Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 6 Min.

Gartner nennt die „zehn strategischen Technologietrends 2020“


Computerwoche - epaper ⋅ Ausgabe 46/2019 vom 04.11.2019

In Barcelona findet in diesen Tagen das große Gartner-Symposium 2019 statt, in der amerikanischen Südstaatenmetropole Orlando lief es bereits. Dort haben die Analysten ihre zehn strategischen Technologietrends für 2020 vorgestellt. Vieles davon ist nicht ganz unbekannt.


Artikelbild für den Artikel "Gartner nennt die „zehn strategischen Technologietrends 2020“" aus der Ausgabe 46/2019 von Computerwoche. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Computerwoche, Ausgabe 46/2019

Von Heinrich Vaske, Editorial Director


Jedes Jahr, wenn die Blätter fallen, schauen die Analysten von Gartner tief in ihre Glaskugeln und orakeln, wie es weitergehen könnte mit der Technologieentwicklung. Die Katze lassen sie dann beim IT Symposium/Xpo 2019 aus dem Sack – zuerst in Orlando, später dann auch an anderen Orten, unter anderem ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 10,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Computerwoche. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 46/2019 von Ex-SAP-CEO Bill McDermott wird neuer Chef von ServiceNow. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Ex-SAP-CEO Bill McDermott wird neuer Chef von ServiceNow
Titelbild der Ausgabe 46/2019 von Überregulierung droht – Kritik an Vorschlägen der Datenethikkommission. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Überregulierung droht – Kritik an Vorschlägen der Datenethikkommission
Titelbild der Ausgabe 46/2019 von 3D-Druck ist reif für die Produktionspraxis. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
3D-Druck ist reif für die Produktionspraxis
Titelbild der Ausgabe 46/2019 von Amazon schaltet letzte Oracle-Datenbank ab. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Amazon schaltet letzte Oracle-Datenbank ab
Titelbild der Ausgabe 46/2019 von Splunk-CEO Doug Merritt: Datensilos müssen nicht schlecht sein. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Splunk-CEO Doug Merritt: Datensilos müssen nicht schlecht sein
Titelbild der Ausgabe 46/2019 von Produktionsbetriebe verwenden IIoT für interne Prozessoptimierung. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Produktionsbetriebe verwenden IIoT für interne Prozessoptimierung
Vorheriger Artikel
Google erreicht neue Dimension beim Quantencomputing
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Was machen Sie eigentlich gerade, Markus Schmitz?
aus dieser Ausgabe

... in Barcelona.

Für 2020 hat Gartner zehn strategische Technologietrends mit „substanziellem disruptivem Potenzial“ ausgerufen, die entweder neu aufkommen und schnell an Bedeutung gewinnen sollen oder sich bereits in den Unternehmen zu etablieren beginnen. Folgende zehn Technologietrends werden den Analysten zufolge das kommende Jahr kennzeichnen:

Hyperautomation

Moderne Automatisierungs-Tools bilden zusammen mit Container-Technologien und den Möglichkeiten des Machine Learning (ML) die Voraussetzungen für Technologie-Bundles, die Menschen das Arbeitsleben signifikant erleichtern könnten. Gartner spricht von „Hyperautomation“. Sie soll alle Schritte des Arbeitslebens automatisieren helfen: das Erkennen und Analysieren von Problemen, das Designen und Prüfen von Lösungen sowie schließlich auch das Beobachten fertiger Produkte im Feld. Die breite Palette an Automatisierungsmechanismen zu verstehen, zu kombinieren und zu koordinieren ist laut Gartner der Arbeitsschwerpunkt der Hyperautomation.

Wie die Analysten ausführen, wurde mit Robotic Process Automation (RPA) die Grundlage für diese Disziplin geschaffen. RPA allein sei aber noch keine Hyperautomation. Jetzt gehe es um das Kombinieren von Tools, um überall dort unterstützend einzugreifen, wo Menschen repetitive Arbeiten verrichten.

Multiexperience

Die Art und Weise, wie Anwender die digitale Welt erleben und mit ihr umgehen, wird sich laut Gartner bis 2028 fundamental verändern. Dabei spielen neue Mensch-Maschine-Schnittstellen eine entscheidende Rolle. Sprachassistenten wie Amazon Alexa oder Google Assistant werden sich als natürlichsprachige Bedienmöglichkeiten von Geräten und Maschinen weiter verbreiten. Auch Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR) und Mixed Reality (MR) verändern die Art und Weise, wie Menschen die digitale Welt wahrnehmen und mit ihr interagieren.

Gartner spricht von einer „multisensorischen und multimodalen Erfahrung“. Anstelle des „technologiekundigen Menschen“ trete nun die „menschenkundige Technologie“. „Die Fähig keit der Technik, mit den Menschen über ihre natürlichen Sinneswahrnehmungen zu kommunizieren, wird das Bereitstellen nuancierter Informationen verbessern“, sagt Brian Burke, Research Vice President bei Gartner.

Demokratisierung des Know-hows

Wie gelingt es, dass Menschen einen vereinfachten Zugang zu technischem Fachwissen, etwa Machine Learning oder Anwendungsentwicklung, bekommen? Und wie können Firmen unter ihren Mitarbeitern geschäftsspezifisches Fachwissen, etwa im Verkaufsprozess oder zur Berechnung einer Wirtschaftlichkeitsanalyse, so verbreiten, dass mit geringem Schulungsaufwand schnelle Ergebnisse erzielt werden?

Das verstärkte Aufkommen von No-Code- und Low-Code-Umgebungen für die Programmierung zeigt, dass die Demokratisierung der Softwareentwicklung bereits stattfindet. Gartner erwartet nun, dass sich nicht nur „Citizen Developers “, sondern auch beispielsweise „Citizen Data Scientists“ oder „Citizen Integrators“ durchsetzen werden.

Human Augmentation

In Zukunft wird Technologie den Menschen helfen, ihre auf natürliche Weise begrenzte kognitive Wahrnehmung sowie ihre physische Leistungsfähigkeit auszuweiten. Das gelingt beispielsweise, indem Menschen sich einen Chip einpflanzen lassen oder sich mit intelligenten Kleidungsstücken oder Geräten (Wearables) ausstatten.

Die Medizin, die persönliche Handicaps von Patienten zu kompensieren versucht, wird hier eine wichtige Rolle spielen. Doch auch für die Arbeitswelt, wo Menschen körperliche oder geistig besonders herausfordernde Aufgaben mit technischen Helfern einfacher erledigen können, wird Human Augmentation wichtiger.

Transparenz und Rückverfolgbarkeit

Verbraucher sind sich zunehmend bewusst, dass ihre persönlichen Daten einen Wert haben. Sie verlangen Kontrolle. Gleichzeitig erkennen die Unternehmen, welche wachsenden Risiken mit dem Speichern und Verwalten persönlicher Daten Dritter verbunden sind. Falls nicht, helfen Behörden mit einer immer strengeren Regulierung nach.

Transparenz und Rückverfolgbarkeit sind die entscheidenden Elemente, um dem Bedürfnis nach einem ethisch verantwortungsvollen Umgang mit Daten nachkommen zu können. Deshalb werden Technologien und Praktiken nachgefragt, die Unternehmen helfen, regulatorischen Anforderungen nachzukommen und KI sowie andere moderne Technologien korrekt einzusetzen. Weil das Misstrauen unter den Menschen wächst, werden Unternehmen generell vermehrt in vertrauensbildende Maßnahmen investieren müssen.

Empowered Edge

Gartner spricht vom „Empowered Edge“ und meint damit eine Computertopologie, in der die Informationsverarbeitung sowie das Sammeln und Bereitstellen von Inhalten dezentralisiert werden. Angesichts der immer größeren Datenmengen am Ort der Entstehung werden Daten zunehmend lokal verarbeitet und gespeichert. Das betrifft beispielsweise vernetzte Fahrzeuge oder Maschinen, die im Industrial Internet of Things (IIoT) „connected“ sind. Auch ein Großteil des Netzverkehrs läuft dann lokal vor Ort, so dass sich Latenzzeiten reduzieren lassen.

„Edge Computing wird in praktisch allen Branchen und Anwendungsfällen zu einem wichtigen Faktor, da am Rand des Netzwerks zunehmend ausgefeilte und hochspezialisierte Rechen- und Speichereinheiten zum Einsatz kommen können“, sagt Burke. Zu den komplexeren Edge-Devices gehören demnach nicht nur intelligente Fahrzeuge und digital modernisierte Maschinen, sondern auch Roboter und Drohnen.

Distributed Cloud

Heute werden Public-Cloud-Services normalerweise zentral von einem der großen Hyperscaler erbracht, etwa von Amazon Web Services, Microsoft, Google oder IBM. In Zukunft, so prophezeit Gartner, werden diese Services dezentralisiert und auf verschiedene Lokationen und Subunternehmer verteilt.

Dabei wird der Public-Cloud-Anbieter der Wahl aber weiter die Verantwortung tragen und Aufgaben wie Betrieb, Governance sowie Weiterentwicklung der Dienste kontrollieren. Laut Gartner bedeutet dies einen signifikanten Einschnitt: Vom zentralen Modell, das derzeit noch alle großen Anbieter verfolgten, werde nun der Übertritt in eine neue dezentrale Ära des Cloud Computing vorbereitet.

Autonome Dinge

Gartner meint mit „Autonomous Things“ physische Geräte, die mit Hilfe von künstlicher Intelligenz selbständiger werden und eigenständig Aufgaben lösen, die zuvor Menschen vorbehalten waren. Das populärste Beispiel ist wohl das autonome Fahren, das nicht nur Autos und Lkw, sondern auch Schiffe und Flugzeuge betrifft. Doch auch Roboter, Drohnen und diverse andere Gerätschaften können autonom agieren.

Künftig entscheiden nicht mehr starre Programmiermodelle über den Grad der Automatisierung, sondern KI-und ML-Algorithmen. Sie sorgen für lernfähige Systeme, die eine natürliche Interaktion mit der Umgebung und den Menschen ermöglichen. Gartner geht davon aus, dass autonome Dinge mit zunehmender technischer Leistungsfähigkeit, besseren regulatorischen Rahmenbedingungen und auch wachsender gesellschaftlicher Akzeptanz im unkontrollierten öffentlichen Raum eingesetzt werden.

„Wir erwarten auch einen Wandel von eigenständigen zu kollaborativen intelligenten Dingen, bei denen mehrere Geräte zusammenarbeiten – entweder unabhängig vom Menschen oder mit menschlichem Input“, sagt Burke. So könnten verschiedene Robotertypen in einem koordinierten Montageprozess zusammenarbeiten. Beim Zustellen von Paketen könnten autonome Fahrzeuge ein Paket in ein Zielgebiet transportieren, wo dann Roboter oder Drohnen die endgültige Lieferung übernehmen.

Practical Blockchain

Immer noch hat die Blockchain-Technologie laut Gartner das Potenzial, ganze Branchen umzugestalten. In geschäftlichen Ökosystemen bietet sie die Möglichkeit, zu geringen Kosten Transaktionen vertraulich, transparent und vergleichsweise schnell vorzunehmen. Vermögenswerte lassen sich bis zur Herkunft zurückverfolgen, was die Möglichkeiten für den Handel mit gefälschten Waren erheblich reduziert.

In der Lebensmittelbranche können Lieferketten zurückverfolgt werden bis hin zum Produzenten. Das gilt genauso für Zulieferer in einer industriellen Supply Chain. Auch für das Identitäts-Management kann die Blockchain eine wichtige Rolle spielen. Smart Contracts, die via Blockchain so programmiert werden, dass beispielsweise eine geprüfte Lieferung automatisiert bezahlt wird, sind ein weiteres Einsatzszenario.

„Technische Unzulänglichkeiten wie die mangelnde Skalierbarkeit und Interoperabilität haben zur Folge, dass die Blockchain im Unternehmen nur langsam vorankommt. Die Chancen, die sich durch disruptive Eingriffe und das Generieren zusätzlicher Einnahmen ergeben, bedeuten aber, dass sich Unternehmen mit der Technologie beschäftigen sollten“, empfiehlt Burke. Das gelte auch dann, wenn kurzfristig keine breite Einführung geplant sei.

AI Security

KI und Machine Learning bergen große Chancen für die menschliche Entscheidungsfindung sowie für die Automatisierung und Transformation von Geschäftsmodellen. Allerdings schaffen sie auch signifikante Herausforderungen für IT-Sicherheits-Teams. Durch das Internet of Things (IoT), Cloud Computing, Microservices und hochvernetzte Systeme in sogenannten Smart Spaces wächst die Menge der Angriffspunkte signifikant.

Laut Gartner sollten IT-Sicherheitschefs ihr Augenmerk vor allem auf drei Aspekte richten:
→ den Schutz KI-unterstützter Systeme,
→ die Nutzung von KI, um sich besser gegen Angreifer abzusichern, und
→ die Antizipation neuer Angriffsformen, die aufgrund von KI sehr viel ausgefeilter und wirksamer werden dürften.

IT-Ausgaben steigen 2020 um 3,7 Prozent

In diesem Jahr werden die weltweiten IT-Ausgaben 3,73 Billionen Dollar betragen und damit um 0,4 Prozent über denen des Vorjahres liegen. Das sagte Gartners Research Vice President John-David Lovelock auf dem IT Symposium/Xpo in Orlando. Im kommenden Jahr soll das Wachstum um 3,7 Prozent auf 3,87 Billionen Dollar anziehen.

2019 wird das Endgerätegeschäft einen Einbruch um 5,3 Prozent verzeichnen, im nächsten Jahr soll es wieder um 1,2 Prozent wachsen. Während die Geschäfte mit Enterprise-Software und IT-Services durchgängig stabil laufen, sollen die etwas rückläufigen Bereiche Communication Services und Data Center Systems wieder um 1,5 beziehungsweise 2,6 Prozent zulegen.

Zu viele Aufgaben, Personalsorgen und Projektabbrüche beschäftigen CIOs. Mehr dazu lesen Sie hier: cowo.de/a/3591368

Blick in die Zukunft der Mainstream –Technologien

Brian Burke, Research Vice President bei Gartner, gab Tausenden CIOs und IT-Entscheidern Orientierung beim diesjährigen IT Symposium/Xpo in Orlando. Allerdings finden sich zahlreiche Themen, darunter

Automatisierung, Edge Computing, Blockchain oder auch Virtual und Augmented Reality, nicht zum ersten Mal auf der Trendliste der Marktforscher. Gartner identifiziert aber Fortschritte und Richtungswechsel.


Foto: Gartner