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» GEMISCHTES DOPPEL «


ROTORBLATT - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 05.11.2019
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FOTOS: ANTHONY PECCHI

Heliand wurde im Dezember 1987 gegründet und ist im Fürstentum Andorra zwischen Frankreich und Spanien beheimatet. Derzeit fliegen dort drei Hubschrauber, die für eine Vielzahl von Flugmissionen eingesetzt werden: ein AS 350 B3 Ecureuil, ein EC 135P2 + und eine brandneue Bell 429, die im Dezember 2017 direkt aus dem Prager Werk von Bell ausgeliefert wurde. Historisch gesehen begann die Flugaktivität mit einer AS 350 B2 und einer “Lama”, die sich perfekt für diese spezielle Umgebung eignen, wobei die “Lama” das perfekte Arbeitstier für das Gebirge ist.

Jordi Duera, hauptberuflicher ...

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... Pilot bei Heliand, erinnert sich an die ersten Jahre: „Damals, als ein Hubschrauber benötigt wurde, waren wir es gewohnt, im Ausland anzurufen, zum Beispiel bei Héli-Union. Dann beschlossen zwei andorranische Partner, eigene Hubschrauber anzuschaffen. Der erste war eine “Ecureuil” B2, gefolgt von der “Lama”. Beide Maschinen waren im ganzen Land unterwegs – die auf Rettung spezialisierte “Ecureuil” zum Beispiel immer dann, wenn die Feuerwehr um Unterstützung bat. Nach einigen Jahren stellte die Regierung fest, dass sie tatsächlich einen eigenen Hubschrauber brauchten, da die Bergrettung immer anspruchsvoller wurde. Zu diesem Zeitpunkt unterzeichneten sie den ersten Vertrag zwischen Heliand und der Regierung von Andorra über einen Hubschrauber, der ausschließlich für staatliche Missionen reserviert war.“ Der Vertrag wurde Ende der neunziger Jahre unterzeichnet, weil Andorra zur Einhaltung der neuen Luft-verkehrsvorschrift en eine zweimotorige Maschine vorhalten musste, um auf den Hubschrauberlandeplätzen der Krankenhäuser von Barcelona und Toulouse, den beiden nächstgelegenen Großstädten, landen zu dürfen. Die “Lama” wurde durch eine fabrikneue EC 135 ersetzt und die “Ecureuil” für Gebirgsflüge verwendet. Sie waren sehr zufrieden mit der “Lama”, aber es war ein einmotoriger und ziemlich lauter Hubschrauber, dessen Betrieb zudem immer teurer wurde.

IN DEN BERGEN

Mit seiner Hauptstadt Andorra-la-Vella, die mit 1.020 Metern Höhe die höchste in Europa ist, ist das 180 Quadratkilometer große Fürstentum zwischen Frankreich und Spanien eingeschlossen, gehört jedoch nicht zur Europäischen Union. Die durchschnittliche Höhe beträgt 1.997 m (6.549 ft), wobei große Hänge entlang von drei Haupttälern absteigen, die von vierzehn Berggipfeln mit einer Höhe von mehr als 2.500 m umgeben sind. Der höchste Berg ist der Coma Pedrosa, der 2.942 m über der Hauptstadt liegt. Jetzt, wo diese Details benannt sind, kann man leicht verstehen, wie wichtig ein Hubschrauber für die Behörden, örtliche Unternehmen und die Touristen ist.

Heliand ist ein Hubschrauber-Pionier im Fürstentum Andorra und bietet heute einen bedarfsgerechten Service für Touristen aber auch örtliche Sicherheitsbehörden.

Mit ausschließlich Airbus-Produkten in seinem Portfolio hat das kleine Unternehmen eine Bell 429 beschafft – ein riesiger Schritt für eine so kleine Flotte.

Die Weiterentwicklung der Vorgaben für Missionen im öff entlichen Auft rag, insbesondere wenn der Hubschrauber ins Ausland fliegen musste, oder die Auft räge für Sondereinsätze, veranlassten Heliand schließlich, sich für einen neuen Hubschrauber zu entscheiden. ”Aufgrund der immer restriktiveren Vorschrift en mussten wir jedes Mal, wenn wir ins Ausland flogen, Kraft stoff einsparen. Dies wurde zu einer schwerwiegenden Einschränkung, wenn wir im Sommer nach Barcelona flogen. Wir mussten unsere Tanks dort auff üllen – mit all dem technischen und administrativen Aufwand, der damit einhergeht.“

DIE QUAL DER WAHL

Drei Hubschrauber wurden von Heliand in die engere Wahl gezogen: eine H135 (vormals EC 135P3), eine H145 und eine Bell 429. „Wir sind hier zwei Vollzeitpiloten und haben beschlossen, dass einer von uns die Airbus-Maschinen und der andere die Bell evaluieren wird. Unsere Aufgabe war es, alle Daten zu sammeln und einen Vorschlag zu unterbreiten. Ich bin derjenige, der zu Air Zermatt in die Schweiz gereist ist, um die Bell 429 unter realen Bedingungen zu testen, die unseren Anforderungen so nahe wie möglich kommen. Dort war ich sehr positiv überrascht.“ Nach einem sehr strengen Auswahlverfahren machte die Bell einen echten Unterschied in Bezug auf Nutzlast und Bruttoleistung. „Dieser zweimotorige Hubschrauber ersetzt unsere EC 135P2 + für alle Missionen, die in unserem Vertrag mit der andorranischen Regierung enthalten sind. Er ist deutlich leistungsstärker und perfekt für den Gebirgsflug auch bei starkem Wind geeignet, hat eine größere Kabine und eine Avionik der neuesten Generation mit Autopilot.“

Hier ist auch der Zusammenhang wichtig zu betrachten, denn das Profil der B429 ist sehr spezialisiert und trotzdem vielfältig! Diese Maschine ist in Europa mit einem maximalen Startgewicht von 3.175 kg (7.000 lb) zertifiziert und bietet eine sichere Spanne, die perfekt für das Bergfliegen geeignet ist: „Grundsätzlich ist dieser Hubschrauber viel leistungsstärker, er wurde jedoch 300 kg (661 lb) MTOW unterhalb seiner tatsächlichen Leistung zertifiziert. Wenn wir vom Hubschrauberlandeplatz des Krankenhauses in Andorra abheben, fliegt er wie ein Düsenflugzeug, egal ob es heiß oder windig ist. Natürlich erreichen wir mit seiner Gewichtsbeschränkung fast den zertifizierten MTOW, sobald wir alle Geräte, den Patienten, das Ärzteteam und den Kraft stoff an Bord haben. Auf dem Papier ist der Spielraum eng und wir müssen jedes Kilogramm zählen. Aber dann hebt der Hubschrauber wie eine Feder ab und wir fühlen uns sehr sicher, sogar wenn wir mit nur einem Triebwerk flögen.”

ERGONOMISCH UND INTUITIV

Den Piloten gefällt die Art und Weise, wie die benutzerfreundliche Oberfläche gestaltet wurde. „Das Schweizer Team in Zermatt hat uns sehr geholfen. Sie haben uns geschult und auf die Merkmale hingewiesen, die Bell bei der Entwicklung ihres Hubschraubers berücksichtigt hat. Bell hörte genau zu, was die Bergpiloten wollten, und es gibt kleine Details, bei denen sie sagen: „OK, das gefällt uns wirklich“, wie der sehr effiziente und reaktive Anti-Torque-Heckrotor (der erste eines Bell-Hubschraubers). Das Panel ist mit seinen Bildschirmen und Systemen sehr intuitiv und sehr einfach zu verstehen. Die Avionik-Suite enthält einen Flugbegrenzungsanzeiger, eine All-in-One-Nadel, die die ersten Daten anzeigt, die den roten Bereich zwischen Drehmoment, Motortemperatur und gemessener Gastemperatur erreichen. Es ermöglicht dem Piloten, nur einen Indikator für drei harte Einschränkungen zu lesen. Auf meinem ersten Flug sagte der Ausbilder zu mir: “Da Sie die B3 bereits kennen, übernehme ich jetzt mal, um Zeit zu sparen. Aber Sie werden sehen, dass die 429 leicht zu verstehen sein wird.” Ich war noch nie in meinem Leben mit diesem Modell geflogen, aber er hatte Recht: Ich fand alles natürlich, es war sehr einfach, die Kontrolle zu übernehmen.“

Die Auswahl dieser Maschine führte zu zahlreichen Einschränkungen hinsichtlich der Luft fahrtvorschrift en, da das Unternehmen zusätzlich zu den Musterzulassungen auch die Betriebszulassungen erhalten musste: „Andorra gehört nicht zur ICAO, aber wir müssen alle Vorschrift en einhalten. Deshalb mussten wir mit einem Unternehmen zusammenarbeiten, das in unserem Tätigkeitsbereich bereits vollständig zertifiziert war. Wenn Sie den Typ ändern, ist es sehr kompliziert, alle Prozeduren zu aktualisieren. Sie müssen neue Handbücher besorgen, sich an eine neue Maschine anpassen, die Piloten und das Wartungsteam erneut qualifizieren. Es erschwert wirklich den Umstieg auf Bell. Da wir alle erforderlichen Zertifizierungen erhalten mussten, wählten wir die Registrierung direkt in Bezug auf den Betreiber aus, mit dem wir zusammenarbeiten mussten. SAF war aus den oben genannten Gründen nicht daran interessiert, eine Bell in ihrer Flotte zu haben. Also wandten wir uns an eine Schweizer Firma, Lions Air mit Sitz in Zürich, die für HEMS, Rettungswinde und NVG vollständig zertifiziert war. Vor allem hatten sie eine Bell in ihrer Flotte. Es lief alles sehr reibungslos, sie sind echte Profis und wir haben uns sehr gut verstanden, also haben wir den Hubschrauber gekauft und ihn unter ihrem AOC-Zertifikat registriert. Jetzt fliegt diese Schweizer Maschine in Andorra.“

OPTIMIERTE FLOTTE

Alle am Flugbetrieb beteiligten Personen sind sehr glücklich, sowohl bei Heliand als auch bei den andorranischen Behörden. Das Missionsspektrum ist für alle klar: „Die Besatzung besteht immer aus zwei Personen: einem Piloten und einem Fachspezialisten für den jeweilgen Einsatz. Die Bell wird ausschließlich für Einsätze im öff entlichen Auft rag genutzt. In Bezug auf unsere kommerziellen Aktivitäten wird die “Ecureuil” für alle Luft arbeiten verwendet: Heben, Bauen, Skilift e … wir fliegen viel für Heliski im Winter und Heli-Bike im Sommer, diese Aktivitäten entwickeln sich sehr gut. Eine weitere “Ecureuil” ersetzt die EC135, wird aber hauptsächlich für VIP-Transporte, Rundflüge und Flughafentransfers von und nach Toulouse und Barcelona eingesetzt.“

Für komplexe Einsatzprofile zwischen Berg und Tal hat Heliand den perfekten Hubschrauber gefunden, der auch die Vorschrift en der beiden Nachbarländer erfüllt. Diese zwanzigste in Europa ausgelieferte HEMS Bell 429 hat bestimmt noch viele Flugstunden vor sich.