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Ganz entspannt durch den: ADVIENT


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 49/2018 vom 30.11.2018

Für viele ist esdie schönste Zeit des Jahres. Oft leider auch die stressigste. So schaffen Sie es, die nächsten Wochen ohne Hektik zu genießen


Artikelbild für den Artikel "Ganz entspannt durch den: ADVIENT" aus der Ausgabe 49/2018 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 49/2018

MIT GENUSS
Plätzchen backen ist in der Weihnachtszeit ein besonderer Spaß für Groß und Klein


MIT LICHT
Kerzen erhellen die dunkle Zeit und signalisieren: Es wird festlich!


Ein Lichtstreif in dunklen Zeiten. Ein warmer Hauch inmitten von Kälte. Es ist, als würde die Welt plötzlich ein freundliches Lächeln zeigen. Zauberhaft, geradezu magisch ist der Advent. Ein kleines Wunder, das uns alle Jahre wieder ein bisschen verändert. Weil es alle Sinne berührt: Der ...

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... Advent riecht nach Vanille, Zimt und Orangenschale. Klingt nach Glöckchen und alten Weisen, die wir schon als Kinder sangen. Schmeckt nach selbst gebackenen Keksen. Lässt die Augen im Kerzenschein leuchten. Und hier und da schaut man sehnsüchtig zum Himmel und wünscht sich, dass doch ein bisschen Schnee von dort herunterkommen möge.

Die Macht derErinnerung

Es ist eine besondere Zeit, ohne Frage. Eine, auf die wir uns freuen, weil sie von Familie erzählt, von ruhigen Stunden mit den Lieben, von Gemeinsamkeit. Weil in ihr Kinderglück und Vorfreude liegen. Sie weckt in uns Erinnerungen an die Adventswochen unserer Kindheit, die meist unbeschwert waren. Und jede Menge Erwartungen an die Tage, die vor uns liegen.

MIT FRISCHE
Raus an die frische Luft, die Elemente spüren. Das gibt uns neue Energie


»WIR SCHAFFEN UNSEREERINNERUNGEN SELBST.«
Hans Markowitsch, Gedächtnisforscher


Doch genau das wird manchmal zum Problem: Wir haben Bilder im Kopf, wie diese Zeit aussehen sollte. Es sind Bilder voll Perfektion, Glanz und Glück. Sie werden nicht zuletzt von den idealisierten Bildern gespeist, die wir in der Werbung und in Weihnachtsfilmen sehen. Doch auch unser eigenes Gedächtnis steuert ein paar glorifizierte Eindrücke bei: Früher, so gaukelt es uns vor, war alles perfekt.

MIT RUHE
Ein Buch, eine Tasse Tee: So schafft man sich kurze Pausen


Doch war es wirklich so? Prof. Hans Markowitsch, Gedächtnisforscher an der Universität Bielefeld, weiß es besser: „Wir schaffen unsere Erinnerungen selbst.“ Sie verändern sich mit den Jahren, vermischen sich mit Wünschen und Emotionen. Gerade ab der Lebensmitte scheint manches Detail aus der Jugend plötzlich wie von Zuckerguss überzogen zu sein.

Erwartungen herunterschrauben

Unsere Erwartungen an die Adventszeit sind also gewaltig – die Wirklichkeit hat kaum eine Chance, neben all diesen Bildern zu bestehen. Das bringt oft Enttäuschungen mit sich. Doch denen kann man geschickt vorbeugen: Schon vor Beginn der besinnlichen Zeit sollte man sich in Ruhe Gedanken über die eigenen Erwartungen machen, rät die Stuttgarter Diplom-Psychologin Elke Weigel. Dabei muss auch die Alle-Jahre-wieder-Choreografie der Weihnachtswochen auf den Prüfstand: „Oft haben wir ein automatisches Programm aus familiären Traditionen verinnerlicht“, sagt Weigel. „Man kann sich aber selbst die Erlaubnis geben, die einzelnen Elemente einmal anzuschauen und zu fragen: Gefällt mir das eigentlich? Tut mir das überhaupt gut?“ Kann man den Kirchgang, der bislang vor der Bescherung in den Nachmittag gezwängt wurde, nicht einfach auf die Mitternachtsmesse legen – jetzt, wo die Kinder erwachsen sind? Und stresst der traditionelle Adventskaffee mit den ehemaligen Nachbarn oder der Weihnachtsmarktbesuch mit Kolleginnen womöglich mehr, als er Freude bringt? Dann sollte man diese Punkte von der eigenen Agenda streichen – als kleines vorweihnachtliches Geschenk an sich selbst. „Grundsätzlich ist der Satz ,Das haben wir immer so gemacht‘ gefährlich“, warnt Psychologin Elke Weigel. Weil man damit die eher belastenden, zeit- und energiefressenden Programmpunkte im Advent gar nicht mehr hinterfragt.

Aufgaben verteilen für mehrGelassenheit

Sogar die Vorbereitungen der Festtage darf man ruhig infrage stellen: „Meistens sind es ja die Frauen, die alles in die Hand nehmen und die dann wahnsinnig gestresst sind“, weiß Weigel. Die Psychologin erlebt in der Adventszeit immer wieder, dass Mütter beklagen, in der Familie helfe niemand mit. Gleichzeitig fühlen sich ältere Kinder oft von der Planung ausgeschlossen. „Man müsste einfach offen miteinander sprechen, zum Beispiel in einer ge mütlichen Familienkonferenz“, rät Weigel. „Dabei kann man Aufgaben verteilen und auch Erwartungen anderer abklären. In Familien, wo das gemacht wurde, höre ich vor allem von den Frauen später, dass alle mit der neuen Arbeitsteilung glücklich waren. Und wenn die Frauen gelassen sind, geht’s der ganzen Familie gut.“ Perfektion? Ein minutiös ausgeklügelter Zeitplan? Das braucht kein Mensch. Oft wirkt beides sogar steifer und weniger lässig als Feierlichkeiten, bei denen auch mal etwas schiefgeht und nicht alles ständig nach einem strikten Zeitplan abläuft. „Man darf nie vergessen: Weihnachten ist ein Fest der Familie, in dem wir das Miteinander, die Gemeinschaft feiern“, sagt Weigel. „Das sollte im Vordergrund stehen. Nicht die Performance des Einzelnen.“ Sie ist überzeugt: Eine entspannte Atmosphäre ist letztlich auch die Basis für harmonische Wochen und ein konfliktfreies Fest. „Wenn alle unter Strom stehen, sind Streitigkeiten dagegen programmiert“, so die Expertin.

MIT VORFREUDE
Gemeinsam Präsente aussuchen macht Spaß und entstresst


MIT LIEBE
Die richtige Deko verwandelt kleine Geschenke in große Überraschungen


EineNummer kleiner, bitte!

Auch bei den Arbeiten, die letztlich zu erledigen bleiben, kann man sich das Leben leichter machen. Schon bei der Rezeptauswahl sollte man darauf achten, dass die Speisen leicht vorzubereiten sind und die Gastgeber nicht stundenlang in der Küche stehen müssen. Statt auf der Suche nach einem besonders raffinierten Gewürz durch mehrere Läden zu hetzen, könnte man die Zutat eventuell leichter im Internet bestellen – oder einfach streichen und durch gängigere Gewürze ersetzen.

MIT MASS
Es muss nicht der größte, beste, schönste Baum sein. Hauptsache, er wird mit Liebe geschmückt


MIT GLANZ
Den Kleinsten macht es viel Freude, den Baum zu dekorieren


Geschenke gehören natürlich zum Weihnachtsfest, aber das Besorgen empfinden 41 Prozent der Deutschen laut einer Allensbach-Umfrage als große Belastung. Auf der Liste derer, die man beschenkt, finden sich meist seit Jahren immer wieder die gleichen Namen, obwohl sich manche Beziehungen längst geändert haben, man meist nur noch zu Weihnachten Kontakt hat oder einander vielleicht nur deshalb beschenkt, weil man glaubt, der andere erwarte das.

Vielleicht kann man den einen oder anderen Namen einfach streichen? Oder mit der Freundin abmachen, sich nichts mehr zu schenken und stattdessen lieber einen gemeinsamen gemütlichen Feierabend auf dem Weihnachtsmarkt zu verbringen. Um die Geschenke für alle, die noch auf der Liste bleiben, sollte man sich dann möglichst frühzeitig kümmern. In letzter Minute nach irgendetwas Vorzeigbarem zu fahnden ist sinnlos: „Es geht ja nicht darum, dem anderen etwas zu schenken, damit er es sich nicht selbst kaufen muss“, sagt der Soziologe Holger Schwaiger. Man möchte echte Freude bereiten. Schenken ist eine Art von Kommunikation: „Wir senden damit Botschaften wie: Ich mag dich.“ Mit Selbstgebackenem, einer eingekochten Marmelade oder einem selbst gemachten Chutney liegt man eigentlich immer richtig – und spart sich obendrein das vorweihnachtliche Gedränge in den Kaufhäusern.

Pausenzeichen bewusst setzen

Wer mitten im Jahr an die Adventszeit denkt, hat sofort den Duft nach Nelken, Vanille und gebrannten Mandeln in der Nase und sieht sich im Kerzenschein gemütlich auf dem Sofa sitzen, während Frank Sinatras Weihnachtslieder aus dem Lautsprecher klingen. Nur: Warum kommen wir dann so selten dazu, diese ruhigen, besinnlichen Stunden aus unserer Fantasie auch wirklich zu leben? Weil wir uns die Zeit nicht nehmen! Vielleicht auch, weil wir so daran gewöhnt sind, alles akribisch zu planen, dass für Aktivitäten, die nicht im Terminkalender stehen, kein Raum bleibt. Das kann man ändern: „Jeden Tag im Advent sollte man sich eine halbe Stunde für sich selbst gönnen“, rät Psychologin Elke Weigel. „Gerade wenn es viel zu erledigen gibt, ist diese Auszeit wichtig. Um Musik zu hören oder einfach Löcher in die Luft zu gucken.“ Auch Entspannungstechniken wie Yoga können helfen – doch die sollte man schon beherrschen, meint Weigel: „Wer sich jetzt auch noch vornimmt, einen Yogakurs zu besuchen, setzt sich schon wieder unter Druck. Dann hat man ja noch eine Aufgabe mehr, die sozusagen abzuarbeiten ist.“ Besser, man nutzt die halbe Stunde mit einer kleinen Meditation oder wenigstens mit ein paar ruhigen, tiefen Atemzügen: „Mit jeder tiefen Atmung in den Bauch hinein wird der Pegel der Stresshormone, die sich ansammeln, halbiert“, sagt Weigel, die auch Körpertherapeutin ist. „Dann noch schön dehnen, das Kreuz einmal durchdrücken, und die Zeit voll auskosten.“ Das Handy sollte man in diesen kostbaren Minuten weit weglegen. Diese Pause kann man ruhig in den Terminkalender eintragen. Das hilft vielen, die Verabredung mit sich selbst ernster zu nehmen. „Fast jeder, der sich diese Zeit gönnt, erlebt, dass er danach fokussierter und organisierter ist, ja sogar klarer denkt“, berichtet Weigel. Eine Kerze anzünden, eine Tasse des Lieblingstees trinken, ein Buch lesen, einfach in eine Flamme schauen: So geht die kleine Entspannung zwischendurch.

Rituale helfen beim Entspannen

Eine Kerze zu entzünden spielt übrigens auch als Ritual eine wichtige Rolle. So gibt man der Seele ein Signal: Jetzt wird es festlich, friedlich, harmonisch. Jetzt nehmen wir uns Zeit, halten inne. Kleine Rituale sollte man auf keinen Fall vernachlässigen. Da sie automatisch ablaufen und man nicht mehr über sie nachdenken muss, helfen sie uns abzuschalten, uns fallen zu lassen. Man hängt seinen Gedanken nach – und nimmt automatisch Fahrt aus dem Leben.

Noch eine schöne, weihnachtliche Idee: gemeinsam Weihnachtslieder singen. Das sei eine ideale Pause, meint Psychologin Hildegard Belardi aus Bergisch-Gladbach: „Vor allem, wenn es den Menschen dabei gelingt, sich tatsächlich einander zu widmen und etwas Zeit jenseits des hektischen Alltags zu schenken.“ Gemeinsames Musizieren, so fanden Evolutionsforscher heraus, stärkt die sozialen Bindungen. Und darum geht es doch: miteinander genießen, mit allen Sinnen, so stressfrei wie möglich. Vielleicht schaffen wir es ja dieses Jahr, den Advent zur entspanntesten Zeit des Jahres zu machen.


FOTOS: S. 8-9: RITZMANN/MITCHEL/GETTY IMAGES (3), LUMIKK555/SHUTTERSTOCK; S. 10-11: SVETIKD/MANEVSKA/JOKIC/GETTY IMAGES (4); S. 12: NAKIC/TATYANAGL/GETTY IMAGES (2)