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GEMEINSAM DURCH DIE HITZE: Sommer wir sind bereit! SOMMER, SONNE, HITZE


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 70/2018 vom 15.06.2018

Wenn das Thermometer steigt und die Luft immer schwüler wird, müssen sich Pferd und Reiter anpassen.Schatten, Wasserzufuhr und schonendes Training sollten selbstverständlich sein; eine Abkühlung mit dem Gartenschlauch bringt Erleichterung. Aber bei allem gilt: Gewusst wie! Unsere Experten gebenhilfreiche Sommertipps


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Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 70/2018

Pferden stehen nur 30 Prozent ihres Schweißes zur Kühlung zur Verfügung


Pferde mit langem Fell sollte man im Sommer scheren


Es war Sommer – und es war erst Mai. Nach einem gefühlt ewig langen Winter mit Schnee bis in den März hinein gingen die Temperaturen zuletzt steil nach oben: Bei über ...

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... 30 Grad waren die Schwimmbäder voll und nachts wälzte man sich bei tropischer Schwüle schon genauso unruhig im Bett herum wie im Hochsommer. Wie der Mensch mit so heißen Tagen umgeht, hängt dabei normalerweise von der individuellen Hitzetoleranz ab. Während die einen mühelos Sport treiben und insgesamt erst jetzt auf Betriebstemperatur kommen, haben andere zu kämpfen. Sie verlegen alle Aktivitäten auf die frühen Morgen- oder späten Abendstunden und sind ganz allgemein im Stand -by -Modus. Das gilt auch für Reiter: Wer mit 30 Grad und mehr problemlos zurechtkommt, kommt gar nicht auf die Idee, auf sein Training zu verzichten und sein Pferd zu schonen. Aber empfinden Pferde die Hitze denn überhaupt genau wie wir oder gibt es da Unterschiede?

Fakt ist: Pferde haben im Großen und Ganzen eine relativ hohe Wärmetoleranz; als ursprüngliche Steppenbewohner waren sie häufig großer Hitze und starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Allerdings gibt es Unterschiede zwischen Steppen- und unseren Freizeit- und Sportpferden. „Ein freilebendes Pferd kann mit Temperaturschwankungen gut umgehen“, bringt es Dr. Eberhard Reininger, der in Kirchdorf (Bayern) eine Pferdepraxis für Sportmedizin und Orthopädie hat, auf den Punkt. „Es muss zu jeder Zeit und bei jedem Wetter vor Räubern davonlaufen können und die Schnelligkeit über eine längere Zeit halten. Aber der Pferdesport spiegelt nun mal nicht wieder, was in der Natur abgefragt wird.“

Das heißt nicht nur, dass es Pferde gibt, die empfindlicher sind, sondern auch, dass die Anforderungen in manchen Disziplinen – vor allem Distanz- und Vielseitigkeitsreiten – den Pferden ohnehin schon viel abverlangen. „Es gibt große Unterschiede, wie gut Pferde Hitze vertragen“, erklärt die Pferdetrainerin Sandra Fencl, die bei ihrer Arbeit den Fokus auf die ganzheitliche Gesundheit des Pferdes legt. „So ist der Gebirgsequidentyp nur bedingt für die extreme Hitze gemacht. Wenn man sich die evolutionsgeschichtliche Typenlehre von Speed und Ebhardt ansieht, findet man dort auch den typischen Tundrenponytyp. Das ist der eher grobschlächtige, schwere Ponytyp, von dem viele Kaltblüter und Isländer abstammen.“ Diese Typen haben meist eine geringere Hitzetoleranz; häufig sind nordische Pferderassen – neben Isländern auch Haflinger und viele Ponyrassen – sowie Rappen, deren Fell zusätzlich Wärme anzieht, am meisten betroffen.

„Pferde, die viel Körpermasse im Verhältnis zu ihrer Körperhöhe aufweisen, sind ebenfalls weniger hitzetolerant“, fährt Sandra Fencl fort. „Der Kaltblüter wird sich also im Sommer beim Training schwerer tun als der feingliedrige Araber. Allerdings bestätigen Ausnahmen die Regel: Meinem eigenen Lusitano ist beispielsweise schneller warm als meiner eher schwer gebauten Isländerstute.“ Auch Stoffwechsel und Gesundheitszustand des Pferdes spielen dabei eine Rolle. Generell kommen junge und fitte Pferde mit Hitze sehr viel besser zurecht als alte Pferde mit langsamem Stoffwechsel, übergewichtige Pferde oder Pferde, die an EMS oder Cushing erkrankt sind. „Dies sind Sonderfälle“, warnt Dr. Reininger. „Sie sind einfach krank, und da muss man sich anpassen. Haben sie durch Cushing ein langes Fell, sollte man scheren, darf aber nicht vergessen, dass der Säureschutzmantel für Temperaturschwankungen nun wegfällt. Fällt das Thermometer innerhalb kurzer Zeit von 25 auf 10 Grad, können vor allem alte Pferde manchmal fühlig reagieren und sollten eingedeckt werden.“

WENN DIE HITZE ZU VIEL WIRD

Immer wieder scheint bei Hitzewellen der gesunde Menschenverstand wegzuschmelzen. Kinder werden auf Parkplätzen in der prallen Sonne im Auto gelassen, und Pferde werden stundenlang im Hänger durch die Gegend gekarrt oder müssen sich bei hohen Temperaturen auf dem Springplatz verausgaben. Grundwissen über die Anatomie des Pferdes kann jedoch das Risiko eines Hitzschlags deutlich reduzieren: Da Pferde einen viel größeren Anteil an aktiven Muskeln haben als Menschen, überhitzen sie auch bis zu zehnmal schneller – je nach Veranlagung, Alter und Konstitution. „Ihre großen Muskelpartien produzieren in Arbeit unheimlich viel Wärme“, erläutert Dr. Reininger. Im Vergleich zu dieser Muskelmasse haben sie eine geringere Körperoberfläche und können diese nicht so leicht mit Schweiß kühlen. Nur 30 Prozent ihres Schweißes hilft ihnen bei der Kühlung, während der Mensch bis zu 50 Prozent nutzen kann. Stehen diese körpereigenen Ressourcen zur Kühlung nicht oder nur in geringem Maße zur Verfügung, kann die Körpertemperatur bedrohlich ansteigen, schlimmstenfalls auf über 41 Grad.
So weit sollte es natürlich unter keinen Umständen kommen. „Eine Überhitzung des Körpers schlägt sich schon früh im Allgemeinbefinden und Habitus nieder“, warnt Dr. Reininger. „Das Pferd ist reduziert, wirkt verändert. Es wirkt in sich gekehrt und reagiert anders auf Umweltreize und Ansprache als sonst.“ Er rät in Fällen, in denen mit dem Pferd etwas nicht stimmt und man diese Veränderung nicht greifen kann, immer mit dem Tierarzt zu sprechen. Parallel dazu solle man damit beginnen, die Körpertemperatur in den Griff zu bekommen. Da Pferde die Hitze über ihre Hautoberfläche abgeben, eignet sich dazu das Kühlen mit dem Wasserschlauch (siehe Seite 18/19). „Alternativ kann man auch ein kühles Handtuch ins Genick legen“, empfiehlt er. „Das ist auch beim Abreiten bei Turnieren gut.“ Da auch der Wasserbedarf bei Hitze deutlich erhöht ist, sollte man Pferden immer genügend Wasser zur Verfügung stellen und im Auge behalten, ob sie dieses auch tatsächlich trinken. Ansonsten droht eine Dehydrierung, die ebenfalls bereits beim ersten Verdacht dem Tierarzt gemeldet werden sollte – der im Zweifelsfall eine Infusion gibt. „Eine Dehydrierung kann man leicht am sogenannten Hautfaltentest erkennen“, erklärt Sandra Fencl. „Man nimmt eine Hautfalte am Hals des Pferdes zwischen die Finger, hebt sie etwas vom Pferdekörper an und lässt dann die Finger los. Wenn die Hautfalte nicht sofort bzw. innerhalb von maximal zwei Sekunden verschwindet, sondern etwas, stehen bleibt‘, ist eine Dehydrierung recht wahrscheinlich. Denn: Eine gute Feuchtigkeitsversorgung des Pferdes geht mit einer gesunden Hautelastizität einher.“ Wichtig ist jedoch, trotz eines unauffälligen Hautfaltentestergebnisses bei Unsicherheiten einen Tierarzt zu Rate zu ziehen.

Der Hautfaltentest ist kinderleicht und kann Auskunft darüber geben, ob das Pferd von einer Austrocknung bedroht ist