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Geheim-Tipp TRIEST


Spa Inside - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 02.11.2019

Die österreichischste Stadt Italiens hat sich gemausert – und zieht heute mit ihrem entspannten Lebensgefühl Besucher an. Stipp-visite zum Shoppen und Kaffee-trinken an der Adria.


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Foto: shutterstock/RobertPatat

Segel, wohin das Auge blickt! Nicht Dutzende, nicht Hunderte, nein: Tausende Segelboote – groß und klein – sind es, die das Adria-Wasser jedes Jahr im Oktober verwandeln. Wie ein Teppich voller kleiner Punkte sieht das Meer aus, und das zehn Tage lang. Seit ihrer 50. Auflage im Vorjahr steht die Barcolana (www.barcolana.it)in Triest im Guinnessbuch der Rekorde. Dieses Jahr, zur Nummer 51, kamen 17 ...

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... 000 Segler mit ihren Katamaranen, Booten und Surfbrettern in die Bucht. Was für ein Spektakel! Die Barcolana ist die größte Regatta der Welt, direkt vor den Toren der Stadt – und bringt Publikum und Aufmerksamkeit aus aller Welt nach Triest. Mehr als 200 000 Besucher waren allein in diesem Jahr dabei. Es ist noch gar nicht lange her, da war Triest – heute Hauptstadt der Region Friaul-Julisch Venetien im Nordosten Italiens – bei vielen Tourismus-Verantwortlichen ein recht dünn beschriebenes Blatt. So erzählt es Bernardo Ivancich, der aus Istrien stammt und seit 35 Jahren Gäste durch Triest führt. Auf Reisemessen in aller Welt sei die Stadt gewesen, musste dort stets aufs Neue ihre Lage erklären: nicht weit weg von Venedig! Doch aus dem Schatten der zwei Stunden Autofahrt entfernten Lagunenstadt ist Triest nach und nach ausgetreten. Mit vielen Ideen (und einem ganzen Berg Geld) haben die Marketing-Verantwortlichen die letzte Stadt kurz vor der Grenze nach Slowenien in den Blickpunkt dirigiert. Immer mehr Flüge bringen Urlauber auf den hiesigen Flughafen. Der ist klein, aber hochmodern ausgerüstet und hat Platz für noch mehr. Die Hafenstadt, gelegen auf einem schmalen Landstrich zwischen Adriaküste und felsigen Karstbergen, hat jede Menge Potenzial – und eine überaus bewegte Geschichte.

Vom Fischerdorf zum Tor zur Welt

Bernardo Ivancich kann sie im Schnelldurchlauf erzählen, während er Besucher auf seiner dreistündigen Tour durch die Altstadt führt. Start ist stets auf dem wichtigsten, größten, schönsten Platz – der Piazza dell’Unità, dessen eine Seite zum Meer hin offen ist. „Einst war Triest ein Fischerdorf, mehr nicht”, sagt Ivancich. „Tergeste” hieß die erste Siedlung, später wurde Triest daraus, von den Römern als Kolonie zum wichtigen Hafenort entwickelt. Der Ort wuchs rasant, wurde dank des Handels zur Metropole. Gut 500 Jahre, bis 1918, regierten die Habsburger – Österreich hatte dadurch Anschluss ans Meer. Nach dem ersten Weltkrieg wurde Triest Italien zugesprochen, nach dem zweiten stritten Italien und Jugoslawien lange Zeit um den Einfluss. Erst 1975 wurde die Grenze per Vertrag eindeutig festgelegt, Triest war damit nun endgültig italienisch. Aber abgeschlagen, ganz am Rand kurz vor der Mauer zu Osteuropa – mit dramatischen Folgen: Die Jugend wanderte ab, die Arbeitslosigkeit stieg, der Hafen verlor an Bedeutung. Triest hatte die älteste Bevölkerung Italiens, war nahezu isoliert, grau und ohne Zukunft.

UNTERWEGS IN TRIEST: 5 DINGE die Sie nicht verpassen dürfen

1


AUF ZEITREISE GEHEN
Zurück in die römische Antike: Ein hoher Beamter des Kaisers baute im 1. Jahrhundert das Amphitheater – und dessen Reste sind noch heute zu sehen. Auch wenn keine Gladiatoren mehr durch die Manege laufen, so lebt ein Hauch der alten Zeit wieder auf. Die Ruinen des Theatro Romano können kostenlos besichtigt werden. Hin und wieder gibt es Theateraufführungen auf den steinernen Sitzreihen.

2


KONTINENTE ZÄHLEN
Früher war hier Meer – jetzt steht ein großer Brunnen auf der Piazza dell’Unita. Von Baumeister Giovanni Mazzoleni wurde er 1750 geschaffen: er zeigt Europa, Amerika, Asien und Afrika. Halt – da fehlt doch was? Stimmt! Australien war noch nicht entdeckt, weswegen die Fontana dei quattro continenti eben der „Brunnen der vier Kontinente” ist. Tipp: Er teilt die Stadt – links (das Meer im Rücken) wird geshoppt, rechts gibt es Restaurants.

3


KREATIVSTADT: Triest zieht Schriftsteller magisch an.

LITERATEN-SPUREN FOLGEN
Was haben Italo Svevo, James Joyce und Umberto Saba gemeinsam? Die drei Schriftsteller haben Triest geprägt. Und sind noch heute im Stadtbild präsent: Als lebensgroße Bronzeskulpturen mit Zitaten ihrer Werke – beliebt vor allem als Fotomotiv für Touristen. Vor allem der Ire James Joyce und sein Roman „Ulysses”, ein Klassiker der Weltliteratur. Ein Pfad durch die Stadt zeigt das Leben der Literaten.

4


WIE IN VENEDIG FÜHLEN
Längst nicht so überlaufen wie die nahe Lagunenstadt – und doch spürt man auch in Triest Venedig-Flair. Und zwar am Canal Grande mit seinen prächtigen Palazzi (manche sind Museen), den Cafés und Bars. Kaum zu glauben, dass hier einst riesige Schiffe Waren aus aller Welt anlieferten. Kurios: Die Ponte Curto (kurze Brücke) heißt eigentlich Passagio Joyce. Dank eines Messfehlers fehlten beim Bau ein paar Zentimeter, was ihr den Spitznamen einbrachte.

5


Fotos: Shutterstock/Karl Allen Lugmayer/AndreaTS/ ElenaTrukhina; 123rf/Magone

LECKEREIEN PROBIEREN
Italienisch? Slawisch? Ach was – ganz mitteleuropäisch geprägt ist die Küche Triests, was an der grenznahen Lage und den wechselnden Herrschern liegt. Probieren Sie unbedingt die Suppe Jota (mit Sauerkraut, Kartoffeln, Bohnen, Schweinefleisch) und das Gebäck Presnitz (Blätterteig mit Nüssen, Mandeln, Pinienkernen). Viele Lokale (z. B. Puro, Via Torino) servieren frittierte Fische und Pasta – beides frisch und lecker.

Schloss Miramare

Das Liebesnest zieht als Museum Gäste in Scharen an – trotz trauriger Geschichte

Foto: ©rh2010 - stock.adobe.com

So lebensfroh und strahlend es da auf einem Felsvorsprung an der Adriaküste steht, so traurig ist eigentlich die Geschichte von Schloss Miramare. Vor den Toren Triests ließ Österreichs Erzherzog Ferdinand Maximilian für sich und seine Gattin Charlotte von Belgien ein märchenhaftes Liebesnest errichten. Aus weißem Kalkstein thront es malerisch in der Bucht von Grignano. Doch nur ganze vier Jahre lebte das Paar gemeinsam hier – 1859 bis 1863. Dann wurde Maximilian Kaiser von Mexiko, wohin er verschwand und schließlich 1867 hingerichtet wurde. Da war er gerade 34 Jahre alt. Charlotte, damals 27, wurde wahnsinnig und ging zurück zur Familie nach Belgien. Ein Schatz für Fans von Legenden: Denn angeblich irrt ihr Geist noch heute durch den verwinkelten Schlosspark. Der kann kostenlos besichtigt werden. Im Schloss selbst sind die Herrschaftsräume prächtig erhalten. Selbst eine kleine Kapelle gibt es. Die einstige Sommerresidenz der Habsburger, in der auch Maximilians Schwägerin Sissi mehrmals zu Gast war, darf bei keinem Triest-Besuch fehlen. Museumseintritt: 8 Euro, täglich geöffnet.www.castello-miramare.it

Multikulti und entspannt

Wer Stadtführer Ivancich durch die herausgeputzten Häuserzeilen folgt, der weiß, dass es anders kam – den politischen Umbrüchen sei Dank. Triest sieht sich heute durchaus stolz als Tor Italiens zu Osteuropa. Die Lage mitten zwischen den Ländern und Kulturen hat ihre Spuren hinterlassen. Vor allem ein Hauch von Österreich weht – dank vieler Bauten und Traditionen – durch die Gassen. Multikulti geht es zu und entspannt. Dolce Vita trifft Wiener Kaffeehaus-Kultur, ein Überbleibsel der einstigen Herrscher. Und der Hafenlage geschuldet, denn Kaffee kam und kommt tonnenweise per Schiff an. Heute wird nirgendwo in Italien mehr getrunken als in Triest – zehn Kilogramm Bohnen pro Kopf und Jahr. Egal wie: ob Nero (klassischer Espresso in kleiner Tasse), „Nero in B” (im Glas serviert, schon Schriftsteller James Joyce liebte ihn), Deca (koffeinfrei in der Tasse) oder Capo (Espresso mit einem Schuss Milch) – Kaffee ist Kultgetränk und wird heiligengleich verehrt. Illy, einer der größten Produzenten weltweit, röstet am Stadtrand im Akkord Nachschub.

Alles im Umbruch

Die Triester genießen den entspannten Alltag in ihrer Stadt, deren Lebensqualität zu den höchsten im Land zählt. Die Universität ist populär und zieht junge Leute an. Es wird gebaut und saniert, ein ganzer Teil des alten Hafengeländes hinter dem großen Bahnhof ist im Umbruch. Dort wächst Triest zur „Stadt der Wissenschaften” heran – mit Forschungszentren, die Einwohner und Experten ins Gespräch bringen sollen. Und so den Fokus weiter auf die Region im Aufschwung zwischen West- und Osteuropa lenken soll. Und wer weiß: Vielleicht müssen die Venezianer ja in Jahren die Lage ihrer Stadt mit „nicht weit weg von Triest” erklären.


Triest erkunden – und genießen


KULINARISCHE STADTTOUR

Triest, Stadt der Winde Dem Mythos der Stadt Triest auf der Spur: Das war Autor Veit Heinichen, bekannt für seine Krimis. Seit jeher liegt die Hafenstadt am Schnittpunkt zwischen Ost und West, Nord und Süd. Diese Einflüsse haben ihre Spuren hinterlassen. Heinichen ist ihnen gefolgt und hat (gemeinsam mit Ami Scabar) einen kulinarischen Reiseführer daraus gemacht. Es geht um Wein und Oliven auf dem Karst über der Stadt, Fischgerichte aus aller Welt am Hafen, dazu gibt es Gedichte von Rilke. Ein Buch, das alle Sinne schult. 16 €, 144 S., Carl Hanser Verlag.