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– Garnele, Kr ebs und Co…


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aquaristik - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 05.10.2022

Süßwasserkruster

KOMPAKT stellt aquarienbewohner vor, die nicht in jedem Becken zu finden sind. Diese unregelmäßige Serie soll Lust machen, neues auszuprobieren und den schnellen, praktischen einstieg erleichtern.

Artikelbild für den Artikel "– Garnele, Kr ebs und Co…" aus der Ausgabe 6/2022 von aquaristik. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Die rückenstrichgarnele Neocaridina davidi gibt es inzwischen in allen möglichen Farben.

Ein Beitrag von Uwe Werner, Aquarianer von Kindheit an, durch viele Tropenreisen erprobt und mehrfacher Buchautor.

Repertoire an Arten unerschöpflich

Krebstiere sind vielgestaltige Pfleglinge, die schon allein durch ihren Körperbau fesselnde Beobachtungen erlauben. Ihre gestielten Augen vermögen sie zu drehen, mit ihren Scherenfingern können sie Futter und Einrichtungsgegenstände greifen, drehen und umherschleppen, mit ihren Antennen ertasten einige ihr Umfeld, andere sind wahre Kletterkünstler. Garnelen können sich mit einer Schere über die Augen putzen, während sie sich gleichzeitig mit einer anderen am Hinterleib kraulen!

Einige „Süßwasserkruster“ sind winzig und völlig friedfertig, andere ...

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... groß, kräftig und gute Kämpfer. Da aber fast alle jedes beliebige Fischfutter nehmen und die Wasserwerte für die Pflege vieler Arten nur eine untergeordnete Rolle spielen, sind sie geeignete Aquarienpfleglinge, wenn man ihnen nur ihren Ansprüchen entsprechenden Platz bietet. Und das Repertoire an Gattungen und Arten ist schier unerschöpflich…

körperbau der krebstiere

Alle Krebstiere haben keine Knochen oder Gräten, also kein Skelett innerhalb des Körpers. Sie sind Wirbellose. Es ist ihr Panzer, der den Körper stabilisiert, und den man als Außenskelett bezeichnet. Die meisten von uns gepflegten Kruster sind Zehnfußkrebse (Dekapoden), haben also zehn Beine. Zu diesen zählt man auch die Scheren, denn diese haben sich aus Laufbeinen entwickelt. In der Aquaristik sind die folgenden vier Gruppen die am häufigsten gepflegten Krebstiere.

Die Teilordnung Garnelen (Caridea)

Die Garnelen sind „schwimmende Langschwanzkrebse“, denn im Vergleich zu allen anderen Formen schwimmen Garnelen gut, weil sie wegen ihres dünnen Panzers leicht und ihre Schwimmfüße, bla örmige Gebilde unter dem Hinterleib, gut entwickelt sind. Damit können sie auch vorwärts schwimmen, was anderen Krebstieren kaum möglich ist. Man erkennt Garnelen auch an ihrem seitlich zusammengedrückten Körper, der höher als breit ist, und an der Tatsache, dass sie zwei Scherenbeinpaare haben.

Großarmgarnelen

Es gibt Großarmgarnelen (Palaemoniden), bei denen die beiden Scherenpaare in unterschiedlichem Maße und für unterschiedliche Aufgaben vergrößert sind. Die ersten, kleineren, sind Fressscheren, die zweiten, größeren, Droh- oder Kampfscheren. Die Bestimmung der Großarmgarnelen ist oft schwierig, weil sich viele ähnlich sehen, egal, ob sie aus Westafrika, Asien, Mittel- oder Südamerika stammen.

Neben kleinen Arten gibt es auch große Kaliber mit Körperlängen von 20 oder gar 30 Zentimetern. Sie sind Flussbewohner und nicht auf Brackwasser oder hartes Wasser angewiesen, sondern leben auch in mineralarmem, sehr weichem Wasser mit niedrigen pH-Werten.

Fächergarnelen

Bei den Fächer- oder Radargarnelen (Atyiden) der Gattungen Atya, Atyoida und Atyopsis sind die meist dünnen Scheren zu stark behaarten Fächerhänden umgeformt. An den „Fingern“ jeder Schere haben sie feine Borsten, die je einen halbkreisförmigen Fächer bil den, sodass sich insgesamt ein kreisförmiger Fangapparat ergibt, der aufgespannt, aber auch zusammengefaltet werden kann. So können sie ihre Borstenhände zum Futterfang spreizen oder damit Futter greifen, um sie wie eine geschlossene Hand zum Mund zu führen. Da die Fächerhände an einen „Radarschirm“ erinnern, spricht man auch von „Radargarnelen“. Sie stammen aus strömendem oder zumindest bewegtem Wasser, wo siegar nicht nach Futter suchen, sondern sich lediglich ein geeignetes, erhöhtes Plätzchen suchen und ihre Fächerhände vor und über sich strecken, um feine Planktonteilchen zu erhaschen.

Große Futterbrocken nehmen sie kaum. Mit großem Eifer machen sie sich aber über Futtertabletten her, die ja beim Aufweichen in feine Partikel zerfallen.

Zwerggarnelen

Die Zwerggarnelen, die ebenfalls zu den Atyiden gehören, sind mit zwei bis vier Zentimeter Körpergröße ausgesprochen klein. Schon ihr griechischer Gattungsname Caridina bedeutet „kleine Kruster” oder „kleine Krebstiere”. Neocaridina bedeutet so viel wie „Neue” Caridina.

Ihre Scheren sind entsprechend winzig. Sie kommen im tropischen Afrika, im tropischen und subtropischen Teil Asiens und auf den westpazifischen Inseln vor. Die Gattung Caridina ist innerhalb der Familie mit über 260 Arten besonders groß, während derzeit rund 20 Arten in der am nächsten verwandten Gattung Neocaridina stehen.

Viele Arten und Zuchtformen dieser Süßwassergarnelen werden mittlerweile in der Aquaristik gehalten und teils sogar kommerziell gezüchtet. Neocaridina-Arten sind dabei recht anspruchslos, einige Caridina-Arten benötigen speziell aufbereitetes Wasser.

Die Teilordnung Großkrebse (Astacidea)

Die zweite Gruppe unserer Lieblinge stellen die Krebse, womit „Echte Flusskrebse“ gemeint sind, die zur Unterfamilie der Laufenden oder Kriechenden Krebse gehören. Sie haben dicke Panzer, die deutlich schwerer sind als die der Garnelen, und bewegen sich in erster Linie am Boden fort. Bei ihnen sind die letzten Glieder der ersten drei Schreitbeinpaare zu Scheren umgebildet. Außerdem ist das erste der drei Scherenpaare deutlich vergrößert und der Körper ist immer breiter als hoch. Und: Sie laufen vorwärts, schwimmen aber – und zwar mithilfe ihres Schwanzes bzw. ihrer Schwimmfüße – nur rückwärts. Bei den Echten Flusskrebsen unterscheidet man drei Familien – und damit drei Formenkreise, die in unterschiedlichem Maße für die Aquarienhaltung geeignet sind.

Da gibt es (1) die altwelt-Flusskrebse (Astaciden), denen die europäischen Krebse angehören. Sie werden kaum im Aquarium gepflegt, weil einheimische Arten streng geschützt sind, sodass fast nur Arten infrage kommen, die für die Gastronomie gezüchtet oder importiert werden. Außerdem brauchen sie eine Winterpause, in der die Wassertemperatur je nach Art bis weit unter 10 °C absinkt und über einige Wochen so kalt gehalten wird.

Die (2) neuwelt-Flusskrebse (Cambariden) stellen mehr als 460 Arten und sind in 13 Gattungen untergebracht. Sie sind die im Hinblick auf ihre Fortpflanzung am höchsten spezialisierten Flusskrebse Nordamerikas, weil die Männchen kompliziert gebaute Begattungsorgane entwickelt haben.

Leider können auch diese Spezies nicht ständig warm gehalten werden. Außerdem gelten fast alle als geschickte Kletterer, die häufig aus Aquarien ausbrechen und dann vertrocknen. Viele verhalten sich untereinander ausgesprochen aggressiv und fressen Pflanzen oder kneifen sie ab. Zudem ist mittlerweile die Haltung zumindest einiger Arten verboten, da sie, wenn sie entkommen, die Fauna verfälschen und unsere einheimischen Krebse durch die Krebspest bedrohen.

Für die Aquarienhaltung gut geeignet sind die (3) Parastaciden, deren Vertreter auf der südlichen Erdhalbkugel im südlichen Südamerika, in Neuseeland, Australien/Neuguinea und Madagaskar beheimatet sind. 85 Prozent von ihnen sind australische Flusskrebse, die häufig als eigene Familie (Austroastaciden) betrachtet werden.

„In Afrika gibt es übrigens überhaupt keine Echten Krebse, wohl aber Garnelen und Krabben.“

Von den in den Flüssen und Seen Australiens, Neuseelands und Neuguineas „endemischen“, also nur dort vorkommenden, etwa 190 Krebsarten sind die Gattungen Cherax, Engaeus und Euastacus mit jeweils um die 30, 40 oder mehr Arten zahlenmäßig am größten. Einige sind wahre Riesen. Es gibt aber auch kleine mit Körperlängen ab 20 Millimetern, die zum Teil sehr ansprechend gefärbt sind, sodass man auf interessante Neueinführungen hoffen kann. Bislang sind aber nur Arten der Gattung Cherax importiert worden.

Die „Australier“ sind für die Aquarienhaltung gut geeignet, weil sie nicht zeitweise kühl gehalten werden müssen, untereinander weniger aggressiv und durch ihre oft wuchtigen, schweren Scheren häufig gar nicht in der Lage sind, gesunde Fische zu fangen. Wegen ihres Gewichts gelingt es ihnen auch kaum, aus dem Aquarium zu klettern. Noch entscheidender aber ist, dass fast alle hübsch gefärbt sind.

Literatur

www.garnelenhaus.de/wiki L , Carsten Frank L (2007): Garnelen-Fibel – Süßwassergarnelen für Anfänger und Fortgeschrittene. Dähne Verlag, 96 pp. K , Andreas Werner K (2013): Süßwassergarnelen aus aller Welt. Dähne Verlag, 232 pp. R , José María, Werner K Neli M (2020): Garnelen im Aquarium. Dähne Verlag, 336 pp. L , Chris & Reinhard P (2003): Süßwasserkrebse aus aller Welt. Dähne Verlag, 292 pp. R , Monika & Oliver M (2011): Krabben-Fibel – Die schönsten Krabben für das Aquaterrarium. Dähne Verlag, 96 pp.

Die Teilordnung Krabben (Brachyura)

Zu den Echten Krebsen gehören auch die Kurzschwanzkrebse oder Echten Krabben. Da gibt es die Echten Süßwasserkrabben, die Springkrabben, die Renn- und Winkerkrabben, die Schwimm- und die Landkrabben. Ihr Vorderkörper ist stark verbreitert, der Schwanz unter den Hinterkörper geklappt. Wenn man den Hinterleib von unten betrachtet, kann man die Geschlechter unterscheiden, da er bei den Weibchen länger und viel breiter als bei den Männchen ist. Krabben haben keine Schwanzfächer und nur ein Paar stark entwickelte Greifarme. Die Scherenfinger können – wie bei Krebsen und Garnelen – mit recht auffälligen Zähnen besetzt sein, deren Zahl und Größe nach Art und Geschlecht der Krabben variiert. Im Übrigen sind die Tiere in der Lage, ein Vielfaches ihres eigenen Gewichts zu stemmen, vor allem aber zu bewegen. Außerdem können sie sich mit ihren Beinen in kleinsten Unebenheiten festhalten. Deshalb muss man ihr Aquarium stets perfekt abdecken!

Süßwasserkrabben

Für die Haltung im Aquarium kommen in erster Linie die Flusskrabben infrage. Sie stellen nämlich ausschließlich Süßwasserformen, die ihren gesamten Lebenszyklus im Süßwasser durchführen. Sie wandern also nicht wie Spring- oder Landkrabben ins Brack- oder Meerwasser ein, um dort ihre Brut abzusetzen, sondern bleiben im Süßwasser. Leider werden sie nur selten eingeführt, wohl weil sie als Einzelgänger leben und kaum in größerer Zahl zu fangen sind.

Sie leben übrigens nicht nur in den Tropen, sondern auch im nördlichen Mittelmeerraum. Fast alle sind gut getarnt, also leider nicht besonders „bunt“, denn viele Feinde wie Vögel und Säugetiere bedrohen sie von oben. Auch Echte Süßwasserkrabben müssen aber immer Zugang zu einem Landteil haben.

Die Teilordnung Halbkrebse oder Krabbenkrebse (Anomura)

Als vierte Gruppe sind die Krabbenkrebse der Gattung Aegla zu nennen. Diese sind „Laufende Kurzschwanzkrebse“ der Abteilung Mittelkrebse (Anomura; Krebse mit asymmetrischem Schwanz), zu denen auch die Einsiedlerkrebse gehören. Hinter ihren Scherenarmen zählt man nur drei weitere Lauf- oder Schreitbeine, weil man das fünfte Paar nicht sieht: Es ist erheblich verkürzt und in der Kiemenhöhle versteckt. Die Aegla besiedeln Südbrasilien, Bolivien, Uruguay, Argentinien und Chile und umfassen derzeit über 70 verschiedene Arten. Sie erreichen nur etwa fünf Zentimeter Panzerbreite und sind flach und breit gebaut, mit gerundetem Hinterleib. Das kurze Schwanzstück ist unter den Hinterleib geschlagen. Die Aegla sind Fließwasserbewohner, die in größeren Kolonien am Flussgrund ihre Verstecke haben, was die Aquarienhaltung vereinfacht. Untereinander verhalten sie sich nämlich ausgesprochen friedlich. Auch sie sind aber gute Kletterkünstler, die gern ausbrechen! Im Aquarium graben sie sich zeitweise auch schon einmal im Sand ein. Wegen ihrer Herkunft sollte man ihr Wasser kühl halten (16-18 °C sind ideal) und 23 °C möglichst nicht überschreiten. Betragen die Temperaturen längere Zeit 26 °C und mehr, sterben sie.