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GASTRONOMEN, VEREINIGT EUCH!


Rolling Pin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 05.06.2020

Spulen wir zurück zu jenem verhängnisvollen Datum, das uns noch lange im Gedächtnis bleiben wird: dem 13. März, einem Freitag. Die österreichische Bundesregierung gab die erste einer ganzen Serie von Pressekonferenzen, den Startschuss für den landesweiten Shutdown. Die Regeln waren klar: Wir gehen auf Distanz, verlassen nur mehr aus wichtigen Gründen das Haus, halten Abstand und schließen alle Läden, die nicht der Grundversorgung dienen.

Und in Deutschland? „Bundesweite Verunsicherung.“ So nennt Patrick Rüther das Gesamtkonzept der Regierung, was die Gastronomie betrifft – genau genommen existiert zu ...

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... diesem Zeitpunkt nämlich keines. Bleiben die Betriebe geöffnet? Wer kommt für die Kosten auf, für den Fall, dass sie doch schließen müssen? Was passiert mit den Mitarbeitern, wenn die Umsätze zurückgehen? Das zu klären, ist in Deutschland eine Sache der Länder – nicht des Bundes. Heißt: In Bayern wurde der Katastrophenfall ausgerufen, in Berlin füllten sich die Biergärten. Mit Umsatzeinbußen kämpften trotzdem alle.

Chronik eines Schulterschlusses

Dass Gastronomen vor einer Herausforderung standen und stehen, die sie als Einzelkämpfer nicht würden bewältigen können, war vielen schnell bewusst. Dementsprechend schnell bildeten sich zum ersten Mal gemeinsame Bewegungen in der Gastronomie, ja vielleicht sogar eine Interessensgemeinschaft?

Den Anfang machte die Initiative Gastronomie und Hotellerie Deutschland. Nur wenige Tage nachdem in Österreich alle Restaurants schließen mussten, forderte sie im Namen unzähliger Hamburger Gastronomen eine klare Ansage für die ansässigen Betriebe. Die Antwort der Stadt Hamburg ließ auf sich warten – deswegen weitete sich die Petition bald auf ganz Deutschland aus.

Denn die Sorge um Gesundheit und Wirtschaft war denkbar groß – und Corona- Politik oblag nach wie vor fast ausschließlich der Verantwortung der Länder. Ganz im Sinne des Föderalismus gab es dementsprechend auch unterschiedliche Öffnungszeiten, verschiedene Unterstützungsmodelle und erst recht sehr differenzierte Ansichten über die Notwendigkeit bestimmter Maßnahmen. Der Behörden- und Maßnahmendschungel war entsprechend groß. Nach einem Monat standen zwar der Fahrplan für Schließungen und die damit zusammenhängenden Förderungen auf halbwegs festem Fundament. Aber eine ganz andere Frage drängte sich auf: Wie soll es nach dem Lockdown weitergehen?

Um auf die nach Wochen der Ungewissheit noch immer prekäre Lage hinzuweisen, trugen Dresdner Gastronomen leere Stühle in die Innenstadt – als Zeichen für fehlende Kunden, fehlende Perspektiven und Existenzangst. Binnen weniger Tage fand die Aktion Anhänger in ganz Deutschland.

Und nur kurz darauf ging die nächste Petition an den Start: Mit dem Hashtag #restartgastro kennzeichnet sich eine deutschlandweite Kommunikationsoffensive. Ihr Ziel: ein achtsamer Neustart der Gastronomie in Deutschland. Das fordern zahlreiche Vertreter aus der Branche in einem Brief an die Bundeskanzlerin. Sie kritisieren, dass im Rahmen der bisherigen Überlegungen zum Neustart des Wirtschaftslebens die Gastronomie keine Berücksichtigung gefunden hat.

„Jetzt bilden wir eine Front“

Als es Anfang Mai tatsächlich so weit war, dass viele Bundesländer Öffnungstermine festgelegt hatten, gelang auch den deutschen Gastronomen ein Coup: der Schulterschluss. Denn für einen gelungenen Neustart musste mehr passieren. Es sei klar, so heißt es in dem offiziellen Schreiben der neu formierten Bewegung, „dass die wirtschaftliche Perspektive mit Auflagen weiterhin düster ist“. Gleichzeitig möchten die Beteiligten gemeinsam dafür kämpfen, dass sich ihre Perspektive ändert. Genau aus diesem Grund haben sich die Initiativen #leerestuehle, #wirsindbereit und die Gastro- Allianz #restartgastro zusammengeschlossen und einen neuen Namen, inklusive Mantra, gefunden: Wir sind gekommen, um zu bleiben. Was das Bündnis will? Sich solidarisch zeigen, voneinander lernen und vor allem: klare, leistbare und umsetzbare Richtlinien für einen Neustart der Branche durchsetzen. Der Zusammenschluss scheint Wirkung zu zeigen, die Branche hält zusammen. Das bestätigt auch Frank Rosin, der ebenfalls hinter den Forderungen steht: „Wenn ich zum Beispiel merke, dass ich mit verschiedenen Positionen in unserer Branche rede und alle die Fähigkeit besitzen, zuzuhören, dann ist das etwas, das wir wirklich mitnehmen. Das merkt man auch durch #restartgastro – wie auf einmal doch ein Zusammenhalt proklamiert werden kann. Auch wenn man nicht immer der gleichen Meinung ist, trotzdem mal seine Animositäten beiseiteschiebt und sagt: Jetzt bilden wir eine Front.“

www.wirsindgekommenumzubleiben.de

#LEERESTÜHLE

Die Aktion „Leere Stühle“ nahm ihren Anfang mit einer einzigartigen Guerilla-Marketingaktion am 17. April auf dem Dresdner Neumarkt – mittlerweile weist sie bundesweit auf die Existenzangst der Gastronomie hin. Mit dem Aufstellen Hunderter leerer Stühle an prominenten Orten in deutschen Städten will die Branche ein Zeichen setzen. Bereits mehr als 550 Gastronomen, Hoteliers und Veranstalter fordern auf diese Art besondere Unterstützungspakete von Bund und Regierung.

#RESTARTGASTRO

Zahlreiche prominente Chefköche und Restaurantbetreiber, Verbände, Produzenten, Hersteller und Berater für die Gastronomie, Gastro-Fachmedien und Großhändler haben sich unter dem Hashtag #restartgastro mit einem eindringlichen Appell an die deutsche Bundeskanzlerin gewandt. Sie kritisieren, dass im Rahmen der bisherigen Überlegungen zum Neustart des Wirtschaftslebens die Gastronomie keine Berücksichtigung gefunden hat, und fordern von der Regierung, einen Neustart einer „verantwortungsbewussten Gastronomie“ zu ermöglichen und konkrete Fördermaßnahmen für die Gastronomie auf den Weg zu bringen.

#WIRSINDBEREIT

„Bitte sprecht mit uns!“, lautete der eindringliche Appell der Initiative Gastronomie und Hotellerie Deutschland. In einem offenen Brief an die Stadt Hamburg forderte sie Kommunikation mit der Branche, Maßnahmen sowie eine Perspektive. „Wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen“, hieß es in dem Schreiben – ob als systemrelevanter Grundversorger, als Lieferant für Risikogruppen oder Nahversorger. Auch aus diesen Forderungen und Ideen entwickelte sich eine deutschlandweite Bewegung.


Fotos: Beigestellt , Julia Schwendner