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Ganz schön schief


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Camping, Cars & Caravans - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 11.10.2022

Camping an besonderen Orten

Artikelbild für den Artikel "Ganz schön schief" aus der Ausgabe 11/2022 von Camping, Cars & Caravans. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Camping, Cars & Caravans, Ausgabe 11/2022

Seit Kurzem ist der Kirchturm in Gau-Weinheim in Rheinhessen der schiefste Turm der Welt. Er hat eine Neigung von 5,4277 Grad.

Den schiefen Turm von Pisa kennt jeder. Das weitläufige Areal rund um den Dom, die „Piazza dei Miracoli“, wird ständig von Touristen belagert. Wesentlich weniger Menschen wissen, dass es mehrere geneigte Kirchtürme gibt – und der Kirchturm mit der stärksten Neigung seit September in Rheinhessen steht – genauer in Gau-Weinheim und den Turm im Ostfriesischen Suurhusen ablöst. Nur eine Nachkommastelle machte den Unterschied. Der Wehrturm ist noch ein wenig schiefer als der ehemalige Rekordhalter in Ostfriesland. Während der knapp 60 Meter hohe schiefe Turm von Pisa lediglich eine Neigung von 4,95 Grad aufweist, kam der rund 27 Meter hohe Glockenturm in Suurhusen auf eine Schieflage von 5,19 Grad. Jüngste Messungen ergaben nun, dass 0,23 Grad mehr den mittelalterlichen Wehrturm in Gau-Weinheim zum schiefsten Turm der Welt machen – nämlich mit insgesamt 5,4277 Grad Neigung. ...

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Und wo landet der Turm von Pisa? Auf Platz vier. In Thüringen steht ein weiterer Kirchturm, der ebenfalls eine stärkere Neigung aufweist als der schiefe Turm von Pisa. Trotzdem wurde nur der Turm in der Toskana weltberühmt. Pisa bietet sich nicht nur als eigentliches Urlaubsziel, sondern ebenso als Zwischenstopp an, wenn man von Livorno aus eine Fähre nach Korsika oder Sardinien nehmen will. Baubeginn für den Campanile, italienisch für einen freistehenden Glockenturm, war im Jahr 1173. Als man beim dritten Stockwerk angelangt war – das war fünf Jahre nach der Grundsteinlegung – wurde bereits festgestellt, dass der Turm sich um fünf Zentimeter nach Süd-Osten geneigt hatte. Daraufhin wurde nachgedacht. Und einhundert Jahre lang nicht weiter gebaut. Nach diesem Stillstand wurde der Bau doch noch vollendet, nach einigen langen Pausen. Bei der Gestaltung der weiteren Stockwerke hatte man noch versucht, die Schieflage des Turmes auszugleichen, allerdings vergeblich.

Im Jahr 1298 hing der Turm schon 1,43 Meter aus dem Lot. Sechzig Jahre später war die Schräglage auf 1,63 Meter angewachsen, dennoch wurde weitergebaut. Vollendet war der freistehende Turm im Jahr 1372 mit einer Höhe von 55,86 Metern. Die anderen Gebäude auf dem Domplatz waren inzwischen ebenfalls fertig gestellt und der Dom als Bischofskirche, das Baptisterium daneben als Taufkirche und der freistehende Glockenturm wurden bestimmungsgemäß verwendet, samt Glockengeläut durch sieben schwere Glocken. Und der Turm kippte weiter zur Seite, allerdings deutlich langsamer. Dennoch war klar, dass der Turm irgendwann umstürzen wird, aber darum kümmerte sich Jahrhunderte lang niemand. Erst 1835 wurden die ersten Versuche unternommen, den Turm zu retten. Der schlammige Boden wurde entfernt und durch ein Marmorfundament ersetzt. Das Ergebnis dieser Grabungsarbeiten war ein Fiasko, denn die Neigung beschleunigte sich dadurch noch. 1918 betrug die Neigung schon 5,1 Meter, mit einer jährlichen Zunahme von 1 bis 1,2 Millimeter. Durch diesen so massiven Überhang wurde der Turm allerdings auch weltberühmt. 1987 ernannte die UNESCO das gesamte Ensemble auf dem Domplatz zum Weltkulturerbe, was jedoch an der Einsturzgefahr nichts änderte. Ab 1990 wurde die Turmbesteigung verboten. Es folgten Sicherungsmaßnahmen. Angedacht und wieder verworfen wurde vieles, beispielsweise Eisenbahngleise zum Domplatz zu verlegen und den Turm mittels von mehreren Lokomotiven gezogenen Stahlseilen aus in die Senkrechte zu heben und dann zu unterbauen. Realisiert wurde stattdessen, das Fundament zu verbessern und auf der Nordseite, auf der der Neigung gegenüberliegenden Seite, wurden 900 Tonnen Bleigewichte angebracht. Durch diese und weitere Maßnahmen richtete sich der Turm tatsächlich wieder etwas auf und die Schieflage ging von damals 5,5 auf heute etwa vier Grad zurück.

Im Juni 2001 wurde der Turm wieder für Besucher geöffnet. 294 Treppenstufen sind zu erklimmen, bis man oben angelangt ist. Allerdings kostet eine Eintrittskarte für den Turm 25 Euro – was wohl auch dazu dienen soll, dass nicht allzu viele Menschen hinaufsteigen. Auch schon in Vor-Corona-Zeiten durften sich nur maxi-omanische Form umgebaut. Am Kirchturm und dessen Neigung wurde nichts geändert. Offensichtlich haben sich die Gottesdienstbesucher in Barbian schon lange mit dessen Schräge gut arrangiert.

Bad Frankenhausen in Thüringen

Der schiefe Turm von Bad Frankenhausen, der zur Kirche „Unser Lieben Frau am Berge“ oder auch einfach „Oberkirche“ gehört, hat bei einer Höhe von 56 Metern einen Neigungswinkel von 4,45 Grad. Der Kirchturm hängt 4,6 Meter aus dem Lot und damit um 54 Zentimeter mehr als der Turm von Pisa.

Die Ursache für die Neigung des Turmes in der thüringischen Stadt liegt tief, ähnlich wie in Pisa: der zu weiche Untergrund. Bad Frankenhausen gehört zum Kyffhäusergebirge. Dessen Untergrund ist stellenweise löchrig wie ein Schweizer Käse, haben neuzeitliche Geologen herausgefunden.

Die Kirche in Bad Frankenhausen wurde im Jahr 1382 als gotische Basilika errichtet. In der wechselhaften Geschichte dieses Gotteshauses gab es mehrere Verwüstungen durch Kriegseinwirkungen. Es kam zu mehreren Schließungen, Sanierungen und Wieder-Einweihungen. Dabei ging es aber gar nicht um den schrägen Turm. Der fing wohl erst im 19. Jahrhundert an, sich zu neigen. Im Jahr 1925 wurde die Kirche baupolizeilich gesperrt, nach Sanierungen im Jahr 1937 mal wieder neu eingeweiht. Die DDR hatte auch an diesem Kirchengebäude kein Interesse, sodass das mittlerweile zur Ruine verkommene Gebäude 1984 erneut geschlossen wurde. Die Evangelische Landeskirche in Thüringen bemühte sich speziell die Kirchengebäude zu erhalten, die wirklich für Gottesdienste genutzt wurden. In Bad Frankenhausen gab es noch die „Unterkirche St. Georg und Marien“, die in einem wesentlich besseren Zustand war. Nach der Wiedervereinigung wurden an der Oberkirche einige unzureichende Sicherungsarbeiten durchgeführt. Der Turm senkte sich trotzdem jedes Jahr um weitere zwei Millimeter, und die Evangelische Landeskirche wollte die Ruine abreißen lassen. Nach 40 Jahren DDR existierten in Thüringen so viele marode Kirchengebäude, dass man nicht alle davon erhalten konnte. Dieses Vorhaben stieß aber bei einigen Bürgern der Stadt Bad Frankenhausen auf Widerstand, denn auf unfreiwillige Weise war die Ruine schon längst zu einem Wahrzeichen der mal 30 Personen in den Stockwerken des Turmes aufhalten. Die Glocken werden nicht mehr durch Drehbewegung geläutet, sondern nur noch mit elektrisch betätigten Hämmern angeschlagen.

Die beeindruckende „optische Wirkung“ des Turmes von Pisa kommt wohl auch daher, dass dieser mit 55 Metern Höhe und nur zwölf Metern Durchmesser sehr schlank und zerbrechlich wirkt. Dennoch üben auch die weit weniger bekannten schrägen Kirchtürme eine Faszination aus.

Barbian in Südtirol

Unter den schiefen Türmen fällt der 37 Meter hohe Turm der Pfarrkirche St. Jakob in Barbian in Südtirol gar nicht so sehr ins Gewicht. Dessen Spitze ist nur 1,57 Meter aus dem Lot. Das freilich schon seit Jahrhunderten, und ohne große Veränderungen seitdem. Barbian ist ein netter Ort auf 830 Metern über dem Meeresspiegel, hoch über dem Eisacktal gelegen. 1874 wurde das Kirchenschiff in seine heutige neu-Besucher auch innen zugänglich werden. Im Jahr 2023 sollen die umfangreichen Bauarbeiten abgeschlossen sein.

Suurhusen in Ostfriesland

Der zweitschiefste Kirchturm der Welt befindet sich in Ostfriesland nahe der Stadt Emden im Teilort Suurhusen des Ortes Hinte. Suurhusen hat knapp 1.200 Einwohner. Die Kirche wurde im Jahr 1450 im Moorboden auf einem Fundament aus Eichenstämmen errichtet. Jahrhundertelang blieb diese Konstruktion stabil. In Schieflage geriet der Turm ab dem Jahr 1885, als das Umland der Kirche entwässert wurde. Was die Verantwortlichen wohl nicht bedacht hatten war, dass dadurch Luft an die Eichenstämme gelangte, die bis dahin tief unten im feuchten Moorboden ruhten und dadurch praktisch konserviert waren. Nun aber begannen die Eichenstämme zu verrotten – und der Kirchturm darüber geriet in Schieflage.

Heute hat der 27,5 Meter hohe Turm einen Überhang von 2,47 Meter, was einem Neigungswinkel von 5,19 Grad entspricht. Im Jahr 1975 wurde die Kirche gesperrt, dann erfolgreich saniert und seit 1985 ist das Gotteshaus wieder regulär geöffnet, trotz der Schräglage des Turms. Der Kirchturm ist seitdem stabil und die Kirche wird für Gottesdienste genutzt. Es werden auch

Stadt geworden. Im Jahr 2011 kaufte die Stadt Bad Frankenhausen das Kirchengebäude der Evangelischen Landeskirche Thüringen ab, für den symbolischen Preis von einem Euro. In den Jahren 2015 und 2016 wurden weitere Sicherungsmaßnahmen durchgeführt. Eine Stützkonstruktion mit vier Stahlrohren stabilisiert seitdem den schrägen Turm.

Im Sommer 2021 stand fest, dass sowohl das Kirchenschiff als auch der Kirchturm für acht Millionen Euro umfassend saniert werden sollen. Geplant ist, dass das Kirchenschiff zu einem Veranstaltungsraum ausgebaut wird. Der Turm soll in seiner Schräglage erhalten bleiben und für Führungen angeboten. Weil die Kirche weit über Ostfriesland hinaus bekannt ist, wird vom Pfarrer von Suurhusen eines abgelehnt: Brautpaare von außerhalb, die auf der Suche nach einem sehr „schrägen“ Ort für ihre Hochzeit sind, können sich das Ja-Wort nicht in dieser Kirche geben. Natürlich finden in der Kirche in Suurhusen kirchliche Trauungen statt, aber nur für Paare aus der dortigen Gemeinde.

CAMPING IN RHEINHESSEN

Der nächstgelegene Campingplatz in der Nähe von Gau-Weinheim liegt auf der anderen Seite der Nahe in Guldental. Campingpark Lindelgrund ist ganzjährig geöffnet und bietet auch Mietunterkünfte. Zum Kirchturm nach Gau-Weinheim sind es 26 Kilometer. Camping Lindelgrund, Im Lindelgrund 1, 55452 Guldental, Tel.: 06707/633, info@lindelgrund.de,

Wesentlich näher liegt das Weingut Schnabel in Gau-Bickelheim. Auf der Wiese mit guter Infrastruktur sind nicht nur Wohnmobile erlaubt, sondern auch Caravans geduldet. Der Stellplatz für bis zu zwei Tage ist durch den Kauf von sechs Flaschen Wein bezahlt, aber eine Bezahlung ohne Weineinkauf ist nicht möglich, sagt Chefin Corinna Schnabel. Die Dusche kostet zwei Euro und Strom fünf Euro am Tag. Bis in den November gibt es samstags um 14.30 Uhr eine Weinprobe. Sie kostet zehn Euro pro Person und es werden zehn Weine verkostet. Eine Reservierung kann nur per E-Mail mit vollständiger Angabe der Adresse, Telefonnummer und Kennzeichen erfolgen. Weingut Schnabel, Bahnhofstraße 31, 55599 Gau-Bickelheim, Tel.: 06701/7582, info@winzerhof-schnabel.de,

CAMPING IN PISA

Der Campingplatz in Pisa hat den Vorteil, dass man von dort aus zu Fuß in nur wenigen Minuten den Domplatz erreicht. Tickets für den Turm kosten 25 Euro. Zudem ist die Zahl der im Turm erlaubten Personen begrenzt, sodass es zu Wartezeiten kommen kann. Der Campingplatz besitzt einen großen Außenpool. Camping Torre pendente, Viale delle Cascine, I-86 56122 Pisa, Tel.: 0039-050/561704 info@campingtorrependente.it,

CAMPING IN BARBIAN IN SÜDTIROL

In Vahrn bei Brixen hat ganzjährig der Campingplatz am Löwenhof geöffnet. Das Areal am Hotel bietet Parzellen von 35 bis 80 Quadratmetern, hat eine Pizzeria und gute Stadtanbindung. Nach Barbian geht es das Eisacktal hinab. Camping Löwenhof, Löwenviertel, Brennerstraße 60, I-39040 Vahrn, Tel.: 0039-0472/836216, info@loewenhof.it,

Rund um Bozen gibt es mehrere Campingplätze. In Höhenlage steht Camping Seiser Alm mit vorzüglicher Ausstattung zur Verfügung. Camping Seiser Alm, Dolomitenweg 10, I-39050 Völs am Schlern, Tel.: 0039-0471/706459, info@camping-seiseralm.com,

CAMPING IN BAD FRANKENHAUSEN

An der Kyffhäusertherme gibt es einen Wohnmobilstellplatz, auf dem auch Wohnwagen abgestellt werden dürfen. . Einen Campingplatz gibt es zehn Kilometer entfernt am Stausee Kelbra, www.stausee-kelbra.de Tipp: Nahe der Stadt Bad Frankenhausen befindet sich das Kyffhäuser-Denkmal. Dieses 81 Meter hohe Monument wurde 1896 errichtet. Geschichtlicher Hintergrund ist die Reichseinigung von 1871. Kaiser Wilhelm II. wollte auf diese Weise an die Staufer-Zeit anknüpfen. Der Legende nach weilt der Stauferkaiser Friedrich I, besser bekannt als Barbarossa, in den Tiefen des Kyffhäusser-Gebirges. Weitere Informationen: www.oberkirchturm.de

CAMPING IN SUURHUSEN

Bei Hinte gibt es einen Miniatur-Campingplatz für drei oder vier Wohnwagen am Bauernhaus „Haus am Wiesengrund.“ Klosterweg 11 in 26759 Hinte, fam.tammena@t-online.de. Nahe des Dorfes Suurhusen liegt der Binnensee „Großes Meer.“ Dort gibt es einen sehr großen Campingplatz: