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Gartenkunst Landwirtschaft


Sonah - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 05.06.2019

Geschichte(n) hinter dem Hofgut Imsbach Lapointe


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Links das neue Herrenhaus, rechts das alte.


Kapelle


Alle Fotos: © Dr. Axel Didion

Bei schönem Wetter spazieren zahlreiche Besucher über das Hofgut Imsbach bei Theley – mit seinen historischen Gebäuden, den idyllischen Wiesen, Vieh-Weiden und Alleen wirkt es einfach anziehend. Doch hier verbirgt sich auch einiges, was sich nicht gleich offenbart: Was hat es mit der Schenkung Napoleons auf sich? Ist es Zufall, dass sich allerorts so harmonische Landschaftsbilder ergeben? Und warum leben hier Wasserbüffel? Unter der Regie von Naturlandstiftung Saar und ihrer ...

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... Tochtergesellschaft Naturland Ökoflächen-Management GmbH vereinen sich auf der Anlage naturfreundliche Landwirtschaft und ein besonderes Denkmal der Gartenkunst.

An der Landstraße zwischen Primstal und Theley stößt man rechterhand auf eine Toreinfahrt, die ins Auge fällt: Eingefasst von hohen Sandsteinpfeilern und gerundeten Mäuerchen, geschmückt mit einem eindrucksvollen Wappen, vermittelt sie eine gewisse Würde und Geschichtsträchtigkeit. Gleichzeitig wirkt sie einladend und ist offen für alle. Direkt dahinter geht es in den Wald – die Straßengeräusche verstummen, Vogelstimmen zwitschern hier und pfeifen dort. Hat man den Wasserlauf, den Imsbach, überquert, stößt man auf die ersten Bewohner der Anlage, zu der die Zufahrt führt: zwei Wasserbüffel. Entspannt liegen sie in der Sonne, zucken ab und an mit den Ohren, um ein Insekt zu verscheuchen. Ein Stückchen weiter hat man die Anlage selbst erreicht, das Hofgut Imsbach Lapointe. Wir nehmen den Pfad durch einen Torbogen in den Hof des Gebäude-Karrees. Wo wir uns in diesem Moment bewegen, dort ging rund 200 Jahre vor uns Charles Louis Narcisse Lapointe ein und aus. Er war französischer Offizier, gebürtig aus Remilly bei Metz, und hatte sich höchste Verdienste erworben – zuletzt als Colonel des „4e régiment de chasseurs à cheval“, einer berittenen Einheit von 1500 Mann. 1812 beförderte Napoleon ihn deshalb zum Oberst und schenkte ihm das Hofgut Imsbach. Mit den Wohn- und Wirtschaftsgebäuden erhielt der damals 38-Jährige rund 326 Hektar Land. Anfangs war er jedoch nur sporadisch dort zugegen, denn er kämpfte noch bis 1814 im Heer Napoleons. Dass dieser das Gut hatte verschenken können, war dadurch möglich, dass es zuvor im Zuge der Französischen Revolution dem französischen Nationalgut einverleibt worden war.

Das Wappen, das uns an der Toreinfahrt begegnet war, prangt auf dem Hofgut am höchsten Stallgebäude. Es handelt sich, mit kleinen Abwandlungen, um das Wappen, das Lapointe sich hier als Gutsherr entwickelt hatte: Zwei goldene Greifen halten einen blauen Schild, der wiederum drei goldene Greifenköpfe zeigt. Lapointe zog damit eine Verbindung zum Wappen Ludwigs XVIII. (1814 – 1824 König von Frankreich) mit seinen drei goldenen Lilien auf blauem Grund. Einst saß auf Lapointes Wappenschild noch eine herzogliche Krone, doch diese hat man ihm heute abgenommen. Sie war eine usurpatorische Aneignung, was zur damaligen Zeit jedoch üblich war. Verantwortlich für das neue Wappen ist die heutige Besitzerin des Hofgutes Imsbach: die Naturlandstiftung Saar (NLS) mit ihrer hundertprozentigen Tochter Naturland Ökoflächen-Management GmbH (ÖFM). Als Lapointe das Hofgut geschenkt bekam, hatte es bereits einiges an Geschichte hinter sich: Eine erste dörfliche Ansiedlung entstand vermutlich im Hochmittelalter, 1310 wird sie in einer Lehnsurkunde des Lothringer Herzogs erwähnt. Um 1350 wurde sie aufgegeben, wohl in Folge einer Pestepidemie. 1585 dann taucht erstmals der Begriff „Hofgut“ auf – das verwaiste Dorf wurde zur Hofsiedlung ausgebaut, deren Güter ein Amtmann als Teil seines Gehaltes nutzte. Im Dreißigjährigen Krieg jedoch wurde sie zerstört. Wohl um 1715 baute ein lothringischer Amtmann sie wieder auf und verpachtete sie. Dabei wurde vermutlich auch das „alte Hofhaus“ errichtet, das heute noch steht. Um 1750 wohnten und arbeiteten auf dem Hofgut mehrere Familien, dazu Knechte und Mägde. Ein Stückchen weiter südwestlich, an den Auen des Imsbach, betrieb eine weitere Familie eine Mühle. 1792/93 erreichte die Französische Revolution das Gebiet.

Von den Lapointes bis heute

Lapointe nun lebt seinerzeit auf dem Hof mit Frau Francoise und drei Kindern. Das „alte Hofhaus“ von etwa 1715 erfüllt seine Wohn- und Repräsentationsbedürfnisse offenbar nicht, denn er lässt an dieses anschließend ein neues, schlossartiges Wohnhaus errichten. Als Napoleon 1814 gestürzt wird, wendet sich das Blatt für Lapointe nicht: Das Gebiet geht zwar in das Königreich Preußen ein und wird dem Großherzog von Oldenburg zugesprochen, doch Lapointe bleibt im Besitz des Hofgutes. Auch bleibt er in der Gunst der französischen Elite, Ludwig XVIII. gewährt ihm die höchste militärische Ehrung. 1844/45 besucht der Herzog von Oldenburg das Hofgut Imsbach. Es wird damals wie folgt beschrieben: „… von dem jetzigen Besitzer Lapointe bedeutend erweitert und verbessert, enthält beinahe 1.300 Morgen, darunter 533 Morgen Niederwald, 131 Morgen Wiesen- und 619 Morgen Acker-Ländereien. Man findet hier großartige Ökonomiegebäude, eine Mahlmühle, Schmiede, Maschinen zum Säen und Dreschen etc. Es wird vorzüglich Korn, Hafer, Gerste, Buchweizen, Hülsenfrucht und auch Kartoffeln gebaut; der Viehbestand zählt 70 – 80 Stück Rindvieh und 25 – 30 Pferde.“

Imsbachpromenade


Kapelle


Der „Löschteich“ heute und früher. © NLS/Archiv


Der „Löschteich“ heute und früher. © NLS/Archiv


Im Juni 1855 stirbt Charles L. N. Lapointe. Da sein ältester Sohn Familiengüter in Metz verwaltet, erbt sein 24-jähriger Enkel Louis Albert das Hofgut Imsbach. Dieser heiratet einige Jahre später die Industriellentochter Bertha Wilhelmine Böcking aus Abentheuer (bei Birkenfeld). Das Paar lässt seinerseits umfangreiche Erneuerungen durchführen und nach dem Tod von Louis Albert 1904 lässt seine Witwe zudem eine Gutskapelle mit Familiengruft errichten. Es ruhen dort noch heute Charles L. N. (nachträglich umgebettet), Louis Albert und Bertha Wilhelmine.

Bei den Einheimischen der Umgebung waren die Lapointes, oder „Lapans“, wie sie hier genannt wurden, hochgeschätzt. Durch eine mustergültige Führung der Landwirtschaft sowie durch wohltätige Gesten gaben sie dem Gebiet etliche positive Impulse. Bertha Wilhelmine, die zuletzt 25 Jahre alleine die Geschicke des Hofes leitete, wurde in Erzählungen älterer Menschen als geachtete Herrin geschildert. Die Kinder hatten Spaß daran, ihrer Kutsche hinterherzulaufen, und die Männer zogen die Hüte, wenn sie sie sahen. Ihre Nachfahren jedoch konnten das Hofgut nicht halten. Nach dem Tod Bertha Wilhelmines wird es verkauft und wechselt fortan mehrfach den Besitzer. Nach dem zweiten Weltkrieg, 1953 bis 1965, wird es als Justizvollzugsanstalt genutzt und anschließend wieder an wechselnde Landwirte verpachtet. 1978 wird es zum „Saarländischen Ökologie- Zentrum Stiftung Hofgut Imsbach“ umgewandelt und mit Hotel und Gastronomie ausgestattet. Nach Erlöschen der Stiftung schließlich haben sich NLS und ÖFM seiner angenommen. Dr. Axel Didion, wissenschaftlicher Mitarbeiter der NLS, erklärt deren Motivation: „Neben der Wiederherstellung und Entwicklung von Lebensräumen sowie der Sensibilisierung für die Natur ist es eines unser Leitziele, Historisches zu erhalten. Unter diesen Bereich fällt das Hofgut Imsbach als Baudenkmal, das für die Geschichte des Landes von besonderer Bedeutung ist.“ Zudem habe das Hofgut Möglichkeiten für Ausgleichsmaßnahmen geboten, die die ÖFM für die Gemeinde Tholey im Gegenzug der Erweiterung des nahen Gewerbeparks umgesetzt hat.

Rundum renoviert und ökologisiert

Eine zwei Meter hohe Sandsteinstele mit der Inschrift „Schützt die Natur“ verkündet, unter welcher Devise die Anlage heute steht. Die einst intensiv bewirtschafteten Äcker sind verschwunden, stattdessen sieht man Wiesen und Mähwiesen sowie Viehweiden. Die Landwirtschaft wurde ökologisiert, Weidewirtschaft und Mähwiesen-Nutzung bilden nun das Rückgrat. Organisiert wird der Bioland-Betrieb von der Imsbach Verwaltungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH (IVEG), einer Tochter der ÖFM. Neben dem Hofgut Imsbach hat diese noch eine Betriebsstätte auf dem Kreuzhof bei Marpingen. Sie hält ausschließlich alte, kaum noch zu findende Haustierrassen: 140 Hinterwälder Rinder (kleinste Rinderrasse Mitteleuropas) auf dem Hofgut Imsbach, 40 Schwäbisch-Hällische Landschweine (eine der ältesten Schweinerassen Deutschlands) sowie sieben Konik-Pferde auf dem Kreuzhof und zwölf Galloway-Rinder (hornloses keltisches Rind) auf einer Weide bei Oberkirchen. Auf dem Hofgut Imsbach leben außerdem zwei Kaltblutpferde und die Wasserbüffel. Eine Reithalle mit Pferdeboxen soll für eine Pensions-Pferdehaltung und Therapeutisches Reiten genutzt werden. Bei den Rindern dürfen die Kälbchen für die Aufzucht bei ihren Müttern bleiben, da die Milch nicht vom Menschen verwendet wird. Die Tiere stehen im Sinne einer natürlichen Weidehaltung auf kräuterreichen, nicht gedüngten Wiesen und bekommen kein Kraftfutter.

Umweltminister Reinhold Jost, der qua Amt zugleich auch amtierender Vorsitzender der NLS ist: „Meine Vorgänger im Umweltministerium und ich haben die Entwicklung auf dem Hofgut Imsbach zu jeder Zeit nach Kräften unterstützt. Mit der ökologischen Landwirtschaft wird eine artenreiche Kulturlandschaft gefördert. Solche wertvollen Flächen für Biodiversität spielen in Zeiten zunehmender Versiegelung durch Bau- und Verkehrsinfrastruktur aber auch durch die vermehrte Anlage von Steinwüsten in Vorgärten eine vielfältige Rolle für den Umwelt- und Naturschutz.“ Dabei halten die Rinder und Pferde durch ihr Grasen die Landschaft offen, die Was- serbüffel durch ihr Suhlen mehrere Kleingewässer, an denen vor allem Zugvögel rasten und sich für den Weiterflug stärken können. Auch die alten Gebäude tragen ihren Teil zur Förderung der Biodiversität bei, so brütet in den Stallungen die selten gewordene Rauchschwalbe – jedes Jahr fliegen mehr als 100 Jungschwalben aus. Zum Konzept gehört auch eine „grüne“ Energieversorgung, mit Photovoltaikanlagen und Hackschnitzel-Heizung.

Konik-Pferde


Galloway- Rinder


Hinterwälder Rinder


Dank denkmalgerechter Sanierungen kann man der Geschichte auf dem Hofgut noch immer auf Schritt und Tritt nachfühlen: am ländlich-pittoresken alten Herrenhaus, am würdevollen neuen Herrenhaus und vielen weiteren Gebäuden. Die NLS hat sie renoviert, teilweise neu verputzt und gestrichen. Am neuen Herrenhaus wurde das Belvedere (wörtlich „Schöne Aussicht“ – Aussichtspunkt auf dem Dach) mitsamt der historischen Treppe restauriert, ebenso die Freitreppe, die vom Haus aus den Garten erschließt. Auch die Toreinfahrt hat die NLS errichtet, da eine solche zu den Grundelementen einer großen Gutsanlage gehört. Das Hofgut Imsbach verfügte einst über eine solche, jedoch an anderer Stelle. Besondere Aufmerksamkeit verlangte die Kapelle. Sie lag gleichsam in einem Dornröschenschlaf, war vollkommen umwachsen von Bäumen und Gestrüpp. Das Gebäude selbst, in gemäßigten Formen des Jugendstils, war von Moos überzogen, sein Dach undicht, die Fenster zerbrochen, die Stufen am Eingang locker und verschoben. Auf Initiative von Dr. Rainer Wicklmayr (damals Aufsichtsratsvorsitzender der ÖFM) kümmerte sich ein „Verein der Freunde der Gutskapelle Imsbach“ um die Renovierung. Außen wurde die Kapelle bis ins Detail originalgetreu wiederhergestellt, innen hingegen hat man für eine Nutzung als Trauzimmer die Einrichtung neu gestaltet. Die Gemeinde Tholey hat nun hier eine Außenstelle ihres Standesamtes, über hundert Trauungen finden jährlich statt.

Englischer Garten &; Ferme Ornée

Wer aufmerksam über die Anlage spaziert, dem fällt auf, dass sich immer wieder ausgesprochen harmonische Aussichten ergeben. Dies ist kein Zufall: Die Anlage war einst nach dem Ideal einer Ferme Ornée und im Stil des Englischen Landschaftsgartens (s. Infokästchen) gestaltet. Mit der entsprechenden Konzeption hatte bereits Oberst Lapointe begonnen, seine Erben arbeiteten weiter daran. Dabei wurden die natürlichen Gegebenheiten der Landschaft aufgegriffen und die Gestaltung an ihnen ausgerichtet. Vielfältige Blickbeziehungen aus den Wiesentälern auf das Gut und umgekehrt vom Hofgut weit in die Ländereien hinein wurden geschaffen. Vom Belvedere auf dem neueren Herrenhaus kann man diese Blickachsen besonders gut nachvollziehen. Zum Gesamtkonzept der Ferme Ornée im Englischen Landschaftsgarten gehörten das Herrenhaus und die Hofanlage, eine Mühle, ein Turm, der vermutlich als Taubenhaus diente, sowie eine Brunnenanlage vor dem Herrenhaus. Der Turm ist noch immer erhalten, der Brunnen geht jedoch in seiner heutigen, übergroß wirkenden Einfassung auf die Zeit der Justizvollzugsanstalt zurück: eine feuerpolizeiliche Anordnung verlangte diese Größe. Wie eine Zeichnung aus der oldenburgischen Epoche zeigt, war die Anlage einst noch von einer Umfassungsmauer eingerahmt. Die Kapelle war dabei bewusst auf der sanften Anhöhe platziert, herausgehoben aus dem alltäglichen Betrieb. Als markante Elemente im Landschaftsbild dienten auch Solitärbäume. Rund 60 der originalen Baumriesen stehen noch immer, manche davon sind 200 Jahre alt - an ihnen dürfte also schon Oberst Lapointe in einer freien Minute vorbeispaziert sein oder in ihrem Schatten eine Ruhepause eingelegt haben.

Der alte Turm


Englischer Landschaftsgarten

Stourhead


Der Englische Landschaftsgarten entstand im England des 18. Jahrhunderts als Gegenentwurf zum Barocken Garten. Während in letzterem die Natur durch strenge Symmetrie und Geometrie sinnbildlich dem Menschen unterworfen wurde, orientierte sich das neue Konzept an einer freien, allerdings idealisierten Natur. Es wurde in Folge der Aufklärung zuerst in liberal gesinnten Kreisen Mode. Inspiriert wurde das Konzept von Landschaftgemälden. Man wollte gleichsam ein begehbares Gemälde schaffen, eine Landschaft, die scheinbar natürlich und doch so ideal wie von einem Maler komponiert war. Wichtig waren daher vor allem Blickachsen, die harmonische „Szenen“ schufen. Typische Elemente in diesen Szenen waren weite Wiesenflächen, Bäume und Wäldchen, gewundene Wege, Bäche und sanft modellierte Teiche. Dazwischen setzte man vereinzelte Architekturelemente wie Brücken, Kapellen, Burgruinen, antike Tempel oder auch Einsiedeleien. Sogar gab es „Schmuckeremiten“, die sich gegen Bezahlung zu bestimmten Tageszeiten an den Einsiedeleien zeigten. Um den äußeren Rand des Parks führte ein „Belt Walk“ zum Lustwandeln. Einer der berühmtesten Englischen Landschaftsgärten ist der von Stourhead.

Ferme Ornée

Hameau de la Reine


Obwohl meist der französische Begriff Verwendung findet, wurden die theoretischen Grundlagen der Ferme Ornée (englisch „Ornamental Farm“) erstmals 1715 von dem englischen Landschaftsarchitekten Stephen Switzer beschrieben. Das Konzept betraf größere Gutsanlagen mit Park und sah vor, auch die landwirtschaftlich genutzten Gebäude und Flächen auf ästhetische Weise in die Parklandschaft zu integrieren. Man verband mit der Ferme Ornée eine romantisch verklärte Vorstellung vom einfachen Landleben. Eine Weiterentwicklung war das „Hameau“ (Dörfchen) – in Parks gelegene bäuerliche Häuschen, die keine echte landwirtschaftliche Funktion erfüllten, sondern nur durch ihren idyllischen Anblick erfreuen sollten. Echte Fermes Ornées sind nicht in Gänze erhalten. Das bekannteste Beispiel für das Hameau ist das von Marie Antoinette im Park von Versailles.

Seeterrasse


Kapelle


Hinterwälder Rinder


Toreinfahrt


NLS und ÖFM sind seit der Übernahme der Anlage darum bemüht, den Eindruck aus dem 19. Jahrhundert, im Stil von Ferme Ornée und Englischem Landschaftsgarten, wiederherzustellen. Mit enormem Aufwand wurde gerodet, freigeschnitten, aufgeforstet, gebaut, gesetzt und gepflanzt. Das Bild, das sich heute bietet, ist diesen Maßnahmen zu verdanken: In Rabatten rund um die Hotelgebäude stehen Hortensien, Rhododendren, Azaleen und Eiben. Entlang des Fußweges zur Kapelle verlaufen Hainbuchenhecken als linienhafte Zierelemente, am Hang erblüht im Frühjahr ein Meer von rund 20.000 Narzissen. Rund um das Hofgut spaziert man auf verträumten Alleen im flimmernden Wechselspiel von Licht und Schatten durch eine ruhige Landschaft – vorbei an romantischen Eindrücken von grasenden Tieren auf der Weide, blühenden Wiesen, Weihern mit naturnahen Ufern, dynamisch fließenden Bächen und kleinen Laubwäldchen. Wer sich auskennt, kann die verschiedensten Bäume identifizieren: Linden, Eichen, Eschen, Rotbuchen, Bergahorn, Rosskastanien, Esskastanien, Walnuss oder auch Vogelkirsche. Ein Bohlenweg führt trockenen Fußes durch die Imsbachaue und in Sitznestern kann man zwischendurch verschnaufen. Es handelt sich bei letzteren um Ruhebänke im Windschatten begrünter Erdaufschüttungen. In naher Zukunft sollen Spaziergänger auch noch Hutewälder zu sehen bekommen, also Wälder, in denen Tiere weiden.

Ein modernes Element ist hingegen die neue Seeterrasse am Restaurant. Von ihr aus hat man eine wunderbare Aussicht auf den großen Weiher, in dessen Wasser sich Himmel und Gebäude spiegeln. Die Imsbachpromenade fürt als „Belt Walk“ um die Anlage. Wer auf ihr spaziert, kann in wechselnden „Landschaftsszenen“ all die Besonderheiten von Hofgut und Park genießen.

Imsbachpromenade


NLS und ÖFM

Die Naturlandstiftung Saar setzt sich aktiv für das saarländische Naturerbe ein. Der Stiftungsrat wird besetzt von Vertretern verschiedener naturschützender und- nutzender Institutionen und Organisationen wie dem NABU, dem Umweltministerium, den Bauern und anderen. Vorsitzender ist traditionell der amtierende Umweltminister. Die NLS erwirbt für den Naturschutz wertvolle Flächen, um die Lebensräume bedrohter Tiere und Pflanzen zu sichern, zu pflegen und zu entwickeln. Mittlerweile besitzt und betreut sie 114 Schutzgebiete im ganzen Saarland. Zusammen mit ihrer Tochtergesellschaft Naturland Ökoflächen- Management GmbH (ÖFM), die Maßnahmen im Rahmen der Eingriffs-Ausgleichs-Regelung, des Ökokontos und des Artenschutzes anbietet, besitzt sie über 1700 Hektar Fläche. Die NLS organisiert außerdem die Pflege in Schutzgebieten im ganzen Saarland und ist (Mit-)Trägerin zahlreicher regionaler, bundes- und europaweiter Naturschutzprojekte und der Naturwacht Saarland.

Weitere Infos

Dr. Axel Didion: Das Hofgut Imsbach oder Napoleon und die Hinterwälder, in: Heimatbuch des Landkreises St. Wendel 32 (2009-12)
Johannes Naumann (2008): Das Hofgut Imsbach. Eine Bestandsaufnahme der historischen Entwicklung des Hofgutes unter besonderer Berücksichtigung der parklandschaftlichen Elemente. Unveröffentlichte Studie im Auftrag der Naturland Ökoflächen-Management GmbH Rainer Wicklmayr: Die Restaurierung der Gutskapelle Imsbach 2005 – 2014. Festschrift aus Anlass des Abschlusses der Restaurierung im September 2014 (unveröffentlicht)