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Geld, Macht und schöne Künste


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G Geschichte - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 14.01.2022

Die Medici

SERIE DYNASTIEN DES GELDES

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Bildquelle: G Geschichte, Ausgabe 2/2022

Sie spielen ganz oben mit Clemens VII. alias Giulio de? Medici (links im Bild) ist ab 1523 Papst. Ihm gelingt es, Familienmitglieder klug zu verheiraten: seinen wohl unehelichen Sohn mit der Tochter Kaiser Karls V. und eine Verwandte mit dem König von Frankreich in spe, Heinrich II.

Baldassare Cossa braucht Geld. Viel Geld. Und das dringend. Als Papst Johannes XXIII. verfügt er zu seinem Glück über so manche Schätze – darunter die Mitra preciosa, die reich mit Gold und Edelsteinen verzierte Kopfbedeckung der Päpste. Kurzentschlossen tut er, was heute wohl undenkbar wäre: 1412 überlässt er sie als Pfand für einen Kredit seinem Bankier. Dessen Name: Giovanni di Bicci de’ Medici.

Am Übergang vom Mittelalter zu Neuzeit war die Banco Medici in Florenz, was heute etwa die Deutsche Bank ist: eine der führenden Banken der Welt. Zu ihren Kunden zählten Großhändler, gekrönte Häupter und Päpste. Geschäfte mit diesen versprachen glänzende Gewinne und bargen zugleich das Risiko erheblicher Verluste. Die Medici schreckte das nicht ab. Sie drehten das große Rad, spielten mit dem Feuer. Würden sie sich die Finger verbrennen?

Um das Jahr 1150 ziehen die ...

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... Medici aus dem Mugello, einer ländlichen Gegend rund 40 Kilometer nordwestlich von Florenz, in die Stadt. Bald darauf steigen sie ins Bankgeschäft ein. Hundert Jahre später zählen sie zur lokalen Prominenz. Auf den großen Messen in der französischen Champagne, wo sich Händler aus ganz Europa treffen, garantieren Geldhäuser wie das der Medici reibungslose Geschäfte. Sie tauschen die zahlreichen Währungen Europas ineinander um und veranlassen Überweisungen.

Am Aufstand der Unterklasse beteiligt sich ein Medici — ein fataler Fehler

Während die Geschäfte auch weiterhin florieren, gärt es in Florenz. Die Stadt ist offiziell eine Republik, doch fühlen sich große Teile der Bevölkerung politisch nicht ausreichend vertreten. Zwischen 1378 und 1382 wagen die Ciompi, die Wollkämmerer, und andere Handwerker den Aufstand. Fast wie ein Volkstribun stellt sich ihnen auch Salvestro de’ Medici an die Seite. Doch der Aufstand wird von den führenden Schichten der Stadt niedergeschlagen. Für die Medici ist das fatal: Von nun an gilt die Familie als unzuverlässig und es wird anrüchig, mit ihnen Geschäfte zu machen. Sie erhalten ein Verbot, sich politisch zu betätigen.

Beinahe wäre die Geschichte der Medici damit schon zu Ende gegangen. Doch einige wenige Zweige der großen Familie bleiben vom Bann verschont. Dazu gehört der Bankier Vieri di Cambio de’ Medici, der vor allem in Rom tätig ist. Bei ihm arbeitet sein Neffe Giovanni di Bicci de’ Medici. Mit ihm beginnt der spektakuläre Wiederaufstieg der Familie. Im Jahr 1385 ernennt Vieri di Cambio seinen Neffen zum Geschäftsführer der römischen Filiale, später wird er mit 33 Jahren Eigentümer. 1397, zwei Jahre nach dem Tod seines Onkels, transferiert er den Sitz des Hauses zurück nach Florenz. Obwohl Großbanken wie die der Medici den Fernhandel finanzieren, bleibt Rom das wichtigste Standbein der Bank: Von den 150 000 Florin, die die Bank zwischen 1397 und 1420 als Gewinn verbuchen kann, stammt nach Berechnungen des Medici-Historikers Raymond de Roover mehr als die Hälfte aus Rom, besonders aus Geschäften mit der Kurie.

Lukrative Kreditvergaben und ein mächtiger Posten

Dabei befindet sich das Papsttum Ende des 14. Jahrhunderts eigentlich in der wohl schwersten Krise seiner Geschichte. Nach einem kircheninternen Streit – und unterstützt vom französischen König – wählt ein Teil des Kardinalskollegiums 1378 einen neuen Papst, obwohl der bisherige noch im Amt ist. Zwei Päpste beanspruchen nun, die katholische Kirche zu führen. »Die Geldströme, die einst sehr üppig geflossen sind, waren nun halbiert. Zudem drohten in Italien Kriege und andere Auseinandersetzungen. Kurzum: Der Papst brauchte Kredite«, erklärt der Medici-Experte Volker Reinhardt von der Universität Fribourg in der Schweiz gegenüber G/GESCHICHTE. Und damit können die Medici dienen.

Noch lukrativer als die Kreditvergabe an den Heiligen Stuhl ist zu dieser Zeit nur die Position des Generaldepositars der Apostolischen Kammer – gewissermaßen der päpstliche Finanzminister. Und genau dazu ernennt Johannes XXIII. die Medici 1413, ein Jahr, nachdem er ihnen bereits seine Mitra verpfändet hat. Von nun an be-ziehen die Medici auch eine Gebühr auf Transaktionen der Kurie. So müssen etwa neu ernannte Bischöfe ihre Einnahmen während ihres ersten Amtsjahres nach Rom überweisen – und die Generaldepositare erhalten einen Abschlag. Den Gewinn setzen die Medici in ihrer Heimat in politischen Einfluss um. Giovanni di’ Biccis Sohn Cosimo, genannt il Vecchio, der seit 1420 die Geschicke der Firma leitet, wird 1434 de facto zum Herrscher von Florenz. Dennoch: Die republikanische Fassade bleibt. Der Anhänger des Humanismus ist außerdem ein bedeutender Mäzen, er fördert Künstler und die Kirche gleichermaßen.

Der Aufstieg der Medici führt im 15. Jahrhundert zu einer überraschenden Schwierigkeit: Wohin mit all dem Geld? In der Wirtschaft des ausgehenden Mittelalters sind die Anlagemöglichkeiten beschränkt. Ohnehin schon stark im Geschäft mit der Kurie engagiert, vergibt die Medici-Bank immer größere Kredite auch an weltliche Herrscher. Doch was geschieht, wenn Päpste und Könige ihre Kredite nicht mehr tilgen können oder wollen?

Eine erste Krise bahnt sich mit dem Konzil von Konstanz an. Zu dieser Zeit gibt es sogar drei Päpste, eine Spaltung der Kirche droht. Deshalb setzt die in Konstanz versammelte geistliche Führungsriege 1417 alle drei amtierenden Päpste ab. Und damit auch Johannes XXIII., den Medici-Freund auf dem Heiligen Stuhl. Während die Medici mit dieser Krise noch gut umgehen können – auch der folgende Papst beruft sie nach kurzer Zeit wieder als Generaldepositare – treffen mehrere große Katastrophen ein halbes Jahrhundert später die Bank der Medici bis ins Mark.

Zuerst eskaliert die Lage in England. Dort haben die Medici den Export von Wolle finanziert. Doch die Engländer verkaufen immer weniger Wolle ins Ausland, schließlich erlassen sie gar ein Exportverbot. Ihr Ziel: Die Verarbeitung zu kostbaren Wolltüchern soll im eigenen Land stattfinden. Ihrer traditionellen Anlagemöglichkeit beraubt, leiht die Londoner Medici-Filiale nun dem englischen König Eduard IV. große Summen. Als der jedoch im Verlauf der Rosenkriege aus dem Land fliehen muss, hat er andere Sorgen, als seinen Kredit zu tilgen.

Abschied von der Welt des Handels und der finale Aufstieg in Adel und Papsttum

Noch schlimmer ergeht es der Medici-Filiale in Brügge im heutigen Belgien. Die gewährt dem glänzenden Hof Karls des Kühnen in Burgund großzügig Kredit. Doch Karl stirbt im Jahr 1477 auf dem Schlachtfeld – das eingesetzte Kapital ist größtenteils verloren. »Die Katastrophe kam einerseits völlig unerwartet, zeigte aber auch, wie gefährlich das Bankgeschäft werden konnte«, sagt der Medici-Historiker Volker Reinhardt. »Die Medici und andere Familien, etwa die Fugger, versuchten deshalb anschließend, ihre Engagements zu verringern.«

Doch auch in Florenz selbst stehen die Zeichen auf Sturm: Französische Truppen besetzen 1494 die Stadt. Die Medici, die deren Gegner in Neapel unterstützt haben, werden aus der Stadt vertrieben. Das läutet das Ende ihrer Bank ein.

Die Medici können es verkraften. Immer mehr haben sie in den Jahrzehnten zuvor die Welt von Handel und Banken hinter sich gelassen und stattdessen in alteingesessene Adelsfamilien eingeheiratet. Als die Medici später nach Florenz zurückkehren, tun sie das nicht mehr als einfache Bürger, sondern als frisch gekürte Herzöge der Toskana. Auch dem Heiligen Stuhl bleiben sie treu – nun nicht mehr als Generaldepositare, sondern als Päpste: 1513 wird Giovanni de’ Medici als Leo X. gekrönt. Und wer weiß: Vielleicht ließ er sich dann jene Mitra preciosa zeigen, die sein Vorgänger Johannes XXIII. einst, als alles begann, Giovanni di Bicci als Pfand überlassen hatte.

LESETIPP

Volker Reinhardt: »Geld und Freunde. Wie die Medici die Macht in Florenz eroberten«. Primus 2014, € 13,99

Einflussreiche Bankiers

Giovanni de’ Medici Sie sind Papst: Als Leo X. sitzt er ab 1513 als erstes Familienmitglied auf dem Heiligen Stuhl

Cosimo de’ Medici Ab in die Politik: 1434 ist er quasi der Herrscher von Florenz

Giovanni di Bicci de’ Medici Er gründet 1397 die Banco Medici. Damit legt er den Grundstein für die Erfolgsgeschichte der Dynastie