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Geliebt, geehrt, gegessen: Tiere in anderen Kulturen


Ein Herz für Tiere - epaper ⋅ Ausgabe 11/2020 vom 16.10.2020

Andere Länder, andere Sitten – dieses Sprichwort trifft auch auf das Verhältnis zu Tieren in aller Welt zu. Ein Blick über unseren eigenen Tellerrand hinaus gibt Einblick in andere Kulturen und deren Umgang mit unseren Mitlebewesen


Artikelbild für den Artikel "Geliebt, geehrt, gegessen: Tiere in anderen Kulturen" aus der Ausgabe 11/2020 von Ein Herz für Tiere. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Ein Herz für Tiere, Ausgabe 11/2020

HEILIGE KUH In Indien werden Kühe verehrt. Sie leben meist frei auf den Straßen


STATT SUPERMARKT Die Hadzabe sind eines der letzten Jäger-und-Sammler-Völker Afrikas. Es werden nur Tiere gejagt, die man für den Verzehr braucht


EXOTISCHES FLEISCH Auf asiatischen Märkten wird neben Katzenund Hundefleisch auch Schlange angeboten


Deutschland ist das Hunde- und Katzenparadies. Katzen ...

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... sind mit rund 13,4 Millionen Tieren die beliebtesten Haustiere. Auf Platz 2 sind die Hunde, von denen etwa sechs Millionen hier gemeinsam mit Herrchen oder Frauchen leben. Keine Frage: Rex, Waldi, Mauzi und Mietze haben es sehr gut bei uns. Streicheleinheiten, Leckerlis, Freilauf oder Gassi-Runden stehen hoch im Kurs, um die Fellnasen artgerecht zu versorgen. Allein für Katzenstreu wurden im vergangenen Jahr 282 Millionen Euro hingeblättert. Und jeder, der einen flauschigen Vierbeiner bei sich zu Hause hat – ganz egal, ob Hund, Katze, Meerschweinchen oder Hamster – der weiß: Ihre Treue und Zuneigung sind unersetzbar. Sie sind bester Freund, Kumpel, Familienmitglied.

In anderen Ländern, vor allem in Südostasien, landen Hunde und Katzen eher im Kochtopf als auf dem Sofa. Insgesamt 13 Länder sind bekannt dafür, dass sie immer noch Hundefleisch konsumieren. Neben Vietnam kommt es auch in China, Südkorea und Indonesien auf den Tisch. Der Handel und Konsum von Hundefleisch in Asien wird jedoch zunehmend öffentlich diskutiert, denn die Kritik am qualvollen und langsamen Töten der Hunde, um dem Fleisch eine besonders wärmende Energie zu verleihen, wird in der westlichen Welt immer lauter. Das ebenso brutale Geschäft mit Katzenfleisch ist hingegen noch relativ unbekannt. Dabei spielen Katzen eine besondere Rolle in Vietnam: Seit Tausenden von Jahren unterstützen sie die Bauern beim Schutz ihrer Getreidepflanzen und bei der natürlichen Reduktion des Nagetieraufkommens. Heute sind jedoch nach Angaben der Tierschutzstiftung Vier Pfoten über eine Million Katzen dem Handel und einer grausamen Schlachtung ausgesetzt. Sie werden dann als „thit mèo“ in Restaurants angeboten. Die Tierschützer fordern strenge Tierschutzgesetze, die das Fangen, Schlachten und Essen von Hunden und Katzen verbieten.

Alles anders woanders

Doch nicht nur Hunde- und Katzenfleisch kommt in anderen Ländern auf den Tisch: In afrikanischen Ländern werden auf den Märkten viele verschiedene Tiere zum Verzehr angeboten: In der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa findet man dort fast alles – angefangen bei geräucherten Affen bis zu gerösteten Schlangen. Krokodil, Boa, Schildkröte und Antilope stehen auf der Speisekarte. Hier gibt es eine einfache Regel: Was sich bewegt, kann gegessen werden. Auch in Asien werden viele verschiedene Tiere tot oder noch lebendig angeboten. Ob Fledermäuse oder Kröten, Schlangen oder das am meisten auf der Welt illegal geschmuggelte Schuppentier – das Angebot ist umfangreich. Die so genannten „Wet Markets“ gerieten nun aufgrund der Corona-Pandemie in den Fokus und die Kritik. Abgesehen von der hohen Gefahr, dass Krankheiten und Viren verbreitet werden können, sind viele der dort angebotenen Tierarten vom Aussterben bedroht. Mittlerweile hat China ein Gesetz erlassen, das verbietet, Wildtiere zu handeln und zu verspeisen. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Verbot eingehalten wird – dann gibt es für viele Arten noch eine Chance.

GLÜCKSBRINGER Das Zirpen von Heuschrecken soll in Shanghai für Glück sorgen


ELENDE ZUSTÄNDE Egal ob in Afrika oder Europa: Überall auf der Welt werden Tiere auf engstem Raum transportiert


Alles, was sich bewegt, kann auch gegessen werden


Nutztiere & die traditionelle Medizin

Was bei uns die Autos und Leitungen erledigen – nämlich Lasten zu transportieren und Trinkwasser in die Häuser zu befördern, sind in vielen anderen Ländern der Welt die Esel. Auch in Ostafrika sind Esel für die Menschen unabdingbar.

Doch während Esel in Afrika nur lebendig wertvoll sind, geht es in China um ihre Haut: „Ejiao“ nennt sich ein Produkt, das seit Jahrhunderten im asiatischen Raum und in der traditionellen chinesischen Medizin aus Eselshaut gewonnen und als Gelee oder Pulver in Gerichten und Getränken sowie in Cremes verarbeitet wird. Um der Nachfrage nach Eselshaut für Ejiao gerecht zu werden, wurden in Afrika Esel massenhaft aufgekauft, exportiert oder in neu gebauten Eselschlachthäusern getötet. Seit Anfang 2017 beobachtet die Welttierschutzgesellschaft (WTG) in Tansania zudem eine sich häufende Zahl von Eseldiebstählen in abgelegenen Dörfern, wo die Menschen mit Eseln zur Selbstversorgung leben und somit drei bis vier Tiere pro Familie halten. Doch ohne die Esel ist die Existenz der Tansanier gefährdet. Um dem Diebstahl entgegenzuwirken, hat die WTG kurzfristig in den betroffenen Dörfern 160 Gehege gebaut, wodurch 4.000 Esel vor Diebstählen geschützt wurden. Seit Bau der Gehege ist kein Esel mehr gestohlen worden.

LASTENTRÄGER Esel leisten Menschen in vielen Ländern wertvolle Dienste als Gepäckträger


VEREHRUNG & ESSEN Links: In Indien werden Elefanten als Ebenbild einer Gottheit verehrt; rechts: Meerschweinchen zum Verzehr auf einem Markt in Ecuador


Tiere als Glücksbringer

Während wir uns in Deutschland an einem vierblättrigen Kleeblatt oder einem Marienkäfer erfreuen und uns etwas wünschen, wenn uns ein Schornsteinfeger über den Weg läuft, bringen in anderen Ländern andere Dinge und Tiere Glück: In der chinesischen Millionenmetropole Shanghai beispielsweise werden Heuschrecken in kleinen Holz- oder Plastikdosen verkauft. In der Hosentasche, im Auto oder auf dem Regal in der Wohnung soll ihr Zirpen Glück bringen. Wer in anderen asiatischen Ländern das Glück beschwören will, der sollte unter dem Bauch eines Elefanten hindurchschlüpfen – oder den Dickhäuter dazu animieren, seinen Rüssel zu heben. In Japan gelten die winkende Katze „Maneki-Neko“ sowie auch der Koi, der japanische Zierkarpfen, als Überbringer des Glücks. Die „schwimmenden Juwelen“ können so viel kosten wie ein Einfamilienhaus, und sie stehen für Stärke sowie ein langes Leben und sollen ihrem Halter Wohlstand bringen. Das Murmeltier Phil ist nicht nur in den USA, sondern spätestens seit dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ weltbekannt: Jedes Jahr am Murmeltiertag sagt das possierliche Fellbündel in der kleinen Stadt Punxsutawney das Wetter voraus. Tierische Maskottchen gibt es aber auch in Deutschland: Geißbock Hennes beispielsweise ist Glücksbote für den Fußballverein 1. FC Köln.

Heilig oder lecker?

In Indien gelten Kühe als heilig, weil sie den Menschen mit fünf lebensnotwendigen Dingen versorgen. Diese heißen im Hinduismus die fünf heiligen Gaben: Ghee (Butterschmalz) zum Kochen, der Mist der Kuh (die getrockneten Kuhfladen dienen als Brennmaterial), Urin als Heilmittel und Milch als zweifache Gabe, die einerseits mit Tee vermischt den Chai als Getränk ergibt, andererseits zu Lassi (Joghurt) verarbeitet wird. Die heiligen Kühe gehören zum täglichen indischen Straßenbild und haben selbst auf den vielbefahrenen Straßen stets Vorfahrt. Und wer einer Kuh das Leben nimmt, hat nach hinduistischem Glauben einen Mord begangen.

Doch den Kühen geht es deshalb nicht automatisch gut. Es geschehen immer wieder Unfälle mit Tieren, die verletzt auf den Straßen liegen bleiben. Vor allem Bullen leiden in Indien. Sind sie nicht brauchbar, werden sie an einen Tempel gespendet oder ausgesetzt. Die Tiere verhungern langsam oder verenden an zu viel Plastik im Magen. Was in Indien heilig ist, landet hingegen bei uns auf dem Teller. Einem saftigen Steak oder einem leckeren Stück Grillfleisch können viele Deutsche nicht widerstehen. Dabei würde sich nicht nur Indern, sondern auch uns Deutschen der Magen umdrehen, wenn wir sehen könnten, wie die Tiere in Massentierhaltung, bei Transporten oder in Schlachthöfen behandelt werden. Menschen anderer Kulturen würden bei einem Blick in Hühner-Legebatterien, Schweinemastanlagen oder beim Kükenschreddern genauso aufschreien, wie wir Deutschen es eben bei Tiermärkten in Asien oder bei dem Gedanken, einen Hund zu essen, tun würden.

So vielfältig die Kulturen, so unterschiedlich ist auch der Umgang mit Tieren. Doch eins sollte immer im Vordergrund stehen: nämlich, dass alle Mitlebewesen fühlende Kreaturen sind und das Recht auf eine artgerechte Behandlung haben. Ganz egal, ob das Tier als Kuscheltier oder Nutztier oder gar als Glücksbringer in den verschiedenen Kulturen dient – die Achtung eines Lebewesens sollte auf der ganzen Welt unabdingbar sein und immer im Vordergrund stehen.

MANEKI-NEKO Die Glückskatze findet sich in vielen Formen in der japanischen Kultur


Achtung unserer Mitlebewesen sollte stets im Vordergrund stehen


Fotos: Christiane Flechtner; Shutterstock (5)