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GEBALLTE EURO-POWER


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GOLF MAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 110/2021 vom 19.10.2021

SOLHEIM CUP

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Bildquelle: GOLF MAGAZIN, Ausgabe 110/2021

MEGA STARKE ROOKIES: Eins der sechs »Captain?s picks« ging an die 26-jährige Leona Maguire. Die Irin legte ein phänomenales Debüt hin und holte 4,5 Punkte.

2021 war ein prall gefülltes Golfsport-Jahr, das es in dieser Form so schnell nicht noch mal geben wird. Olympia, Ryder Cup und Solheim Cup – drei prestigeträchtige Groß-Events binnen zehn Wochen. Bei allen Veranstaltungen sahen die Buchmacher die Favoritenrolle klar bei den US-Amerikanern. Bei Olympia hatten mit Xander Schauffele und Nelly Korda zwei Amis die Nase vorne und an die bittere Ryder-Cup-Niederlage wollen wir am liebsten gar nicht mehr erinnern (mehr dazu ab Seite 48).

ZWEITER EURO-SIEG IN AMERIKA

Betrachtet man die Fakten,stand es ähnlich um das Projekt »Titelverteidigung Solheim Cup«. Das wusste auch die 52-jährige Catriona Matthew, die nach dem etwas überraschenden Teamerfolg 2019 in Gleneagles auch dieses Jahr wiederholt die Eurofighterinnen vom 4. bis 6. September im Inverness Club in Toledo, Ohio anführte. »Ich glaube, auf dem Papier sind die Amerikanerinnen immer das ...

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... stärkere Team«, erklärte die Kapitänin mit dem Spitznamen Beany noch vor Turnierbeginn. Das Motto »Never change a winning team« griff zumindest bei Matthew. Vorweg: Den 17. Solheim Cup gewann das Team Europa mit 15:13 Zählern. Das ist der siebte Sieg der Europäerinnen, der vierte in den vergangenen zehn Jahren und nach 2013 der zweite auf US-amerikanischem Boden.

Mit neun Solheim-Cup-Teilnahmen, davon drei Team-Siegen (2003, 2011 und 2013), 37 absolvierten Matches und insgesamt 22 erspielten Punkten, macht man Matthew in Sachen Team-Event nichts vor. »Momentan bin ich irgendwie sprachlos«, sagte die sichtlich gerührte Schottin direkt nach dem Triumph am 18. Grün vor einem Meer aus rot-weißblau gekleideten Fans. »Hier auf der 18 den Sack zu zumachen, ist Stoff für einen wahrgewordenen Traum«, so die zweifach siegreiche Solheim-Cup-Kapitänin.

FAVORITINNEN USA

Würde Golf nach Zahlen gespielt werden, hätten die Europäerinnen kaum Chancen gehabt: Mit einem Durchschnittsalter von 26,83 Jahren waren die US-Amerikanerinnen zwar nur ein Jahr jünger als »unsere« Damen, aber ein Team mit einem durchschnittlichen Weltranglistenplatz von 25,83 schlagen zu wollen, würde nicht einfach werden, und das wusste auch Matthew. Schließlich stellte das Team der »Stars and Stripes« mit Nelly Korda nicht nur die Olympiasiegerin, sondern auch die Weltranglistenerste und neben ihr sieben weitere Spielerinnen, die unter den Top 30 der Welt rangierten. Im Gegensatz dazu belief sich die durchschnittliche Weltranglistenposition des Euro-Teams auf Rang 52,83.

EUROPAS ROOKIES

Mit insgesamt vier Rookies hatten die Europäerinnen eine unerfahrene Solheim-Cup-Spielerin mehr im Gepäck. Die erfahrenste unter den Frischlingen: Sophia Popov (Weltranglistenplatz 30 vor SC-Beginn). Die erste deutsche Major-Siegerin (Women’s British Open 2020) qualifiziert sich direkt und ist somit neben Sandra Gal, Caroline Masson, Bettina Hauert und Elisabeth Esterl die fünfte Deutsche, die bisher für Europa an den Start gehen durfte. Matthew sagte über ihre sechs »Captain’s picks«: »Es ist eigentlich egal, wie viele Plätze du zu vergeben hast. Es ist immer der letzte,der irgendwie trickreich ist.« Die eine Hälfte der Wildcards erhielten Rookies: Matilda Castren aus Finnland, die Dänin Nanna Koerstz Madsen und Leona Maguire (siehe Seite 40) aus Irland. Die andere Hälfte gingen an die Französin Céline Boutier, die Engländerin Mel Reid und Madelene Sagström aus Schweden – alles erfahrene Teamspielerinnen.

GELUNGENE »CAPTAIN’S PICKS«

Dass Matthew ein gutes Händchen bei der Verteilung ihrer »picks« hat, bewies sie schon 2019, als sie unter anderem die Schwedin Suzann Pettersen wählte, die damals auf Grund ihrer Schwangerschaft in 18 Monaten nur an zwei Turnieren teilgenommen hatte und auf Weltranglistenplatz 620 rangierte. Am Ende war es Pettersens finaler Putt, der den Europäerinnen zum Sieg verhalf.

Auf die 26-jährige Leona Maguire zu setzen, die als erste Irin im Solheim Cup aufteen durfte, war von Matthew – im Nachhinein – brillant. Im Vorfeld sagte die Kapitänin über die ehemalige Nummer eins der Amateur-Weltrangliste: »Ich glaube, sie ist eine wirklich gute Matchplay-

Spielerin.« Von ihren teilweise weltbekannten Gegnerinnen völlig unbeeindruckt holte Maguire in fünf Matches 4,5 Punkte und wird schon heute als Nationalheldin gefeiert.

STARKER START

Im Inverness Club, dem 1903 gegründeten Privatclub, in dem auch schon so manches Major (mehrere US Opens und PGA Championships) ausgetragen wurde, war die Stimmung bei Fans und Spielerinnen gut und vor allem sportlich fair. Da es – coronabedingt – nur eine erlesene Auswahl von knapp 50 Europa-Fans nach Toledo geschafft hatte und die patriotischen Amerikaner ohnehin nicht zur Gattung »leises Publikum« zählen, dominierten die US-Fans das Gelände – auf dem Platz hingegen dominierten die Europäerinnen und holten sich in lässiger Manier Punkt für Punkt.

Nach den »Morning Foursomes« stand es 0,5 zu 3,5 für Europa, wobei auch der reine »Captain’s pick-Vierer« Reid/Maguire gegen die Power-Geschwister Nelly und Jessica Korda (Weltranglistenplatz 17) einen Punkt erspielte. Am Nachmittag erhielt Sophia Popov ihren ersten SC-Einsatz und ging mit der Spanierin Carlotta Ciganda im Vierball an den Start. Doch das Team der 32-jährigen Lizette Salas (5. SC-Teilnahme, Weltranglisten- platz 14) und Rookie Jennifer Kupcho gewannen knapp mit 1 auf. Trotzdem konnten die Amerikanerinnen ihren Drei- Punkte-Rückstand auch am Nachmittag nicht wettmachen. Die Bilanz nach Tag 1: 5,5:2,5 für Europa.

Mini-Exkurs Solheim Cup

Gründervater: Das Turnier wurde nach dem Initiator und Ping-Gründer Karsten Solheim benannt. Der Norweger wollte ein Pendant zum Ryder Cup für die Damen kreieren. Im November 1990 wurde der erste Solheim Cup im Lake Nona Golf & Country Club in Orlando, Florida ausgetragen.

Pokal: Die markante kristalline Original-Trophäe wurde 1990 von Billy Briggs entworfen und wiegt mehr als 20 Pfund. Eine Replik der Trophäe gibt es in Originalgröße für die Kapitänin des Siegerteams, eine kleinere bekommt dann jede Spielerin des erfolgreichen Teams.

Modus: In den ersten Auflagen waren die Solheim-Cup-Teams kleiner als die beim »großen Bruder« Ryder Cup. Von anfänglich acht Spielerinnen pro Team (1990), bis später zehn Spielerinnen (1992 und 1994) treten seit 1996 zwölf »Kontrahentinnen« gegeneinander an. Nur die Anzahl und Reihenfolge der Vierer variierte von Jahr zu Jahr marginal. Wie beim Ryder Cup wurden auch dieses Jahr jeweils Freitag und Samstag am Vormittag vier Klassische Vierer (»Foursome«) und am Nachmittag vier »Fourballs« ausgespielt. Am Sonntag folgten die zwölf Einzel-Matches. Insgesamt gab es 28 Punkte zu vergeben. Zum Sieg bedarf es 14,5 Punkte. Ist das Team Titelverteidiger genügen 14.

Qualifikation: Die beiden Teams werden nach unterschiedlichen System zusammengestellt.

Für das europäische Team qualifizieren sich die besten zwei der Solheim-Cup-Rangliste der Ladies European Tour (LET), die besten vier (noch nicht qualifizierten) der Weltrangliste und dann gibt es noch sechs »Captain’s picks«.

In das Team der USA spielen sich die besten sieben des Solheim-Cup-Rankings der Ladies Professional Golf Association (LPGA), die besten zwei (noch nicht qualifizierten) der Weltrangliste, die drei übrigen Plätze werden als »Captain’s pick« vergeben. Die Women’s British Open in Carnoustie stellte für dieses Jahr das Ende der Qualifikationsperiode dar. Einen Tag später, am 23. August, wurden die Wildcards bekannt gegeben.

EUROPA HÄLT VORSPRUNG

Am Samstag holten die US-Ladies zunächst auf und gewannen drei Klassische Vierer – Zwischenstand 6,5:5,5. Im »Afternoon Fourball« verloren Sophia Popov/Céline Boutier mit 3&1 und auch das erfolgsverwöhnte Duo Reid/Maguire gab einen halben Punkt ab. Die Bilanz nach Tag 2: 9:7 für Europa.

Am Sonntag benötigten die Europäerinnen fünf Punkte für den Sieg. Doch die Stärke der Gastgeberinnen und die lautstarken Fans waren nicht zu unterschätzen!

Die erste Paarung der zwölf Einzel Lexi Thompson gegen Anna Nordqvist endete unentschieden. Maguire gewann das Rookie- Duell gegen Kupcho mit 5&4. »Ich habe diese Woche absolut alles gegeben. Europa repräsentieren zu dürfen, ist eine Ehre und dass Beany samt der Co-Kapitäne mir vertraut haben, isteinfach nur unglaublich«, sagte das frisch gekürte Solheim- Cup-Ass später. Boutier holte einen weiteren spielentscheidenden Punkt fürs Team – ebenfalls deutlich mit 5&4. Die Dänin Madelene Sagström fand anfänglich nicht richtig ins Match, drehte aber auf den Back Nine auf und sicherte sich nach drei gewonnenen Löchern in Folge den Matchpunkt zum 12,5 für die Gäste aus Europa.

Als Georgia Hall knapp auf Bahn 18 gegen Nelly Korda verlor, keimte für einen kurzen Moment Hoffnung bei den US-Fans auf, denn auf dem Leaderboard leuchteten alle Matches rot. Nach dem geteilten Punkt von Nanna Koerstz Madsen lag es aus europäischer Sicht an Spielpaarung Nummer 7, vorzeitig den Solheim Cup wieder »mit nach Hause« nehmen zu dürfen. Matilda Castren spielte gegen Lizette Salas – Rookie gegen Routinier. Es war ein Match auf Augenhöhe. Auf dem 18. Grün musste Castren einen drei-Meter-Putt zum Sieg verwandeln – der Ball verschwand im Jubel für Europa. Und Matthew, die Frau mit der Solheim-Cup- DNA, hatte wieder mal mit ihrem Gespür recht. Ein »Captain’s pick« sicherte den entscheidenden Punkt. Auch die frische SC-Statistik der Finnin kann sich sehen lassen: drei von vier gewonnene Matches. »Ich glaube, ich zittere immer noch«, sagte Castren Stunden später. Die restlichen Matchplay-Partien waren eigentlich nur noch Formsache. Endstand: 15:13 für Europa.

Kapitänin: Pat Hurst; Vizekapitäninnen: Stacy Lewis, Angela Stanford, Michelle Wie West; Spielerinnen: Brittany Altomare, Austin Ernst, Ally Ewing, Mina Harigae, Danielle Kang, Megan Khang, Jessica Korda, Nelly Korda, Jennifer Kupcho, Yealimi Noh, Lizette Salas, Lexi Thompson

Die Teams

TEAM EUROPA

Kapitänin: Catriona Matthew (SCO); Vizekapitäninnen: Laura Davies (ENG), Kathryn Imrie (SCO), Suzann Pettersen (NOR); Spielerinnen: Céline Boutier (FRA), Matilda Castren (FIN), Carlota Ciganda (ESP), Georgia Hall (ENG), Charley Hull (ENG), Nanna Koerstz Madsen (DEN), Leona Maguire (IRE), Anna Nordqvist (SWE), Emily Kristine Pedersen (DEN), Sophia Popov (GER), Mel Reid (ENG), Madelene Sagström (SWE)

TEAM USA

»Ich habe es noch gar nicht richtig verinnerlicht«, sagte eine sichtlich bewegte Catriona Matthew. Früher wurde der Solheim Cup von den Amerikanerinnen dominiert, jetzt ist Europa auf dem Vormarsch. Schaut man sich die Matchplay-Statistik der Rookies an, steht Europas Golf-Damen eine rosige Zukunft bevor. t