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GEBRAUCHTWAGEN: Guter, alter Schwede


Auto Bild allrad - epaper ⋅ Ausgabe 7/2019 vom 07.06.2019

XC90 mit 300 000 Kilometern auf der Uhr sind keine Seltenheit. Ist der Schwede wirklich so zuverlässig und unproblematisch?


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Bildquelle: Auto Bild allrad, Ausgabe 7/2019

Volvo fahren nur Ärzte, Architekten und Oberstudienräte, dagegen bevorzugen Unternehmer und Landwirte Mercedes. Diese Vorurteile aus den 1970er-Jahren sind längst passé, als im Jahre 2003 der Volvo XC90 auf dem deutschen Markt eingeführt wird.

Der vom britischen Designer Doug Frasher gezeichnete Allradler wird ein extrem erfolgreiches Auto – weltweit. So beliebt, dass Volvo nach dem Produktionsende dieser ersten Generation des XC90 seine Fertigungsanlage in Schweden abbaut und sie an ...

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... den neuen Volvo-Besitzer Geely in China abgibt, wo der Ur-XC90 ein zweites Leben startet. Für den Rest der Welt bauen die Schweden seit 2015 den neuen XC90 auf neuem Unterbau und mit neuem Einheits-Vierzylindermotor mit zwei Liter Hubraum. Das war bei unserem 12 Jahre gebauten Ur-XC90 noch anders. Vierzylindermotoren gab es für ihn auch, aber zudem Fünf-, Sechs- und sogar Achtzylindermaschinen. Alle stammen von Volvo, nur den 4,4-Liter-V8 mit dem ungewöhnlichen Zylinderbankwinkel von 60 Grad (üblich sind 90 Grad) hat Yamaha/ Japan konzipiert. Japanisch ist auch das Automatikgetriebe im XC90; es kommt von Aisin, eine gute Adresse.

Das gilt auch für den ganzen XC90, der gerade für den Gebrauchtkäufer ein risikoarmes Auto ist. Der komfortabel gefederte Schwede ist vor allem bei Langstreckenfahrern beliebt, sodass viele Exemplare sehr hohe Kilometerstände von 300 000 und mehr aufweisen. Die sieht man speziell bei Dieselversionen mit dem charismatisch knurrenden Fünfzylinder mit 2,4 Liter Hubraum. Den hatte Volvo schon ab 2001 in seinen Limousinen und Kombis eingesetzt. Die Schweden hielten ihren Turbodiesel über all die Jahre mit kleineren Modifikationen frisch und zulassungsfähig. Der Motor ist langlebig und unproblematisch, sofern man die fälligen Zahnriemenwechsel beachtet.

Und wenn man von unsachgemäßem Chiptuning Abstand nimmt. Erfahrungsgemäß haben aber nicht wenige XC90 D5-Besitzer der Versuchung nicht widerstehen können, ihrem großen und nicht ganz leichten XC90 einige Dutzend Zusatz-PS und Zusatz-Nm mittels Manipulation an der Motorelektronik einzuhauchen. Der Motor selbst verkraftet dies offenbar erstaunlich gut, aber der Turbolader nicht so oft. Jedenfalls ziehen sich Turboschäden bei chipgetunten XC90 reihenweise durch die Berichte. Turboschäden gibt es aber auch an immerhin 7% der Leser-XC90, die nicht ge-tunt waren. Der Kilometerstand ist dabei nicht allein ausschlaggebend für die Wahrscheinlichkeit, dass der Turbo verendet. Es gibt XC90 D5, die bereits nach weniger als 100 000 Kilometern einen neuen Turbolader benötigten. Es rollen aber auch D5 mit mehr als 300 000 km und erstem Turbolader durch Europa. Fahrweise und Wartungssorgfalt haben offenbar mehr Einfluss auf die Lebensdauer als die Kilometerleistung. Das gilt genauso für die beiden Turbobenziner mit fünf und sechs Zylindern (2.5 T5 und 3.0 T6).

Den von Volvo selbst konstruierten 2.4-Fünfzylinder- Turbodiesel gab es mit 163, 185 und 200 PS


Laderaum mit horizontal geteilter Heckklappe; Volumen 483 bis 1837 Liter, Laderaumlänge 1,18 bis 2,03 m


Der kleine Navigationsbildschirm oben auf dem Armaturenträger fährt elektrisch aus der Versenkung


Man sitzt sehr kommod im Volvo. Nur extrem selten fällt ein XC90 wegen Auspuffrost bei der HU durch



Defekte Achsgelenke fallen bei der HU auf


Wer sich für einen gebrauchten XC90 interessiert, sollte also auf korrekte Wartung achten. Und auf die frische Plakette einer Hauptuntersuchung. Denn dabei müsste eine weitere Schwachstelle des XC90 auffallen: die vordere Achsaufhängung, die unter dem Gewicht des Vorderwagens leidet. Nicht Federn oder Lenkungsgelenke werden von den Prüfern häufig moniert, sondern die Traggelenke. Kritik am XC90 selbst gibt es von den Besitzern praktisch nur wegen der für die Fahrzeugklasse eher dürftigen Anhängelast von 2250 Kilogramm. Gelobt wird hingegen die ausreichende Bodenfreiheit von 215 mm und der auch unter alpinen Bedingungen zuverlässige und wirksame Allradantrieb.

Überwiegend zufrieden sind die XC90-Besitzer auch mit den Vertragswerkstätten; 90 Prozent vergeben gute Noten für deren Arbeitsleistung. Der Preis für einen große Inspektion liegt nach Leserangaben allerdings bei durchschnittlich 630 Euro. Das kritisieren 37 Prozent. Volvo-Besitzer gelten als besonders markentreu. Das bestätigt sich auch hier, denn sagenhafte 73 Prozent wollen wieder einen XC90 und sind meist auch bereit, auf das Modell der zweiten Generation umzusteigen. Markenwechsler sind in der Minderheit. Audi und BMW werden dabei praktisch nie erwähnt. Für immerhin 6% kommt aber ein Mercedes in Betracht. Die alten Animositäten sind also fast vergessen – auch bei Ärzten, Architekten und Oberstudienräten.