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Geballte Ladung


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LinuxUser - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 19.05.2022

Tracktion Waveform 12

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Bildquelle: LinuxUser, Ausgabe 6/2022

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Bei kreativen Musikschaffenden gilt Linux aufgrund seiner Echtzeitfähigkeiten nicht als Exot. Ganz im Gegenteil: Professionelle Tools wie das jüngst vorgestellte Tracktion Waveform 12 beweisen seine Leistungsfähigkeit.

Die Vorgängerversion von Waveform 12 mit der Nummer 11 liegt schon einige Zeit zurück. Zwei Jahre nahmen sich Julian Strorer und sein Team auf Tracktion.com Zeit, um das Update auf die Ende März präsentierte Version zu bauen. Die Entwickler sprechen vom umfangreichsten Update in der mittlerweile zehnjährigen Geschichte der DAW. Das Ergebnis ist eine Software, die denen, die ihre Vorgänger genutzt haben, zwar vertraut vorkommt, auf den zweiten Blick aber ein spürbar gereiftes Konzept und sehr viele neue Möglichkeiten bietet1 1 .

Die Installation setzt eine Registrierung auf der Webseite voraus. Erwirbt man ein Produkt im reichhaltigen Shop, erscheint es im ...

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... persönlichen Download-Bereich, wobei sich in der detaillierten Liste auch erkennen lässt, für welche Plattformen die jeweilige Software verfügbar ist.

Tracktion empfiehlt für Linux Ubuntu als Plattform, und so bekommen Sie nach Registrierung auf der Webseite einen Installer in Form eines Debian-Pakets, der die von Ihnen erworbene Software und einige Dutzend Gigabyte vorgefertigte Sounds und Loops herunterlädt2 2 .

Selbst wenn Sie die angebotenen Sounds nicht nutzen möchten, sollten Sie dennoch die Content-Pakete für die Synth-Plugins installieren. Die Synths suchen beim Start nach diesen Paketen und sind deutlich zugänglicher, wenn diese auf dem System liegen.

Ausgepackt und gestartet

Wir spielen Waveform und die im Bundle enthaltenen Plugins zunächst auf dem in LU 10/​2021 beschriebenen Tuxedo-PC mit Echtzeitaudioerweiterungen ein. Darauf waren vorher bereits die Plugins BioTek2 und Collective von Tracktion installiert, aber keine Vorgängerversion von Waveform. Das Einrichten der DAW verläuft völlig ohne Zwischenfälle. Waveform 12 lädt der Downloader ebenfalls als DEB-Paket herunter, das sich leicht mit QApt in das System integrieren lässt3 3 .

Anschließend soll sich Waveform auch auf einem Laptop bewähren, auf dem Ubuntu Studio 20.04 Dienst tut. Auf diesem Gerät waren bereits Waveform 11 und diverse Plugins und Vorlagen aus dem Tracktion-Fundus in Betrieb. Nachdem sich die grafischen Paketverwaltungswerkzeuge von Ubuntu weigern, aus einer nicht signierten Paketquelle zu installieren, hilft hier der Befehl aus Listing 1 weiter.

Das Paket wird parallel zum bereits existierenden Waveform 11 installiert, benutzt allerdings zur Konfiguration dieselben Dateien und Verzeichnisse im Home-Verzeichnis, die seine Vorgänger bereits verwendet haben. Beim ersten Start verlangt die Software in beiden Fällen einen Login auf der Tracktion-Website. Danach fragt das Programm nie wieder nach diesen Registrierungsdetails, was für eine proprietäre Kaufsoftware als vorbildlich zurückhaltend gelten darf.

Billig ist Waveform zumindest als das im Test verwendete Studio Content Bundle mit allem Drum und Dran nicht mehr. Es wird sich zeigen, inwieweit die Lizenzgebühren von 599 US-Dollar sich zu rechtfertigen wissen. Wer vorsichtiger herangehen will, kann immer noch eine kostenlose Demoversion bekommen oder zu einem Basispaket für deutlich erschwinglichere 149 Dollar greifen.

Für stolze 999 Dollar offeriert Tracktion außerdem ein „Everything Bundle“, das noch mehr Vorlagen mitbringt, seinen Preis aber vor allem durch einige nur für MacOS und Windows erhältliche Plugin-Pakete rechtfertigt, sowie ein Paket für 299 US-Dollar, in dem zusätzliche Drum Loops und auch schon der faszinierende BioTek2 Synthesizer an Bord sind. Die Content-Pakete und Samples kommen als ZIP-Dateien. Ihren Inhalt erkennt Waveform, sobald Sie die Archive nach~/Tracktion/ entpacken. Zumindest für Samples lassen sich aber auch selbst gewählte Verzeichnisse einrichten.

Der Autor

Hartmut Noack arbeitet in Celle und Hannover als Dozent, Autor und Musiker. Sitzt er gerade nicht vor seiner Linux-Audio-Workstation, dann treibt er sich auf Webservern herum. Auf seinem eigenen unter http://lapoc.de finden Sie CC-lizenzierte klingende Ergebnisse seiner Arbeit mit freier Musiksoftware.

Wahres Füllhorn

Nach dem Porgrammstart erweist sich sehr schnell, dass Waveform 12 tatsächlich eine neue Generation der DAW von Julian Strorer ist, die mit ihren Vorgängern eigentlich nur noch das prinzipielle Designkonzept gemeinsam hat. Dutzende interessante Neuerung stehen neben teils stark überarbeiteten bekannten Funktionen. Es gibt viel mehr Einstellungsmöglichkeiten und auf den zweiten Blick auch neue Designelemente, die besonders die Arbeit mit speziellen Ansichten der Oberfläche erleichtern4 4 .

So haben wir getestet

Als mobile DAW dient ein Lenovo-Laptop mit einer Ryzen-5-CPU (8 Kerne) von AMD und (wegen des mit der Grafik geteilten Speichers) nur 6 GByte RAM. Als Audio-Interfaces nutzen wir ein sE Neom und ein Mackie-Chromium-Mikrofon, beides USB-Geräte. Als Betriebssystem läuft Ubuntu Studio 20.04 mit dem Low-Latency-Kernel in der Version 5.4.0.Der Tuxedo-DAW-PC hat eine Ryzen-9-Pro-CPU mit 12 Kernen und 32 GByte RAM. Als Audio-Interface kommt hier der USB-Mixer Notepad12FX von Soundcraft zum Einsatz.Das von Tuxedo vorinstallierte Betriebssystem auf Basis von Ubuntu 20.04 ist mit denEchtzeitaudioerweiterungen von Ubuntu Studio ausgestattet und läuft mit dem Low-Latency-Kernel 5.13. Beide Rechner sind zwar für Audio optimiert, ansonsten aber ganz normale Linux-PCs, die auch beim Schreiben von Artikeln, bei Videokonferenzen, der Büroarbeit und für 3D-Spiele ihren Dienst tun.

Wem die dunklen Farben der Oberfläche nicht gefallen, der kann unter Dutzenden Themes wählen und auch selbst eigene Designs zusammenstellen. Beim Umschalten der Sprache wählt Waveform eine neue Schriftart, die sich ebenfalls anpassen lässt. Wir verwenden DejaVu Mono für eine optimale Lesbarkeit der vielen kleinen Beschriftungen.

Die Oberfläche von Waveform hat sich schon immer ziemlich smart an kleine Bildschirme von Musiker-Laptops angepasst. Jetzt arbeitet sie komplett nach den Prinzipien des responsiven Designs, nach denen sich auch Webseiten auf den Displays mobiler Geräte wie etwa Smartphones anpassen. Waveform reizt das Konzept so radikal aus, dass sich mitunter die kleinen Schriften kaum noch lesen lassen5 5 . Es bleibt jedoch alles bedienbar, solange man wenigstens einen 1024 Pixel breiten Bildschirm zur Verfügung hat.Waveform benutzt wie alle Tracktion-Programme das von Julian Strorer entwickelte Juce-Framework, sowohl für die Audio-Engine als auch für die Oberfläche. Das völlig eigenständige System greift weder auf Icons noch auf irgendwelche anderen Umgebungselemente etwa aus GTK zurück.

Das mag in der vernetzten Welt von Linux eigenbrötlerisch wirken, hat aber den Effekt, dass selbst so umfangreiche Programme wie Waveform rasend schnell und konsistent auf Nutzerbefehle reagieren. Waveform präsentiert sich im Alltag als extrem reaktionsfreudig, und die Trennung von Audio-Engine und Oberfläche verhindert, dass beim Öffnen von Unterfenstern irgendwelche Aussetzer zu hören sind.

Robust gegen Störungen

Die Audio-Engine wurde stark optimiert, was einerseits bewirkt, dass die vielen neuen Funktionen nicht zu spürbaren Verzögerungen beim Anwenden von Filtern oder Effekten führen. Andererseits traten im Test auch einige Problemchen bei der Kommunikation mit dem Audioserver Jack auf.

In einem Fall gab es unerklärliche Lastspitzen, wegen denen die Audio-Engine sich abschaltete. Strorers Team hat auch die Robustheit von Waveform bei solchen Eventualitäten verbessert: In keinem solchen Fall mussten wir die Anwendung neu laden. Stattdessen startete die Engine selbstständig neu, sobald das Problem ausgestanden war. Auch beim versehentlichen Schließen der Anwendung geht keine Sekunde Bearbeitungs-

Listing 1: Waveform installieren

$ sudo apt install Pfad/zu/ waveform_64bit_v12.0.53.deb

zeit verloren, da Waveform das Projekt dauernd im Hintergrund sichert.Freilich empfiehlt es sich, Edits zu testen, bevor man sie für Live-Auftritte verwendet. Was aber, wenn man partout ein problematisches Plugin nutzen möchte?Die VST-Version von Carla eröffnet zum Beispiel die vollen Möglichkeiten der Linux-LV2-Plugins auch für Waveform, das selbst nur VST und LADSPA unterstützt.

Unendliche Möglichkeiten bergen unvorhersehbare Risiken, aber was an sich gut funktioniert, benutzt man auch gern.Für diesen Fall bietet Waveform die Möglichkeit, eine Spur einzufrieren. Es rendert die Spur mit einem sogenannten Freezepoint und berechnet deren Plugins danach nicht mehr live. Das entlastet nicht nur die CPU, sondern beugt auch unschönen Überraschungen vor.

Tonspuren einfrieren

Freezepoint offerieren inzwischen viele DAWs, aber die in Waveform lassen sich in einem Sekundenbruchteil wieder „auftauen“. Man kann der Spur nach dem Einfrieren neue Plugins hinzufügen, die Waveform dann freilich auch wieder live berechnet. Auf ganz ähnliche Weise lassen sich sogar ganze Mehrspur-Edits in anderen Sessions verwenden. Dort fungieren sie als einfache Stereo-Audiospuren, in denen Instrumente und Effekte nicht mehr live berechnet werden müssen.

Das klappt auch in anderen DAWs, indem man ein Projekt exportiert und das Ergebnis in ein anderes importiert. Bei Waveform läuft das jedoch deutlich komfortabler ab. Stellt sich zum Beispiel heraus, dass eine Bassdrum im Quell-Edit doch nicht laut genug ist, wechselt man einfach in diesen, korrigiert das Problem und lässt mit wenigen Mausklicks den Export für den anderen Edit aktualisieren.

Der Einsatz dieser Techniken hilft dabei, Systemleistung zu sparen. Das ist mit Waveform 12 auch bitter nötig. Allen Optimierungen der Engine zum Trotz führten im Test anspruchsvolle Rechenaufgaben immer wieder zu Xruns: Der Jack-Server schaffte es oft nicht, alle Berechnungen schnell genug zu erledigen.

Die 5,3 Millisekunden Latenz, mit denen man auf der Tuxedo-DAW-Maschine Ardour oder Muse problemlos nutzen kann, stellten sich für Waveform schon mit einem seiner großen Synthesizer als zu ambitioniert heraus. Auf dem deutlich schwächeren AMD-Ryzen-Laptop von Lenovo machte sich das noch deutlicher bemerkbar, mit etwas größerem Buffer (für 10,3 ms Latenz). Dennoch ließ sich auf dem Fluxbox-Desktop gut mit Waveform arbeiten.

Wer die Echtzeitfähigkeiten und universellen Verbindungsmöglichkeiten von Jack nicht unbedingt benötigt, der kann Waveform auch direkt mit Alsa betreiben. Im Test traten dann deutlich weniger Zwischenfälle auf.

Das Beste beider Welten

Viele DAWs sind für eine bestimmte Methode der Musikproduktion optimiert.Wenn sie ihre Bezeichnung zu Recht tragen, beherrschen sie aber prinzipiell alle gängigen Arbeitsweisen. Bitwig Studio glänzt vor allem bei der Arbeit mit Loops, Muse bevorzugt Komposition in MIDI-Noten, Ardour ist konsequent als klassisches Gerät für Bandaufnahmen gestaltet. Waveform hat den Ehrgeiz, alle Methoden friedlich zu vereinen, und kommt ziemlich weit damit.

Wie in Ardour lassen sich in Waveform Audio-und MIDI-Spuren live aufnehmen, bearbeiten und mixen. Der Umgang mit Loops ist aber deutlich stärker ausgebaut als in Ardour und den meisten anderen DAWs für Linux, sieht man von Bitwig einmal ab. Dabei hilft sehr, dass das klassische Schneiden von Audiomaterial in der Spur ähnlich gut von der Hand geht wie im darauf spezialisierten Ardour.

Als nützlich erweist sich dabei auch, dass Waveform Hunderte Tastaturkom-mandos versteht, die man auch selbst unter Einstellungen | Tastaturkürzel einstellen kann. Den etwas unbequemen Schrägstrich (also [Umschalt]+[7]) für einen Schnitt kann man so durch eine einzelne Taste wie etwa [S] ersetzen. Das Extrafenster eignet sich gut für das Bearbeiten von MIDI-Noten, wofür allerdings auch ein per Doppelklick einblendbarer Editor an Bord ist. Ansonsten lässt sich MIDI wie auch Audio direkt in der Editorspur bearbeiten6 6 .

MIDI-Clips lassen sich per Rechtsklickmenü in Step-Clips umwandeln, in denen man so arbeiten kann, wie das in klassischen Step-Sequencern üblich war: Die Noten haben nur Positionen, jedoch keine unterschiedlichen Längen, und nur die im Ausgangsclip gespielten Noten sind verfügbar7 7 . Step-Clips kann man auch leer neu erzeugen, wobei sie auf eine einfache Schlagzeugbelegung voreingestellt sind.

Die Spuren, auf denen man die Clips aufnimmt, importiert, bearbeitet und arrangiert, geraten bei großen Produktionen recht schnell unübersichtlich. Um dieses Problem zu mildern, bietet Waveform eine ganze Reihe von Techniken an.In sogenannten Folder-Spuren lassen sich, wie der Name schon andeutet, Spuren wie in Dateiordnern zusammenfassen. Im Arranger des Edits erscheinen dann zum Beispiel zwölf Schlagzeugspuren nur noch als eine Folder-Spur mit angedeuteten Balken für den Inhalt8 8 .

Die Spuren im Folder berechnet Waveform dabei weiter live, sodass sich die Systemlast nicht direkt reduziert. Dafür kann man aber den Folder mit einem Klick aufklappen und sofort Details einzelner Spuren nach Wunsch anpassen.

Die Folder fungieren aber nicht nur als Mittel zur optischen Übersichtlichkeit, sondern auch als Busse, in denen man einen Submix erledigen, globale Effekte hinzufügen oder ein Instrument auf mehreren Spuren mit einem Klick stumm oder solo schalten kann.

Waveform kennt auch herkömmliche Submixspuren, der Unterschied zu Foldern fällt aber gering aus: Es sind nur einige Elemente wie eine Lautstärkeanzeige voreingestellt, die man Foldern per Hand hinzufügen muss. Damit empfiehlt sich Waveform auch für sehr aufwendige Produktionen, bei denen man beispielsweise Orchester auf Dutzenden Spuren aufnimmt und mixt.

Filme und Clips vertonen

Ganz besonders aufwendig ist das Nachvertonen von Videoclips oder gar ganzen Filmen. Zwar bieten Schnittprogramme und Videoeditoren wie Kdenlive auch schon recht brauchbare Audiospuren, deren Funktionen lassen sich aber sicher nicht mit denen einer DAW vergleichen. Nun ist eine DAW aber auch kein ausgewachsener Videoeditor, weshalb es sichin der Post Production eingebürgert hat, einen bereits fertig geschnittenen Film mit Tönen zu versehen.

Ardour bietet dazu schon länger die Möglichkeit, den Videoplayer Xjadeo zu synchronisieren, sodass man den Film sehen kann, für den man Töne und Geräusche komponiert. Genau dieselbe Technik benutzt auch Waveform 129 9 .Allerdings kann es im Gegensatz zu Ardour keine Spur mit Video-Thumbnails rendern, was die Navigation im Film etwas unbequemer macht.

Die Funktion unterstützt ausschließlich AVI-Dateien – eine Limitierung von Xjadeo, um präzise synchronisieren zu können, soll sich der Player nicht um den wirren Zoo von Videoformaten kümmern müssen. Ardour transkodiert alle möglichen Formate beim Import einer Filmdatei, für Waveform müssen Sie dazu einen AVI-Export etwa aus Kdenlive anlegen oder das gewünschte Video mit einem der vielen Transcoder für Linux ins AVI-Format umwandeln.

Fazit

Waveform ist längst nicht mehr die kleine, schlanke DAW für wenig Geld, die irgendwie auch eine Option für Home-Recording bietet. Bei Waveform 12 handelt es sich um eine vollständig ausgestattete Musikproduktionssuite, die sehr viele innovative, gut ausgedachte Methoden für alle üblichen Techniken der Musikproduktion bietet. Das hat allerdings nicht nur finanziell seinen Preis, es führt auch dazu, dass die Tracktion-DAW inzwischen einen leistungsfähigen, sauber für Audio optimierten PC voraussetzt. Wer so eine Maschine besitzt, der bekommt auf der anderen Seite sehr viel fürs Geld.

Alle interessanten und nützlichen Features der Suite auch nur kurz anzusprechen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen; es empfiehlt sich die Lektüre des ordentlichen Handbuchs. Viele der smarten Techniken von Tracktion gibt es so in keiner anderen DAW für Linux. Viele Anwender dürften sich auch über die Gigabytes an mitgelieferten Loops und Vorlagen freuen, die Linux-Audiosuiten ebenfalls nicht anbieten. (cla) n

Weitere Infos und interessante Links

www.linux-user.de/qr/47924