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Gartenparadies für die Seele


Schöner Südwesten - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 02.07.2021

GARTENJUWEL LANDHAUS ETTENBÜHL

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Bildquelle: Schöner Südwesten, Ausgabe 4/2021

Das Markgräflerland: prächtige Weinberge, mildes Klima, hügelige Landschaft mit Streuobstwiesen – kein Wunder, dass den Markgrafen von Baden die Region im Dreiländereck so ans Herz wuchs, dass sie bis heute ganz stolz deren Namen trägt. Zwar grenzen hier die Landschafts- und Kulturräume Elsass und Nordschweiz an Baden. Doch mittendrin, gleich hinter Bad Bellingen, die südlichen Ausläufer des mächtigen Schwarzwald - berges Blauen im Rücken, hat sich mit dem Landhaus Ettenbühl und seinen 26 Themengärten ein authentisches, kleines Stück „Good old England“ breitgemacht.

Nicht nur idyllische Winzerdörfer, barocke und klassizistische Häuserensembles, Thermen und Bäder, Burgruinen und Kulturdenkmäler stehen zusammen mit einer prächtigen Natur hoch in der Gunst der zahlreichen Besucher. Sondern genauso eine scheinbar aus der Zeit gefallene, pittoreske ...

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... Rosamunde-Pilcher-Wunderwelt, die deutschlandweit absolut einmalig ist.

Hier, wo heute beim Betreten des Areals der Seele Flügel wachsen, stand lediglich ein heruntergekommener Aussiedlerhof in den 70er Jahren zum Verkauf. Es gab weder Strauch noch Baum, geschweige denn Buchsbaumhecken und Rosen. Der Rheumatologe Dr. Alfred Seidel und seine Frau Gisela bauten ab 1969 eine Praxis in Bad Bellingen auf, aus der im Lauf von vielen Jahren die renommierte Seidel-Klinik hervorging, spezialisiert auf Wirbelsäulen- und Gelenkserkrankungen. Sie suchten und fanden in dem Hof einen Wohnplatz und Lebensmittelpunkt für die gesamte Familie. Da der Verkauf des Gebäudes an eine landwirtschaftliche Nutzung gebunden war, stürzten sich die Seidels voller Elan und Begeisterung in das Abenteuer Landleben. Dazu gehörte das Halten von Kühen, Schweinen und Hühnern sowie der Anbau von Gemüse – mit all dem wurde die Klinik in Bad Bellingen versorgt, die Alfred Seidel leitete; parallel dazu unterhielt Gisela Seidel eine Reitschule. Als sie in den 1980er-Jahren nach England reiste, „da war es um sie geschehen“, erzählt ihre Tochter Stefanie Körner, heutige Geschäftsführerin des Landhauses Ettenbühl. „Sie infizierte sich mit dem Gartenvirus, kam mit einem Koffer voller Rosen zurück und fing an zu gärtnern.“ Alfred Seidel, der eine Leidenschaft für Architektur hatte, baute Gartenhäuschen, Treppen und Pergola, und Freunde brachten von Reisen pflanzliche Geschenke mit: kleine Bäumchen aus den kaiserlichen Gärten in China oder Ahornbäume aus Asien. So entwickelte sich das hässliche Entlein Aussiedlerhof ganz allmählich zum schönen Schwan Parkanlage im Markgräflerland.

Ein Paradiesgarten, der Besucher auf Anhieb erzaubert.

Bis in das Jahr 1998 blieb das Landhaus Ettenbühl ein privater Garten, in dem sich Gisela Seidel ihrer großen Liebe widmete, dem Erhalt und der Zucht von historischen Rosen. Heute fügen sich in dem sieben Hektar großen Landschaftsgarten 26 Themengärten zu einer wunderschönen Parkund Gartenanlage zusammen. Wie in einem Wohnhaus mit verschiedenen Zimmern hat jeder Garten eine eigene Funktion und eigenen Charakter. Besucher können hier auf eine ganz besondere Entdeckungsreise gehen, sich inspirieren lassen, verweilen und genießen. Rasen betreten – gern auch barfuß – ausdrücklich erlaubt!

Dem regen Austausch mit Züchtern, Experten und Botanischen Gärten in aller Welt verdankt Ettenbühl neben der außerordentlichen Vielfalt historischer Rosen auch eine imposante Sammlung seltener Gehölze. Wie zum Beispiel eine Magnolie aus den „Verbotenen Gärten“ in Peking, eine Mammutbaumallee und viele botanischen Besonderheiten mehr. Stefanie Körner, ursprünglich als Fernsehredakteurin viel unterwegs, bemerkte nach und nach im heimischen Ettenbühl, wie aus dem leidenschaftlichen Hobby der Eltern an diesem idyllischen Fleckchen eine wunderschöne Parklandschaft in bester englischer Tradition entstand.

„Ich realisierte plötzlich, welches unglaubliche Potential dieser Garten hat“, erzählt die 54-Jährige. Kurzerhand entwarf sie einen Businessplan, mit Gästezimmern (Bed & Breakfast), Laden, Kursen und Restaurant, erhielt dafür ein Gründerdarlehen und reiste zur Vorbereitung mit ihrer Mutter nach England. Dort lernte sie den Gartenpionier John Scarman kennen und konnte ihn für Kurse in Ettenbühl gewinnen. Am 1. Januar 1999 schließlich öffneten sie die Gartentore für Gäste.

Hobbygärtner und Hamlet

„Plötzlich kamen ganz viele Menschen“, erinnert sich Körner, „die Resonanz hat uns beinahe erschlagen.“ Und so wurde die Parkanlage Jahr für Jahr immer größer und zog mit Gärtnerei, Laden, Restaurant sowie Bed & Breakfast immer mehr Besucher an: um die 50.000 sind es mittlerweile jährlich. Das Team besteht aus 20 Festangestellten und 20 Aushilfen, in Spitzenzeiten können es bis zu 40 Aushilfen sein. Wegen des romantischen Ambientes kann das Anwesen auch für private Feiern genutzt werden – „Hochzeiten in Ettenbühl sind sehr beliebt“. Hinzu kommen Kurse für Hobbygärtner wie etwa „Traditional English Gardening mit John Scarman“, die meist sehr schnell ausgebucht sind.

Shakespeares „Hamlet“ als Open Air im Sommer, das Chorfestival mit 30 Chören im September und natürlich das Rosenfest Anfang Juni mit Gartenführungen und Workshops gehören zu den vielen Höhepunkten des Jahres.

Betritt man heute die so wunderbar britisch geprägte Gartenlandschaft, so beeindrucken spontan der unglaubliche Fleiß sowie die unbändige Lust am Gärtnern, mit der Gisela Seidel die Keimzelle des blühenden Paradieses geschaffen hat. Genauso wie die konsequente Weiterentwicklung der faszinierenden Themen - gärten in den letzten drei Jahrzehnten, als mit dem Fachwissen englischer Gärtner aus einer Vision eine weitläufige Parklandschaft mit Hunderten ausgefallener Gehölze und Tausenden von Rosen und Stauden entstand.

Im Pfingstrosengarten, einem „Sunken Garden“, befindet sich eine beachtliche Sammlung seltener Strauchpäonien. Auch nach der Pfingstrosenblüte ist dieses Gartenzimmer ganz besonders stimmungsvoll mit der alten Kastanie im Zentrum. Im Teichgarten wird die Pergola verschwenderisch von Wisteria und Rosen umgarnt, während der Teich mit auffällig gefärbten Koikarpfen besetzt ist.

Das Wäldchen am Gartenhaus beheimatet Tausende von Christrosen, Narzissen und besonders interessante Waldstauden unter den seltenen Gehölzen. Der Lavendelgarten, im Stil eines mittelalterlichen Klostergartens angelegt, ist voller blühender Stauden und Rosen. Die historischen Rosen im Alten Rosengarten sind teilweise schon mehr als 40 Jahre alt!

Der kleine Brunnengarten widmet sich einer exotischen Pflanzenwelt. Von hier aus kann man in den barocken Buchsgarten schauen, der nicht zugänglich ist. Säuleneiben und Buchskugeln geben dem Pfingstrosenweg Struktur. Pfingstrosen, Stauden, Philadelphus und Buddleja wechseln sich ab und blühen bis in den Spätherbst.

Der Potager ist ein klassischer englischer Nutz- und Ziergarten mit ungewöhnlichen Spalierformen, Gemüse, Kräutern und essbaren Blumen. Hier wird auch für die Ettenbühler Landhausküche geerntet. Der formale Wassergarten mit öfterblühenden Rosen und Stauden ist nach dem Vorbild der indischen Mogulgärten angelegt. Im Rosenversuchsgarten wird die Blühfreudigkeit und Resistenz neuer Rosensorten getestet. Auf der Fliederwiese mit vielen verschiedenen Fliedersorten duftet es besonders im Mai betörend und hier sind auch einige der Ettenbühler Bienenvölker beheimatet.

Lang anhaltende Rosenblüte

Die Mammutbaumallee beeindruckt ganz besonders, denn zwischen den mächtigen Stämmen fühlt man sich wie in einer Freiluft-Kathedrale. Und wenn im März/April dort mehr als 20.000 Ice-Follies-Narzissen blühen, läutet das Markgräflerland den Frühling ein.

Die Herbst- und Präriegärten und die Astern-Avenue sind unterhalb der Mammutbaumallee ein großer Garten für sich. In diesem noch jungen Teil des Gartens, blüht es den ganzen Sommer bis weit in den Spätherbst hinein. Die Magnolienwiese wird von der Astern-Avenue und dem Dorfbach mit seinen vielen Naturgehölzen begrenzt. Hier sammeln sich außergewöhnliche Magnolien, die im zeitigen Frühjahr besonders interessant sind.

Jetzt im Juli und im August gesellen sich sommerblühende Sträucher und Stauden zur Rosenblüte. Ein anhaltender Sommertagstraum mit prachtvollen, starken Farben, Düften und Eindrücken. Auch der Präriegarten leuchtet bereits in seinen kräftigen Farben, und das bis weit in den Herbst hinein. Dazu hüllen viele Saisonpflanzen die Beete in wahre Blütenwolken ein.

Dahlien und andere Sommerblüher verspielen nun die Blühpause der Rosen, bevor diese im Spätsommer wieder so richtig in Fahrt kommen. Sommerflieder, Hibiskus und Sommerflor aus Einjährigen und Stauden dominieren im Hochsommer das Gartenbild in Ettenbühl und im Potager wetteifern Kräuter, Gemüse und Früchte um die Gunst der Betrachter.

Nicht nur der Gartenpark lädt zum Verweilen ein, auch die Rosengärtnerei mit ihren mehr als 1.000 Sorten. Ergänzt wird das Sortiment durch saisonale Pflanzen und Begleitstauden. Ganz auf Rosen eingestellt sind auch die Produkte der Ettenbühler Rosenmanufaktur. Ob Tee, Essig, Fruchtaufstrich, Pralinés und Törtchen, überall findet sich das Thema Rose wieder.

Landhaus Ettenbühl

79415 Bad Bellingen-Hertingen Hof Ettenbühl Tel. +49 7635 827970 www.landhaus-ettenbuehl.de