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Gans raffiniert


JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 80/2021 vom 20.07.2021

Gänsejagd

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Neben perfekter Tarnung kommt es auf der Gänsejagd auf blitzschnelles, sauberes Schießen an.

Zu einer der anspruchsvollsten Disziplinen der Jagd gehört sicherlich der Schrotschuss auf bewegliche Ziele. Das Ganze auch noch aus einem beengten Schirm oder Blind heraus, vielleicht auch noch mit einer unbequemen Sitz- oder Stehhaltung, macht es mit einem kleinen Zeitfenster zum Vorbereiten auf den Schuss umso schwieriger. Alleine schon aus Tierschutzgründen sollte man als praktizierender Lockjäger fit mit der Flinte sein. Im folgenden Beitrag zeige ich Ihnen ein paar Tipps und Tricks, mit denen der Schuss aus Schirm und Gänseliege gelingt.

1. Die richtige Waffe

Grundsätzlich gilt: Jagen sollte man immer mit der Flinte, mit der man sich am wohlsten fühlt. Speziell für die Lockjagd würde ich jedoch, wann immer möglich, eine Selbstlade- oder Repetierflinte bevorzugen. Das Nachladen ohne im engen Schirm abzuknicken zu müssen und die höhere Feuerkraft sind bei der Jagd auf Schwarmvögeln ...

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... klare Vorteile. Das zweite Argument sticht vor allem dann, wenn man mit dem ersten Schuss auch die Schrote ins Ziel bringt. Welches Modell man wählt, hängt vom jeweiligen Geldbeutel ab. Benelli, Winchester, Franchi und Browning beispielsweise bieten alle solide und zuverlässige Selbstladeflinten an.

„Der Schaft trifft.“ Dieser Satz ist Gesetz! Neben der sogenannten Deutkraft, die auch stark mit der Balance der Flinte zusammenhängt, muss auch zwingend der Schaft ein sicheres und gleichmäßiges in-Anschlag-gehen gewährleisten. Der Markt hat darauf reagiert: viele Hersteller haben bei Holz- oder Kunststoffschäften, die zumeist an Selbstladeflinten Verwendung finden, Austauschmöglichkeiten oder flexible Schafteinstellungen verbaut. Als Richtwert gilt: die Schaftnase und die Nase des Schützen sollten zwei Finger breit auseinander liegen. Dies sollte unbedingt beachtete werden.

2. Welche Lauflänge?

Hier spielen die körperlichen Voraussetzungen eine entscheidende Rolle. Außerdem gilt, bei den Selbstladeflinten und den Repetierflinten, dass das System bauartbedingt nochmals 15-20 Zentimeter Länge zum eigentlichen Lauf mit sich bringt. Meine Empfehlung der Lauflängen im Verhältnis zur Körpergröße ist darum bei Jägern unter einer Körpergröße von 175 Zentimetern, für Bockdoppel- und Querflinten 71 Zentimeter, für Selbstlade- und Repetierflinten 66 Zentimeter. Bei einer Körpergröße von 175-185 Zentimetern, empfiehlt es sich, bei Bockdoppel- und Querflinten Lauflängen von 76 Zentimeter Länge und bei Selbstlade- und Repetierflinten Lauflängen von 71 Zentimetern zu verwenden. Jäger mit einer Körpergröße von über 185 Zentimetern nutzen am besten Lauflängen von 81 Zentimetern bei Bockdoppel- und Querflinten und Lauflängen von etwa 76 Zentimetern bei Selbstlade- und Repetierflinten.

Gänseladungen

Bleischrot

12/76 ➔ 50-52 g

12/70 ➔ 34-36 g

16/70 ➔ 30-32 g

20/76 ➔ 34-36 g

20/70 ➔ 28-32g

Steel

(Korngröße eins höher, also 3,5 bis 3,7mm und maximal Halbchoke)

12/76 ➔ 36 g

12/70 ➔ 32 g

20/76 ➔ 28 g

20/70 ➔ 24 g

3. Welche Munition?

Gänse haben Lebendgewichte von drei Kilogramm und mehr, darüber hinaus auch ein sehr drahtiges Gefieder, das mit der Haut und dem Pürzelfett eine ziemlich homogene und vielschichtige Masse darstellt. Dazu kommen noch sehr harte, und im Verhältnis zu einem Hühnervogel recht große Knochen, die es zu durchschlagen gilt. Hat man nicht gerade den Luxus, den Vogel von unten beschießen zu können, ist die Gans als Querreiter jenseits der 25 Meter als ziemlich schusshart anzusehen. Deswegen bevorzuge ich immer sehr eng schießende Munition mit Plastikzwischenmittel. Die Korngröße sollte nicht unter 3,1 Millimeter gewählt werden: bewährt haben sich im Sommer 3,1-3,3 Millimeter und im Winter 3,5 Millimeter, da auch der Energietransport des gröberen Schrotkorns über eine weitere Distanz mehr Durchschlagkraft bringt. Neben der Korngröße ist auch die Deckung und die Anfangsgeschwindigkeit der Munition entscheidend. Hier gibt’s nur eins: testen, testen, testen! Das gelingt am besten mit dem Schuss auf ein Telefonbuch aus 25 Metern Entfernung, mit dem halben Choke oder bei einem Fix- Choke aus dem unteren beziehungsweise rechten Lauf. Dabei gilt es aus den unterschiedlichen Laborierungen die Richtige auszuwählen. Der Koeffizient aus Durchschlag und Deckung sollte dann entscheidend sein. Als Richtwert beim Kauf bevorzuge ich immer Patronen mit mindestens 400 m/V1 nach Packungsangabe. Dass die Herstellerangaben häufig nicht mit der jeweils eigenen Waffe zu erzielen sind und deshalb oft von der Packungsangabe abweichen, wird dem ein oder anderen erfahrenen Schützen unter den Lesern nichts Neues sein. Wer auf Nummer sicher gehen will, benutzt einen Geschwindigkeitsmesser. Im Laufe der Zeit haben sich bei mir die genannten Laborierungen als gute Kombination aus Vorlage und Schrotgröße bei entsprechender Mindestgeschwindigkeit bewährt.

Pull away, hit easy

Die Methode des „Pull Away” eignet sich hervorragend, um auf der Gänsejagd sauber zu schießen und sicher zu treffen.

Start

Die Gans wird mit der Flinte auf dem Ziel aufgenommen.

Die Flinte bleibt auf dem Vogel und nimmt die Geschwindigkeit der Gans auf.

Der Lauf wird mit konstanter Bewegung kontrolliert nach vorne weggezogen – der Schuss bricht.

4. Standverhalten und Vorbereitung

Aus Schützensicht muss man sich auf einen schnellen und intuitiven Anschlag verlassen können, um das zu üben, eignet sich das Trockentraining zu Hause. Dabei sollte man vom Bett (sie lesen richtig), oder vom Stuhl aus, das in Anschlag gehen üben. Vor allem aus der Liege ist das Schießen total ungewohnt, gehört doch ein „Situp“ als erste Bewegung zu den eher unüblichen Bewegungen auf der Jagd. Ein Bauchmuskel und Unterarmtraining trägt hier auch zum Erflog bei. Im Stand selbst gilt es, bis zur letzten Sekunde keine Bewegung zu machen, um nicht doch noch von den gut äugenden Vögeln erspäht zu werden. Dann sollte das Schema, „so wenig Bewegung wie möglich und so viel, als nötig“ greifen. Deshalb den Schirm immer mit der Sonne im Rücken aufbauen. Im Schirm selbst so viel Platz als nötig lassen, damit ein sicheres in Anschlag gehen gewährleistet ist, ohne die eigene Anwesenheit zu verraten.

5. Schießtechnik

Die Gans ist logischerweise im vorderen Drittel, also vom Kopf bis zum Rabenschnabelbein, am empfindlichsten. Hier reichen wenige Schrotkörner für einen sicheren und sofort tödlichen Treffer. Deshalb ist das Augenmerk auf Kopf und Stingel des Tieres zu richten und es sind nur diese als Ziel anzuvisieren. Erkennt man das Auge im Farbton ist die Gans in ausreichender Schussentfernung. Mit der Technik „Pull Away“, was so viel bedeutet, wie „vom Ziel Wegziehen“, vermeidet man zu meist lästiges Hinterherschießen. Sollte der Schuss vorne vorbei gehen, fliegt der Vogel ohne Verletzungen davon. Ein, auf mancher Hühnerjagd als passende Technik beschriebenes „Drauf und Davor“, lässt sich mit der Technik des „Pull Away“ in etwa vergleichen. Einer Schießtechnik, bei der kontrolliert vom Ziel aus „weggezogen“ und vor der Gans abgezogen wird. Das Treffen wird erheblich einfacher.

6. Ausführung der Technik

Man visiert den Kopf der Gans an und schwingt einen kurzen Augenblick mit, um dann mit der Mündung die Flucht nach vorne, also vom Ziel weg anzutreten. In dem Moment baut man immer mehr Druck auf dem Abzug auf, bis der Schuss bricht. Mit dem Skeetstand auf Position 4 lässt sich diese Technik wunderbar üben.

Nachdem man hier Erfolg hat, versucht man sich im Jagdparcours auf sog. Crosser, die zumeist eine ähnliche Flugcharakteristik aufweisen, aber nun in der Entfernung weiter weg sind. Bis 45 Meter darf ruhig geübt werden, denn im Jagdalltag kann ein Nachschuss auf eine bereits kranke Gans, auch mal auf diese Entfernung getätigt werden müssen. Wichtig beim Üben am Tontaubenstand ist, keine zu langsamen Ziele zu beschießen. In der Regel haben Gänse eine ordentliche Geschwindigkeit von 70 Kilometern pro Stunde und mehr, auch wenn sie sich im Landeanflug befinden. Die Größe täuscht und vermittelt unerfahrenen Schützen den Eindruck sicher treffen zu können. Ein Hinterher- oder Krankschießen sind die Folgen.

7 . Gute Tarnung ist alles

Zum Schluss noch ein kleiner Ausrüstungstipp, die Tarnkleidung soll so ausgewählt werden, dass das in Anschlag gehen und die Sicht auf die Ziele sauber und ohne Hindernisse möglich ist. Brillenträger sollten bei der Wahl der Gesichtsmaske unbedingt ein Beschlagen der Gläser vermeiden. Da kann auch mal eine braune oder schwarze Creme anstatt des Netzes helfen. Wichtig ist, keine Haut zu zeigen!

Zudem ist entscheidend, dass das Camomuster des Schirms sowie der verwendeten Bekleidung perfekt zum Hintergrund passt und mit diesem verschmilzt. Ist die Wahl des Musters und der perfekten Tarnung bei der Krähenjagd bereits wichtig, so spielt dies bei der Gänsejagd noch eine größere Bedeutung, da Gänse wirklich sehr gut äugen. Gänseliegen lassen sich auf abgeernteten Feldern sehr gut einsetzen, wo meist höhere Vegetation oder Möglichkeiten zur Tarnung fehlen. Blind oder auch Tarnschirme hingegen, lassen sich sehr gut an Maisschlägen, vor Hecken oder hohem Schilf in die bestehenden Konturen des Reviers einbauen.