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Genau so will ich wohnen


plus Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2019 vom 14.08.2019

Wenn die Kinder aus dem Haus sind oder man durch Scheidung oder Tod des Partners plötzlich alleine ist, steht plötzlich die Frage im Raum: Passt die jetzige Wohnung noch fürs Alter? Deshalb ziehen so viele über 50 um – auch um sich einen Traum zu verwirklichen.


Artikelbild für den Artikel "Genau so will ich wohnen" aus der Ausgabe 9/2019 von plus Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: plus Magazin, Ausgabe 9/2019

Mit dem Fernglas beobachtet Nicola Eisenschink die Vogel am Ufer der Elbe.


Nicola Eisenschink wollte immer am Wasser wohnen – und kaufte sich nach ihrer Scheidung ein altes Schiff, ihre Lotte.


Ganz leise plätschert das Wasser der Elbe an das weiße Boot. An Bord der Lotte blühen Sommerblumen in unzähligen Töpfen, Schalen und Bottichen. „Von einer ...

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... Wohnung auf dem Wasser habe ich schon immer geträumt“, lächelt Nicola Eisenschink. „Ich kann das heute richtig genießen“, so die 58-Jährige, „einfach nur auf die Elbe zu gucken oder zu lauschen, wenn der Regen aufs Dach trommelt – das erdet mich.

Dass Nicola Eisenschink auf ihrer Lotte wohnt, hat eigentlich einen traurigen Anlass: eine Scheidung. „Ich entschied mich gegen eine Eigentumswohnung – und für ein Abenteuer“, grinst sie.

100 Quadratmeter Wohnfläche hat das Metall-Schiff, das früher Hafenarbeitern als Unterkunft diente. Nicola Eisenschink teilt die Lotte mit vier Katzen. „Jede ist schon mindestens einmal ins Wasser gefallen“, lacht sie. „Und im Bett hat jede ihren eigenen Platz.“ Das Bett, eine Liegewiese in einer der beiden kleinen Kabinen, ist genau eingepasst, hat Schubladen, um Sachen zu verstauen, und eine kunterbunte Patchwork-Decke. Direkt daneben ein kleines Fenster. „Wenn ich nachts das Fenster auf Kipp habe, wehen mir im Winter schon mal Schneeflocken ins Gesicht“, lacht die 58-Jährige.

Nicola Eisenschink ist kein Einzelfall. Viele über 50 ziehen um. Oft, weil das bisherige Zuhause nicht mehr zum Alter passt: das Haus zu groß, weil die Kinder ausgezogen sind; zu unbequem, weil es viele Treppen hat; zu klein, weil man mehr Weitläufigkeit wünscht; zu ländlich, weil das Kultur-Angebot einer Stadt lockt. „Es gibt Hunderte Gründe, warum gerade Ältere ein neues Zuhause suchen“, sagt Mirjam Mohr, Vorstand bei Interhyp, die die Wohnwünsche der Älteren untersucht (siehe auch S. 29), „im Vordergrund stehen: Bequemlichkeit, Ebenerdigkeit, helle, großzügige Räume, aber die Nähe zu Natur und zu Ärzten sowie gute Einkaufsmöglichkeiten sind insgesamt entscheidend.“ Gerade in diesem Alter stünden auch Träume im Mittelpunkt, so Mohr.

So war es auch bei Nicola Eisenschink. „Ich war immer so glücklich beim Segeln. Also dachte ich, warum nicht für immer auf dem Wasser wohnen.“ Viele Boote hat sie angeschaut, einige zu teuer, einige zu abgerockt. Und dann kam Lotte, die damals noch Chateau d’Eau hieß. Nicola Eisenschink handelte „wie ein Weltmeister“, bis sie die Lotte ihr Eigen nennen konnte. „Die erste Nacht an Bord habe ich keine Sekunde geschlafen. Ich lag im Bett, legte immer wieder die Hand auf die Eisenwand und dachte: ‚Das gehört jetzt mir, mir ganz allein’.“

Jeden Tag Urlaubs-Gefuhl

Ihren Wohntraum leben auch Eberhard Klaubert und seine Frau Kerstin. Und in ihren Wohnträumen spielte immer auch ein Kaminofen mit flackerndem Feuer eine große Rolle. „Es war klar, dass so ein Mädchen-Fernseher einfach sein muss“, lacht er. Und deshalb haben die beiden ihr Wohlfühlhaus auch von Grund auf selbst geplant – und dann auch gebaut. Die entscheidende Idee entstand – wie könnte es angesichts eines rot-weißen Holzhauses auch sein – in einem Schwedenurlaub. Auf der Fahrt durch Smaland gerieten beide jedes Mal in Verzückung, wenn wieder ein rotes Häuschen zu sehen war: „Guck mal, wie süß, das ist mein Traumhaus, oh, wie hübsch“ – waren Kerstin Klauberts Standard-Sätze. Zurück zuhause verschwanden die bereits fertigen Haus-Pläne von einem Sandsteinhaus sang- und klanglos in der Schublade. „Ich wusste, ich mache Kerstin nur glücklich mit dem roten Schwedenhaus“, lacht der 58-Jährige, „wir hatten schnell das Gefühl, das ist das Haus, in dem wir uns auch im Alter wohlfühlen.“

Umzug mit uber 70 ins hellere Haus mit grosem Garten: Birgit und Udo Bander.


Älteres Mehrfamilienhaus So sieht das Zuhause der Deutschen aus.Angaben in %

Quelle: Interhyp, Mehrfach-Antworten moglich

Eberhard Klaubert liebt es, seine Familie und Freunde zu bekochen.


Viel Holz, viel Kunst und viel Helligkeit bestimmen die Atmosphare.


Vor dem Schwedenhaus bleiben immer wieder Leute stehen, um es zu bewundern.


Im Garten steht naturlich auch eine Sauna-Hutte – in Rot.


Ein Jahr später stand das zauberhafte Haus: hell, lichtdurchflutet, mit freiem Zugang zur Terrasse und Blick auf den gut 100 Meter entfernten Wald.

Doch neben der Ästhetik waren Eberhard und Kerstin Klaubert auch ökologische Aspekte wichtig: Der Holzständerbau nach schwedischem Vorbild ist perfekt isoliert, hat einen so guten K-Wert, dass sie kaum Heizung brauchen. Gleichzeitig vermittelt das 145 Quadratmeter große Haus das Gefühl von Weite und Raum. „Im Sommer findet unser Leben auf der Terrasse statt. Hier wird gekocht, gegrillt, mit Freunden getafelt. Im Winter ist unser großer Esstisch der Mittelpunkt – er ist das Herz des Hauses, an dem sich alles abspielt“, strahlt

Eberhard Klaubert.

Mehr Licht, mehr Platz, mehr Raum zum Leben wünschten sich auch Birgit und Udo Bänder. Keiner der Freunde verstand es, dass die 71-Jährige und der 75-Jährige ihr kuscheliges, aber etwas dunkles 80 Quadratmeter kleines Häuschen aufgaben. „Uns war von Beginn an klar, dass wir uns jetzt etwas schaffen wollten, das für den Rest unseres Lebens ist“, berichtet Birgit Bänder, „deshalb musste es auch so sein, dass all unsere Wünsche erfüllt werden.“ Sie suchten, fanden schließlich ein Haus aus der Gründerzeit. „Wir spürten sofort: Das ist es!“, erzählt Udo Bänder.

Was folgte, war viel Arbeit: Das Haus wurde entkernt, Fußbodenheizung verlegt, Türen verbreitert und versetzt, ein Wintergarten hinzugefügt. „Und heute sind die Freunde, die zuerst entsetzt waren, weil wir nochmals umziehen wollten, begeistert über die hohen Räume, das viele Licht und das leichte Wohngefühl“, lacht Birgit Bänder. „Es hat sich gelohnt, dass wir diesen großen Schritt mit über 70 noch getan haben.“

Ihr Lieblingsplatz im Haus ist das Balkonzimmer, in das die Abendsonne scheint. „Dort habe ich mir ein kleines Atelier eingerichtet, weil ich das Filzen für mich entdeckt habe“, erzählt sie. „Mit der warmen von der Sonne aufgeheizten Wand im Rücken verabschiede ich hier den Tag.“

Und dabei schaut sie über das Reich ihres Mannes, der in Rente noch mal einen schönen, gut geschnittenen Garten gestalten wollte. „Es ist wichtig, dass man Träume hat“, ergänzt Udo Bänder, „gerade mit dem Wohnen in diesem Haus verbinden sich für uns so viele Träume.“

Einen traumhaften Blick haben auch Sabine Kregel-Richert und Martin Gerke. Früher war ihr neues Zuhause ein Aus- flugslokal – direkt an der Weser.

„Es war nicht hübsch, man musste schon Fantasie mitbringen, um die Möglichkeiten zu erkennen, die das Haus bot“, erzählt Sabine Kregel-Richert. Aber die wunderschöne Lage direkt am Fluss war dem Paar wichtiger. Vor allem bot das Haus Platz. Platz, den die beiden immer suchten. Denn Martin Gerkes Hobby ist das Obstbrennen. Was als Zeitvertreib begann, ist inzwischen ein realer Nebenerwerb. Zwei Jahre lang haben die beiden verhandelt, vor drei Jahren bekamen sie den Zuschlag für ihr Traumhaus. flugslokal – direkt an der Weser. „Es war nicht hübsch, man musste schon Fantasie mitbringen, um die Möglichkeiten zu erkennen, die das Haus bot“, erzählt Sabine Kregel-Richert. Aber die wunderschöne Lage direkt am Fluss war dem Paar wichtiger. Vor allem bot das Haus Platz. Platz, den die beiden immer suchten. Denn Martin Gerkes Hobby ist das Obstbrennen. Was als Zeitvertreib begann, ist inzwischen ein realer Nebenerwerb. Zwei Jahre lang haben die beiden verhandelt, vor drei Jahren bekamen sie den Zuschlag für ihr Traumhaus.


„Ich wusste, meine Frau ist nur in einem Schwedenhaus in Rot-Weiß glücklich“
Eberhard Klaubert



„Dieser Blick direkt auf die Weser – das ist wie Urlaub. Einen besseren Platz zum Wohnen gibt es nicht für mich“ Sabine Kregel-Richert


Und damit begann die Arbeit. Auch sie haben ihr Haus komplett entkernt, renoviert, saniert; Raumzuschnitte, Decken, Fußböden, alles komplett durchgearbeitet. Und fast alles in Eigenleistung erledigt. „Klar, es haben Freunde, Kollegen, Freunde mitgeholfen“, lächelt der 53-Jährige, „aber am meisten hat uns erstaunt, wie viel Hilfe wir tatsächlich bekamen und dass fast jeder sich darüber freute, dass wir uns mit fast 50 noch unseren Wohntraum erfüllen.“

Wie bei Udo und Birgit Bänder haben auch Sabine Kregel-Richert und Martin Gerke ihr Haus so geplant, dass sie später auch nur im Erdgeschoss wohnen – alles ebenerdig – und den ersten Stock vermieten könnten, um die Rente aufzubessern.

Die Rente aufbessern

Auf die bequeme Infrastruk tur einer Kleinstadt haben der Lehrer und die Verwaltungs-Angestellte beim Kauf bewusst verzichtet – zum Einkauf ist immer ein Auto nötig. Die 53-Jährige schaut versonnen. „Aber wir haben gut vorgesorgt, und wenn wir mal zu alt sind, um zu fahren, werden wir uns ein Taxi bis zum Supermarkt leisten können.“

Weg will die 53-Jährige hier nie mehr. „Wir haben zwar immer nahe, aber nie direkt an der Weser gewohnt. Dieser Platz am Fluss war schon immer mein Traum. Und nun kann ich bis ins Alter im Wohnzimmer sitzen und durch die großen Fenster auf den Fluss gucken. Es ist wie Urlaub – einen besseren Ort gibt es für mich nicht.“

Ans Alter gedacht hat auch Eberhard Klaubert; auch weil er sicher ist, dass das große Grundstück und das zweigeschossige Schwedenhaus dafür nicht ideal seien. „Dann verkaufen wir es, kaufen ein neues Grundstück und errichten darauf ein paar Mini-Häuser – nach dem Vorbild unseres jetzigen Schwedenhauses: 48 Quadratmeter groß, alles ebenerdig, mit einer Terrasse, die so groß ist wie das Haus“, erzählt er. Und vor allem sollen die Häuschen bezahlbar sein, die er dann an Bekannte und Freunde verkaufen würde. „Das ist doch eine wirklich verführerische tolle Idee für eine bunte, lebensfrohe Alten-WG, in der jeder genügend Privatsphäre hat“, lacht er, „mal ehrlich, wie viel Platz braucht man schon? Ich brauche, je älter ich werde, immer weniger.“

Auf der Lotte ist alles auf kleinstem Raum genau eingepasst.


Sich noch mal verkleinern? Nicola Eisenschink hat diesen Schritt schon hinter sich, als sie auf die Lotte zog. Kartonweise hat sie Bücher verschenkt. „Ich versorge mich jetzt in der Bibliothek“, lacht sie.

Nochmals verkleinern?

Weg will sie auf keinen Fall mehr. Und wenn sie sich irgendwann zu alt fühlen sollte für das Leben auf der Lotte? „Wenn mir das zu viel wird, ziehe ich in einen Wohnwagen.“ Sie hat schon ein Lieblings-Modell gefunden, ein Energie-effizientes Tiny House auf Rädern. „Und das werde ich dann in den Garten von Freunden stellen und für immer und ewig glücklich über die Elbe gucken.“

Hell und groszugig – das war Martin Gerke und Sabine Kregel-Richert beim Umbau wichtig.


Eine lange Fensterfront und die Larchen-Fassade bestimmen das Haus heute


Wohnen wird im Alter essenzieller

Welche Wohntraume Menschen haben, erforscht Mirjam Mohr. Ein Ergebnis: Die Bedeutung der eigenen vier Wande nimmt mit den Jahren zu.

Gibt es eigentlich den Wohntraum, den viele haben?
MOHR: Oh ja. Wenn wir unsere Studie über Wohnträume nehmen, ist klar, wovon die Deutschen träumen: Wohnen wird inzwischen als essenziell für das eigene Leben angesehen. Es hat fast den gleichen Wert wie Gesundheit, Familie und Partnerschaft.

Und wie sieht die ideale Wohnung fur Altere aus?
MOHR: Die Nähe zur Natur ist wichtig, gute Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe, aber auch eine gute ärztliche Versorgung – das sind die drei wichtigsten Kriterien, wenn es um die Lage geht. Dann folgt Nähe zur Familie.

Viele jenseits der 50 uberlegen, gerade nach dem Auszug der Kinder, selbst in eine Wohnung zu ziehen, die besser zu ihnen und zum Alter passt.
MOHR: Das stimmt. Dabei geht es aber um Bequemlichkeit wie das moderne Bad, Ebenerdigkeit oder helle Räume. Andererseits ist auffällig, dass gerade für Ältere das Zuhause immer zum Leben passen muss. Und, eine Entwicklung ist ungebrochen: Während Familien mit Kindern eher aufs Land ziehen, wollen Ältere, deren Kinder ausgezogen sind, eher wieder in die Stadt. Gleichwohl ist das Leben in der Großstadt eher unbeliebt – nur 50_%, die in Metropolen leben, wollen dort auch weiter wohnen.

Was zahlt mehr? Das Leben auf dem Land?
MOHR: Einerseits ja – immerhin träumt fast jeder Vierte von einem Bauernhaus. Noch wichtiger: Gerade Ältere ziehen um, um größere Nähe zur Familie zu haben, fühlen sich sicherer, verbundener – das ist oft wichtiger als die Wohnung selbst.

Mirjam Mohr, Interhyp Bank, Spezialistin fur Baufinanzierung


Foto Expertin: privat (1)