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GEBURTSTAGS-KRACHER


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Auto Bild sportscars - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 10.11.2022

Supertest

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7:47,31 Min.ist die Zeit des „20 Years“ auf der Nordschleife. Ein anderer Golf war aber schneller: der Golf 7 GTI Clubsport S, 2016, 7:47,19 Min.

VWGolf R 20 Years

ZUM GEBURTSTAGwerden die einen raushauen – was richtig Krasses! Dachten wir, als wir vom Sondermodell zum 20. Jubiläum des Golf R erfuhren. Wir träumten von leer geräumtem Innenraum, Vollschalen, Bügel, Carbonhaube, 100-Kilo-Diät und mindestens 400 PS im Zweiliter-Turbo.

Doch Sie sehen es schon, daraus wurde nichts. Vorbei die Zeiten, wo VW so wilde Biester wie den Beetle RSI und GTI W12-650 auf die Beine stellte. Selbst der erste R, der R32 (3,2-Liter-V6, 241 PS), war in unseren Augen kompromissloser für damalige Zeiten. Beim 20 Years gibt es lediglich ein paar Liter R-Blau für Räder und Spiegel, neue Semislicks, 13 PS mehr, eine geänderte Getriebeapplikation und innen ein bisschen Echtcarbon, das war es. Und, jetzt kommt’s, ...

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... man muss sogar noch für Extras wie die Akrapovi?-Tüten, Adaptivfahrwerk und Semis Aufpreis zahlen. Also bitte, liebe VWler, bei einem Grundpreis von knapp 60 000 Euro muss das nicht sein. Vor sechs Jahren ging das noch anders, der Golf 7 GTI Clubsport S hatte alles serienmäßig an Bord, es gab keine Extras, das Auto war radikal, sogar mit Nordschleifen-Modus. Und es kostete nur, halten sie sich fest, 40 000 Euro.

Okay, wir wissen natürlich, dass sich die Zeiten seither massiv geändert haben, VW einige Krisen durchstehen musste und so weiter … Und wenn Sie jetzt denken, der Naumann hackt nur auf dem Auto und VW herum, dann irren Sie sich. Ich bin natürlich froh, dass es solche Leute wie Entwickler und Rennprofi Benny Leuchter und seine Chefs Karsten Schebsdat und Jan Schiedek-Jacht gibt, die alles möglich machen, damit es so einen Golf R überhaupt noch gibt. Denn der ist in seiner normalen Version schon der Hammer. Was die Jungs da vor einem Jahr präsentierten, machte uns und die Konkurrenz sprachlos. Torque Splitter, Drift-Mode, Nürburgring-Setup – in einem Golf, der Wahnsinn! Genau wie die Rundenzeiten, Sachsenring 1:37,52 Minuten, Civic, Leon und Mégane gebügelt. Auf der Nordschleife? 7:51 Minuten! Schnell, aber kein Rekord bei den Kompakten, den hält der deutlich stärkere RS 3 mit 7:35 Minuten. Auch mit dem 20 Years reichte es mit 7:47,31 Minuten „nur“ zum schnellsten R aller Zeiten. Nicht etwa schnellster Golf? Nein, 2016 brannte Werksfahrer Benny Leuchter eine beeindruckende 7:47,19 Minuten in den Asphalt. Wo ist der Fortschritt beim aktuellen Auto, fragen Sie sich? Das Thema haben wir jetzt zur Genüge diskutiert. Befassen wir uns lieber mit dem, was wir haben: dem Golf R 20 Years.

Wie der bisherige R ist er auf den ersten Blick ein normaler Golf mit Schürzen und Spoilern im R-Line-Look. Erst auf den zweiten Blick erkennt man ein paar Unterschiede zur Stangenware und zum Golf R Performance. Zum Beispiel die blau lackierten 19-Zöller und die „20“ auf der B-Säule. Am Dachspoiler erkennt man das serienmäßige Performance-Paket mit mit den zusätzlichen Fahrprogrammen „Drift“ und „Special“. In Sachen Optik außen war es das, leider. Innen gibt es Ledersportsitze und Echtcarbon an der Armaturentafel, aufpreisfrei. Was hat sich im Verborgenenen getan? Der Jubiläums-R hat mit 333 PS mehr Dampf und laut VW auch ein besseres Ansprechverhalten als die Standard-Version mit 320 PS. Was hat es damit auf sich? Für die Mehrleistung ist wahrscheinlich der Dreh am Ladedruck und an der Elektronik verantwortlich. Wie bei echten Rallye- und Rennwagen hat man zudem eine Art Antilag-System verbaut. Auf Deutsch: Der Turbolader wird immer am Laufen gehalten, kann so bei einer Beschleunigung schneller seine Kraft entfalten. In Schubphasen bleibt die Drosselklappe geöffnet. Bei schneller Gaswegnahme und wieder Vollgas ermöglicht das einen schnelleren Aufbau des Drehmoments. Beim Getriebe, das in der Hardware unangetastet blieb, hat man die Schaltcharakteristik verändert. Quasi eine elektronische Applikation, die in den Sport-Programmen ein intensiveres Feedback geben soll. Besser gesagt: Es soll ordentlich rucken beim Schalten. Checken wir gleich. Kommen wir vorher noch kurz zu den Reifen. Serienmäßig steht der 20 Years auf Bridgestone Potenza Sport S005 in 235/35 R 19. Optional gibt es für 1000 Euro Semislicks. Gab es beim bisherigen R auch, nur waren das Michelin Cup 2. Bei Leuchters aktueller Nord-schleifenrunde setzte man erstmals den neuen Bridgestone Potenza Race ein. Genau der Pneu, der vor einigen Ausgaben hier bei uns den Semislick-Vergleich gewonnen hat.

7 4,1 km/hMit zart schwänzelndem Heck und irrem Vorderachsgrip wedelt der Golf auf Niveau der ganz Großen durch den 18-Meter-Slalom. Am besten funktioniert hier der harte Race-Mode. Im weicheren „Special“-Setup knickt der R an der Vorderachse zu sehr ein und kommt mehr in Bewegung.

! Den künstlich eingebauten „Getrieberuck“ hätte man sich sparen können. Das fühlt sich nicht echt an

DAS IST UNS AUFGEFALLEN!

Die bisher schlecht bedienbaren Fahrzeugmenüs scheint man mit neuer Software in den Griff zu bekommen. In diesem R ging auf jeden Fall alles viel flotter als bisher. Der Star an diesem Sonder-Golf ist aber der Reifen, Bridgestone Potenza Race. Genau der Pneu, der in der Juli-Ausgabe unseren Semislick-Test gewonnen hatte. Optisch kein Racer, aber mit einer Gummimischung, die besser klebt als Trofeo und Cup 2.

RENNSTRECKEN-NOTIZEN

Motor/Getriebe Auch mit der kleinen Leistungssteigerung und dem geänderten Turboverhalten bleibt das bekannte Triebwerk sehr elastisch und reaktionsschnell bei einem breit nutzbaren Drehzahlband. Den neuen „Ruck“ beim Schalten spürt man auf der schnellen Runde kaum, bringt keine Performance. Das Leistungsplus ist nicht spürbar.

Lenkung Im Performance-Modus ist die Lenkung genau so viel härter, wie es sein soll. Die Rückmeldung ist immer noch sehr gut, die Haltekräfte sind angenehm, das Ansprechverhalten direkt genug.

Bremsen Sehr angenehmer Druckpunkt, wenig bis gar keine ABS-Eingriffe, hohe Ausdauer.

Handling Im Nordschleifen-Setup narrensicher und dennoch sehr agil. Man kann die Vorderachse fast zentimetergenau positionieren, das Heck für die nächste Kurve perfekt ausrichten.

Reifen Der neue Bridgestone Potenza Race ist deutlich griffiger als der Michelin Cup 2. Man kann eine noch engere Ideallinie fahren, Untersteuern null, Übersteuern mit etwas mehr Luftdruck an der Hinterachse.

! RENNSTRECKEN-INFOS

In Sektor 1 geht es um viel Power. Sektor 2 erfordert viel Grip an der Vorderachse, Sektor 3 ein neutrales Fahrverhalten bei hohem Tempo. In Sektor 4 ist eine gute Balance wichtig, hier messen wir zudem den Topspeed. Sektor 5 fokussiert maximalen Grip.

Ab auf die Straße, mal sehen wie sich das neuen Motor-Mapping und die Schaltung anfühlen. Der 20 Years lässt sich genauso problemlos in den Alltag hineinsoften wie der normale R Performance. Fahrwerk, Lenkung, Auspuff auf zivil, und schon lümmelt er kreuzbrav durch die City und verbraucht dabei noch nicht einmal die Welt. Zehn Liter bei spaßigen Ritten, siebeneinhalb bis achteinhalb bei sorgsamer Sohle. Was will man mehr? Das Auto lenkt wie gewohnt sehr leicht und komfortabel ein, in den Sport- und Race-Modi freilich etwas härter, wirft keinerlei Antriebseinflüsse ins Volant. Die elektronische Sperre und das Plus an Negativsturz vorn sind überaus erfolgreich in der Bekämpfung von Untersteuern. Grip ist sowieso im Übermaß vorhanden, das ist nichts Neues. Das Torque-Vectoring-Allradsetup massiert jegliche Plumpheit und Frontlastigkeit aus den Waden. Das wirkt alles ziemlich neutral und ist dennoch extrem agil. Die zusätzlichen 13 PS im EA888-Evo4-Zweiliter-Vierzylinder-Turbo spürt man ehrlich gesagt null. Das Aggregat ist und bleibt ein Durchzugsmonster mit viel Drehzahlfreude. Die Doppelkupplung gefällt wie immer im Alltag mit schnellen und weichen Schaltvorgängen. In den Performance-Programmen ist der manuelle Modus auch wirklich manuell, man darf gern am Begrenzer bei Sechsfünf hängen bleiben. Und wenn man am kleinen Schaltknubbel in der Mittelkonsole drückt, dann geht’s mit S+ oder M+ noch krasser zur Sache. Dann drückt er die Gänge noch etwas rabiater ins nächste Ritzel und lässt sich auch früher aufs Runterschalten ein. Da kann man auch mal beim Gangwechsel in besagtem Begrenzer landen. Und nun kommt’s. Beim 20 Years wurde zusätzlich eine Art „Schaltruck“ in die Getriebeelektronik appliziert. Vielleicht kennen Sie das von Lamborghini, wenn beim Schalten der Kopf nach vorne und hinten nickt. So in etwa muss man sich das bei diesem Golf vorstellen. Lei-der funktioniert das nur zufriedenstellend, Schulnote drei bis vier. Es fühlt sich unecht an, eher aufgesetzt. Schade, die Idee war gut, die Umsetzung ist nicht optimal.

„Man darf gespannt sein, ob der neue Civic Type R diese Zeit im nächsten Jahr unterbietet.“

Guido Naumann, Redakteur

TEST-BEDINGUNGEN

Streckenlänge: 3671 Meter Wetter: 17 Grad Celsius, sonnig Asphalt: trocken

Kommen wir zur Längsdynamik. Mit den 13 PS erwarten wir keine neuen Bestwerte. Und so ist es dann auch, dieser R lässt sich trittvoll davonprügeln, die Launch Control arbeitet so exakt und feinfühlig wie die bei Porsche. 4,5 und 17,0 Sekunden auf 100 und 200 sind aller Ehren wert, das muss ihm erst mal einer seiner Konkurrenten nachmachen. Verzögerung? Hier hat der Supertest des normalen Golf R schon aufhorchen lassen. 30,5 Meter aus 100, das schaffte noch keiner in der Golf-Klasse. Mit dem Bridgestone Race bremst das Sondermodell ähnlich gut, bleibt aber ein paar Zentimeter später stehen als der R mit Cup-2-Reifen.

Kommen wir zum alles entscheidenden und wichtigsten Kapitel, der Rennstrecke. Wir hatten es anfangs schon aufgedröselt. Der normale R Performance hat letztes Jahr schon ziemlich alles in Grund und Boden gefahren. Nicht nur die Rundenzeit von 1:37,52 Minuten beeindruckte, sondern auch, wie der Golf die Runde zelebrierte. Mit viel Witz, auskeilendem Heck, Druck von der Hinterachse, einfach unglaublich für einen Golf. Kaum zu glauben, dass das noch besser gehen soll. Vier Sekunden auf der Nordschleife, was bringt das hier am Sachsenring? Ein paar Zehntel?

MESSNOTIZEN

Motor 13 PS mehr – ehrlich, die spürt man nicht. Das sieht man auch bei den Messwerten, die fast identisch sind mit dem 320-PS-Modell. Der Motor begeistert nach wie vor mit seinem breiten Drehzahlband, fühlt sich teilweise wie ein Sauger an, zwitschert aber auch fein bei spontaner Gaswegnahme.

Getriebe Die Launch Control arbeitet mit den griffigeren Bridgestone Race noch etwas effektiver, ohne bessere Werte. Der künstlich applizierte „Schaltruck“ in den Race-Programmen ist in diesem Golf fehl am Platz. Fühlt sich unecht und zu ruppig an.

Bremse Spontanes Ansprechverhalten, viel Ausdauer, wenig ABS-Eingriffe.

Sollte die Golf-Speerspitze radikaler ausfallen?

Schreiben Sie uns: redaktion @ auto

Sachsens kleine Nordschleife, da fährt man natürlich auch im Special-Nürburgring-Modus. Im Fahrwerks-Setup etwas weicher, nachgiebiger, dazu auf der Hinterachse je nach Bedarf etwas mehr Power aufs kurvenäußere Rad. Und der Sonder-R zeigt sich gleich in der ersten Runde von seiner gewohnten Seite: akkurat, verbindlich, sauber rückmeldend und derart fein ausbalanciert, dass er sich auf den Zentimeter genau positionieren lässt. Und das Heck wedelt freudig mit, anstatt nur zu folgen. Runde zwei, der Potenza Race ist auf Betriebstemperatur, und der Golf haut einen raus, dass einem Hören und Sehen vergeht. Im Vergleich zum Supertest-Golf-R mit Michelin Cup 2 lenkt der Jubilar noch einen Tick bissiger an, noch williger ein, dreht das Heck auf Kommando nur noch hauchsanft mit und macht auch sonst einfach alles richtig. Der Getriebe-Ruck sowie das geänderte Turboladerverhalten fallen unter diesen Bedingungen kaum ins Gewicht, das Powerplus sieht man maximal in der Auswertung der Rundenzeiten mit etwas mehr Topspeed auf dem schnellen Bergabstück. Obwohl man das auch der engeren Linie mit den neuen Semislicks zuschreiben könnte. Summa summarum: Es fühlt sich subjektiv in jeder Ecke noch mal deutlich schneller an. Auf jeden Fall flotter, als uns letztendlich unser Messcomputer anzeigt. 1:36,82 Minuten sind dennoch sensationell, schneller als ein 450 PS starker M4 Competition (2017). Vor drei Jahren taumelte so ein Golf 7 Rmit Semislicks noch bei 1:39 Minuten herum. Aber: Wir hoffen mal auf Leuchter, Schebsdat und Co, dass die Herren doch bitte noch mal Stift und Papier in die Hand nehmen und noch mal so einen Golf raushauen wie 2016!

Fazit

Guido Naumann

Mit neuen Semislicks und dem kleinen Powerplus liefert der Jubi-R eine schlicht sensationelle Querdynamik. Dennoch hätten wir uns noch mehr Mut und Radikalität gewünscht und einen Preis, der zum Golf passt.