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GARTEN: Seerosenzauber


Liebes Land - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 19.06.2019

Sie haben einen ganz eigenen Charme und machen den Teich zu einem Stillleben: Wasserpflanzen wie Seerosen faszinieren Besitzer wie Betrachter. Kaum jemand kennt sich mit diesen feuchten Schönheiten besser aus als Jörg Petrowsky

Artikelbild für den Artikel "GARTEN: Seerosenzauber" aus der Ausgabe 4/2019 von Liebes Land. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Liebes Land, Ausgabe 4/2019

Anzuchtteich: Ruhe und viel Platz zur Entwicklung


Seerosen faszinieren. Mit Blüten und Blättern den normalen Rosen ähnlich, existieren sie doch in einer ganz eigenen Welt, mit ganz eigenen Überlebensmechanismen. Ihr röhrenhafter Stängel hält sie nicht aufrecht, er verankert sie vielmehr im Grund. Ihre Blätter und Blüten schwimmen an der Wasseroberfläche, wo sie Sonnenlicht und die ...

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... Wärme aufnehmen, die sie brauchen. Mit dem Wechsel der Tageszeiten öffnen und schließen die Blüten sich langsam. Kein Wunder, dass viele Menschen die beeindruckenden Pflanzen in ihren Teichen haben möchten. Doch das erfordert Erfahrung und Einsatz.

Zu Besuch beim Experten

Jörg Petrowsky ist der Mann, der weiß, worum es bei den Seerosen geht. In Eschede bei Celle hat er ein mehrere Hektar großes Areal mit Teichen und steinernen Becken, in denen jedes Jahr Hunderttausende Seerosen, Gräser und Schilfe wachsen: „Als Fünfjähriger hatte ich schon mein erstes kleines Beet mit Pflanzen. Dann habe ich geangelt. Bei der Berufswahl hieß es nur: Landwirtschaft? Forstwirtschaft? Meeresbiologie? Das hatte ich alles auf dem Schirm. Am Ende habe ich eine Garten- und Landschaftsbau-Lehre angefangen.“ Damit fertig, fand er üppig Ackerflächen, die er pachten konnte. In mühsamer Arbeit wurden die Becken angelegt, ein über 100 Jahre altes Stallungsgebäude wurde zur Verwaltung umgebaut. Lange Zeit hat er an Großabnehmer geliefert, aber mit dem Internet ergaben sich ganz neue Möglichkeiten: „Wir hatten mit dem Großhandel gut zu tun, darum sind wir vor 15 Jahren relativ spät in den Internethandel eingestiegen.“ Das Angebot von Jörg Petrowsky reflektiert dabei eine gewisse Rücksicht: „Wir ziehen keine tropischen Seerosen und Lotus. Da muss man sich mit anderen Kollegen nicht in die Quere kommen.“

Faszinierende Schwimmer

Seerosen sind erstaunlich vielseitig, man kann sie in den heimischen Gartenteich ebenso pflanzen wie in eine große Zinkwanne. Es gibt winterharte Sorten, die das hiesige Klima gut vertragen, und Zwergsorten für den kleineren Platzbedarf. Jörg Petrowsky weiß, dass viele Enthusiasten zuerst einmal vor den Bedürfnissen der Seerosen zurückschrecken: „Wenn man die Leute berät und ihnen z. B. die verschiedenen Tiefenkategorien für Seerosen erklärt, dann wird ihnen das manchmal schon zu viel. Dann nehmen sie wieder Abstand. Man muss sich halt damit beschäftigen.“

In großen, flachen, steingefassten Becken wachsen die Gräser


Gut geschützt warten die Pflanzen auf den Versand


Die Blüten einiger Sorten ragen aus dem Wasser


Wasserpflanzen brauchen viel händische Pflege


Manche Seerosenblüten sind so klein wie Münzen


Seerosen für den eigenen Garten

● Grundlage sollte ein ruhiger Teich sein, der am Tag mindestens sechs Stunden Sonne bekommt. Vermeiden Sie Brunnen oder fließende Gewässer. Seerosen gibt es in Kategorien für drei Wassertiefen: 20 bis 50 Zentimeter, 40 bis 80 Zentimeter, 70 bis 120 Zentimeter. Wählen Sie die entsprechenden Sorten für Ihren Teich. Je kleiner das Gewässer, desto wuchsschwächer sollten die Seerosen sein.
● Sie können Seerosen direkt in den Teichboden pflanzen, Gitterkörbe sind allerdings besser, weil sie die Umsetzung und Teilung der Pflanzen erleichtern. Kleinere Pflanzen gehören am Anfang in flacheres Gewässer, damit die Blätter bis an die Oberfläche reichen. Sie können später in den tieferen Bereich umgesetzt werden. Gut wachsende Seerosen sollten später nicht anfangen, sich zu bedrängen.
● Über den Sommer öffnen die Seerosen am Vormittag ihre Blüten und schließen sie dann am Nachmittag langsam wieder. Je nach Sorte blühen sie den ganzen Sommer von Juni bis September. Es gibt auch winterharte Seerosen, die in der kalten Jahreszeit in den eisfreien Bereich des Teichs abgesenkt werden. Im Frühjahr werden sie wieder hochgeholt und mit Dünger für das neue Jahr aufgepäppelt.

Die Sortenvielfalt der Seerosen

BUCHTIPP

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Alles eine Frage der Berechnung

So schwierig ist das aber gar nicht. Zwei Größenangaben sind besonders relevant: die Pflanztiefe und die Flächenausbreitung der Seerose. „Vom Austrieb bis zur Wasseroberfläche, das ist die Pflanztiefe, das hat nichts mit Wassertiefe zu tun. Die Pflanztiefe berücksichtigt, wie hoch die Pflanze wachsen kann. Ist der Teich zu tief, kann man das mit Gitterkörben ausgleichen. Tut man das nicht, erreichen kleine Seerosen in zu tiefem Wasser nicht die Oberfläche und gehen ein. Zu große Exemplare, die zu flach gepflanzt werden, wachsen aus dem Wasser raus, bekommen einen Blätterdom, da sieht man die Blüten nicht mehr.“ Experten teilen die Pflanztiefe grob in drei Kategorien auf (siehe Infokasten auf der Vorseite). Bei der Flächenausbreitung hingegen muss berücksichtigt werden, dass verschiedene Sorten sich unterschiedlich stark an der Oberfläche breitmachen, von einem halben Quadratmeter bis zu gut drei Quadratmetern. Jörg Petrowsky hat für die Berechnung des Bedarfs eine Faustregel: „Nur ein Drittel der Oberfläche sollte von Seerosen bedeckt sein, damit man das Element Wasser wahrnehmen kann. Sieht ja auch sonst nicht aus.“

Junger Bambus: Auch diese Pflanze braucht sehr viel Wasser – das ganze Jahr über


Die Knollen für die nächste Generation warten bereits auf ihren Einsatz


Die Wasserpflanzengärtnerei ist ein eigenes Biotop, in dem sich viele Tiere tummeln. Auch Frösche schauen gerne vorbei


Gräser und Schilfpflanzen werden zum Versand fertig gemacht


Ein Mitarbeiter stolpert ins Wasser – die Kamera ist mit dabei


Die reine Farbenlehre

Bei uns heimisch sind Seerosen hauptsächlich in den Farben Weiß und Gelb. Beliebter ist aber ein anderer Farbton, wie der Experte weiß: „Der Mensch möchte ja oft genau das haben, was er nicht hat, und deshalb ist Rot die Farbe, die an oberster Stelle steht. Hat auch eine gute Fernwirkung. Weiß kommt direkt danach, weil das Reinheit signalisiert und es momentan auch einen Trend zum reinweißen Garten gibt. Insgesamt teilen sich Rot, Weiß und Rosa in dieser Reihenfolge etwa 75 Prozent des Seerosenmarktes. Erst mit größerem Abstand folgt dann Gelb.“ Ein guter Indikator dafür, wie leicht eine Seerose zu halten sein wird, ist ihre Herkunft: „Viele, die einen tropischen Elternanteil haben, haben mit dem Witterungsverlauf Probleme, weil sie in Deutschland je nach Region nicht genug Wärme bekommen. Die muss man dann geschützter halten.“
Solche Probleme bekommt Jörg Petrowsky sogar in seinem Großbetrieb zu spüren: „Wir hatten über Ostern super Wetter, die Pflanzen wuchsen wie wild. Dann kam ein krasser Temperaturumschwung. Das ist wie bei Menschen: Wer empfindlich ist, bekommt sofort eine Erkältung. Bei Seerosen ist das nicht anders, besonders bei denen mit tropischem Elternanteil, die werden dann krankheitsanfällig.“ Je nach Wasserfläche sollte man daher mit einer robusten Sorte wie der ausladenden ‘Marliacea Rosea’ oder der kleineren ‘James Brydon’ anfangen.

Redakteur Torsten Dewi im Gespräch mit Jörg Petrowsky (r.)


Unerwünschte Knabbergäste

Wie jede Pflanze hat die Seerose Schädlinge, die sich an ihr vergehen. Besonders auffällig ist dabei die Raupe des Seerosenzünslers, eines Nachtfalters. Sie knabbert ovale Stücke aus den Blättern und klebt sie zu einem schützenden Köcher zusammen. Clever, doch die zerfressenen Blätter sind für den Gartenbesitzer natürlich kein schöner Anblick. Jörg Petrowsky kann nur empfehlen, die Raupen mechanisch zu entfernen. Dank des Köchers ist das nicht mal besonders unangenehm. Eine weitere Methode, den Seerosenzünsler in Schach zu halten, ist die Teichhaltung von Fischen, die sich gerne an den Raupen laben, etwa Elritzen oder Goldorfen.

Im Reich der (fast) wilden Tiere

Es fällt auf, dass sich hier bei der Seerosenzucht viele Tiere tummeln, die gar nicht „offiziell“ gehalten werden. So gibt es Libellen zu sehen, Frösche, Vögel, in manchen Becken schwimmen Goldfische, in einem sogar ein edler Koi-Karpfen. Jörg Petrowsky nickt: „Das hier ist offene Natur, wir arbeiten nicht unter einer Käseglocke. Da kommen Einflüsse von draußen rein. Enten fliegen hier auch rum. Fischlaich ist klebrig, der haftet dann am Fuß oder am Gefieder. Außerdem kommen Leute vorbei, die sich ihrer Fische entledigen. Denen gefällt ihr Teich nicht mehr, der wird zugeschüttet, und in einer Nacht- und Nebelaktion landen die Tiere dann hier. Auch der Koi ist auf diesem Wege zu uns gekommen.“ Was nach einem Problem klingt, entpuppt sich am Ende aber als gelungene Biobalance in den Becken. Nun muss Jörg Petrowsky wieder ran, aktuell ist Hochsaison. 70 Prozent des Jahresumsatzes werden jetzt gemacht: „Und neben dem Verkauf müssen wir die Pflanzen auch noch vermehren. Da reichen keine zehn Arme und keine 24 Stunden.“

Die Raupe des Seerosenzünslers in ihrem Köcher


Querschnitt durch den Stiel einer Seerose


Versandfertig: mit Blättern, Blüte und Infokarte


KONTAKT: Wasserpflanzengärtnerei Jörg Petrowsky Aschauteiche 2, 29348 Eschede Tel. 05142/803, petrowsky@seerosensorten.de www.seerosensorten.de


Fotos: Uwe Tölle, GU Verlag (1)