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Gelassen bleiben in den Wechseljahren


Professor Dietrich Grönemeyer - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 11.10.2019

Viele Frauen fürchten sich vor dem hormonellen Wandel. Doch neue Therapien und Naturheilmittel helfen ganz sanft in den neuen Lebensabschnitt


Artikelbild für den Artikel "Gelassen bleiben in den Wechseljahren" aus der Ausgabe 1/2019 von Professor Dietrich Grönemeyer. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Professor Dietrich Grönemeyer, Ausgabe 1/2019

Jede Frau erlebt ihre Menopause anders


Sie gehören zum Leben einer Frau wie der erste Kuss und die erste Liebe. Wenn die Eierstöcke aufhören, regelmäßig ein Ei heranreifen zu lassen, rutschen wir allmählich in die Wechseljahre. Viele Frauen sorgen sich vor dieser Reise ins Unbekannte, empfinden sie als Abschied von der Weiblichkeit. Sie stellen sich die bange Frage, wie es weitergeht, wenn die Östrogene, die bislang die Hauptrolle in ihrem Hormonhaushalt gespielt ...

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... haben, zu Statisten werden.

Zwar kommt die eine früher, die andere später in die Wechseljahre, doch meistens vollzieht sich der Wandel zwischen dem 45. und 50. Lebensjahr. In einer Zeit, die ohnehin schon geprägt ist von Veränderungen: Die Kinder verlassen ihr Nest, viele Frauen müssen lernen, loszulassen und sich in der Mitte ihres Lebens neu zu finden. In dieses Durcheinander platzen nun noch die Wechseljahre, die nicht gerade den besten Ruf haben.

Doch das Gute zuerst: Ein Drittel der Frauen in den Wechseljahren merken gar nichts oder nur sehr wenig vom Absturz der Hormone. Manche empfinden die Umstellung sogar als Befreiung, das Leben ohne Menstruation um ein Vielfaches leichter. Hinzu kommt, dass sich durch den Wegfall des Östrogens in der Regel Beschwerden wie Migräneattacken und Myome verflüchtigen. Das war’s dann leider schon mit den erfreulichen Aspekten der Wechseljahre. Die Mehrzahl der Betroffenen leidet – mal mehr, mal weniger – unter den vielfältigen Begleiterscheinungen: Hitzewallungen, Schlafstörungen und Schwindel. Manche fühlen sich ungewöhnlich erschöpft und ständig müde. Andere bedauern ihre nachlassende Libido, ihre zunehmende Körperfülle, Haarausfall oder trockene Haut. Auch die Knochen werden durch den Wegfall des schützenden Östrogens porös. Knochenschwund (Osteoporose) kann die Folge sein.

WIE DIE MUTTER, SO DIE TOCHTER

Was viele Frauen als besonders kräftezehrend empfinden, sind seelische Probleme. Und die gehen manchmal über schlechte Laune hinaus. Sie können in Form von Depressionen und Panikattacken auftreten und das Leben wirklich erschweren. Warum sich einige Frauen durch das Klimakterium schleppen, während andere hindurchspazieren, konnte mittlerweile wissenschaftlich nachgewiesen werden. „Demnach ist das Ausmaß der Beschwerden familiär bedingt“, erklärt Prof. Bernd Kleine-Gunk, Gynäkologe am Metropol Medical Center in Nürnberg. Heißt: Hat die Mutter gelitten, stehen meist auch der Tochter turbulente Zeiten bevor. Auch Frauen, die unter dem prämenstruellen Syndrom oder nach Schwangerschaften unter dem Babyblues gelitten haben, sind öfter betroffen.

Irina Weber* ist seit zwei Jahren in den Wechseljahren, und der Anfang war „einfach grauenvoll“, erinnert sich die Lehrerin. Überfallartig wurde sie mitten im Unterricht von einer Hitzewallung überrascht und stand „mit hochrotem Kopf und beschlagenen Brillengläsern vor den Schülern“. Und es kam noch schlimmer: „Manchmal fand ich gar nicht aus dem Bett. Da fühlte ich mich, als laste eine zentnerschwere Bettdecke auf mir.“ An Unterricht war an solchen Tagen gar nicht zu denken. Der Spuk hörte für die Lehrerin nahezu umgehend auf, als sie sich auf eine Hormontherapie einließ.

„Wechseljahre sind kein Schicksal, dem Frauen hilflos ausgeliefert sind“, so Prof. Kleine-Gunk, „bei starken Beschwerden kann eine Hormonersatztherapie helfen.“ Doch kaum etwas wurde in den vergangenen zwei Jahrzehnten kontroverser diskutiert als die Hormonersatztherapie (HRT). Abhandlungen darüber, den entstandenen Hormonmangel durch Medikamente auszugleichen, lesen sich wie eine Fieberkurve. Es geht rauf und runter. Die im Jahr 2002 veröffentlichte, viel beachtete Studie der amerikanischen Woman’s Health Initiative (WHI) bewertete die HRT als Risikofaktor für Brustkrebs, Herzinfarkt und Schlaganfall.

Jüngere Erkenntnisse zeichnen ein anderes Bild: Die Hormonbehandlung birgt vermutlich weniger Risiken als lange Zeit angenommen, urteilt die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Besonders für Frauen unter 60 Jahren, die nicht mit speziellen Risikofaktoren oder Vorerkrankungen wie Herzinfarkt oder Thrombosen belastet seien, würde der Nutzen der Hormone die Risiken überwiegen.

EIN RISIKO BLEIBT

Was ist der Grund für den Wandel? „In der WHI-Studie wurde der wichtige Faktor Alter nicht hinreichend berücksichtigt“, erläutert der Frauenarzt. Die 27.000 Probandinnen seien durchschnittlich bereits 65 Jahre alt gewesen. Schon deshalb sei ihr Risiko im Hinblick auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen höher gewesen. Würde man aber ausschließlich die Gruppe der deutlich jüngeren Studienteilnehmerinnen betrachten, scheinen die Hormone keine zusätzliche Gefahr für Herzerkrankungen oder Schlaganfälle darzustellen.

Als problematisch aber gilt nach wie vor das vermehrte Auftreten von venösen Thrombosen, also Blutgerinnseln in den tiefen Venen. „Das Risiko sinkt bei der Verabreichung von Östrogenen über die Haut, also per Pflaster oder Gel“, so Kleine-Gunk. Und für Brustkrebs? Hier scheint es aufgrund einer aktuellen Untersuchung Einschränkungen zu geben. Für seine Analyse zum Thema Hormonersatz, die in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht wurde, hatte ein internationales Forscherteam die Ergebnisse von 58 Studien mit Daten von knapp 500.000 Frauen in der Menopause zusammengefasst und neu bewertet. Danach erhöht die Hormontherapie das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, je nach Länge der Behandlung. Und das nicht nur zum Zeitpunkt der Einnahme. Sondern noch mehr als ein Jahrzehnt nach dem Absetzen der Medikamente.

Die Gabe von Hormonpräparaten ist für Kleine-Gunk auch deshalb nach wie vor keine Standardtherapie: „Sie sollte nur Frauen mit ernsten Beschwerden verordnet werden.“ Wichtig sei, dass eine solche Behandlung beginnt, bevor die körpereigenen Hormone ganz heruntergefahren sind – also zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr. Die Dosierung sollte „auf die Beschwerden abgestimmt werden“, so der Frauenarzt. Grundsätzlich gilt: Je weniger, desto besser! „Mehr als zwei Drittel aller Frauen sind völlig ausreichend behandelt, wenn sie die Hälfte jener Hormondosis nehmen, die noch vor 15 Jahren Standard war.“

Für Frauen mit leichteren Beschwerden gibt es pflanzliche Mittel (s. Kasten unten). Der beste Schutz ist vermutlich, zu akzeptieren, dass sich die Wechseljahre nicht verhindern lassen. Frauen sollten versuchen, entspannt zu bleiben, und sich öfter etwas Gutes tun. Denn wie heißt es so schön: Das Spiel wird im Kopf gewonnen.

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Anzeichen sind Müdigkeit, Erektionsprobleme, Konzentrationsstörungen und Nervosität. Schuld daran ist das Hormon Testosteron, das beim Mann Lust, Leidenschaft, Lebensfreude und Vitalität steuert. „Allerdings kann man das Thema Wechseljahre nicht eins zu eins auf den Mann übertragen. Der biologische Sinn der Wechseljahre bei der Frau ist die Beendigung der Fruchtbarkeit. Diese bleibt beim Mann auch noch im höheren Alter erhalten – zumindest theoretisch“, so Prof. Kleine-Gunk. „Was wir aber bei Männern ebenfalls beobachten, ist ein Absinken der Konzentration von Geschlechtshormonen – nicht im Sturzflug wie bei Frauen, sondern eher in einem sanfteren Sinkflug. Deshalb sind die Umstellungsprobleme nicht so gravierend.“ Bei starken Beschwerden empfiehlt der Experte auch bei Männern Hormongaben: „Genauso wie bei Frauen die Östrogene, so lassen sich auch bei Männern die Androgene ersetzen. Und zwar in Form eines Gels, das auf die Haut aufgetragen wird.“ Oft hilft auch schon eine Umstellung des Lebensstils. Das heißt: gesund ernähren, nicht rauchen, weniger Alkohol trinken. Ausdauersport, Krafttraining und Sex verlangsamen das Absinken des Testosteronspiegels.


Foto: Getty Images

Foto: Getty Images; Illustrationen: Shutterstock