Lesezeit ca. 4 Min.
arrow_back

GEIGER TRIFFT GEIGER


Logo von Sport Bild
Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 10/2022 vom 09.03.2022

WINTERSPORT

„Sich zu peinigen, bis dir schlecht wird – das war nichts für mich!“

Skispringer Karl Geiger über die nordische Kombination

„Im Winter dürfen wir Kombinierer mehr essen als die Skispringer“

Kombinierer Vinzenz Geiger

Artikelbild für den Artikel "GEIGER TRIFFT GEIGER" aus der Ausgabe 10/2022 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Der Geiger-Gipfel in ihrer Heimat Oberstdorf: Karl (l.) zeigt seine beiden Bronze-Medaillen, die er in Peking im Einzel von der Großschanze und mit dem Team gewann.Vinzenz gewann Gold im Einzel von der Normalschanze und Silber mit dem Team

Ihre Ur-Opas Wilhe lm und Ignaz waren Brü der. Sie selbst machen dem Namen Geiger alle Ehre: Vinzenz (24) hat bei Olympia in Peking Gold und Silber in der Nordischen Kombination geholt. Skispringer Ka rl (29) zweimal Bronze. In SPORT BILD geben sie ihr erstes großes Doppel-Interview.

SPORT BILD: Es heißt ja oft, die Nordischen Kombinierer sind die wahren Könige des Winters, weil sie zwei Disziplinen betreiben. Andere sagen, Kombiniererk önnen beides nur halb und nichts richtig. Wer hat recht?

VINZENZ: Beides stimmt! Man kann nicht gleichze itig der beste Skispringer u nd der beste Langläufer sein. Das sind gegensätzliche Sportarten, die sich nicht gut ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 2,49€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Sport Bild. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 10/2022 von Hertha ist der kaputteste Klub der Liga!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Hertha ist der kaputteste Klub der Liga!
Titelbild der Ausgabe 10/2022 von Inkompetenz fängt ganz oben an. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Inkompetenz fängt ganz oben an
Titelbild der Ausgabe 10/2022 von Die Brüder, die die Welt bewegen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die Brüder, die die Welt bewegen
Titelbild der Ausgabe 10/2022 von So sperrt die Sportwelt Russland wegen Putin aus. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
So sperrt die Sportwelt Russland wegen Putin aus
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
„Nur das Lenkrad ist gleich geblieben!“
Vorheriger Artikel
„Nur das Lenkrad ist gleich geblieben!“
Le Brons Lakers-Albtraum
Nächster Artikel
Le Brons Lakers-Albtraum
Mehr Lesetipps

... vertragen. Genau das ist f ür mich die Challenge, bei be iden so nah wie möglich ans Optimum zu kommen.

Karl, wie viele Minuten würden Sie in der Langlauf-Loipe über zehn Kilometer auf Vinzenz verlieren?

KARL: Mindestens zehn Minuten. Die ersten paar Kilometer könnte ich mithalten , dann würde mir das Laktat in die Oberschenkel schießen, sodass sie komplett platzen. Bis ich 13, 14 Jahre alt war, habe ich auch Kombination gemacht. Die Langlauf-Technik beherrsche ich.

Warum sind Sie ausschließlich zum Skispringen gewechselt?

KARL: Sich selbst beim Langlauf zu peinigen, bis dir schlecht wird – das war nichts für mich.

VINZENZ: Mir hat es von Anfang mehr Spaß gemacht, zwei Sportarten zu betreiben. Auch wenn bei mir zu Beginn das Springen besser lief. Ich habe nie daran gedacht zu wechseln. Müssen Skispringer weniger trainieren als Kombinierer?

VINZENZ: Ja!

KARL: Das ist mit Sicherheit so. Das Kilometerschrubben haben wir nicht – zum Glück. Bei uns geht es um Schnellkraft, Explosivität, Feingefühl und Technik. Da ist weniger oft mehr.

Wie viele Stunden trainieren Sie pro Woche?

VINZENZ: In der heißen Vorbereitungsphase im Mai und Juni circa 35 pro Woche.

KARL: Ich komme im Sommer auf 20 bis 30 Stunden pro Woche. Feierabend habe ich aber eigentlich nie. Auch in der Freizeit ist man Profi. Wenn ich Lust auf eine Berg-oder Langlauftour habe, muss ich immer überlegen: Darf ich das jetzt, oder ist das kontraproduktiv? Verliere ich dadurch meine Schnellkraft?

Dürfen Kombinierer mehr essen als Skispringer?

VINZENZ: Im Winter ja. Da muss ich sogar darauf achten, genug zu essen, um nicht abzunehmen. Wenn ich im Herbst aber nur Kraft trainiere, muss ich darauf achten, nicht zu schwer zu werden.

„Skispringer müssen weniger trainieren als Kombinierer“

Vinzenz Geiger

Ihr Wettkampfgewicht? VINZENZ: 69 Kilo.

KARL: Bei mir 64 Kilo. Ich habe zum Glück gute Gene. Ich kann gut und auch viel essen, ohne großartig zuzunehmen. Bei mir kommt so gut wie alles auf den Tisch, auch Nachtisch.

Skispringer stehen mehr im Blickfeld als die Kombinierer. Stört Sie das?

VINZENZ: Es wäre schön, wenn wir auch so ein Event wie die Vierschanzen-Tournee hätten – das würde die Aufmerksamkeit noch mal steigern.

Woran erinnern Sie sich als Erstes, wenn Sie an die Spiele in Peking denken?

KARL: An die Kälte (lacht).

„Skifliegen fühlt sich unglaublich geil an – freu dich drauf!“

Karl Geiger

VINZENZ: An die Ufo-Schanze. Ein beeindruckendes Bauwerk.

Das 200 Millionen Euro teuer war …

KARL: Sicher ist die Anlage überdimensioniert, aber die Veranstalter wollten etwas Besonderes darstellen, und das haben sie sehr gut hingekriegt. Die Schanze ist imposant, ich finde sie cool.

Sie hatten beide Startschwierigkeiten bei Olympia. Macht das die Erfolge umso schöner?

VINZENZ: Bei mir herrschte vor dem ersten Wettkampf das reinste Chaos. Ich saß im Flugzeug neben Eric Frenzel, der nach der Landung positiv auf Corona getestet wurde. Die Frage war: Bin ich auch positiv? Ich habe um meinen Start gezittert. Dann war ich allein im Zimmer, musste allein trainieren. Der Shuttle kam ständig zu spät und verfuhr sich. Dann ging ich mit großem Rückstand nach dem Springen ins Rennen. An eine Medaille habe ich nicht mehr gedacht. Aber dann war ich voller Adrenalin, vielleicht auch wegen des ganzen Ärgers zuvor.

KARL: Ich war erst schockiert, dann ernüchtert, dann verzweifelt. Ich kam als Führender im Weltcup, und dann standen auf einmal Platzierungen jenseits der 20 da. Die Schanzen sind speziell, man kriegt bei der Anfahrt zwei Schläge, verliert schnell den Körperschwerpunkt. Dazu die Höhenlage mit der dünnen Luft. Ich war komplett fertig, mit den Gedanken schon wieder zu Hause. Aber dann bin ich über mich hinausgewachsen. Bronze von der Großschanze war für mich wie Gold.

Wie schwer fällt es, nach dem Höhepunkt Olympia sofort wieder im Weltcup zu starten?

VINZENZ: Gar nicht! Es ist schön, wieder an normaleren Wintersport- Orten in Finnland und Norwegen zu sein. Zumal ja wieder Zuschauer dabei sind.

KARL: Ich habe auch keine Motivationsprobleme. Es gibt noch einige Ziele. Im Gesamtweltcup bin ich gut dabei. Dort am Saisonende oben zu stehen wäre ein Traum. Allerdings ist Ryoyu Kobayashi eine harte Nuss. Und bald ist ja schon die Skiflug-WM (10. bis 13. März; d. Red.), wo ich als Titelverteidiger starte. Mit dem Team haben wir da noch eine Rechnung offen. Mögen Sie die Schanze in Vikersund?

KARL: Sie hat ihre Tücken mit einer enormen Radiuskompression. Ich bin da schon 240 Meter weit geflogen, aber auch 136.

Sind Sie schon mal von einer Skiflugschanze gesprungen, Vinzenz?

VINZENZ: Bisher nicht, das ist ein Traum. Wahrscheinlich geht er Mitte März in Erfüllung. Vor dem Skiflug-Weltcup in Oberstdorf wird die Schanze eingeflogen. Da bekomme ich die Chance.

Nervös? 

VINZENZ: Sagen wir so: ordentlicher Respekt. Die Vorfreude ist größer als die Nervosität.

KARL: Skifliegen ist das Coolste, was es gibt. Die Luftkräfte sind deutlich größer. Und den Flug, was unsere Sportart ja ausmacht, kann man ein paar Sekunden länger genießen. Das fühlt sich unglaublich geil an. Freu dich drauf!