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GANZ SCHÖN ANDERS


Bergsteiger - Das Tourenmagazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2021 vom 10.09.2021

Bergwandern | Obernberger Tal

Artikelbild für den Artikel "GANZ SCHÖN ANDERS" aus der Ausgabe 10/2021 von Bergsteiger - Das Tourenmagazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Über den Wolken und mit Morgensonne im Gesicht: auf dem Obernberger Tribulaun

Nun, was soll man von diesem Ort halten? Von diesem Tal, wo die Hotelbesitzerin ihre Gäste gerne mit dem Satz »Herzlich willkommen in unserem infrastrukturlosen Dorf« begrüßt. Einem Tal, das bei der Alpenvereins-Initiative Bergsteigerdörfer, die Heimat für infra- – weil die nötigen Hütten in den Bergen außen herum fehlen. Was ist das also? Rückständig? Verbohrt? Gemütlich? Oder gar: die Zukunft?

Vielleicht ist es für manche Gäste ja einfach nur: genau richtig. Zumindest hat ein solcher Ort seine Vorteile. Die Wahrscheinlichkeit, sich in einer Ap- liegt so hoch wie aus einem Sessellift zu purzeln, nämlich in Ermangelung von Après-Ski-Bars und Sesselliften gleich null. Nach nur einer Woche kennt man die ...

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... wichtigsten Berge und die bekanntesten Bewohner. Inklusive Luis Nagele von der Sattelbergalm, die mit Hot-Tubs und Sauna und Seminarräumen vergessen lässt, dass hier bis vor 15 Jahren mal ein Lift lief. Auch kein schlechtes Zeichen: Im Gipfelbuch des Muttenkopf fügt man seit mehreren Tagen den ersten Eintrag hinzu und rätselt beim Abstieg, ob das Schimmeln des Buches Ursache oder Folge der Mangelnutzung ist. Bergwanderführer Stefan Muigg sagt derweil den schönen Satz: »Bei uns ist vieles wenig begangen.«

»Hat den Charakter von früher behalten«, sagt der Sepp. Und man weiß nicht, ob er über das Tal oder doch über den Künstler spricht.

Etwa der Tribulaun. So heißt hier der prominenteste Berg, von dem es drei Ver- scher und den Gschnitzer Tribulaun, benannt nach den angrenzenden Tälern. So heißt hier aber auch der prominenteste Bewohner, ein Künstler, ein schon recht alter außerdem, weshalb man sich irgendwann dann nicht mehr sicher ist, ob nun der Berg Tribulaun nach dem Künstler Tribulaun benannt wurde oder es doch andersrum war. »Es ist ein Berg, der mir lieb ist, und ich hoffe, dass er mir weiterhin Glück bringt«, sagt Ernst Mair, wie der Künstler Tribulaun mit bürgerlichem Namen heißt. »Und ich habe in meinem Leben eine Menge Glück gehabt.«

Der Künstler als Antithese

Der Künstler Tribulaun ist trotz seiner 93 Jahre und des äußerlichen Alterungsprozesses ein sakrisch erfrischender Typ. Und je länger man ihm in seinem weißen Flachbau am Talende gegenübersitzt, umgeben von seinen farbenfrohen Bildern, desto weniger ist man sich gewiss, ob er nun als Antithese des Tales dienen kann oder doch dessen Verkörperung ist. Vor der Haustüre steht jedenfalls ein Volvo, der wohl tatsächlich genug PS auf die Straße bringt, um den Künstler durch die Zeit zu schicken und jünger werden zu lassen. Mairs Motto: »Man muss nicht gut fahren. Aber schnell.« Früher habe er ja Sportwagen gehabt, BMW Z4.

Mairs Lebenslauf in der Sportwagen- Version: Einige Freundinnen, zwei Kinder, drei Jahre Paris, Realismus, Kubismus, Expressionismus, vier Jahre Wien, 20 Jahre Berlin. Aber obwohl es ihm überall gefallen hat, ist er zurückgekehrt ins Obernberger Tal. Denn geboren und aufgewachsen ist er im Waldbauernhof, gleich neben seinem heutigen Haus; ein Lehrer soll damals über ihn gesagt haben: »Hätte ich so einen Sohn, der so hervorragend zeichnen und malen kann, dann würde ich die letzte Stall im Kuh verkaufen.«

Statt mit Vaters Kuhhandel finanzierte er sich die private Kunstschule in Innsbruck wie ein typischer Obernberger: als Skilehrer, mit Feldarbeit, durchs Schmuggeln. Denn lange nachdem der Bergbau dem Tal zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert einen gewissen Wohlstand samt Rekord von 800 Einwohnern beschert hatte, wurde über die nahe Grenze geschmuggelt: Kühe, Lebensmittel, Zigaretten. Dafür drohte zwar Knast. »Aber sie haben mich nie erwischt«, sagt der Ernst, ehemaliger Skirennläufer. »Sie waren zu langsam.«

Menschen, die den Tribulaun schätzen lernten, die wissen auch, dass er Geschmackssache ist. Burgi und Sepp Almberger mögen den Künstler wie auch dessen Kunst; mehrere seiner Bilder hängen in ihrem Berghotel namens »Almi’s«, dem einzigen Hotel im Dorf und eines, in dem sich die Wandergruppen die Saunaklinke in die Hand geben. Was hier so einzigartig ist? »Hat den Charakter von früher behalten«, sagt der Sepp, und man weiß nicht, ob er über das Tal oder vielleicht doch den Künstler spricht.

Wie es weitergeht? Tribulaun, der Künstler, weiß genau, was noch kommt: »Ich bleibe bis zum Tod hier. Dann geht es« – er zeigt mit dem Finger in die Luft – »senkrecht nach oben.« Und vielleicht sagt das auch schon alles, wenn man dieses Tal am Ende auf diesem Weg verlassen möchte.

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Autor Dominik Prantl hat den Künstler Ernst Mair in dessen Haus am Talende besucht – und hätte ihm am Ende des Gesprächs am liebsten noch eins seiner schönen Bilder abgekauft.