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GARTEN: GESCHICHTE: IM BAUMLOSEN LAND


Landlust - epaper ⋅ Ausgabe 3/2018 vom 18.04.2018

Im Schlosspark Lütetsburg ragen Rhododendren bis zu acht Meter hoch in den ostfriesischen Himmel, säumen Wege und spiegeln sich im Wasser.


Artikelbild für den Artikel "GARTEN: GESCHICHTE: IM BAUMLOSEN LAND" aus der Ausgabe 3/2018 von Landlust. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Landlust, Ausgabe 3/2018

Zwischen dem Grün alter Bäume leuchten die Blüten der Rhododendren. Der Schlosspark Lütetsburg bietet Natur, Kulturgeschichte und Ruhe zugleich.


Rund um die Vorburg und das Wasserschloss pflegen Schafe den Rasen. Das Schloss wird von den Besitzern bewohnt und ist nicht zugänglich.


Leicht wiegt der Wind die Baumkronen. Die Sonne schimmert durch das Laub und der Blick fällt auf einen ersten Wasserlauf mit dicht gewachsenen Rhododendren. Ihre knorrigen Äste und Zweige ...

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Leicht wiegt der Wind die Baumkronen. Die Sonne schimmert durch das Laub und der Blick fällt auf einen ersten Wasserlauf mit dicht gewachsenen Rhododendren. Ihre knorrigen Äste und Zweige fallen weit hinunter ans Wasser. Es ist ein farbiges Meer aus doldenförmigen Blüten.
Edzard Mauritz zu Inn- und Knyphausen würde diesen Blick mögen. Dem Parkgründer wäre es eine Freude zu erleben, dass die Besucher seinen vor über 200 Jahren als englischen Landschaftsgarten angelegten Park noch heute genießen. Zu jeder Jahreszeit, vor allem aber im Mai und Juni. Dann, wenn die Rhododendren blühen.

Naturerlebnis nahe der Küste

Mit seinen 30 Hektar ist der Schlosspark in Norddeutschland der größte private Park dieser Art. Seit jeher ist er zugänglich für Besucher. Rund um das Anwesen mit Vorburg und Wasserschloss erstreckt sich die weite Landschaft Ostfrieslands. Ganz in der Nähe liegt die Stadt Norden; bis nach Norddeich und zur Nordsee sind es nur knapp zehn Kilometer.

Edzard Mauritz zu Inn- und Knyphausen (1748–1824) war ein Gartenund Pflanzenliebhaber, seiner ostfriesischen Herkunft bewusst und zugewandt. Nach dem Tod seines älteren Bruders erbte er 1789 das Schloss Lütetsburg samt Barockgarten.

Englischer Landschaftsgarten

Vermögen und Grundbesitz ermöglichten es ihm nun, seine Gartenpassion zu leben. Er verwandelte den Barockgarten in einen Landschaftsgarten nach englischem Vorbild, so wie es viele wohlhabende Bürger oder Adelige zu seiner Zeit taten. In Ostfriesland hatte es so etwas jedoch noch nicht gegeben. Die barocken, streng geometrischen Strukturen und Parzellierungen verschwanden zugunsten einer natürlichen Landschaft, die sorgfältig geplant wurde. Wasserläufe entwässerten das sumpfige Gelände, dienten aber auch dazu, den Garten mit dem Boot zu durchfahren. Mit der ausgehobenen Erde errichtete Edzard Mauritz weiter südlich im Park einen über zehn Meter hohen Hügel. In der flachen, kargen Landschaft erhoffte er sich eine „heitre Aussicht auf die Stadt Norden“, vielleicht sogar bis zur Nordsee. Heute schauen die Besucher des Schlossparks in die Baumwipfel der jahrhundertealten, hoch gewachsenen Eichen, Buchen oder Douglasien.

Ein Ort der inneren Einkehr

Edzard Mauritz lebte in der Zeit der Frühromantik. Er wünschte sich den Park als Ort der inneren Einkehr, der emotional wirken, Besucher für die Schönheiten der Natur begeistern und Bilder erzeugen sollte. Die Monumente und Bauwerke im Park sind noch heute Stimmungsträger, Orte der Erinnerung.
„Alle Monumente haben einen persönlichen Hintergrund“, erläutert Parkführerin Barbara Grieffenhagen auf ihrer Führung. Jede Generation nach ihm hat ihre Spuren im Park hinterlassen. „Die Strukturen des Landschaftsgartens aber sind noch heute weitestgehend erhalten.“

Die ersten Rhododendren

„Der Schlosspark Lütetsburg war einer der ersten in Deutschland, der sich den Rhododendren gewidmet hat“, sagt Odo Tschetsch von der Deutschen Genbank Rhododendron (siehe Infotext links). Vermutlich wurden Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Rhododendren im Park gepflanzt und später weiter ergänzt. Eine Reisegruppe der „Deutschen Dendrologischen Gesellschaft“ zeigte sich schon 1906 in ihrem Bericht beeindruckt: „(…) Neben den Tannen sind es die Rhododendren, die in wunderbarer Üppigkeit (…) als besondere Sehenswürdigkeit genannt werden müssen und zur Blütezeit eine Farbenpracht von feenhafter Schönheit hervorzaubern (…).“
Vor allem der Nachfahre Wilhelm Edzard zu Inn- und Knyphausen (1908–1978) erweiterte die Rhododendren durch neue Pflanzungen an der östlichen Seite des Parks, an Teichen oder Wasserläufen. Er führte den zwischenzeitlich verwilderten Landschaftsgarten ab den 1930er Jahren weiter, ließ zugewachsene Wege frei schneiden und erweiterte den Park nach Süden hin um zwei Hektar.

DEUTSCHE GENBANK RHODODENDRON

Als sammlungserhaltender Partner ist der Schlosspark Lütetsburg in der „Deutschen Genbank Rhododendron“ verzeichnet. Sie wurde 2010 von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ins Leben gerufen. Durch die angeschlossene Lehr- und Versuchsanstalt Bad Zwischenahn waren seit 2008 Rhododendren-Bestände bundesweit erfasst worden. Seit 2014 wird die Deutsche Genbank Rhododendron vom Bundessortenamt als Bestandteil der Deutschen Genbank Zierpflanzen weitergeführt. Es ist ein einmaliges Netzwerk aus über 50 Partnern, darunter Privatpersonen, Baumschulen, öffentliche Anlagen und Botanische Gärten aus ganz Deutschland, die sich mit ihren Lebendsammlungen dort einbringen.

DATENBANK FÜR INTERESSIERTE

In der online geführten, öffentlich zugänglichen Datenbank sind über 7 000 Rhododendren-Sorten und über 4 000 Topfazaleen-Sorten erfasst. Sie bietet einen umfassenden Überblick über die deutsche Rhododendron-Züchtung der vergangenen 200 Jahre sowie über das Vorkommen internationaler Sorten und Wildarten in Deutschland. Interessierte können die Datenbank mit Fotos und Beschreibungen wie ein Nachschlagewerk nutzen. Partner und Dritte können auf Anfrage Vermehrungsmaterial einzelner Sorten und auch Wildarten kostenpflichtig anfordern. Deutsche Genbank Rhododendron, Bundessortenamt, Osterfelddamm 80, 30627 Hannover, Tel.: 05 11/95 66 57 31 (Dr. Burkhard Spellerberg), www.bundessortenamt.de/rhodo

Jahrhundertealte Bäume prägen das Gesicht des Schlossparks, Monumente und Denkmale sind Orte der Erinnerung (Carolineninsel, Foto oben). Holzbrücken führen über Wasserläufe, entlang meterhoher Rhododendren.


Gute Wachstumsbedingungen

Heute gibt es im Park circa 60 verschiedene Rhododendron-Sorten, darunter Azaleen, laubabwerfende und immer-grüne sowie duftende, und einige Wildarten. Zu den alten und robusten, immergrünen Sorten zählen die Hybriden ‘Michael Waterer’ (1865), ‘Leopold’ (um 1909), ‘Mars’ (vor 1928) und ‘Fastuosum Flore Pleno’ (1846) ebenso wie die Hybriden ‘Cunningham’s White’ (um 1830), ‘Catawbiense Grandiflorum’ oder ‘Catawbiense Boursault’ (beide vor 1850) sowie die laubabwerfenden, wuchsstarken Genter- oder Rustica-Azaleen wie ‘Norma’, ‘Narcissiflora’ oder ‘Aida’. Die Pflanzen stammen vor allem aus den Baumschulen des Ammerlandes, einer Region nordwestlich von Oldenburg. Hier wie in Ostfriesland bietet das küstennahe Klima optimale Voraussetzungen für Rhododendren.
„Rhododendren finden hier ähnliche Bedingungen vor wie in ihren Ursprungsländern Asien und Nordamerika“, sagt Parkchef und Landschaftsarchitekt Andi Hentschel. Der saure, humusreiche Boden wird durch die Wasserläufe im Park entwässert, es gibt keine Staunässe. Die klimatischen Unterschiede zwischen Sommer und Winter sind wegen der Nähe zur Nordsee weniger stark ausgeprägt als in anderen Regionen Deutschlands, außerdem ist die Luftfeuchtigkeit relativ hoch. Schutz gegen den oft starken Wind bieten hohe Bäume vor allem an der Westseite des Parks, sie sorgen im Inneren des Parks zudem für lichten Schatten. Das Laub der Bäume bildet eine natürliche Humusschicht. „Wegen dieser optimalen Bedingungen zählt der Schlosspark zu einem der wenigen Orte in Deutschland, an dem spontane Sämlinge erfolgreich aufwachsen können“, erläutert Dr. Hartwig Schepker, Rhododendron-Experte aus Bremen.

Farbiges Blütenmeer

Je nach Wetterlage blühen schon Ende April die immergrünen japanischen Azaleen, in Weiß, Lila oder Pink. Es folgen die wuchsstarken, sommergrünen und farbintensiven Knap-Hill-Azaleen lachsfarben oder orange, die Genter Azaleen und die gelbe WildartRhododendron luteum mit ihren gelben, nach Honig duftenden Blüten. Bis Ende Juni zeigen sich die großblumigen Rhododendron-Hybriden in Violett, Weiß, Rot und Rosa. Beachtlich sind ihre oft knorrigen Stämme mit einem Durchmesser von bis zu 40 Zentimetern. Besucher werden Beschilderungen zu den Rhododendren allerdings vergeblich suchen. Bewusst wird im privaten, naturnahen Schlosspark darauf verzichtet.

„Ein uraltes Schloß am Meeresstrand (…)“

Wenn die Rhododendronblüte Ende Juni vorüber ist, dann wird es erst mit der Laubfärbung im Herbst wieder farbig im Park. Mal ist es die Farbenpracht, die die Besucher begeistert, mal ist es nur die Stimmung, wenn der Nebel am ostfriesischen Himmel aufsteigt oder die Stille des Winters zu spüren ist. Der Schriftsteller Theodor Fontane genoss die Sommermonate, als er sich für literarische Studien in Lütetsburg aufhielt, und bedankte sich mit folgenden Zeilen:
„Ein uraltes Schloß am Meeresstrand; Ein herrlicher Park im baumlosen Land; (…)“

EINKEHRTIPP: CAFÉ UNTER ALTEN REBSTÖCKEN

In einem ehemaligen Gewächshaus des Schlossparks Lütetsburg befindet sich das Schlossparkcafé vor dem Parkeingang. Blickfang und Schattenspender sind die über 50 Jahre alten Rebstöcke, die geschützt in kleinen Steinnischen unter dem Glasdach des alten Gewächshauses wachsen und im Herbst für Fruchttrauben sorgen. Hier oder auf der Außenterrasse schmecken ein herzhafter Imbiss, warmer Klütje, Milchreis, hausgemachter Kuchen und Ostfriesentee mit Kluntje und Sahne.

Schlossparkcafé, täglich 11–18 Uhr, Tel.: 0 49 31/17 50, www.reichshof-norden.de

BEDEUTENDE RHODODENDRON-PARKS

Im niedersächsischen Ammerland und in Bremen gibt es sehenswerte Rhododendronparks und -gärten.
• Park der Gärten , Elmendorfer Straße 40, 26160 Bad Zwischenahn, www.park-dergaerten.de Der Rhododendronpark mit über 2 000 Rhododendron-Sorten zeigt die Züchtungsgeschichte der vergangenen 180 Jahre.
• Rhododendronpark Bremen , Deliusweg 40, 28359 Bremen, www.rhododendronparkbremen.de Mit über 3 500 Rhododendronsorten zweitgrößte Sammlung der Welt

VERANSTALTUNGSTIPP: 10. – 21.5.2018 (alle vier Jahre): Rhodo 2018 in Westerstede (Ammerland), größte Rhododendronschau Europas, Info: Touristik Westerstede e. V., Tel.: 0 44 88/5 56 60, www.rhodo.de

KONTAKT

Schlosspark Lütetsburg, Landstraße 55, 26524 Lütetsburg, Tel.: 0 49 31/42 54. www.schlossparkluetetsburg.de

Der Park ist ganzjährig täglich geöffnet, Mai – September 8 – 21 Uhr, Oktober – April 10 – 17 Uhr.

Führungen werden angeboten, telefonische Anmeldung erforderlich.