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Gen-Technik bei Zusatzstoffen


ÖKO-TEST Kompass E-Nummern - epaper ⋅ Ausgabe 5/2009 vom 08.04.2010

Saft, Brot, Käse und vieles mehr wird mithilfe gentechnisch veränderter Zutaten hergestellt. Doch davon erfahren Verbraucher auf dem Etikett meistens nichts.


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Foto: digital vision

Unterscheiden muss man zwischen Zusatzstoffen, die direkt mit Gen-Technik in Berührung gekommen sind, und solchen, die nur indirekt damit zu tun haben. Eine direkte Verbindung besteht, wenn ein Zusatzstoff aus einem gentechnisch veränderten Rohstoff hergestellt wird. Lecithin (E 322) beispielsweise stammt aus gentechnisch veränderten Sojabohnen: Es wird aus der Sojamasse extrahiert und gereinigt. E 322 selbst ist frei von der ...

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Unterscheiden muss man zwischen Zusatzstoffen, die direkt mit Gen-Technik in Berührung gekommen sind, und solchen, die nur indirekt damit zu tun haben. Eine direkte Verbindung besteht, wenn ein Zusatzstoff aus einem gentechnisch veränderten Rohstoff hergestellt wird. Lecithin (E 322) beispielsweise stammt aus gentechnisch veränderten Sojabohnen: Es wird aus der Sojamasse extrahiert und gereinigt. E 322 selbst ist frei von der manipulierten Erbsubstanz der Pflanze, der DNA.

Nur indirekt kommen hingegen Zusatzstoffe mit der Gen-Technik in Kontakt, wenn für ihre Herstellung gentechnisch manipulierte Mikroorganismen genutzt werden. Das ist beispielsweise bei der Herstellung des für die Käseerzeugung wichtigen Enzyms Chymosin der Fall, wo aus dem Magen von Kälbern ein Chymosin-Gen isoliert und auf genmanipulierte Mikroorganismen wie Bakterien, Schimmelpilze und Hefen übertragen wird. Diese werden dann in geschlossenen Systemen bebrütet, sodass sie Chymosin abgeben. Das so gewonnene Chymosin wird von dem Kultursubstrat abgetrennt und von möglichen Gen-Rückständen gereinigt.

Daneben gibt es zahlreiche Zusätze, die sich nicht eindeutig zuordnen lassen. Wird Vitamin C aus der Stärke von gentechnisch verändertem Mais hergestellt, kann die Gewinnung sowohl als direkt (weil aus Gen-Mais) als auch indirekt angesehen werden, weil das Vitamin in mehreren Schritten synthetisiert wird, sodass das Endprodukt kaum noch etwas mit dem Gen-Rohstoff gemein hat.

Wichtig für die Zulassung

Diese Unterscheidung ist wichtig, wenn es darum geht, ob ein Zusatzstoff, Vitamin, Aromastoff oder Enzym von den Behörden zugelassen werden muss oder nicht. Eindeutig in den Bereich der EU-Verordnung für die Zulassung und Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Lebens- und Futtermitteln (EU VO 1829/2003/EG) fällt das aus Gen-Soja gewonnene Lecithin, da es direkt aus einer Gen-Pflanze isoliert wird. Nicht dazu gehören hingegen alle Zusatzstoffe, die nicht „aus“, sondern „mithilfe“ von gentechnisch veränderten Nähr- oder Rohstoffen hergestellt werden. Füttert man also Mikroorganismen mit Gen-Maisstärke, müssen die Zusatzstoffe, die daraus entstehen, nicht von den Behörden zugelassen und auch nicht auf dem Produkt deklariert werden. Diese Regelung entspricht der EU-Entscheidung, dass auch die Milch von Kühen, die Gen-Futter erhalten haben, keine besondere Zulassung benötigt.

Strittig ist derzeit noch, in welchen Bereich all die Zusatzstoffe fallen, die wie Chymosin von Gen-Organismen erzeugt werden, aber letztendlich frei davon sind. Derzeit gibt es dafür keine besondere Gen-Technik-spezifische Zulassung und Kennzeichnung.

Weil sich letztendlich also nicht nachvollziehen lässt, was in den Industrieküchen zusammengekocht wird, hat ein großes Rätselraten darüber begonnen, was, wo, wie und in welcher Form überhaupt schon gentechnisch erzeugt wird. Mit großer Sicherheit wird Lecithin aus Gen-Soja gewonnen, einfach deshalb, weil es kaum noch Ware gibt, die nicht manipuliert ist. Sicher sei auch, dass verschiedene Vitamine aus dem Gen-Labor stammen. Für die Erzeugung von Vitamin C, Vitamin B2 und Vitamin B12 sowie Vitamin A gibt es ausgereifte Verfahren und Produktionsanlagen.

Haben sie Gen-Futter gefressen? Keine Ahnung – ihre Milch müsste jedenfalls nicht zugelassen werden.


Foto: irisblende.de

Kompakt

Gen-Soja am meisten verbreitet
Soja ist weltweit die am häufigsten angebaute Gen-Pflanze. Die Fläche, auf der die Hülsenfrucht kultiviert wird, ist in etwa doppelt so groß wie die von Gen-Mais, der am zweithäufigsten auf den Acker kommt. Unter dem Strich wurde im Jahr 2008 weltweit auf insgesamt 800 Millionen Hektar Boden gentechnisch verändertes Saatgut ausgebracht. Das ist doppelt so viel wie noch drei Jahre zuvor.

Immun gegen Pestizide
Pflanzen, denen eine Resistenz gegenüber Unkrautbekämpfungsmitteln „eingebaut“ wurde, sind zurzeit die in der Landwirtschaft am weitesten verbreitete Anwendung der Gen-Technik. Gewächse, die – wie beispielsweise Mais – einen „Insektenkiller“ enthalten, setzen sich dagegen nur langsam durch.

EU zögert noch
Während der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in Südamerika boomt und auch zwei afrikanische Länder, nämlich Burkina Faso und Ägypten, bereits mit dem Gen-Anbau begonnen haben, üben sich die Europäer diesbezüglich in Zurückhaltung. Nach Griechenland, Frankreich, Luxemburg, Ungarn und Österreich hat auch Deutschland nun ein Anbauverbot von gentechnisch verändertem Mais erlassen – es betrifft die Sorte MON 810 des amerikanischen Agrarkonzerns Monsanto.