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Gefahr durch Alu und Blei


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Gesundheits-Nachrichten - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 23.05.2022

Das Leichtmetall Aluminium und das Schwermetall Blei sind rostfrei und leicht zu bearbeiten und daher wichtige Ausgangsmaterialien für die Industrie. Aluminium wird verwendet in der Lebensmittel-, Bauund Autoindustrie, in der Optik, Elektronik und Photovoltaiktechnik. Blei findet sich vor allem in Farben, Kunststoffen, Glasuren und Legierungen und in wiederaufladbaren Batterien, auch in der Medizin, bei Jagd und Fischfang und selbst im Pflanzenanbau.

Schwierige Risikoeinschätzung

Wie schwierig es ist, die Risiken einzuschätzen, zeigt die Geschichte der Grenzwerte. Aluminium etwa galt lange Zeit als unbedenklich, weil bei gesunden Erwachsenen der grösste Teil über die Nieren wieder ausgeschieden wird. Heute ist bekannt, dass Aluminium, das einmal in den Körper eingelagert wurde, nur sehr langsam wieder abgegeben wird.

Dem Deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zufolge hat das Metall im ...

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Bildquelle: Gesundheits-Nachrichten, Ausgabe 6/2022

In Böden von Spielplätzen ...
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... menschlichen Organismus keine natürliche Funktion und kann in zu grossen Mengen und insbesondere bei Menschen mit Nierenerkrankungen «eine Vielzahl von biologischen Prozessen stören». Gefährdet sind demnach insbesondere Nervensystem und Leber, Nieren, Knochen, das Herz-Kreislauf-System und die Entwicklung von Ungeborenen. Der Verdacht, Aluminium könne Morbus Alzheimer und – durch den Gebrauch von Antitranspiranten – Brustkrebs auslösen, hat sich bisher hingegen nicht bestätigt. Die Datenlage hierzu ist uneinheitlich, Studien ergaben keinen kausalen Zusammenhang.

Sanierungswert. Dieser sei aufgrund des konservativen Berechnungsansatzes des SCAHT sowohl toxikologisch vertretbar als auch bezüglich der Kosten und technischen Machbarkeit realisierbar.

Der Unterschied zwischen dem vom SCAHT empfohlenen Grenzwert von 83 mg/kg Boden und jenem vom BAFU vorgeschlagenen Grenzwert von 300 mg pro Kilogramm Boden klinge gravierend, sagt Dr. Aicher. Doch praktisch liege man in der Einschätzung nicht so weit auseinander – wenn man berücksichtige, dass viele Annahmen mit einer gewissen Unsicherheit behaftet seien und die Herleitung des SCAHT auf sehr konservativen Annahmen beruhe.

Entscheidend sei z.B. die Aufnahmemenge an Boden: «Wenn man annimmt, dass ein Kind nicht die bei der Herleitung des Grenzwertes veranschlagten 250 mg kontaminierten Boden verschluckt, sondern 70 mg, kann man bereits die Differenz zwischen den Werten des SCAHT und des BAFU erklären.» Die zu sanierende Fläche, die das BAFU aufgrund eines Grenzwerts von 300 mg Blei pro Kilogramm Erde ansetzt, beläuft sich laut Modellrechnungen auf insgesamt 900 Hektar – und dies bei Kosten für einen Bodenaustausch, die das BAFU bei rund 140 Franken pro Quadratmeter ansetzt.

Metalle und Nahrungskette

Vorsorge ist trotzdem angezeigt. Denn sowohl Aluminium als auch Blei entfalten ihre toxische Wirkung vor allem über den Verdauungstrakt, und Wissenschaftler gehen davon aus, dass insbesondere Kinder bereits mehr über die Nahrung aufnehmen als sie sollten.

Die Metalle gelangen nahe von Industrieanlagen durch Staub, Wind und Regen in Boden und Pflanzen, über Gewässer in Fische und auf diesen Wegen in die Nahrungskette. Dabei existieren laut Dr. Aicher «historische Plätze», an denen die Belastung besonders hoch sei: an früheren Industriestandorten wie Giessereien und Truppenübungsplätzen, aber auch an Strecken entlang von viel befahrenen Strassen.

Dort gibt es eine Belastung durch den Abrieb von Bremsen und Reifen und teilweise noch immer durch verbleites Benzin aus der Vergangenheit.

An solchen Stellen können selbst biologisch angebautes Getreide, Gemüse und Obst mit Schadstoffen wie Aluminium und Blei kontaminiert sein.

Besonders mit Blei belastet sind laut einer durch das Deutsche Umweltbundesamt in Auftrag gegebenen, 2020 veröffentlichten Studie verschiedene Muscheln und Meerestiere, einige Fischarten sowie manche Nahrungsergänzungsmittel und Fleisch von Wild, das mit Bleimunition erlegt wurde. In der Jagd soll Bleimunition demnächst verboten werden.

Das Metall kann der Studie zufolge aber auch aufgenommen werden durch das Essen aus bleihaltiger Keramik und Geschirr aus Ländern, in denen keine oder weniger strenge Regeln existieren. Belastetes Hahnenwasser durch bleihaltige Hausrohre hingegen kommt nach Ansicht von Experten heutzutage seltener vor als früher und spielt nur noch eine untergeordnete Rolle.

Aluminium in Lebensmitteln kann laut dem deutschen BfR u.a. vermehrt in Zusatzstoffen für Überzüge von Zuckerwaren und zur Dekoration von Backwaren enthalten sein; ebenfalls in manchen Teesorten und Instant-Tees und in Kakao- und Schokoladenerzeugnissen. Das Metall kann aber auch durch Verpackungen oder Geschirr in die Nahrung übergehen, da Säure und Salz die Löslichkeit von Aluminium steigern.

Schäden für die Umwelt

In den vergangenen Jahren sind die Belastungen durch viele Substanzen zurückgegangen. Dies gilt insbesondere für Blei, für das vielerorts Alternativen gefunden wurden, und dessen Gehalt laut mehreren Langzeitstudien auch in Gewässern und Böden abnimmt. Dies ist auch dringend nötig, denn Blei schädigt Wasserorganismen, Tiere und Pflanzen und kann das Bodenleben empfindlich stören. Bei Aluminium verursachen Abbau und Verarbeitung immense Schäden in Ökosystemen, denn diese sind sehr energieintensiv und erzeugen giftige Abfallprodukte.

Hohe Aluminiumkonzentrationen in der Natur können stellenweise auch durch den Klimawandel verursacht werden. Als sich 2018 der Bergbach Ova Lavirun im Engadin auf mehr als einem Kilometer Länge schneeweiss färbte, fand ein internationales Forscherteam um Christoph Wanner von der Universität Bern die Ursache für dieses Phänomen: Schmelzender Permafrost sättigte den Untergrund mit Wasser; das wiederum löste Mineralien aus dem Gestein. Durch oxidierendes Pyrit-Mineral entstand Schwefelsäure. Weil Säure die Löslichkeit von Aluminium steigert, war die Aluminiumkonzentration am oberen Bachlauf mit 40 mg pro Liter sehr hoch. Auf dem Weg nach unten verdünnten mehrere Zuläufe das Wasser, so dass der pH-Wert wieder sank. Dadurch flockte das weiter oben ausgeschwemmte Aluminium mit ebenfalls ausgespülten Eisen- und Arsenanteilen aus und färbte den Bach weiss.

Risiken senken

Der Kontakt mit Substanzen, die in Böden natürlich vorkommen und die zudem massenhaft in der Industrie verarbeitet werden, ist nicht zu vermeiden. Es bleibt einzig die Möglichkeit, Risiken zu senken – auf politischer Ebene durch Grenzwerte, auf individueller Ebene durch umsichtigen Gebrauch. Das deutsche BfR rät z.B. Verbrauchern, Alufolie nicht zum Einwickeln von sauren oder salzhaltigen Lebensmitteln und Aluschalen nicht zum Grillieren zu verwenden. Auch bei Kosmetika wie aluminiumhaltigen, weissenden Zahnpasten gebe es Alternativen.

Bei Lebensmitteln sorge eine abwechslungsreiche Nahrung für eine Streuung des Risikos, und für Babys sei Stillen immer die beste Lösung, da Säuglingsnahrung im Mittel deutlich höhere Aluminiumgehalte aufweise als Muttermilch.

Wo Alugefahr lauert:

Verzichten Sie auf Fertiggerichte oder Mahlzeiten in Aluschalen (z.B. Essen auf Rädern), sofern Hersteller nicht auf eine Beschichtung hinweisen. Aktuelle Studien des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zeigen, dass bei der Zubereitung und Warmhaltung von sauren und salzigen Lebensmitteln in unbeschichteten Aluschalen viel Aluminium freigesetzt wird. Ein Erwachsener könnte bei täglichem Verzehr von 200 Gramm sauren Lebensmitteln aus unbeschichteten Aluschalen in einer Woche etwa 0,5 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht zusätzlich aufnehmen.

Saures wie Apfelstücke, Zitronen, Tomaten, Essiggurken und Salziges wie Feta, Salzhering, Wurst und Schinken gehören generell nicht in Alufolie, weder zur Aufbewahrung noch zur Zubereitung. Reinigen Sie Espressokocher aus Aluminium nicht in der Geschirrspülmaschine. Bereits bei der ersten Benutzung des Kochgeschirrs bildet sich eine Schutzschicht im Inneren,n, die Übergängevon Aluminiumium reduziert.Diese Schichtwird jedoch beim SpüleninderMaschine entfernt.nt.