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Ganz intim


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Bio - natürlich gesund leben - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 05.01.2022

Pflege für die Frau

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Bildquelle: Bio - natürlich gesund leben, Ausgabe 1/2022

Das menschliche Mikrobiom beschreibt die Fülle der Mikroorganismen, die in uns und mit uns in Symbiose leben. Mehr als 1.000 verschiedene Spezies besiedeln allein den Darm. Haut und Schleimhäute verfügen ebenfalls über ein eigenes Mikrobiom. Das intakte vaginale Mikrobiom liegt mit einem pH-Wert von etwa 3,8 bis 4,5 im sauren Milieu und schützt so natürlich vor zum Beispiel bakteriellen Infektionen. In der Vagina einer gesunden Frau existieren allein pro Quadratmillimeter etwa zwei Milliarden Bakterien, vorherrschend sind die Milchsäurearten Laktobacillus (kurz L.) crispatus, L. gasseri, L. iners und L. jensenii. Durch die „guten“, milchsäurebildenden Bakterien wird die Scheide natürlich geschützt, solange diese nützlichen Helfer in ausreichender Menge vorhanden sind. Der Säuregehalt kann das Wachstum unerwünschter Erreger hemmen und dafür sorgen, dass sich diese nicht an der ...

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... nur drei Millimeter dicken Vaginalwand anheften.

TIPP

Sauna und Dampfbad

Wärme und Feuchtigkeit bieten ideale Wachstumsbedingungen für Vaginalpilze. Deswegen in Sauna und Dampfbad immer ein trockenes Handtuch unterlegen und klamme Tücher austauschen. Während der Periode sollten Sie nach dem Baden den Tampon wechseln!

Steigt der pH-Wert, wächst das Risiko

Steigt der pH-Wert und ist damit das vaginale Mikrobiom weniger sauer, kann es zu einem Mangel an nützlichen Laktobazillen kommen – die Abwehrleistung sinkt. Verschiedene Einflussfaktoren können dafür verantwortlich sein, zum Beispiel:

► Vorerkrankungen wie Diabetes

► Medikamenteneinnahme, insbesondere Antibiotika

► hormonelle Schwankungen, zum Beispiel bedingt durch Stress, enst u tion nge s oder Menopause

► parfümierte Intimwaschlotionen und Sprays

► synthetische luftundu ssige Unterwäsche

► verschwitzte und nasse Kleidung am Körper, zum Beispiel Sporthose oder Badeanzug

„Vor allem nach einerer Antibiotikagabe mit Penicillin sind Pilzinfektionen der Scheide häufig“, erklärt der Frauenarzt Dr. med. Wilfried Hohenforst aus Mönchengladbach.h. Meist handelt es sich um Hefepilze der Gattung Candida, die unter anderem auch bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr übertragen werden können. Interessant: Bei rund einem Drittel der Frauen gehören sie zur normalen Besiedelung, ohne Beschwerden zu machen. Sinkt jedoch die Abwehrkraft, können sich die Hefepilze leichter vermehren und zur Infektion führen. Typische Symptome sind Juckreiz, Rötung, Trockenheit und Brennen beim Wasserlassen.

DIE ANATOMIE DES WEIBLICHEN INTIMBEREICHS

Der Intimbereich einer Frau umfasst die Vulva, ein Oberbegriff für die äußeren Geschlechtsorgane, wozu Schamlippen (äußere und innere), Klitoris und Scheidenvorhof gehören. Auch der Eingang der Scheide (Vagina) gehört zum weiblichen Intimbereich, jedoch zählt diese zu den inneren Geschlechtsorganen. Vulva und Vagina sind also nicht dasselbe, wie fälschlicherweise häufig angenommen wird.

Der Venushügel und die großen (äußeren) Schamlippen umgeben die kleinen (inneren) Schamlippen, die Klitoris und den Scheidenvorhof. Im Scheidenvorhof, einem kleinen spaltförmigen Raum zwischen den kleinen (inneren) Schamlippen, liegt der Eingang der Scheide (Vagina) sowie der Ausgang der Harnröhre, über die der Urin ausgeschieden wird. Während die Vulva überwiegend mit Haut (Haut im Intimbereich) überzogen ist, sind der Scheidenvorhof und die Scheide mit Schleimhaut ausgekleidet.

Hygiene – bitte nicht übertreiben

Die moderne Mikrobiomforschung zeigt, dass – vergleichb a r mit dem menschlichen Darm – das Milieu in der Vagina von Frau zu Frau so verschieden ist wie auch die möglichen Beschwerden. „Leider ist es immer noch so, dass viele Frauen glauben, nicht sauber zu sein“, schildert Dr. Hohenforst seine Erfahrung. „Viele Frauen praktizieren deswegen eine übertriebene Hygiene auch durch zu häufiges Duschen oder Scheidenspülungen.“ Dabei können mitunter Bakterien und Pilze vom After Richtung Vagina gelangen. Es ist wie so oft: alles mit Maß und Ziel betreiben. Eine tägliche Intimp ege kann die sinnliche Beziehung zum eigenen Körper fördern, vorausgesetzt sie erfolgt sanft und einfühlsam, denn die Haut im Intimbereich ist besonders zart und sensibel. Benutzen Sie einen weichen Waschlappen für die Intimregion, den Sie täglich wechseln. Letzteres gilt auch für die Unterwäsche (Waschen bei 60 °C). Alternativ können Sie Einmalwaschlappen verwenden, um den äußeren Schambereich mit großen und kleinen Schamlippen und dem Scheideneingang zu reinigen.

TIPP

Vorsorge auf öffentlichen Toiletten

Eine Frage, die wohl jede Frau irgendwann umtreibt: Kann man sich auf einer fremden Toilette mit einem Vaginalpilz infizieren? „Nein“, weiß Gynäkologe Dr. Hohenforst: „Kritischer als der WC-Sitz sind hinsichtlich einer Keimbesiedelung eher die Türklinken oder Wände, an denen sich viele Frauen festhalten, während sie über der Toilette schweben.“

Nicht nur nach, sondern auch vor dem Toilettengang Hände waschen, desinfizieren sowie Türen möglichst kontaktlos öffnen und schließen, schützt vor vaginalen Pilzinfektionen.

Klares Wasser reicht oft aus

Dass über die vaginale Schleimhaut Stoffe sehr gut a u fgenommen werden können, ist im Krankheitsfall und hinsichtlich Arzneien vorteilhaft – kann sich aber leider auch ins Gegenteil verkehren. „Die Scheide ist ein sich selbst reinigendes System“, sagt Dr. Hohenforst. „Die wichtigste Aufklärung ist meiner Meinung nach, dass klares Wasser für die Intimpflege völlig ausreichend ist und das natürliche Bakteriengleichgewicht am wenigsten stört.“ Auf parfümierte Slipeinlagen und Toilettenpapiere beziehungsweise Intimsprays und -deos also am besten ganz verzichten. Wer für das eigene Gefühl oder situativ eine Waschlotion benutzen möchte – zum Beispiel für eine Intimrasur oder bei trockener Intimhaut –, sollte Produkte wählen, die die natürliche Hautbalance bewahren (empfehlenswerte Produkte stellen wir auf der rechten Seite vor). Prof. Dr. Ingrid Gerhard, Fachärztin für Frauenheilkunde, empfiehlt in ihrem Buch „Frauengesundheit“ unter anderem sensitive Waschlotions, die im pH-Wert der Intimhaut angepasst sind. Demgegenüber sind alkalische Seifen und herkömmliche Duschgele für den Intimbereich nicht zu empfehlen, denn: Sie liegen im pH-Wert deutlich über dem natürlich sauren Milieu der Vagina und können deswegen Reizungen begünstigen. Unser Tipp: Achten Sie auf milde, parfümfreie, rückfettende und speziell für die Intimp ege ausgerichtete Produkte oder seifenfreie Waschstücke. Manche Waschlotions enthalten auch Milchsäurezusätze, ideal für besonders empfindliche Intimhaut.

„Die moderne Mikrobiom- forschung zeigt, dass das Milieu in der Scheide von Frau zu Frau so verschieden ist wie auch die möglichen Beschwerden"

Abwehrspezialistin in Not

In dem Wunsch, etwas Gutes für sich zu tun, suchen viele Frauen nach geeigneten Produkten. Der Vergleich von Intimwaschlotionen in der Zeitschrift kotest (Ausgabe September 2021) zeigte jedoch für 20 als sensitiv angebotene Lotionen, dass lediglich zwei dies auch wirklich waren. Die Tester*innen stießen auf Inhaltsstoffe, die Haut und Schleimhäute reizen, sich im Fettgewebe anreichern und Allergien auslösen können. Darunter Formaldehyd, Waschsubstanzen wie Sodium Laureth Sulfate (SLES) und der Duftstoff Butylphenyl Methylpropional (Lilial), der im Verdacht steht, die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen und gemäß einer EU-Verordnung ab März 2022 in Kosmetika verboten ist.

PFLEGE FÜR DEN INTIMBEREICH

Der weibliche Intimbereich ist besonders sensibel, ja die empfindlichste und zarteste Haut am Körper einer Frau. Umso unangenehmer, wenn die Haut gerötet und gereizt ist, eine Pilzinfektion Jucken verursacht oder die Vagina an Feuchtigkeit verloren hat. Diese zertifizierten Naturkosmetikprodukte sorgen mit sanften und natürlichen Inhaltsstoffen für schnelle Linderung und helfen eine gesunde Scheidenflora wiederherzustellen:

Gegen Infektionen vorbeugen

In der cremigen und zart duftenden Waschlotion von Styx sind exotisch duftendes Ylangöl und Teebaumöl enthalten, welches vorbeugend bei Infektionen im Intimbereich wirkt. Die ätherischen Öle vermitteln ein Gefühl von Frische und Sauberkeit. 250 Milliliter kosten 11,90 Euro. Erhältlich im Einzelhandel und unter → shop.styx.at.

Da juckt nichts mehr

Das Intim Wasch-Gel von Bioturm beruhigt Reizungen und Rötungen im Intimbereich und hilft Juckreiz vorzubeugen. Durch den aus Biomolke gewonnenen Lacto-Intensiv-Wirkkomplex sowie Pflanzenextrakte wie Kamille, Calendula und Ringelblume wird die natürliche Intimflora wieder hergestellt. Das Gel eignet sich für die tägliche Reinigung, auf Reisen und nach dem Sport. 250 Milliliter kosten 9,95 Euro. → bioturm.de

Ein natürlicher Feuchtigkeitsspender

Das LiquiGel von Multi-Gyn fördert die natürliche Befeuchtung der Scheide, lindert Hautreizungen und schützt die Vaginalwand durch den Blattextrakt der Aloe barbadensis. Das auch beim Geschlechtsverkehr verwendbare Vaginalgel (30 Milliliter) ist in Apotheken, Drogerien sowie online erhältlich und kostet 8,99 Euro. → multi-gyn.de

Mit Balsam zur Balance

Der Intim Balsam von Bergland eignet sich gut für die tägliche Pflege der sensiblen Haut im Intimbereich. Er lindert Juckreiz, Rötungen und Hautreizungen und beugt Trockenheit vor. Natürliche Bio-Pflanzenöle wie Jojoba-, Olivenöl sowie Sheabutter schützen und pflegen die Haut, Ringelblumenextrakt und Aloe Vera beruhigen und regenerieren sie. 50 Milliliter kosten 10,95 Euro, erhältlich u.a. online unter → hallonatur.de.

Bakterielle Infektionen stressen Körper und Seele

Die bakterielle Infektion, auch bakterielle Vaginose genannt, ist die häufigste vaginale Erkrankung im gebärfähigen Alter. Rund zwei Drittel aller Frauen sind mindestens einmal im Leben davon betroffen. Dr. Hohenforst sagt: „Bei starkem Geruch und einem ScheidenpH-Wert über 6,0 ist häufig eine Infektion mit dem Bakterium Gardnerella vaginalis die Ursache.“ Charakteristisch dafür: kein Juckreiz oder Schmerz, dafür klarer Aus uss und ein Laktobazillenmangel. Ob dieser der Schie age im vaginalen Mikrobiom vorausgeht oder darauf folgt, ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt. „Betroffene Frauen sollten sich unbedingt in ärztliche Behandlung begeben“, rät der Gynäkologe. „Bei Schwangeren steht eine bakterielle Vaginose mit vorzeitigen Wehen und Frühgeburt in Verbindung.“

TIPP

pH-Wert kontrollieren

Ob der pH-Wert sein saures Milieu verlassen hat und das vaginale Mikrobiom gestört ist, lässt sich mit einem speziellen Teststreifen für die Scheide (aus der Apotheke) überprüfen.

Wann stabilisierende Milchsäure guttut

Eine bakterielle Vaginose muss häufig zunächst mit antibiotikahaltigen Vaginalzäpfchen oder -cremes behandelt werden. Daran anschließend können Laktobazillen in Form von Tabletten, Zäpfchen oder Kapseln unterstützen, den Verlust nützlicher Bakterien auszugleichen. Dass ein an Laktobazillen reiches Mikrobiom vor wiederkehrenden Infektionen schützen kann, zeigte eine Studie spanischer Forscher aus dem Jahr 2017. Da unterschiedliche Laktobazillenstämme in unterschiedlichen Konzentrationen erhältlich sind, sollten betroffene Frauen mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin besprechen, welche Präparate individuell sinnvoll sind. Bei Scheidentrockenheit können Laktobazillenpräparate kombiniert mit Panthenol (Vitamin-B5-Vorstufe) versucht werden – der Wirkstoff ist aus Wund- und Heilsalben für Feuchtigkeit, Schutz und Zellneubildung bekannt.

WANN SIE ÄRZTLICHEN RAT EINHOLEN SOLLTEN

Diese drei Situationen sollten Sie ernst nehmen und ärztlich abklären lassen:

1. anhaltender Juckreiz beziehungsweise wiederkehrende Pilzinfektion

2. unangenehm riechender Ausfluss

3. Blutbeimengungen außerhalb der Periode (mögliche Ursachen können Wucherungen, etwa gutartige Myome, oder eine Endometriose sein)

TIPP

Intimpflege und Sexualität

Frauen mit Beschwerden der Intimhaut beim Geschlechtsverkehr und Bedarf an Gleitmitteln können von pflanzlichen Gleitölen wie einem neutralen Biomandelöl oder duftenden Biogranatapfelöl profitieren. Nicht zusammen mit Kondom verwenden!

Falls Sie irgendwo den Tipp lesen, dass in Joghurt getunkte Tampons für ausreichend Milchsäurebakterien im Schritt sorgen könnten – bitte nicht probieren, es ist nicht garantiert, dass wirklich nur nutzvolle Bakterien ankommen. Vor allem aber entsprechen die Bakterien im Joghurt in der Regel nicht den für die Scheide wichtigen Bakterienstämmen.

BUCH TIPPS

FRAUENGESUNDHEIT. GANZHEITLICHES HEILWISSEN FÜR KÖRPER & SEELE Prof. Dr. Ingrid Gerhard, Trias 2020, 384 Seiten, 24,99 Euro

INTIM – ENDLICH FIT IM SCHRITT. DER PERSÖNLICHE RATGEBER FÜR DIE MODERNE FRAU BEI VAGINALINFEKTIONEN Armin Witt, Berenkamp 2019, 192 Seiten, 18,50 Euro