt ihrer Macht erreichte, mit Hauptquartier in New York, war er ebenfalls dort. Und in den 50er- und 60er-Jahren, als rund um Las Vegas und die West Coast die größten Mafiaaktivitäten stattfanden, verbrachte Armstrong viel Zeit dort. Und nicht nur er: Die ganze Entwicklung des Jazz scheint an diese Route gekoppelt. Eine komische Laune der Geschichte, der noch niemand nachgegangen ist. Die Idee über vier verschiedene Dekaden, in vier amerikanischen Städten über diese Verbindung zu schreiben, die die ganze Mitte des 20. Jahrhunderts umfasst, hat mich wirklich begeistert!

War es nicht seltsam, eine so berühmte Person wie Louis Armstrong als einen der Protagonisten zu inszenieren?
Es war nicht seltsam, aber ein bisschen stressig. Es lag in meiner Verantwortung, ihn wahrhaftig und mit Respekt zu behandeln. Glücklicherweise gibt es eine Fülle von Informationen. Es wurden Bücher über ihn geschrieben und er selbst verfasste zwei Autobiografien. Ein Buch, das wie gerufen für mich kam, war „Master of Modernism“ von Thomas Brothers. Er beschäftigt sich unter anderem mit Armstrongs Zeit in Chicago und hat die Prämisse, dass er für sein Feld in dieser Zeit ebenso avantgardistisch, bedeutend und grundlegend war wie Pablo Picasso, James Joyce, T. S. Eliot oder Igor Strawinsky für das Ihrige. Ein Master des Modernism also.

Einige wichtige Figuren ziehen auch von New Orleans nach Chicago um …
Zwei Polizisten und Louis Armstrong. Armstrong hat dort in einem Nachtclub von Al Capone gearbeitet. Sie pflegten auch einen freundlichen Umgang und die beiden Männer verbindet noch mehr: Beide waren damals in ihren Zwanzigern, wuchsen zuvor in Armut auf und kamen nach Chicago, um ihr Glück zu finden. Sie fanden es exakt zur selben Zeit, aber auf völlig gegensätzliche Art und Weise. Ich spiele damit in dem Buch: Capone repräsentiert rücksichtslosen Individualismus, unkontrollierten Materialismus bis hin zum Wahnsinn und Louis Armstrong steht für Kollektivismus, Fortschritt durch Gemeinschaft und wechselseitige Rücksichtnahme. Diese beiden Philosophien bekämpften sich damals in Chicago und ich nutze die beiden Männer, um das darzustellen.

Es gibt in Chicago auch zwei neue Charaktere …
Ja, der eine ist ein Tatortfotograf. Der Typ, der sonst immer neben den anderen steht. Ich dachte: Warum sollte er nicht der Held sein? Damals haben Fotografen sowohl für die Polizei als auch für Zeitungen Bilder geschossen. Das ist zum einen ein interessanter Interessenskonflikt mit Potenzial zur Korruption und zum anderen mochte ich die Idee, dass meine Figur mit Journalisten und Polizisten Seite an Seite arbeitet. Der zweite neue Charakter ist ein Rum-Schmuggler, der einst aus der Stadt floh. Jetzt wird er mit all dem Dunklen konfrontiert, das er zurückgelassen hat.

Die Handlung verfolgt drei verschiedene Verbrechen: ein Mord in einer Gasse, ein verschwundenes reiches Mädchen, eine Feier mit vergiftetem Alkohol …
Ich nutzte die verschiedenen Handlungsstränge, um die unterschiedlichen Gruppen der Gesellschaft zu zeigen, arm und reich, gesetzestreu und kriminell, schwarz und weiß. Für einen einzelnen Charakter mit all diesen Schichten in Kontakt zu kommen, wäre zu weit hergeholt. Aber es war auch hart, das durchzuziehen. Im Grunde schreibt man drei Bücher, die alle unabhängig funktionieren müssen und dann baut man sie zu einem vierten Buch zusammen, in dem ebenfalls alles zusammenpassen muss. Aber dies ist für mich auch einer der kreativen Prozesse an einer Geschichte: All diese Fäden zu einem befriedigenden Ergebnis zu verweben. Es ist ein großes Erfolgserlebnis, wenn alles glücklich zusammenkommt und das motiviert mich über einen langen Zeitraum.

Die Bevölkerungsstruktur der Städte änderte sich damals sehr. Was an dieser sozialen Veränderung hat Ihr Interesse geweckt?
Ursprünglich war es die Musik. Die Musiker in New Orleans erfanden den Jazz und dann, 1910 bis 1920, verließen die meisten die Stadt. Sie gingen nach Chicago, einige auch nach New York oder Europa. Es ist verrückt, wie eine Kultur eine Stadt verändern kann. Es gab den Satz unter Jazzmusikern: „Jazz was born in New Orleans, and grew up in Chicago.“ Die Musiker waren aber auch Teil der großen Migrationsbewegung vom ländlichen Süden Amerikas in die Städte des Nordens. Ich glaube, eine der größten Migrationswellen der Geschichte überhaupt, aber weil sie innerhalb eines Landes stattfand, wurde sie nicht als so wichtig wahrgenommen, wie sie war. Dabei hatte diese Bevölkerungsverschiebung einen tief greifenden Effekt auf die USA. Viele der Probleme von heute lassen sich auf das Missmanagement und die Unfähigkeit zurückführen, mit den Zugewanderten umzugehen.

Wie haben Sie recherchiert? Und wie lange hat es gedauert?
Ich kaufte zunächst einige Geschichtsbücher über die Stadt und die betreffende Zeit. Wenn ich ein interessantes Thema darin fand, kaufte ich mehr Bücher dazu. Ich recherchierte durchgehend, weil ich Sorge hatte, etwas zu verpassen. Ein großer Teil waren Bilder, Fotos und Gemälde, dazu komisches Zeug wie Flyer von Nachtclubs, Werbezettel, Speisekarten. Ich erinnere mich, wie ich online die eingescannten Seiten des New Yorker Telefonbuches von 1940 fand, dem Schauplatz von Band drei. Ich verbrachte Stunden davor, fasziniert von den kleinen Anzeigen. Außerdem las ich Literatur und Poesie, die in dieser Zeit verfasst wurde. Glücklicherweise gab es in den 20ern die Chicago Renaissance, und eine Menge zu lesen. Es war eine Stadt der Schriftsteller, besonders der Poeten.

Wie haben Sie es geschafft, diese unglaubliche Atmosphäre zu kreieren? Die Stahlwerke am Horizont oder wie das Licht durch die farbigen Flaschenböden in den Fenstern der Flüsterkneipe fällt …
Ich versuche, mich in ähnliche Situationen hineinzuversetzen, die ich selbst erlebt habe. Ich war nie in einer Flüsterkneipe, aber auf illegalen Partys. Ich war nie in einem Schlachthaus, aber in großen Industrieanlagen. Und ich nutze ein paar Tricks des darstellenden Schreibens: Ich versuche, alle fünf Sinne einzubeziehen, Farben zu nutzen und universelles Empfinden einzubauen. Zum Beispiel weiß jeder, wie sich Wind auf dem Gesicht anfühlt, oder der Blick auf einen Sonnenuntergang. Schon die Erwähnung verführt das Erinnerungsvermögen, das Buch mit Leben zu füllen. Oder ich nutze auch eine Technik des Haiku, in der etwas Flüchtiges etwas Überdauerndem gegenübergestellt wird. Das klassische Beispiel ist der Frosch, der in einen uralten Teich springt. Platsch. Das ist sehr effektvoll.

Sie beschreiben Gebäude in Chicago mit Stilelementen des antiken Ägyptens oder Art déco. Existieren die noch?
Es gibt noch ein paar. Unglücklicherweise sind aber viele durch minderwertige Bauten ersetzt worden. Während meiner Recherche ist mir klar geworden, dass Chicago wahrscheinlich die großartigste Architektur der USA hat und hatte. Wir denken schnell an Gebäude in New York, aber es gab einen Grund, warum Chicago das „Paris des Mittleren Westens“ genannt wurde. Dort wurden die Wolkenkratzer erfunden und die Chicagoer Architektenschule hatte weltweit einen großen Einfluss. Die Stadt besitzt ein unglaublich reiches Erbe an Architektur.

Gab es weitere Informationen während Ihrer Recherche, die Sie überrascht haben?
Zum einen, wie gesagt, dass Armstrong und Capone einen freundlichen Umgang miteinander pflegten. Das war sehr überraschend. Zum anderen die Jazz-Clubs. In Chicago gab es eine strikte und gleichzeitig versteckte Rassentrennung. Doch die Clubs waren sichere Plätze für Interaktion – und romantischen und sexuellen Begegnungen. Das schien ziemlich ritualisiert. Paare mit verschiedenen Hautfarben haben sich im Club getroffen, getanzt und sind dann in einem Hotelzimmer verschwunden. Es war faszinierend, in einer Stadt, mit strikten Grenzen zwischen den Rassen, solche Orte zu finden und ich glaube nicht, dass es in einer anderen amerikanischen Stadt damals ein solches Phänomen gab.

War es schwierig, sich in die Rassentrennung hineinzuversetzen?
Ja, das war sehr schwer. Ich bin ein weißer Mittelschichts-Typ, in London aufgewachsen. Es gab nie eine von der Regierung aufgezwungene Rassentrennung wie in New Orleans in meinem Leben, es war eine vollkommen andere Weltsicht für mich. Auch in Chicago manifestierte die Rassentrennung sich überall, zu welchem Strand man gehen konnte, in welches Restaurant, welches Kino, wem man in die Augen sah. Ob du stehen oder sitzen durftest. Eine gemeine Etikette, die in jeden Teil des Lebens durchsickerte und gleichzeitig so kompliziert war, dass sie Besucher der Stadt verwirrte.

Wo verläuft bei Ihnen die Grenze zwischen Fakten und Fiktion?
Während die Handlung des Buches fiktional ist, sind Hintergrund, Setting und historische Fakten real. Zum Beispiel wurde tatsächlich ein Flugzeug für die Beerdigung eines berühmten Chicagoer Gangsters mit blauen Blumen gefüllt, aber es blieb wegen schlechten Wetters am Boden. Im Buch lässt es die Blumen auf den Trauerzug regnen. Es ist also wahr und erfunden zugleich. Einige Mafia-Beerdigungen waren damals bizarr und protzig, bis die Polizei dagegen vorging, weil sie den Lebensstil der Mafia glorifizierten. Capone hatte auch wirklich Syphilis. Seine Form wirkte auf das Gehirn, sodass er langsam den Verstand verlor. Er starb in den 1940ern daran im Gefängnis.

Wie lange haben Sie für die Bücher gebraucht?
Am ersten Buch habe ich sieben Jahre gearbeitet, knapp zwei Jahre am zweiten. Zunächst brauchte ich so lange, weil ich, erstens, noch nie ein Buch geschrieben hatte und nicht wusste, was ich da tue. Und, zweitens, nur am Wochenende und in der Mittagspause schreiben konnte. Für das dritte habe ich jetzt ebenfalls zwei Jahre gebraucht. Aber ich denke, für historische Romane bin ich auf einem guten Weg, die Recherche ist sehr zeitraubend.

Wie haben Sie den Plot geplant? Exakt mit einem Raster oder eher intuitiv?
Ich arbeite sehr organisiert. Zunächst umreiße ich den Plot in einer Exceltabelle, (etwas, worüber sich meine Freunde lustig machen), aber so kann ich Zeug auf dem Bildschirm hin und her schieben. Ich verbringe Monate damit, Dutzende Variationen auszutüfteln, und dann herauszufinden, welche die beste ist. Ich suche nach einer Art Ideal im Sinne Platons, das per Definition nicht existiert. Wenn ich dann denke, ich habe die beste Version, schreibe ich relativ schnell einen ersten Entwurf. Dann warte ich ein paar Monate und tue dann so, als ob ich das alles das erste Mal lese, und mache mir Notizen. Die häufigste ist: langweilig, langweilig, langweilig. Dann gehe ich zurück zur Exceltabelle und meiner Plot-Outline, mache wieder rund ein Dutzend neue Entwürfe und das Ganze beginnt von vorne. Die Version, die veröffentlicht wird, ist irgendwo zwischen dem siebten und neunten Entwurf. Es dauert ewig und ist sehr ineffizient.

Sie haben als Drehbuchautor gearbeitet. Hat das Ihre Arbeit am Buch beeinflusst?
Sehr, vor allem wenn ich eine Szene aufbaue. Im Film gibt es eine bestimmte Struktur: Du beschreibst den Ort, dann, wo die Personen stehen, dann beschreibst du diese und was sie tun. Es ist eine einfache Art, eine Szene aufzusetzen. Ich habe also versucht, den Leser wissen zu lassen, wo wir gerade sind, in welcher Beziehung die Figuren zueinander stehen, und erst, wenn er die Inszenierung und Geografie klar vor Augen hat, lasse ich die Handlung einfließen. Viele Schriftsteller starten eine Szene in dem Kopf eines Charakters und bauen sie von dort aus auf. Das fasziniert mich, weil es ein ganz anderer Ansatz ist und ich glaube, dass es viel härter ist, das durchzuziehen. Ich hätte damit auch Schwierigkeiten.

Gibt es Filme, die auf Ihren Drehbüchern basieren, die wir kennen könnten?
Nur, wenn Sie schlechte TV-Sender mitten in der Nacht gucken!

War es schwer, einen Verlag zu finden?
Ja. Es ist fast immer schwer, einen Verlag zu finden. Ich habe das Manuskript an etwa 18 verschiedene Literaturagenturen geschickt. Und habe von allen, bis auf einer, Absagen erhalten. Mit dieser Agentur habe ich das Buch noch einmal intensiv überarbeitet und von rund zwölf Verlagen wollten es dann zwei. Also wenn man die Prozentrate nimmt, ist es ein überwältigender Prozess des Scheiterns mit kleinen Lichtblicken.

Die Bücher wurden mehrfach ausgezeichnet. Haben Sie den großen Erfolg erwartet?
Ich glaube nicht, dass es ein großer Erfolg ist! Aber es macht sich besser als erwartet. Man kann ungefähr sagen, wie groß das Publikum eines Buches sein wird, basierend auf Genre und Marketingbudget (traurig). Und wenn es ein größeres Publikum findet, dann wegen seltsam glücklicher Magie, die niemand versteht und so fühlt es sich unangemessen an, dafür die Lorbeeren einzuheimsen.


Foto: Ray Celestin © Nick Redman

Foto: gettyimages.de/KeithBinns