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GARTENGESTALTUNG OHNE GRENZEN


TASPO GARTEN-DESIGN - epaper ⋅ Ausgabe 3/2021 vom 26.05.2021

Artikelbild für den Artikel "GARTENGESTALTUNG OHNE GRENZEN" aus der Ausgabe 3/2021 von TASPO GARTEN-DESIGN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Manchmal sind es Zufälle, die ungeahnte Folgen für den Lebensweg eines Menschen haben. Das gilt auch für Paul Hervey-Brookes, einem der erfolgreichsten Gartendesigner Großbritanniens. Als Kind hatte er das Glück, gartenbegeisterte Nachbarn kennenzulernen. Sie schenkten ihm Saatgut, Stecklinge und Knollen und stellten damit die Weichen für seine berufliche Zukunft.

Hervey-Brookes Interesse an der Welt der Pflanzen war so groß, dass er sich für den Besuch des renommierten Pershore Colleges entschied. Darauf folgte ein Studium am Royal Botanic Garden in Edinburgh, bei dem er einen Schwerpunkt auf die Taxonomie legte.

Entscheidend für einen weiteren beruflichen Schritt war eine Studienreise nach Paris. „Es war dort, beim Besuch der National School of Landscape Architecture in Versailles, als es auf einmal Klick machte“, so Hervey-Brookes über die Bedeutung dieser Reise für ihn. Die dort gewonnenen ...

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... Eindrücke weckten sein Interesse an der harmonischen Verbindung von Pflanzen, ihren natürlichen Standorten und Design. Das brachte ihn schließlich dazu, Garten- und Landschaftsarchitektur zu studieren.

Doch vorher war er sowohl in Großbritannien als auch „auf dem Kontinent“ tätig und sammelte praktische Erfahrung. In Italien war er an der Restaurierung eines Renaissance-Gartens beteiligt, in Paris arbeitete er später in einem herrschaftlichen Garten. Die Zeit in Frankreich war so prägend, dass der sprachgewandte Gartendesigner mittlerweile im Loire-Valley eine zweite Heimat gefunden hat.

VOM KLEINEN HOF IN DIE WEITE WELT

Paul Hervey-Brookes Arbeitsbereiche sind vielseitig und umfassen sowohl die Gestaltung kleiner Innenhofgärten als auch weitläufiger, herrschaftlicher Privatgärten und öffentlichen Grüns. Außerdem entwirft er Gärten für Gartenschauen weltweit. Die Freude am Gestalten von Schaugärten entdeckte er 2008 beim Entwurf eines Beitrages für die Malvern Autumn Show.

Danach führten ihn seine Projekte bis nach Australien und Neuseeland. Unter anderem mit Schaugärten gewann er darüber hinaus in Japan, den USA und Russland Goldmedaillen. Auch auf heimischem Terrain ist er sehr erfolgreich: Er gewann unter anderem auf der RHS Chelsea Flower Show und auf dem RHS Hampton Court Palace Garden Festival mehrere Goldmedaillen.

AUF DEN HUND GEKOMMEN

„A Dog’s Life“ war einer seiner Gärten, die auf der Hampton Court Garden Show mit Gold ausgezeichnet wurden. Der auf den ersten Blick eher klassisch anmutende Garten war für The Dogs Trust entworfen worden, eine Organisation, die Hunde an neue Besitzer vermittelt.

In die Pflanzungen waren Rasenflächen als Auslauf für die Vierbeiner, schattenspendende Bäume sowie versteckte Tunnel und „Buddelflächen“ integriert. Flankiert wurde der Garten von einem flachen Wasserbecken für die Vierbeiner. In einer geschützten Ecke befand sich ein Pavillon, in dem Hunde und ihre potenziellen neuen Besitzer einander kennenlernen konnten. Der Beitrag hob zudem hundesichere Pflanzen hervor und enthielt Skulpturen, die von Hervey-Brookes designt wurden.

WENN EMOTIONEN ZU FARBEN WERDEN

Paul Hervey-Brookes verwendet für seine Entwürfe gerne Stauden. Sie liegen ihm besonders am Herzen, seit er bei dem in Großbritannien sehr bekannten Staudenexperten Bob Brown, dem Gründer von Cotswold Garden Flowers, gearbeitet hat.

Hervey-Brookes Stärke sind natürlich und leicht anmutende Gärten. Seine Gestaltung ist stark von seiner Erfahrung im Royal Botanic Garden in Edinburgh und seiner sich daran anschließenden praktischen Arbeit in verschiedenen Gärten beeinflusst: Die Pflanzen stehen für ihn im Mittelpunkt seiner Projekte, denn „die Pflanzen bestimmen den Raum“, so sein Credo.

Dazu kommt ein Aspekt, der auch bei seiner zweiten Leidenschaft, der Malerei, eine große Rolle spielt: Die Fähigkeit, Emotionen sichtbar zu machen. „Ich lasse mich von der Landschaft, ihren Farben und Formen und den damit verbundenen Gefühlen inspirieren“, beschreibt Hervey-Brookes seine Arbeitsweise, wenn er auf die Malerei zu sprechen kommt. Auf der Leinwand stellt er jedoch keine Landschaften dar, sondern oft die Gefühle, an die er sich im Zusammenhang mit einer Landschaft erinnert. Einige seiner Kunstwerke finden sich in privaten Sammlungen. Zu sehen sind sie in einer Online-Galerie sowie in einem Geschäft in Tetbury, einer Kleinstadt in den idyllischen Cotswolds, wo der Brite zuhause ist.

Der „Inner Peace Garden“

Für einen Wettbewerb in Japan gestaltete Paul Hervey-Brookes den „Inner Peace Garten“, der von der internationalen Jury mehrfach gewürdigt wurde: Der Themengarten gewann eine Goldmedaille und erhielt eine Auszeichnung für die beste Bepflanzung und als bester Schaugarten.

Der Inner Peace Garden war mit einer Größe von 10 x 12 Meter als nutzbarer Raum angelegt. Gleichzeitig vermittelte er auch die Idee der Suche nach innerem Frieden. Dies stellte Hervey-Brookes so dar, dass der Besucher des Gartens im Geiste an einen Ort der Ruhe reiste, um Inspirationen zu finden, ohne vom Druck und Lärm des Alltags gestört zu werden.

Den Garten umgab ein Raster aus aufrecht stehenden Betonmauern und halbtransparenten, gespaltenen Bambuswänden. Die Bambuswände versperrten den Weg in den Garten, erlaubten aber verstohlene Einblicke – und weckten so die Neugierde.

Von außen boten die massiven Betonwände kleine Einblicke in einen erholsamen, beruhigend wirkenden Gartenraum. Dabei verwendete er solche Farben, die mit Ruhe assoziiert werden.

Vom Eingang aus führte ein Weg aus glatten, linearen Granitabschnitten in den Garten. Dieser Pfad war etwas fragmentiert und an einigen Stellen schwer begehbar, weil Pflanzen in den Weg hineinwuchsen. Die Breite der einzelnen Pflastersteine betrug nur 150 mm und an einigen Stellen wurde nur ein Stein verwendet. Die Schwierigkeit, den Weg an manchen Stellen zu begehen, spiegelte die Anstrengung wider, die nötig sein kann, um einen klaren Geist zu bekommen.

Im Hauptteil des Gartens angekommen, wurde es einfacher, den Weg zu gehen. Er endete vor einer leeren Betonwand. Sie war von Beeten mit Stauden in sanften Violett-, Malven- und Grüntönen umgeben. Nur scheinbar erwies sich dieser ruhige Ort als Ziel.

Wer weiterkommen wollte, der musste sich umdrehen. Dann offenbarte sich an einer Seite eine Treppe, die durch geschickte Bepflanzung auf dem Weg in den Garten hinein nicht sichtbar gewesen war. Sie führte zu einem versunkenen Rückzugsort. Dieser Entwurf spiegelte die Idee wider, dass wir die innere Ruhe nicht immer dort finden, wo wir sie erwarten.

Dieser tiefer liegende Raum befand sich 900 mm unter dem Bodenniveau. In ihm gab es nur eine Bambusliege und minimale Dekoration. Beim Sitzen konnte man nicht mehr auf die Welt draußen oder auf den Garten blicken. Die Leere und die kaum vorhandene Dekoration sollten die Idee wachrufen, dass innerer Frieden keine unnötige Dekoration oder Design-Gegenstände benötigt, sondern einen Ort darstellt, der einfach und ursprünglich ist.

EINLADUNG ZUM „SHADOWING“

2006 hat Paul Hervey-Brookes sein Gartendesign-Büro gegründet. Doch er ist auch in anderen Bereichen aktiv, schreibt Artikel, hält Vorträge und begleitet Reisegruppen als Pflanzenexperte. Für die britische Einzelhandelskette Marks & Spencer entwarf er eine exklusive Geschenkartikel-Serie – vom edlen Pflanzgefäß bis hin zu einem Igelhotel.

Ein ungewöhnliches Angebot des vielseitigen Engländers ist das „Shadowing“. Dabei können ihn Interessierte für mehrere Tage bei seiner Arbeit begleiten, von ihm lernen und einen intensiven Einblick in die Arbeit eines Gartengestalters bekommen. Seine Bereitschaft, Wissen und Erfahrung weiterzugeben und jüngeren Berufskollegen zu helfen, wird auch bei seinem Engagement als Mentor für die Finalisten des prestigeträchtigen Young Designer of the Year Wettbewerbs der Royal Horticultural Society (RHS) deutlich. Paul Hervey-Brookes gehört auch zum Team der RHS-Experten, die die Garteneignung von Pflanzen bewerten und den Award of Garden Merit vergeben. Seit 2016 ist er außerdem als Juror bei Gartenschauen der RHS dabei.

GÄRTEN, DIE ZU FREUNDEN WERDEN

Die meisten Aufträge beginnen mit einem Besuch beim Auftraggeber, bei dem die ersten Ideen und Wünsche besprochen werden. Wichtig ist Hervey-Brookes dabei auch, einige Zeit in dem Garten zu verbringen, bevor er mit seiner Arbeit beginnt. Die Aufgaben können vom ersten Besuch bis zum Projektmanagement und der Weiterbetreuung nach Fertigstellung des Gartens reichen.

Ein interessanter Aspekt, den er an der Gestaltung eines Gartens besonders mag, ist „leaving“. Das bezieht sich für ihn auf das Fertigstellen beziehungsweise das Verlassen des Gartens: Wenn er geht, hat er jemandem etwas hinterlassen, das für diesen Menschen der Beginn einer spannenden Reise sein kann. Der Gartenbesitzer kann nun beobachten, wie der mit Pflanzen gestaltete Raum wächst, sich entwickelt und verändert. Eine andere bedeutsame Komponente seiner Arbeit ist für ihn das Wissen, wie stark ein lebendiger, sich verändernder Garten das Leben eines Menschen positiv verändern kann. Und ganz wie ein guter Freund mag er ihm auch in schwersten Zeiten Halt geben.

Kontakt: www.paulherveybrookes.com