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Garten- und Landschaftsbau 4.0: Wie digital wird der GaLaBau?


TASPO - epaper ⋅ Ausgabe 13/2019 vom 30.03.2019

Welche Bereiche der Digitalisierung sind für die GaLaBau- Praxis wichtig und werden beim Verband angefragt? Wie sind die Zukunftsprognosen? Darüber sprach die TASPO mit BGLPressereferentAndreas Stump undLucas Winkler , Winkler Garten- und Landschaftsbau, Mitglied der BGLArbeitsgruppe Digitalisierung, dem für seine Bachelorarbeit „GaLaBau 4.0 – Orientierungshilfe für Betriebe des Garten- und Landschaftsbaus auf dem Weg zur Digitalisierung“ der Ehrenpreis des VGL Bayern verliehen wurde. VonHeike Hoppe


Artikelbild für den Artikel "Garten- und Landschaftsbau 4.0: Wie digital wird der GaLaBau?" aus der Ausgabe 13/2019 von TASPO. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TASPO, Ausgabe 13/2019

Andreas Stump.


Lucas Winkler.


Herr Stump, es kommt sicherlich oft vor, dass der Verband von ...

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... Mitgliedsbetrieben beim Thema Digitalisierung um Rat gefragt wird. Wozu genau? Wo gibt es die Unsicherheiten, Fragen oder neuralgische Punkte?
Stump: Die Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) war ein solcher neuralgischer Punkt. Hier haben die Landesverbände und der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) gemeinsam Aufklärung betrieben und konkret Hilfestellung geboten. Ansonsten sind die Fragen zur Digitalisierung zahlreich, aber zumeist sehr betriebsindividuell.

In welcher Form und mit welchen Mitteln unterstützt der Verband hier seine Mitglieder?
Stump: Die Arbeitsgruppe Digitalisierung des BGL erarbeitet konkrete Merkblätter, die einen fundierten Einstieg in die einzelnen digitalen Lösungsansätze ermöglichen sowie einen „Digi-Check“ zur kurzen Selbsteinschätzung der digitalen Reife eines Unternehmens. Die ersten Merkblätter sind bereits fertig (https://www.galabau.de/digitalisierung-im-galabau.aspx ) , weitere folgen. Die Merkblätter differenzieren auch nach betriebsgrößenabhängigen Mehrwerten, technischen Reifegraden und allgemeiner Relevanz in Abhängigkeit zur Unternehmensausrichtung. Die Orientierungshilfen machen deutlich, dass nicht alle digitalen Lösungsansätze für jeden Betrieb des Gartenund Landschaftsbaus zum jetzigen Zeitpunkt gleichermaßen relevant sind.

Gibt es Seminare oder Weiterbildungen zum Thema?
Stump: Hier sind die Landesverbände bereits sehr aktiv und bauen hier das Angebot in diesem Bereich weiter aus.
Winkler: Der sächsische Landesverband bietet ein eineinhalbtägiges WdA-Seminar mit dem Titel „GaLa- Bau 4.0 – Digitale Fitness für Ausbilder“ an. Ich selbst bin der Referent.

Welche Aspekte der Digitalisierung beziehungsweise der Automatisierung, der Robotik oder der künstlichen Intelligenz betreffen den GaLaBau nach Ihrer Erfahrung am ehesten?
Winkler: Ein Aspekt, der wohl alle Betriebe des Garten- und Landschaftsbaus betreffen wird, ist die Digitalisierung von administrativen Unternehmensprozessen. Mit der Zunahme von elektronischen Rechnungen und Fortschritten in der Standardisierung der eVergabe werden auch die Unternehmen, die heute noch ohne ein digitales Dokumentenmanagement auskommen, sich schon aus rein rechtlicher Sicht gezwungen sehen, sich zu digitalisieren.

Im Allgemeinen wird die Digitalisierung dazu führen, dass die betrieblichen Ressourcen wie Personal, Wissen, Material und Maschinen miteinander verknüpft werden. Für den GaLaBau bedeutet das, dass die richtigen Informationen zur richtigen Zeit verfügbar sein werden.

So vielfältig das Leistungsspektrum der gesamten Garten- und Landschaftsbaubranche ist, so wird sich auch die Digitalisierung in den Betrieben individuell ausprägen. Nicht jeder digitale Lösungsansatz ist auch für jeden Betrieb relevant.

Wo im GaLaBau ist der digitale Umsetzungsdruck tendenziell am höchsten?
Winkler: Bei größeren und ausschreibungsorientierten Unternehmen. Diese Betriebe müssen sich mit ei- ner Vielzahl von digitalen Möglichkeiten auseinandersetzen, um keinen Wettbewerbsnachteilen zu unterliegen. So wird zum Beispiel auch Building Information Modelling (BIM) in Zukunft für diese Unternehmen ein entscheidendes Thema werden. Wohingegen im hochpreisigen Privatgartensektor die Forderung nach 3D-Visualisierungen zum Standard werden könnte. Einige Unternehmen nutzen bereits mit großem Erfolg die Darstellung des zukünftigen Gartens mittels VR-Brillen.

Auch die Verknüpfung von einem „Smart Home“ mit den Dienstleistungen eines Gärtners bieten Potenziale im „After-Sales-Management“.

Fortschritte in der Automatisierung von administrativen Prozessen (beispielsweise leistungsstarke und kostengünstigere Scan- und OCR-Techniken) werden das papierlose Büro noch einfacher umsetzbar machen. Auch wird die Verzahnung von ausführenden Betrieben und Lieferanten durch einen ständigen Informationsabgleich deutlich enger werden (siehe etwa eBeschaffung oder Supply-Chain-Management).


„Der GaLaBau ist individuell. Nicht jeder digitale Lösungsansatz ist auch für jeden Betrieb relevant.“
Lucas Winkler, Winkler Garten- und Landschaftsbau


Die Baustelle selbst: Wo ganz konkret wird diese „digitaler“?
Winkler: Auf der Baustelle wird sich die Automatisierung vor allem in den Bereichen Eigenüberwachung (zum Beispiel 3D-Maschinensteuerung) und Leistungsfeststellung (zum Beispiel schlankere Möglichkeiten der Drohnenvermessung) noch stärker zeigen.

Beim Thema künstliche Intelligenz (KI) wird sich der Garten- und Landschaftsbau an den Fortschritten in der Industrie und dem Bauhauptgewerbe orientieren und passende Lösungsansätze auf unsere Branche übertragen. Der Einzug von Technologien wie Sprachsteuerung im Büroalltag oder kamerabasierte Objekterkennung für eine Maschinenverwaltung sind dabei gut vorstellbar.

Voraussetzung für weitere KI-basierte Lösungsansätze wird das Vorhandensein von digitalen Informationen eines GaLaBau-Betriebes sein („Big Data“ im GaLaBau). Erst dann können softwaregestützte Handlungsvorschläge im Sinne von KI stattfinden.

Welches Potenzial hat der Einsatz von Augmented Reality (AR) im Garten- und Landschaftsbau, also die Darstellung von virtuellen Inhalten in einer realen Umgebung, zum Beispiel via Smartphone, Tablet oder Datenbrille?
Winkler: Ein sehr großes Potenzial. Mit AR können Planungen in die Umgebung projiziert, Ausführungen kontrolliert und benötigte Informationen bei der Instandhaltung angezeigt werden.

Neben rein digitalen Technologien werden aber auch maschinelle Fortschritte im Garten- und Landschaftsbau die Arbeitsweisen künftig verändern. Bereits stattgefunden hat das mit dem Einsatz von akkubetriebenen Kleingeräten oder ferngesteuerten Maschinen, beispielsweise Mähraupen am Hang mit Fernsteuerung.

Stichwort „GaLaBau 4.0“ – wie weit ist die Digitalisierung im GaLaBau Ihrer Einschätzung nach fortgeschritten? Etwa im Vergleich mit anderen Gewerken des Baunebengewerbes oder im Vergleich zum Bauhauptgewerbe?
Winkler: Grundsätzlich wird das Bauhauptgewerbe im bundesweiten Branchenvergleich als unterdurchschnittlich digital einsortiert (Vergleiche Digitalisierungsindex der Telekom von 2017 und 2018). Ob der digitale Schnitt des GaLaBaus dabei besser oder schlechter ist, lässt sich schwer beantworten. Es stellt sich dabei auch immer die Frage, mit welchem Maßstab der digitale Fortschritt gemessen wird. So wird es Unternehmen geben, die sich auch im GaLaBau als „Digital-Leader“ bezeichnen können, aber auch Unternehmen, die den digitalen Anschluss zu verlieren drohen.

In der Vergangenheit hat sich gezeigt: je näher ein technologischer Fortschritt an der Baustelle ist, desto einfacher fällt den meisten Unternehmen die Entscheidung, zu investieren. Beispielsweise werden Technologien wie Mähroboter, IT-gestützte Bewässerungsanlagen, akkubetriebene Heckenscheren, Robotik- Totalstationen, ferngesteuerte Mähraupen oder auch 3D-Maschinensteuerungen gerne genutzt. Hier ist der Garten- und Landschaftsbau durchaus sehr agil und sucht ständig nach Maschinen und Gerätschaften, die Prozesse optimieren können.

Und in welchen Unternehmensbereichen ist die „Digitalisierungsfreude“ im GaLaBau weniger ausgeprägt?
Winkler: Entsprechend in den baustellenferneren Bereichen, etwa bei der Digitalisierung von internen Unternehmensprozessen wie die Einführung einer mobilen Zeiterfassung, das Umsetzen einer Social-Media- Präsenz oder auch nur der Umstieg auf eine aktuellere Branchensoftware. Dort fällt die Entscheidung zur Digitalisierung beziehungsweise zu Investitionen den meisten Unternehmern deutlich schwerer.

Abschließend wird es in unserer Branche auch in 30 Jahren noch Prozesse geben, die ausschließlich analog funktionieren. Die Frage wird dann nur sein, ob diese auch noch wirtschaftlich funktionieren.