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Generation Ganz-lang-her: Genial und unerschrocken


myself - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 10.04.2019

Unternehmerinnen und Vordenkerinnen der ersten Stunde – was kann man von ihnen lernen? Eine Menge!


1909 1815 1946 1917

Florence Knoll

Sie entrümpelte eine ganze Epoche und ersetzte wuchtige Schreibtische durch leichtes Mobiliar. Moderne Großraumbüros wären ohne sie nicht denkbar. Anfang des Jahres ist Florence Knoll gestorben, sie gilt als eine der wichtigsten Gestalterinnen der Moderne.

Ihr Erfolgsrezept

Florence Knoll hatte das große Ganze im Blick, verlor sich nicht in Details.

Was sie anders machte

Statt sich als Einzelkämpferin durchzuboxen, förderte die Designerin Kollegen. Nebeneffekt: Ihr eigenes ...

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... Unternehmen profitierte davon finanziell.

Sie stand für klare Linien und kluge Geschäftsmodelle: Designerin Florence Knoll, hier 1961 in ihrem New Yorker Büro.


Ihre größte Schwäche

Sie neigte dazu, ihr Licht unter den Scheffel zu stellen – in der von Männern dominierten Branche ein Fehler.

Ihr Leben

Nach dem frühen Tod der Eltern wird die 1917 geborene Amerikanerin auf ein Mädcheninternat in Michigan geschickt. Dort fällt ihr Talent dem Leiter der benachbarten Kunstakademie auf. Er nimmt das Mädchen in seine Familie auf. Auf Reisen nach Europa lernt Florence Architekten wie Le Corbusier und Alvar Aalto kennen. Ab Ende der Dreißigerjahre studiert sie Architektur in England und den USA. Ihre Lehrer: Bauhaus- Größen Walter Gropius, Marcel Breuer und Mies van der Rohe. Ihren ersten Job nimmt sie 1943 in New York bei dem aus Stuttgart emigrierten Unternehmer Hans Knoll an, drei Jahre später heiraten die beiden. Sie soll sich um Innenraumgestaltung kümmern, ein eher unwichtiger Bereich. Florence Knoll nimmt die Zurücksetzung sportlich. Sie entwirft selbst, vor allem aber lizenziert sie Entwürfe wie den „Barce lona Chair“ von Mies van der Rohe. Ihr Ansatz: Der Designer ist ebenso wichtig wie der Hersteller. Eine brillante Strategie, die nicht nur für eine solide Finanzlage sorgt, sondern auch den ikonischen Knoll-Stil hervorbringt, der bis heute Gültigkeit besitzt. Als ihr Mann 1955 bei einem Autounfall ums Leben kommt, wird Florence Knoll Firmenchefin und sechs Jahre später als erste Frau vom American Institute of Architects ausgezeichnet. Sie selbst bleibt bis zum Schluss so schnörkellos wie ihre Entwürfe: „Es war eine aufregende Zeit“, resümiert sie, „aber vor allem war es harte Arbeit.“

Die Internatsschülerin lernte bei den Architekten und Designern des Bauhauses. Nach dem Tod ihres Mannes übernahm sie 1955 das Unternehmen.


Diane von Fürstenberg

Michelle Obama, Kate Middleton und Amy Winehouse trugen es, die Feministin Gloria Steinem ebenfalls: Das Wrap Dress ist mehr als ein Wickelkleid aus Seiden-Jersey. Es ist eine Ikone weiblicher Selbstbestimmung, ausgestellt im Metropolitan Museum of Art. Erfunden hat es Diane von Fürstenberg im Jahr 1974.

Ihr Erfolgsrezept

Lernfähigkeit. Diane von Fürstenberg ist in der Lage, Fehler einzugestehen und sie auszubügeln. Heute macht sie nur, was zu ihr passt.

Was sie anders machte

Konventionen und gesellschaftliche Zwänge haben Diane von Fürstenberg nie interessiert. Ihr Motto: „Eine Frau kann ein Männerleben führen und dabei eine Frau bleiben.“

Ihre größte Schwäche

Sie ist ein Kontrollfreak, es fällt ihr schwer, Dinge aus der Hand zu geben.

Ihr Leben

Die Tochter einer Auschwitz-Überlebenden und eines jüdischen Geschäftsmanns wird 1946 als Diane Halfin in Brüssel geboren. Beim BWL-Studium in Genf lernt sie Egon von Fürstenberg kennen, bester deutscher Hochadel. Sie heiraten 1969, bekommen zwei Kinder. Nach der Scheidung drei Jahre später behält Diane den Adelstitel, aber nicht das Geld ihres Ex-Manns. Lieber versetzt sie ihren Schmuck. Sie beginnt, Mode zu entwerfen, der Erfolg kommt schnell. Mit 28 macht sie einen Umsatz von 60 Millionen Dollar, ihr Bestseller: das Wickelkleid, waschbar und bügelfrei. In der Hochphase verkauft sie davon jede Woche 25000 Stück. Als Zeichen ihrer Unabhängigkeit kauft sie sich einen Landsitz in Connecticut und ein Zwölf-Zimmer-Apartment in New York mit Blick auf den Central Park. Diane von Fürstenberg wird zur Jetset- Prinzessin der Siebziger, ist Stammgast in New Yorker Clubs. Spitzname in jenen Jahren: „The Huntress“, die Jägerin, weil sie in High Heels und Hotpants Männer jagt. Das ist aber nur die eine Seite. Gleichzeitig ist Diane von Fürstenberg eineworking mum , die Geld verdienen muss. 1977 dann der Bankrott. Zu wahllos hatte das Unternehmen expandiert, das Image des Labels schwammig. Diane von Fürstenberg zieht nach Paris, gründet einen Verlag. 1989 kehrt sie nach New York zurück und kommt dank Teleshopping wieder auf die Beine. Bald steigt sie ins Luxusgeschäft ein und macht diesmal alles richtig: Headquarter im angesagten Meatpacking District, Kollektionen rund um ihr Baby, dasWrap Dress. Es ist nicht älter geworden. Nur besser.

Muss man nicht bügeln, sieht in jeder Lebenslage top aus und ist fashionable seit den Siebzigern – das Wickelkleid der Diane von Fürstenberg.


Verkrachte Adelstochter mit Hang zu Mathe und Maschinen – Ada Lovelace. Sie gilt als erste weibliche Programmiererin.


Ada Lovelace

Es ist das Jahr 1843. Komplizierte Frisuren sind das einzige Zugeständnis von Ada Lovelace, 28, an die Konventionen der Viktorianischen Ära. Die Mathematikerin war ihrer Zeit meilenweit voraus.

Ihr Erfolgsrezept

Visionen entwickeln und an sie glauben, auch wenn der Rest der Welt noch nicht so weit ist.

Was sie anders machte

Ada Lovelace baute sich ein Netzwerk an Fachleuten und Förderern auf, mit denen sie sich austauschte und von denen sie lernte. Auch hier war sie ihrer Zeit voraus, heute ist Mentoring selbstverständlich.

Ihre größte Schwäche

Entscheidungen zu treffen. Ada Lovelace wollte alles auf einmal, es fiel ihr schwer, ihre Ambitionen in zielgerichtete Bahnen zu lenken.

Ihr Leben

Ada Lovelace beschäftigt sich mit höherer Mathematik. Besonders angetan haben es ihr die sogenannten Bernoulli-Zahlen, über die sich die Mathematiker im 19. Jahrhundert die Köpfe zerbrachen. Mit ihren Lösungsvorschlägen erschuf diese Frau nicht nur die Grundlagen des Programmierens, sondern sah auch voraus, dass es eines Tages Geräte geben würde, die in der Lage sind, Grafiken zu erstellen und Musik zu komponieren. Deshalb wird Ada Lovelace heute als Vordenkerin der Informatik gefeiert – zu ihren Lebzeiten galt sie als Außenseiterin mit exzentrischer Herkunft.

1815 wird sie als Tochter des skandalumwitterten Dichters Lord Byron geboren. Ihre ebenfalls adlige Mutter trennt sich bald von ihrem Mann. Aus Sorge, die kleine Ada könnte den unberechenbaren Charakter ihres Vaters geerbt haben, engagiert sie einen ehemaligen Cambridge-Professor, der das Kind in Mathematik und Astronomie unterrichtet. Doch das Mädchen pflegt noch eine andere ungewöhnliche Leidenschaft: Maschinen.

Über Jahre hinweg unterhält Ada Lovelace – sie hat inzwischen geheiratet und drei Kinder geboren – eine Brieffreundschaft mit dem Mathematiker Charles Babbage. Gemeinsam entwickeln sie die Programmiergrundlagen für ein Gerät, das sie „Analytical Engine“ taufen – die Vorstufe des ersten Computers. Doch ihre Visionen laufen ins Leere, niemand erkennt die Tragweite ihrer Arbeit. Ada Lovelace zerbricht daran. Sie stürzt sich ins Gesellschaftsleben, hat Affären, verspielt Geld bei Pferdewetten – und stirbt mit nur 36 Jahren an Krebs.

Aenne Burda

Als die Trümmerfrauen Ende der Vierzigerjahre ihre Kittel abstreifen, erkennt eine Hausfrau aus Offen- burg eine Marktlücke: schicke und praktische Mode.

Ihr Erfolgsrezept

Aenne Burda vertraute auf ihren Instinkt, war fleißig, diszipliniert und eine Macherin: Wenn sie mittags eine Idee hatte, musste sie bis abends umgesetzt sein.

Was sie anders machte

Aenne Burda fiel auf und machte sich gern unbeliebt. Sie wollte alles – und bekam es auch. „Kämpfen ist immer mein Leben gewesen“, sagte sie.

Ihre größte Schwäche

Rücksichtslosigkeit. Aenne Burda dachte zuerst an ihre eigenen Interessen, die Bedürfnisse anderer waren zweitrangig. Sie konnte austeilen, vertrug selbst aber keine Kritik.

Ihr Leben

Anna Burda will eine Zeitschrift gründen, mit deren Hilfe Frauen sich ihre eigene Garderobe schneidern können. Doch ihr Mann, der Druckereibesitzer Dr. Franz Burda, in der kleinen Stadt im Schwarzwald eine einflussreiche Persönlichkeit, weigert sich, das Vorhaben zu finanzieren: „Meine Frau arbeitet nicht“, sagt der Patriarch. Eine Demütigung bringt die Wende: Anna Burda erfährt, dass ihr Mann eine Geliebte hat, mit der er nicht nur ein Kind gezeugt, sondern ihr zudem einen Verlag geschenkt hat. Sie setzt ihm das Messer auf die Brust: die Scheidung oder den Verlag. Er willigt ein, verschweigt allerdings, dass das Unternehmen 200000 Mark Schulden hat. Die Eisenbahner-Tochter, in einfachen Verhältnissen groß geworden, lässt sich davon nicht entmutigen. Um ihre Emanzipation sichtbar zu machen, ändert sie ihren Vornamen in das weltläufigere Aenne.

Sie wird zur erfolgreichsten Geschäftsfrau der Wirtschaftswunderzeit. 1957 haben dieBurda Moden -Hefte eine Millionenauflage, in der Hochphase erscheinen sie in 112 Ländern. Aenne Burda ist eine gerechte, aber strenge Chefin. Und sie genießt das Jetset- Leben, fliegt im Privatjet zum Friseur nach Paris, sammelt Sportwagen. Rund 30 Jahre lang ist sie mit einem Italiener liiert. Was ihr Ehemann sich herausnimmt, stünde ihr auch zu, findet sie. Nach Franz Burdas Tod 1986 startet sie noch mal richtig durch: Als erstes westliches Magazin erscheintBurda Moden auf Russisch – ein Beitrag zur Völkerverständigung in einem lukrativen Markt. Im Alter von 85 Jahren gibt Aenne Burda die Verlagsleitung ab, es fällt ihr schwer, sich von ihrem Lebenswerk zu verabschieden. 2005 stirbt die „Königin der Kleider“ mit 96 Jahren.

Ihrem mächtigen Mann, der sie betrog (o.), setzte Aenne Burda die Pistole auf die Brust: Scheidung oder ein eigener Verlag. Ab 1949 führt sie erfolgreich „Burda Moden“ (u.).


FOTO: TIME & LIFE PICTURES

FOTOS: COURTESY OF KNOLL, INC. (2)

FOTOS: MAURITIUS IMAGES/THE PICTURE ART COLLECTION/ALAMY (1), AKG IMAGES/SCIENCE SOURCE (1), SCIENCE MUSEUM LONDON (1)

FOTOS: DDP IMAGES (1), DORLING KINDERSLEY/GETTY IMAGES (1)