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Geheimnisse des Glaubens


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 23/2019 vom 31.05.2019

Wie entstand das Neue Testament? Wer war Maria Magdalena? Wo wirkte Jesus?Fragen und Antworten zur Bibel


Von PFINGSTEN bis zur GRABESKIRCHE

Artikelbild für den Artikel "Geheimnisse des Glaubens" aus der Ausgabe 23/2019 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 23/2019

FEIERTAG
An Pfingsten wurde den Jüngern Jesu der Heilige Geist gesandt


Eines der wichtigsten Feste der Kirche ist gleichzeitig eines der rätselhaftesten. Wenn wir am 9. und 10. Juni wieder Pfingsten feiern, geht es auch um die vielen Geheimnisse des Glaubens. Um den Heiligen Geist, um die Bibel, um Jesus und seine Wunder, um die Bedeutung Maria Magdalenas (siehe TV-Tipp Seite 28). Zwölf bedeutende Fragen, die bewegen:

Was hatPfingsten mit der Botschaft Jesu zu ...

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Was hatPfingsten mit der Botschaft Jesu zu tun?

Am 50. Tag der Osterzeit wurde den Jüngern Jesu der Heilige Geist gesandt: „Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab“ (Apostelgeschichte 2,3–4). Sie sollten die Botschaft Christi verbreiten – in allen Sprachen und allen Ländern. Deshalb gilt Pfingsten als Geburtsstunde der Kirche. Gleichzeitig ist das Fest mit einem der wichtigsten christlichen Glaubensbekenntnisse verbunden: der sogenannten Trinität, der Dreifaltigkeit aus Vater, Sohn und Heiligem Geist. Trotzdem ist die Entsendung des Heiligen Geistes sogar für viele Gläubige schwer zu fassen. Auf Gemälden sieht man oft Flammen über den Köpfen der Apostel, oder Tauben schweben vom Himmel herab. „Pfingsten feiern wir ein neues Aufbrechen“, sagt Pater Anselm Grün zur heutigen Bedeutung des Festes. „Lukas schildert diesen Aufbruch in wunderbaren Farben. Um zu neuen Ufern aufzubrechen, muss ich vorher die Zelte abbrechen, in denen ich mich niedergelassen habe. Es gibt im Deutschen auch das passive Wort: Manches in uns, was erstarrt ist, muss aufgebrochen werden.“ Auch das gehört zu Pfingsten.

Wie entstand dasNeue Testament?

Zu Zeiten des Urchristentums kursierten zahlreiche Geschichten über das Leben Jesu. Welche davon ins Neue Testament aufgenommen wurden, war das Ergebnis zahlloser Diskussionen unter den Kirchenvätern – über einen Zeitraum von Jahrhunderten. Erst Bischof Athanasius, Patriarch von Alexandria, stufte in seinem Osterbrief im Jahr 367 genau jene 27 Bücher als verbindlich ein, die bis heute in allen christlichen Kirchen anerkannt sind. Dazu gehören vor allem die vier Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Alle anderen Schriften, die sogenannten Apokryphen (vom altgriechischen Ausdruck für „verborgen“), sind größtenteils nur noch in Fragmenten erhalten und stellen Jesus deutlich vielschichtiger dar.

WarPetrus der Gründer der christlichen Kirche?

„Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen“, sagte Jesus zu seinem Jünger Simon Petrus (Matthäus 16,18). Daraus und aus der Annahme, Petrus sei der erste Bischof von Rom gewesen, leitet die römisch-katholische Kirche bis heute ihren Führungsanspruch über die Gesamtkirche ab – die Päpste als direkte Nachfolger Petri. Außerhalb der christlichen Quellen gibt es allerdings keine Hinweise auf die Rolle des Apostels. Auch die Bibel selbst verkündet nichts über sein Wirken in Rom oder das Ende als Märtyrer. Einen Anhaltspunkt gibt es trotzdem: Seit etwa dem Jahr 200 wird eine bestimmte Stelle auf dem Vatikanischen Hügel als Petrusgrab verehrt. Kaiser Konstantin der Große ließ von 315 bis 349 darüber die Petersbasilika bauen, die später durch den mächtigen Petersdom ersetzt wurde.

Wovon berichtet dasThomas- Evangelium?

Im Dezember 1945 fanden Bauern in der Nähe des ägyptischen Dorfs Nag Hammadi einen Tonkrug mit Papyrusbänden. Der in koptischer Schrift gehaltene Text beginnt mit dem Satz: „Dies sind die geheimen Worte, die der lebendige Jesus sprach.“ Das heute als Thomas-Evangelium bekannte Dokument erzählt anders als Matthäus, Markus, Lukas und Johannes nicht die Lebensgeschichte Christi. Es enthält stattdessen insgesamt 114 Sprüche, fast alle beginnend mit den Worten „Jesus sagte“. Dies entspricht der Form, wie die Worte Jesu in den urchristlichen Gemeinden weitergegeben wurden. Die Sprüche sind oft etwas dunkel, verrätselt, als Weisheit oder Gleichnis gestaltet. Einige finden sich ähnlich in der Bibel, andere sind quasi „exklusiv“. Gehen sie auf eine schon kurz nach Jesu Tod entstandene Sammlung zurück? Das ist in der Forschung bislang umstritten.

APOSTEL
Petrus soll als erster Bischof der Christengemeinde von Rom gewirkt haben


War Luther wirklich der Erste, der dieBibel ins Deutsche übersetzte?

REBELL
Martin Luther (1483 – 1546) übersetzte die komplette Bibel


Vermutlich im Dezember 1521 begann Martin Luther mit dem Übersetzen der Bibel. Doch schon zuvor gab es Evangelien in deutschen Dialekten. Sogar 200 Jahre vor Luther wagte sich ein Unbekannter aus dem süddeutschen Sprachraum an die Heilige Schrift. Er übersetzte vieles anders, fügte aus anderen Quellen hinzu – etwa über die Kindheit Jesu. Hätte der Mann damals eine Druckerpresse gehabt, sähe unsere Bibel heute vielleicht anders aus. Ein Forschungsprojekt soll jetzt diesen jahrhundertelang vergessenen Text zugänglich machen.

Woher wissen wir, wasJesus wirklich gesagt hat?

„Und führe uns nicht in Versuchung“ – so soll es laut Jesus (Lukas 11,4) im Vaterunser heißen. Jedenfalls in Martin Luthers Übersetzung, die zuletzt 2017 offiziell überarbeitet wurde. Der deutsche Reformator nutzte dazu altgriechische Texte, Jesus sprach aber Aramäisch. „Der Unterschied zwischen Jesu Muttersprache und dem Griechischen damals ist etwa so groß wie heute der Unterschied zwischen Deutsch und Arabisch“, betont Autor und Jesus-Experte Franz Alt. Er ist überzeugt: Vieles wurde falsch übersetzt. Was Jesus wirklich gesagt hat, kann man nur aus einer Rückübersetzung ins Aramäische erschließen. Auch die berühmten Schriftrollen vom Toten Meer mit Texten des Alten Testaments sind größtenteils auf Hebräisch und Aramäisch verfasst. Beim Vaterunser hat sogar Papst Franziskus die gängige deutsche Übersetzung kritisiert. Sein Vorschlag: „Und lass uns nicht allein in der Versuchung.“ Denn nur der Teufel, nicht aber Gott führt in Versuchung.

WarMaria Magdalena wichtiger als die Apostel?

In der Bibel wird Maria Magdalena als geläuterte Prostituierte und Sünderin dargestellt. Apokryphische Texte lassen ihre Rolle in anderem Licht erscheinen: War sie sogar die Lebensgefährtin oder Ehefrau von Jesus? Im Ägyptischen Museum in Berlin werden Papyrusblätter aufbewahrt, die Fragmente des Evangeliums nach Maria Magdalena enthalten, entstanden vermutlich Ende des 2. Jahrhunderts. Von einer Vision und einer Botschaft spricht Maria Magdalena darin, die Jesus nur ihr anvertraut habe: „Was euch verborgen ist, werde ich euch verkündigen“, sagt sie zu den Jüngern. Eine weibliche Konkurrentin im Kampf um die Deutungshoheit der Lehren Jesu? Immerhin: Im Jahr 2016 stellte Papst Franziskus Maria Magdalena liturgisch den männlichen Aposteln gleich.

Welche Rolle spielt Jesus imKoran?

Der Sohn Marias tritt auch im Koran, der Heiligen Schrift des Islam, als Gesandter Gottes auf. Mehr als 100 Verse des Korans handeln von Jesus, dort Issa genannt. Er formt Vögel aus Ton und macht sie lebendig, lässt einen Tisch mit Speisen vom Himmel schweben, heilt Blinde, erweckt sogar Tote – mit Allahs Erlaubnis (Sure 3:49). Nur vom „Sohn Gottes“ und der Wiederauferstehung nach der Kreuzigung liest man im Koran nichts. Für Mohammed (um 570 – 632), der offenbar Teile der christlichen Evangelien kannte, war Jesus ein bedeutender Prophet. Mehr nicht.

Wo wirkte Jesus und vollbrachteWunder?

Die vier Evangelien berichten wenig über die frühen Jahre im Leben Jesu. Markus und Johannes beginnen ihre Schilderung sogar erst mit seinem Wirken in Galiläa. Da war Jesus bereits Ende 20. Was vorher geschah? Liegt weitgehend im Dunkel. Laut Neuem Testament trat er zunächst am See Genezareth in Erscheinung. Dort ging er übers Wasser, stillte einen Sturm, speiste 5000 Hungrige. Spuren führen in die Orte Kapernaum, Magdala, Kana. Erst später zog Jesus weiter und wirkte für kurze Zeit in Jerusalem. Die Evangelien berichten über drei Auferweckungen von Toten: in Betanien, in Naïn und am See Genezareth. Vermutlich dauerte sein öffentliches Wirken höchstens zwei Jahre. Und veränderte doch die Welt für immer.

Wissen wir, wo Jesusbegraben wurde?

HEILIGTUM
Die Grabeskirche in Jerusalem ist eines der wichtigsten Pilgerziele


Für Gläubige aller christlichen Konfessionen steht fest: Jesus wurde an jenem Hügel gekreuzigt und zunächst begraben, über dem heute die Jerusalemer Grabeskirche steht. Im Oktober 2016 wurde die Kapelle erstmals seit mehr als 200 Jahren für Restaurierungsarbeiten geöffnet. Archäologen hoben dabei auch eine Marmorplatte an, setzten Infrarotkameras ein, analysierten den Mörtel. Ergebnis: Es handelt sich ziemlich sicher um jenes Grab, das die Römer im vierten Jahrhundert als Begräbnisstätte Jesu lokalisiert hatten. Kein Beweis, aber eine Bestätigung.

WarJudas wirklich ein gemeiner Verräter?

„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten“, sagte Jesus zu seinen Jüngern (Johannes 13,21). Und dieser Verräter war Judas. So wurde er zum „schändlichen Bösewicht“ der Bibel, und der Judaskuss gilt seitdem in der Weltliteratur als Verräterkuss. Zu Recht? Über die Rolle des Judas diskutieren Theologen seit Jahrhunderten. Fest steht: Ohne Judas gäbe es keine Kreuzigung, keine Auferstehung, keine Erlösung für die Welt. Indem er Jesus an die Hohepriester auslieferte, brachte er die Ostergeschichte erst ins Rollen. Bat Christus seinen engen Vertrauten um diese Tat? In der neuen Einheitsübersetzung des Katholischen Bibelwerks heißt es: „Amen, amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich ausliefern.“

WelcheReliquien erinnern heute an Jesus?

Ob Blut, Tuch oder ein Nagel – Reliquien finden sich überall auf der Welt. Das Wort leitet sich vom lateinischen „relinquere“ (zurücklassen) ab. Es handelt sich also im wörtlichen Sinn um „irdische Überbleibsel“ eines Heiligen. Vor allem bei katholischen und orthodoxen Christen werden solche Reliquien verehrt. Dazu gehört etwa die Dornenkrone, die Jesus am Kreuz trug. Sie wurde in der Pariser Kathedrale Notre-Dame aufbewahrt und konnte beim verheerenden Brand vom 15. April 2019 gerettet werden. Im Aachener Dom liegt eine Windel Jesu. Der Heilige Rock, eine Tunika, wird im Trierer Dom verwahrt. Gleich mehrere Kirchen und Abteien rühmten sich, das Blut des am Kreuz Gestorbenen oder die „Heilige Vorhaut“ zu besitzen. Die meisten Jesusreliquien tauchten allerdings erst im Lauf des Mittelalters auf und sind deshalb umstritten.

CHRISTUS
Maria Magdalena ist die Erste, die vor dem Grab dem Wiederauferstandenen begegnet