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GELIEBTE Geranie: ZAUBERZARTE BLÜTEN Im Rausch der Farben


LandIDEE - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 17.04.2019

Bei uns kennt man sie als Geranien. Doch eigentlich handelt es sich beim beliebtesten Balkonschmuck der Deutschen um Pelargonien. Die Gärtnerin Anna Angermaier besitzt an die 700 Arten und Sorten und sammelt sie leidenschaftlich. Wir besuchten sie und ihr Blütenmeer in Bad Feilnbach.


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Bildquelle: LandIDEE, Ausgabe 3/2019

VARIANTENREICH Pelargonien sind so vielfältig wie der menschliche Fingerabdruck. Keine zwei Blütenblätter sehen gleich aus


UNERMÜDLICH Die Pelargonie ‘Clarion® Bicolor’ mit ihren weißen Blüten mit burgunderrotem Auge blüht bis zum ersten Frost ohne Unterbrechung


BERAUSCHENDE FÜLLE ‘Viva Carolina’, eine gefüllte, rosenknospige ...

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... Pelargonie, erinnert an zarte Rosenund Apfelblüten


IN REIH UND GLIED Die zurückgebogenen Blüten derPelargonium echinatum mit ihren purpurfarbenen Flecken sehen aus wie kleine Tänzerinnen in weißen Röckchen


Duftende Freude

WILD UND SCHÖN Kombinieren Sie verschiedene Pelargoniensorten kranzförmig in einem gewässerten Steckschwamm auf einem Metalltablett. In die Mitte kommt ein Windlicht. Umwinden Sie das Gesteck mit rankenden Winden und legen Sie Kieselsteine dazwischen


ROTE PRACHT Die feuerrote ‘Polka’ mit ihren geheimnisvollen schwarzen Augen


Rot, rosé, lila, weiß: Alles ist möglich

STECKBRIEF

▶ Allgemeine Erscheinung: Die gestielten, zwittrigen Blüten sind fünfzählig. Die fünf Blütenblätter sind grundsätzlich nicht zusammengewachsen, können aber eine Nektarröhre bilden. Die oberen zwei Kronblätter sehen meist anders aus als die unteren drei. Die dunklere Zeichnung in der Mitte der Blüte nennt man Saftmale. Als Zone bezeichnet man den dunkleren Ring in den Blättern.
▶ Merkmale: Es gibt vier Gattungen in der Familie derGeraniaceae: Geranium, Pelargonium, Monsonia undSarcocaulon. Die Gattung der Pelargonien wiederum umfasst ungefähr 280 Arten. Duftpelargonien können sowohl eine Art sein als auch eine Sorte: Arten sind Wildformen, Sorten sind gezüchtet. An unseren Balkonen sieht man allgemein nur zwei Arten, die aufrecht stehendenPelargonium zonale und die hängendenPelargonium peltatum .
▶ Winterhärte: Pelargonien brauchen ein Winterquartier nicht unter 5 Grad, hell, und trocken, z. B. Treppenhäuser oder Garagen mit Licht.
▶ Standort: Sonnig, leicht geschützt, im Topf oder Kübel, keine Staunässe
▶ Beste Pflanzzeit: Nach den Eisheiligen ins Freie, sie vertragen keinen Frost.
▶ Pflege: Verblühte Blüten abzupfen. Geranien brauchen regelmäßig Dünger.

D er Unterschied ist ganz einfach zu erkennen. Seht ihr? Drei Blütenblätter unten, zwei oben. Und eine Symmetrieachse. Das sind Pelargonien.” Anna Angermaier, Besitzerin der Gärtnerei Angermaier in Bad Feilnbach, hält uns einen Topf mit einer üppigen rosa Blume hin – einer Pelargonie, die wir bis vor Kurzem als „Geranie” im Gartenmarkt gesehen haben.

„Geranium aber haben fünf gleichmäßig angeordnete Blütenblätter und fünf Symmetrieachsen. Es gibt viele winterharte Geranien, Pelargonien aber sind, bis auf zwei seltene Wildarten, nicht winterhart. Die Farbe Blau gibt es bei Pelargonien gar nicht, bei Geranien kommt sie häufig vor.”

Bayerische Nationalblume?

Ganz Bad Feilnbach, ach, ganz Bayern ist übersät von diesen angeblich urtypischen bayerischen Balkonblumen. „Dabei sind sie gar nicht von hier, sondern aus Südafrika”, lacht Anna Angermaier. Seit 30 Jahren ist sie Gärtnerin mit Herz und Leidenschaft, arbeitet meist sieben Tage die Woche, wirtschaftet giftfrei und mit Nützlingseinsatz: „Vor 30 Jahren wurde ich milde belächelt. Heute ist diese Art des Gärtnerns groß im Kommen.”

Ihre Bio-Blumen sind gut für die Natur – und für uns, denn so können wir unsere Nasen in die unzähligen, naturbelassenen Pelargoniensorten stecken und nach Herzenslust schnuppern. Denn Pelargonien gibt es nicht nur als eher streng riechende Sorten, an die weder Schnecken noch Schädlinge knabbern wollen. Sondern auch als unsagbar stark und appetitlich duftende Blumen mit Rosen-, Zitronen-, Ananas- und anderen ätherischen Düften.

Storch und Kranich

Die Verwirrung um Geranien und Pelargonien begann schon mit der ersten Blume, die in Europa blühte. Pelargonien sind eine Pflanzengattung(Pelargonium) in der Familie der Storchschnabelgewächse. Und diese wiederum nennt manGeraniaceae . „Pélargos” ist Griechisch für Storch. Und „Géranos”, das Wort für die Überfamilie, heißt „Kranich”. Schon die allererste Urgeranie beziehungsweise -pelargonie, die im Jahr 1632 im Garten von John Tradescant in England blühte – einePelargonium triste – , hieß damalsGeranium indicum noctu odoratum . Und so kam das Missverständnis auf die Welt - und lebt bis heute weiter.

BALKONFREUNDE Pelargonien gedeihen üppig und anspruchslos im Topf. Sie brauchen lediglich einen hellen Platz für den Winter


PELARGONIE ODER GERANIE? Während wir die zarten weißen und fleischigen rosa Blütenblätter aus Gartenmärkten als „Geranien” kennen, handelt es sich bei ihnen, wie bei den zarten Blüten am unteren und rechten oberen Bildrand, ebenfalls um Pelargonien


Völlig neue Töne …

KLEINE SCHWESTERN ‘Lotta Lundberg’, ‘Frou Frou’, ‘Annsbrook Beauty’: Krausblättrige kleine Angel-Pelargonien und Miniaturpelargonien haben einen zarten Charme und spektakuläre Blätter


1 ‘FROU FROU’ Kleinwüchsige Pelargonie mit gefüllten, pinkfarbenen Blüten
2 ‘KLEINER LIEBLING’ Historische Miniaturpelargonie, bekannt seit etwa 1890
3 ‘DAMILOLA’ Kleine Stellarpelargonie in spektakulärem Magenta bis Orangerot
4 ‘FRINGED JER’REY’ Kleine Angel-Pelargonie mit gefransten Blüten in dunklem Purpur
5 ‘ANNSBROOK BEAUTY’ Zierliche Angel-Pelargonie, die einen Zitrusduft verströmt
6 ‘PINK PANDORA’ Tulpenblütige Pelargonie mit glänzendem Laub
7 ‘CAPTAIN STARLIGHT’ Angel-Pelargonien mit lila und weißen Blütenblättern 8 ‘LOTTA LUNDBERG’ Stellarpelargonie mit dunkelpurpurnen Blüten


’HAPPY OF NEW LIFE’ Bezaubernde Streifenexplosion


Steile Karriere in Europa

Bis heute weiß niemand, wie die Pflanze aus Südafrika auf die Insel kam, aber sie wurde schnell eine Berühmtheit. Carl von Linné beschrieb bereits 20 Arten, und auch er nannte sie bereits „Geranium”. 1870 kannte ein englischer Gartenkatalog 604 Sorten, davon 20 hängende, 220 buntlaubige und 43 gefüllt blühende Pelargonien. Nur wenige Menschen in Deutschland haben so viel Wissen darüber wie Anna Angermaier. „Es gibt noch andere Pelargoniensammler, wie die Gärtner des Kloster Maria Laach, Andreas von der Beeck in Münster und die Grande Dame der Pelargonien, die Gärtnerin Brigitte Stisser. Deren Vernetzung im Internet hat mir sehr geholfen, viele unbekannte Pelargonien, an die ich auf verschiedene Wege geraten bin, zu katalogisieren.”

Nelken, Sterne, Finger

Grundsätzlich unterscheidet man unzählige verschiedene Pelargonienarten und -sorten: Erst einmal gibt es die zonalen Hybriden, die aufrecht stehenden Blumen, einfach oder gefüllt, die wir aus den Gartenmärkten kennen. Dann die kaktusblütigen Pelargonien mit feinnadeligen, langen oder verdrehten Blättern. Sternblütige Pelargonien oder Stellare sehen aus wie Sterne. Nelkenblütige Arten weisen Blätter auf, die etwas ausgefranst wirken. Tulpenblütige sehen wie Minitulpen aus, rosenknospige sind üppig gefüllt. Es gib efeublättrige Pelargonien und andere reine Blattschmuckpelargonien. Die Vielfalt scheint schier unendlich.

GÄRTNEREI ANGERMAIER

Fotografiert haben wir bei Anna Angermaier in der Gärtnerei Angermaier, Am Heilholz 24, 83075 Bad Feilnbach, Tel. +49 (0) 80 66/419 Dort können Sie den Großteil der hier abgebildeten Pelargonien auch bestellen.

ARISTO® BEAUTY’ Die Hybride bezaubert durch ihre weißen Ränder und ihre vielen dichten Blüten


’PELARGONIUM GIBBOSSUM’ Die ungewöhnliche gelbe Pelargonie riecht nachts nach Marzipan


’MRS SALTER BEVIS’ Hübsche Kaktuspelargonie, die sich gut verzweigt


’KEWENSE’ Vermutlich eine Primärhybride ausP. zonale und P. inquinans


ANGELEYES BICOLOR’ Zweifarbige Engelspelargonie


’WESTDALE APPLEBLOSSOM’ Rosenknospige Schönheit


Blüten wie Sterne, Rosen und Tulpen


Einfache Vermehrung

„Dazu gibt es aber noch kleine Angels, alte Uniques-Sorten aus England, Primärhybriden, Duftpelargonien, Zwerg-, Finger-, Wildarten und mehr.” Vermehrt werden sie einfach aus Stecklingen. Mit einem sehr scharfen Messer einen Trieb abschneiden, unterhalb eines Blattansatzes Dann untere Blätter, Knospen und Seitentriebe entfernen und zwei Zentimeter tief in Töpfchen mit Anzuchterde stecken. Schattig, aber warm und geschützt stellen.

Pflege und Überwintern

Pelargonien gedeihen anspruchslos im Kübel und Kasten. Sie mögen Wärme und Sonne, Dünger, geschützte Lagen sowie durchlässige, neutrale bis kalkhaltige Böden ohne Staunässe. Das Gießwasser sollte an die Wurzeln, nicht über Blätter gegossen werden. Kurzfristige Trockenheit macht ihnen nichts aus, obwohl Pelargonien im Sommer viel Wasser benötigen. Sie sind nicht winterhart und müssen kühl, nicht über 12 Grad, möglichst hell und trocken überwintern. Dann treiben sie im Frühjahr neu aus und können große Büsche werden. Pelargonien machen im Garten und auf dem Balkon große Freude. Und wenn man sie richtig behandelt, tun sie das viele Jahre lang.Kati Hofacker

BLÜTEN, SO WEIT DAS AUGE REICHT Die zonalen Hybriden sind die bekannteste Gruppe der Pelargonien. Anna Angermaier mag sie auch, ihr Herz aber gehört den speziellen Züchtungen


’UNICORN FAIRY’ Bei dem Versuch, artübergreifend eine gelbe Pelargonie zu züchten, ist die Sortengruppe der Zonartics entstanden


’VECTIS SNOW’ Eine Stellarpelargonie, sternförmig, mit grünlich-weißen, halbgefüllten, dichten Blütenbällen


’VOODOO’ Die Uniques-Sorte hat blutrote Blüten mit einer schwarzen Mitte


FOTOS: BIRGID ALLIG. STYLING: ANITA RIEDER. PRODUKTION UND