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GELEBTE REITKULTUR:DOMA DE Campo


Feine Hilfen - epaper ⋅ Ausgabe 36/2019 vom 09.08.2019

Die „Doma de Campo“ ist eine Reiterei, die sich über Jahrhunderte auf den Feldern Südspaniens und Portugals entwickelt hat. Wir möchten uns mit ihr etwas näher beschäftigen und blicken auf Herkunft und Hintergründe dieser Arbeitsreitweise, die zu den heutigen Turnierdisziplinen „Working Equitation“ und „Doma Vaquera“ führte. Arbeitsreitweisen gehören zu der ältesten Art des Reitens. Spricht man hier von einer „Modeerscheinung“, so verpasst man die Tiefgründigkeit und das wertvolle Wissen dieser Kunst, mit Pferden zu leben und zu arbeiten.


Das Arbeitsreiten auf der Iberischen Halbinsel beinhaltet eine ...

Artikelbild für den Artikel "GELEBTE REITKULTUR:DOMA DE Campo" aus der Ausgabe 36/2019 von Feine Hilfen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Feine Hilfen, Ausgabe 36/2019

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Das Arbeitsreiten auf der Iberischen Halbinsel beinhaltet eine Dressur der Pferde, die aus der Notwendigkeit der Ausführung von täglich anfallenden Arbeiten großer Pferde- und Rinderzuchten entstanden ist. In dieser Arbeit wurden und werden auch heute noch halbwild lebende Herden mit Unterstützung der Pferde betreut.
Die Iberer gelten seit jeher als ein geschicktes und hervorragendes Reitervolk. Bereits 400 Jahre vor Christus kann den Schriften des Griechen Xenophon, dem Verfasser der ersten Aufzeichnungen über die Reitkunst, entnommen werden, wie beeindruckt er von Pferden und Reitkünsten der Reiter dieser Halbinsel war. Die „Doma Vaquera“ und die „Equitação de Trabalho“ sind Ausdruck der Lebensauffassung ihres Landes und ihrer Menschen. Sie drücken Temperament und Leidenschaft aus. Ihre Faszination spiegelt sich in Ehrlichkeit und „Pureza“, einer Schlichtheit und Authentizität, wider. Die Doma Vaquera erweckt Feuer, Leidenschaft, Energie und Dynamik zum Leben, gleich dem Andalusier, dem Bewohner des Süden Spaniens. Die „Equitação à Portuguesa“, wie die traditionelle portugiesische Reitkunst genannt wird, wie auch die dazugehörige „Equitação de Trabalho“ zeigen Tiefgründigkeit und Passion, die ebenfalls im Fado, dem traditionellen portugiesischen Gesang zum Ausdruck kommen. Beide Völker entwickelten in ihrer Vergangenheit ein gutes Gespür für die Natur der Pferde. Allen voran ist es das Herz, die Liebe, eine tiefgreifende Leidenschaft zur Reitkultur und eine Verbundenheit mit Pferden, die allesamt auf der Iberischen Halbinsel gelebt und geritten zum Ausdruck kommen. Iberiens Rinderhirten haben daher bis heute ein ganz spezielles, intuitives Gespür für ihren Partner „Pferd“.

Angelika Graf auf PRE Señorito Andaluz.


Manuela Schmidt

Die in diesem Artikel in den Kästen ausgeführten Trailhindernisse schulen Wendigkeit und Geschicklichkeit bei Pferd und Reiter. Es sind typische Trailhindernisse aus der Working Equitation. Sie leben durch schnell aufeinanderfolgende Richtungswechsel, gepaart mit Übergängen der Gangarten. Daraus entsteht das Flair und die Dynamik der Arbeitsreitweise. Spannend dabei ist, dass diese Art der Arbeit für jeden Reiter und jedes Pferd nützlich ist. So kann beispielsweise der schwierige Übergang „Galopp-Schritt“ spielerisch in den Trailhindernissen trainiert werden. Freude und Leichtigkeit in der Ausführung stellen sich auf diesem Weg schnell ein und motivieren zu mehr!

Eine Lebensphilosophie

Stunde um Stunde verbringt ein Vaquero auf seinem Pferd, um die täglichen Arbeiten erledigen zu können, die in einer Rinderzucht anfallen. Sonnenauf- und -untergang bestimmen die Arbeitszeiten. Der Rinderhirte ist ein Vertreter genau dieser Dressur, die uns beschäftigt. Um seine Aufgaben als Reiter besser verstehen zu können, ist es gut, seine Umgebung und seine Umwelt kennenzulernen, aus der sich seine Arbeiten entwickelt haben. Lernen wir also die alltäglichen Dinge kennen, die ihn im Laufe seines Tages umgeben: Arbeits- reitweisen sind in ihren Ursprungsländern nicht nur „Reitweisen“, sondern Ausdruck des Lebens selbst. Sie spiegeln Lebensphilosophien von Mensch und Tier wider. Sie sind geprägt durch die Mentalität von Land und Leuten. Und sie beinhalten eine Lebensauffassung, in der der Respekt gegenüber Mensch und Tier sehr hoch geschätzt wird.

Tuschezeichnungen: Christine Gräper


Die Inspiration der „Doma de Campo“

Im Laufe der Zeit hat sich das Arbeitsreiten verstärkt von den Feldern auf die Reitbahnen verlagert. So fand ein exakteres Wissen um Feinheiten in Theorie und Technik Einzug in diese Art zu reiten. Alte Vaqueros behaupten, dass dadurch das Arbeitsreiten seine Reinheit, seine Natürlichkeit, die sie mit dem Begriff „Pureza“ beschreiben, sowie ihren Biss und Scharfsinn, „Pellizco“ genannt, verlieren. Auf der anderen Seite ermöglichen die Wettkämpfe in diesen Disziplinen aber auch den Erhalt rückläufiger Traditionen in der Arbeit mit dem Pferd beim Betreuen der Rinder. In der ursprünglichen, rudimentären „Doma de Campo“, in der auf offenem Terrain das Hüten der Stiere mit Pferden ausgeführt wurde, zählte eben nur, dass anstehende Arbeiten ausgeführt wurden.
Die folgenden Beispiele zeigen, wie die Lektionen aus den Wettkämpfen eine logische Erklärung in den Aufgaben der Hirten zu Pferde finden. Nahezu alle Lektionen sind täglichen Arbeiten nachempfunden, die das Beobachten, Überwachen und Hüten von Rinderherden mit sich bringen. Die Lebendigkeit, das schnelle Zulegen im Galopp, um einem Rind zu folgen, das schnelle Stoppen, um die Richtung zu ändern, oder auch, um das Rind von einer Richtungsänderung abzuhalten, all das sind Elemente, die täglich beim Hüten von Rindern benötigt werden.
So musste ein Vaquero beispielsweise mit seinem Pferd spontan einzelne Schritte seitwärtstreten, um ein Gatter, das oft aus Draht bestand, zum Öffnen und Schließen auf die Seite zu ziehen. Es ging dabei nicht um die korrekte Stellung und Biegung des Pferdes, anhand derer die Aufgabe erfüllt wurde, sondern darum, dass das Gatter korrekt bedient wurde, ohne dass Rinder entkommen konnten. Oft musste aber auch das Gatter schnell genug geöffnet werden, um eine herankommende Herde passieren zu lassen. Jeder Seitwärtstritt musste exakt platziert sein, sodass sich das Gatter gefahrlos bedienen ließ. In erster Linie ging es hierbei also nicht um Schönheit der Ausführung, sondern um Nützlichkeit.
Die Lektion „Tritte rückwärts und daraus angaloppieren“ findet ihre Begründung im Zurückführen eines einzelnen Stieres zu seiner Herde. Ein versprengtes Tier, das den Schutz der Herde verloren hat, ist immer in einer unsicheren und angespannten Situation. Die Aufgabe des Vaqueros ist es, das verlorene Tier zu seiner Herde zurückzubringen. Ein einzelner Stier ist nervös, aufgeregt und angriffsbereit. Reitet der Vaquero direkt auf ihn zu, so fühlt sich der Stier bedroht und verteidigt sich, ohne zu zögern. Da aber ein erfahrener Vaquero das Verhalten dieser agilen Rinder kennt, verändert er die Position: Er bewegt sich mit seinem Pferd rückwärts auf ihn zu und weist ihm dadurch den Weg zu seiner Herde. Auf diese Art und Weise fühlt sich der Stier nicht angegriffen, bewegt sich in die für ihn freie Richtung und kann zu seiner Herde zurückkehren. Dreht der Stier und attackiert, so sprintet das Pferd im Galopp nach vorne los und verlässt so schnell und unmittelbar die Gefahrenzone. Diese Aufgabe wird also mit einem Wechsel zwischen Rückwärtsauf- den-Stier-Zugehen und der Möglichkeit des spontanen Fliehens vor der Gefahr gelöst.

In großen Zuchten werden die Herden der Jungrinder nach Alter und Geschlecht selektiert. Die Vaqueros sind dabei darauf bedacht, die Herde so wenig wie möglich in Aufruhr zu versetzen. Nichtsdestotrotz kommt es vor, dass Rinder in Panik Umzäunungen oder Gräben überwinden. Vaqueropferde dürfen bei der Verfolgung nicht zögern, sie müssen Geländeunwegsamkeiten passieren, wie auch Gräben überspringen oder enge Brücken im Galopp überwinden, um die Rinder wieder kontrolliert zu führen und zu sortieren. Die Pferde dürfen bei diesen schnellen Manövern nicht hektisch und unkontrollierbar werden. Sie müssen immer mit dem Vaquero zusammenarbeiten, um die Rinder in die richtige Richtung zu leiten. Diesen realen Notwendigkeiten ist das Überwinden verschiedener Hindernisse aus dem Trailparcours der Working Equitation nachempfunden, wie beispielsweise der Sprung über Strohballen und das Überqueren einer Brücke. Ihr Ursprung lässt sich also leicht nachvollziehen.
All diese Beispiele zeigen die Logik des Arbeitsreitens. Alles hat Grund und Ursache und ruft eine Wirkung hervor.
Zuschauer können heutzutage in Wettbewerben der Working Equitation und auch der Doma Vaquera die Anmut und Schönheit eines Rittes erleben, der diese sagenhafte Verbindung, „eins zu sein mit dem Pferd“, ausdrückt. Dagegen hat die Kunst eines Vaqueros mit seinem Pferd auf den Feldern nur Sonne und Mond als Zuschauer und Zeugen. Doch für alle diese Künste gilt ein und dasselbe tiefe Verständnis, das beide Lebewesen füreinander empfinden – eines, das in der Schlichtheit der Erfüllung in der Arbeit mit den „Toros bravos“ (spanisch für „Kampfrinder“) entsteht. Allerdings existiert ein grundlegender Unterschied zwischen den realen Arbeiten auf dem Feld mit den Stieren und dem Trainieren in der Arena. Im Viereck werden Lektionen und Aufgaben trainiert, mit verfeinerter Technik und detaillierterem theoretischem Wissen über die Hilfengebung. Dabei geschieht es immer wieder, dass sehr viel trainiert wird und im entscheidenden Moment, in einer Prüfung beispielsweise, das Geübte nicht abgerufen werden kann. In der Arbeit mit den „Toros bravos“ kann ein „Nichtfunktionieren“ eine große Gefahr für Pferd und Reiter darstellen, dann liegen Leben und Tod sehr nahe zusammen.

Aus der Trailarbeit: Sechs Übungen für die Praxis

Faszinierend an der Arbeit in den Trailhindernissen ist das weite Trainingsspektrum, das sie bieten. Einerseits kann ein Anfänger oder ein junges Pferd eine Orientierung finden, und andererseits kann auf einem hohen fortgeschrittenen Level in einer Punktgenauigkeit trainiert werden, die ihresgleichen sucht. Der Schwierigkeitsgrad variiert mit der Aufstellung und der Gangart, in der die Trailhindernisse absolviert werden. Großzügig gewählte Abstände erleichtern die Aufgaben, ebenso wie eine Ausführung im Schritt oder Trab. Mit dem Galopp steigt die Anforderung.

ÜBUNG NR. 1: TOR, GATTER – GEHORSAM & GESCHICKLICHKEIT

Wie wird’s geritten?
Das Pferd geht vorwärts durchs Tor: Das Tor wird im 90-Grad-Winkel angeritten. Grundsätzlich wird das Tor mit der rechten Hand geöffnet, durchritten und geschlossen. Alles soll in einem fließenden Ablauf ausgeführt werden ohne ein Zögern vonseiten des Pferdes und ohne, dass die Reiterhand vom Gatter ablässt. Im Prinzip soll der Reiter es so selbstverständlich ausführen, wie wenn er eine Türe öffnen, durchgehen und sie wieder schließen würde.
Die Eleganz, mit der das Paar die Aufgabe ausführt, sowie der Gehorsam des Pferdes spielen eine ausschlaggebende Rolle.

Der Reiter reitet senkrecht auf das Tor zu. Die Hinterhand wird gedreht, das Paar hält parallel zum Tor an. Mit der rechten Hand fasst der Reiter das Tor am Griff und schiebt es, um es zu öffnen, von sich weg. Das Pferd geht vorwärts durch das geöffnete Tor und dreht sich um das Tor, wobei der Reiter mit der rechten Hand am Tor bleibt. Nach dem Durchreiten schiebt der Reiter mit der Hand das Tor zu, dabei geht sein Pferd in Seitwärtstritten zum Tor hin und bleibt erneut parallel dazu stehen.

ÜBUNG NR. 2: DREI TONNEN ODER FÄSSER – VERSAMMLUNG & RICHTUNGSWECHSEL

Wie wird’s geritten?
Drei Tonnen werden zu einem gleichseitigen Dreieck aufgestellt. Der Abstand der Tonnen beträgt für Turnierprüfungen je nach Leistungsklasse drei bis sechs Meter. Es wird jeweils von der Tonnenmitte aus gemessen.
Zwischen Tonne eins und drei wird eingeritten. Auf der rechten Hand wird die Tonne 1 komplett eineinviertel Mal umrundet. Mittig, im 90-Grad-Winkel zu einer gedachten Abstandslinie beider Tonnen, erfolgt der Wechsel. Die zweite Tonne wird mit einer Dreiviertelvolte auf der linken Hand geritten. Mittig zwischen Tonne zwei und drei, erneut im rechten Winkel zu der Abstandslinie zwischen den Tonnen, erfolgt der zweite Wechsel.
Anschließend wird die dritte Tonne auf der rechten Hand komplett eineinviertel Mal umrundet. Das Hindernis wird zwischen Tonne drei und eins verlassen.

ÜBUNG NR. 3: GEGENSTAND UMSETZEN – GALOPP-STOPP-GALOPP

Wie wird’s geritten?
Zwei Stangen, ähnlich den Slalomstangen, werden in einem Abstand von zirka 1,20 Meter zueinander aufgestellt. Auf einer der Stangen ist ein Gegenstand, beispielsweise ein Becher, ein Glas oder auch eine Jacke platziert. Der Reiter reitet das Hindernis im Schritt an, stoppt zwischen den Stangen, sodass er leicht den Gegenstand greifen und auf die andere Stange setzen kann. Die Richtung ist vorgegeben: Da die zügelführende Hand die linke ist, muss der Reiter das Glas mit der rechten Hand von links nach rechts setzen. Das Pferd steht dabei ruhig und geschlossen auf allen vier Beinen. Das Hindernis verlangt Gehorsam und einen punktgenau gerittenen Stopp wie Antritt.

ÜBUNG NR. 4: PARALLEL-SLALOM – MEINE ABSOLUTE LIEBLINGSÜBUNG

Wie wird’s geritten?
Parallel zueinander, jedoch im Abstand versetzt, wird eine ungerade Anzahl an Stangen zu einem Parallel-Slalom aufgestellt. Empfehlenswert sind fünf bis sieben Stangen, zu Beginn in einem Abstand von acht bis zwölf Meter zueinander. Sie sollen in einer exakten Linienführung, mit halben Volten um die Slalomstangen, in allen Gangarten gearbeitet werden. Spannend ist es natürlich, sie im Galopp mit fliegenden Wechseln elegant zu durchreiten.
Perfekt ist das Ganze, wenn alle Wechsel exakt auf dieser gedachten Mittellinie gesprungen werden und alle Bögen um die Stangen die gleiche Größe haben.

ÜBUNG NR. 5: AUFBAU EINES FLIESSENDEN PARCOURS

Fließende Trailhindernisse, in einer Art „Zirkeltraining“ aufgestellt, können zur Einführung nur auf der linken Hand und anschließend mit einem einfachen Richtungswechsel über das Hindernis 4, „Becher umsetzen“, auf der rechten Hand ausgeführt werden. Diese Schlichtheit und Gleichmäßigkeit lassen eine vertrauensvolle Basis wachsen.
Die Anforderung wird gesteigert, wenn der Reiter beispielsweise den „Parallel-Slalom“ mit Übergängen „Trab-Schritt-Trab“ ausführt, anschließend zu den zwei Tonnen trabt, diese mit einem Übergang zum Schritt am Wechselpunkt ausführt, um in der Folge die „Drei Tonnen“ zu absolvieren. Schließlich wird über das Hindernis „Becher umsetzen“ die Hand gewechselt und die Hindernisse in der gleichen Weise auf der anderen Hand gearbeitet. Nach drei bis vier Durchläufen wird der Reiter feststellen, wie routiniert beide in der Abfolge werden. Haben Pferd und Reiter den nötigen Ausbildungsstand, so steht einer Ausführung im Galopp nichts im Wege!

1. Parallel-Slalom, 2. Acht in zwei Tonnen, 3. Drei Tonnen, 4. Becher umstellen, 5. Parallel-Slalom

ÜBUNG NR. 6: VARIATIONEN IM AUFBAU – KONZENTRATION IST GEFRAGT!

Alle technischen Zeichnungen


Angelika Graf

Der einfache Parcours kann sehr leicht durch die Brücke und auch das Tor erweitert werden. So werden die Anforderungen an das Pferd-Reiter-Team erhöht. Hier gilt es, trotz der Brücke und dem Tor, den Bewegungsfluss im Parcours zu erhalten und in der Ausführung einen guten Rhythmus zu finden.

Der Reiter startet mit dem „Parallel-Slalom“. Anschließend reitet er das „Tor“ senkrecht an und dreht, sodass er parallel dazu zum Halten kommt. Er führt es aus und reitet weiter zu den „Drei Tonnen“. Das Paar bleibt im Rhythmus auf dem Weg zur „Acht in zwei Tonnen“. Anschließend pariert der Reiter vor der Brücke durch. Bei diesem einfachen Ablauf geht es sozusagen einmal im Uhrzeigersinn um den Parcours. Über das Hindernis „Becher umstellen“ kann er die Hand wechseln und die Hindernisse in der umgekehrten Reihenfolge absolvieren. Auf diese Weise kann der Reiter lernen, sich Abfolgen zu merken.
1. Parallel-Slalom, 2. Tor/Gatter, 3. Drei Tonnen, 4. Acht in zwei Tonnen, 5. Brücke, 6. Becher umstellen

BUCHTIPPS:

Angelika Graf
Working Equitation Basics

Angelika Graf Verlag, € 44,90
ISBN: 978-3-981-46412-2

Angelika Graf
Working Equitation Advanced

Angelika Graf Verlag, € 44,90
ISBN: 978-3-981-46413-9

Erhältlich im Doppelpack: € 82,50

Sowohl Training als auch das „Nichtfunktionieren“ kann zu schweren Verletzungen führen.
Das bedeutet: Das Fundament der Zusammenarbeit entwächst einer respektvollen Grundhaltung von Pferd und Reiter, basierend auf einem „Aufeinander-angewiesen-Sein“.
In der Übertragung dieser Arbeiten auf ein Training im Viereck geht sehr leicht der Sinn der Lektionen verloren. Stete Wiederholungen, um die Übungen zu verbessern, können Langeweile und Eintönigkeit aufkommen lassen. Dadurch verliert sich die notwendige Inspiration, die unweigerlich durch die Konfrontation mit dem „Toro bravo“ entsteht. Der Unterschied im Detail ist: Im Viereck werden die Lektionen aneinandergereiht und trainiert, dabei können die Übungen jederzeit unterbrochen und neu begonnen werden.
Die Abfolge der Übungen gibt der Reiter vor. Im Gegensatz dazu ist das Aufeinanderfolgen von Bewegungen gegenüber den Rindern intuitiv und spontan. Steht der Vaquero einem Stier gegenüber, so hat er eine Idee von seiner Aufgabe im Kopf, die Ausführung geschieht unwillkürlich. Dieses intuitive, oft auch improvisierte Reagieren bringt die Inspiration, die die Rinderarbeit beinhaltet.
Der Geist, dem die „Doma de Campo“ entspringt, soll bewahrt und in das Viereck übertragen werden. Er ist es auch, der Inspiration und Lebendigkeit mit einer feineren Technik kombiniert, zudem lässt er Traditionen und eine natürliche Art, über den Sitz zu reiten, weiterleben.

Persönliche Gedanken und Erfahrungen

ANGELIKA GRAF


Manuela Schmidt

…ist seit ihrer Kindheit von der Ästhetik der Doma Vaquera und der Equitação à Portuguesa fasziniert. Die Liebe der Verlegerin zur traditionellen Arbeitsreiterei begründet sich vor allem in der Leichtigkeit, Freude und Eleganz dieser Reitkultur. Sie sind für sie immer wieder eine Quelle der Inspiration, die sie mit großer Leidenschaft in ihren Büchern weitergibt.

Mehr unter:
www.angelikagraf-verlag.de

Die Grundgedanken der traditionellen Hirtenreiterei in unsere Gegenwart übersetzt, eröffnen uns ein lebendiges und gesunderhaltendes Arbeiten mit dem Pferd, das ebenso motivierend wirkt, wie es auch Spaß und Freude bringt. Es ist ein kostbares Wissen, das viel zu wertvoll und umfangreich ist, als dass es in Vergessenheit geraten darf. Die Anwendung bringt gesunde und charakterstarke Athleten hervor, die stets dem Menschen zugewandt sind, mit Stolz und Freude ihre Aufgaben erfüllen.
Die Arbeitsreiterei ist Schulung von Körper und Geist für Mensch und Pferd. Es liegt an uns, die Pferde, diese edlen Geschöpfe an unserer Seite, in ihrer ganzen Schönheit strahlen zu lassen.


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