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Generation »x«


Stereo - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 07.07.2021

KOPFHÖRER

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Bildquelle: Stereo, Ausgabe 8/2021

Wachstum über die Jahrzehnte, aber die Handarbeit blieb

Brooklyn, die stets etwas im Schatten stehende New Yorker Nachbarinsel von Manhattan, ist in vielerlei Hinsicht weniger spektakulär als das Zuhause von Wallstreet, Empire State Building und vieler anderer Anziehungspunkte für Gäste aus aller Welt.

Doch die rund 2,6 Millionen Menschen, die hier leben, finden in ihrem Stadtbezirk alles, was das Herz begehrt, Körper, Geist und Seele erfreut und das Leben auf diesem zu Long Island gehörenden Zipfel angenehm macht. Das dachte sich wohl auch Joe Grado, als er 1953 beschloss, genau hier sein Talent als Erfinder, Tüftler, Feinmechaniker, Musikliebhaber und Kaufmann reifen zu lassen.

Mittlerweile sitzt mit John Grado die dritte Generation auf dem Chefsessel und hat die Begeisterung des Firmengründers für klingende Handwerkskunst geerbt. Geerbt hat die aktuelle Generation auch die Ruhe, mit der ...

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... Neu- und Weiterentwicklungen angegangen werden. In aller Regel vergehen fünf bis zehn Jahre, bis die Familie Grado der Meinung ist, nun einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zum besseren Klang erreicht zu haben.

So wie in diesen Wochen, als uns die Nachricht erreichte, dass die bisherige, aus fünf Modellen bestehende Einstiegsserie der Prestige-Baureihe eine grundlegende Überarbeitung erfahren hat. Äußerlich kaum von den Vorgängern zu unterscheiden, hat die neue x-Serie aber weit mehr als eine optische Auffrischung erhalten, um die bestehende Kundschaft zu einer Neuanschaffung zu motivieren und neue Fans für die Marke zu gewinnen. Neben einem erhöhten Tragekomfort der mit 150 bzw. 260 Gramm leichtgewichtigen Kopfhörer hat man sich technisch bei der Reference-Serie bedient, um klanglich eine ordentliche Schippe draufzulegen.

Einmaleins der Kopfhörer

Für den Klang bei einem Kopfhörer sind grundsätzlich fünf Dinge von besonderer Bedeutung: das Chassis samt seinem magnetischen Antrieb, der Schwingspule und der Membran. Ganz wichtig ist auch das Gehäusematerial und dessen Formgebung, denn beides beeinflusst das Resonanzverhalten. Nicht zu vergessen dabei die große Bedeutung, ob das Modell als offener oder geschlossener Hörer konzipiert wird. Gerne vergessen werden bei der Betrachtung der klangrelevanten Aspekte die Ohrpolster.

Aber Material und Materialstärke, Formgebung und der Druck, mit dem der Bügel die Polster an die Ohren presst, beeinflussen den Klang ebenfalls in nicht unerheblicher Weise. Und natürlich spielen auch die Anschlusskabel in das Gesamtklangbild mit hinein. Es ist übrigens möglich, ältere Hörer mit den neuen, verbesserten Kabeln zu einem sehr bodenständigen Preis aufzufrischen.

Blicken wir zunächst auf das Herz der neuen Grado-Hörer, das Chassis. Man hat hier mit dem Ziel, die Kopfhörer auch für mobilen Einsatz tauglicher zu machen und zugleich den Klang an hochwertigen Geräten zu steigern, bei der nun vierten Treibergeneration gleich an mehreren Stellschrauben gedreht: Der magnetische Antrieb wurde deutlich verstärkt, zugleich die effektive Masse der Schwingspule um einige Gramm erleichtert. Die Membran wurde von Grund auf neu berechnet und bekam eine neue Geometrie, und wie bei den größeren Modellen der Reference-Serie wurde sie speziell beschichtet, um verbliebene Resonanzen zu beseitigen und stehende Wellen auf dem hauchdünnen Trägermaterial zu verhindern.

Bemerkenswert ist auch die Serienkonstanz, mit der in Brooklyn gefer- tigt wird: Beim kleinen SR60x beträgt die maximale Abweichung der Treiber zueinander ein Dezibel, beim 325x sind es sogar nur 0,5 dB. Fragen Sie danach mal bei der Konkurrenz…

Die Ergebnisse dieser Maßnahmen sollten neben dem verbesserten Wirkungsgrad und einer leicht erhöhten Impedanz von 38 Ohm verringerte Verzerrungen und ein noch harmonischeres Klangbild sein. Letzteres machte jedoch beim größeren SR325x neu angepasste Ohrpolster erforderlich. Das stabile Alu-Gehäuse des 325 blieb weitgehend unverändert, der SR60x muss weiterhin mit einem Kunststoffgehäuse vorliebnehmen.

KEIN GLAMOUR

Schlichte Verpackung mit Pappkarton und Schaumstoffpolster. Gespart wird bei der einfachen Verpackung, nicht beim hochwertigen Inhalt.

TEST-GERÄTE

Plattenspieler: Roksan Xerxes 10/Linn Ekos/Benz Micro LPS

Streamer: Bluesound Vault 2i

CD-Laufwerk: Wadia 8

D/A-Wandler: Aavik D-180

Vorverstärker: Sony TA-E 900

Phonovorverstärker: Audionet PAM G2, Pro-Ject Phono Box RS 2

Kopfhörerverstärker: Lehmannaudio Linear SE, Sennheiser HDV 820

Kopfhörer: T+A Solitaire P, Grado PS 2000 E, Sennheiser HD 800S, Sennheiser HD 560

Kabel: Supra, XLO, Cardas, Audioquest, Ansuz, Bayer Sound Cable

Zubehör: Supra DC-Filter, Netzleiste Vibex, MFE Polechecker

Alu vs. Kunststoff – Hauptsache offen

Beide Modelle wurden, wie bei Grado seit Jahrzehnten üblich, als offene Hörer konzipiert, die im direkten Umfeld sitzenden Mitmenschen bekommen also bei höheren Lautstärken einen Teil des Schalls ab.

Was beide Modelle mit auf den Weg bekamen, war ein neues, flexibleres und gegen Berührungsgeräusche sehr gut gedämpftes Kabel. Grado-Tradition ist es übrigens, dass die Kabel nicht gesteckt, sondern angelötet werden. Was auf den ersten Blick etwas altertümlich und unkomfortabel erscheint, hat sich als klanglich gut und elektrisch zuverlässig erwiesen. Und im selten nötig werdenden Reparaturfall sorgt der hiesige Vertrieb schnell und kostengünstig für die Instandsetzung. Die grundsätzliche Bügelkonstruktion blieb unverändert, der 325x bekam aber ein neues Kopfband aus Leder mit weißer Naht spendiert.

Die Zeit, die wir mit den beiden neuen Hörern, dem SR80e und dem dank unseres Premiumpartners HiFi Pawlak aus Essen kurzfristig erhaltenen 325e verbringen durften, war so erfreulich wie aufschlussreich.

Spielte der 325e nach unserem Eindruck kraftvoll und ausgewogen, zeigte ihm das x-Modell doch recht schnell, wo man in Brooklyn erfolgreich nach Verbesserungspotenzial Ausschau gehalten hatte. Auffällig zunächst: Der Neue ist eine ganze Ecke lauter. Die Ohrpolster machen von der Anfassqualität und vom Tragekomfort keinen erwähnenswerten, sofort erfassbaren Unterschied. Klanglich sieht das aber anders aus. Der 325x tönt sauberer, im oberen Bassbereich weniger saftig. Zugleich gelingt ihm das Kunststück, Stimmen und akustische Instrumente etwas voller und körperhafter als sein Vorgänger ans Ohr des Zuhörers zu bringen. Dafür brauchte es weder goldene Ohren, noch sonderlich audiophiles Klangmaterial.

Für den Einstieg reichte Don Henleys „Dirty Laundry“ von seinem ersten Solo-Projekt „Can’t stand still“. Der Eagles- Mitbegründer, im Hauptberuf Schlagzeuger, legte bei dieser Produktion besonders viel Wert darauf, dass die Trommeln und die Arbeit des Bassisten nur ja nicht der Missachtung anheimfielen – also fett und tanzflächentauglich in die Aufnahme gemischt wurden. Da freut man sich, wenn Grados x-Version das Thema bei unverändertem Druck sauberer, zugleich durchhörbarer und dynamischer wiedergibt.

Naturgemäß mussten wir Abstriche beim SR60x hinnehmen, dennoch zeigte sich auch hier die Sorgfalt und das gekonnte Feintuning der Amerikaner. Denn zu unserer großen Überraschung zog der Neuling am nächstgrößeren Modell der Vorgängerserie in den meisten Kategorien vorbei. Sehr plastisch dargestellt wurde das bei Suzanne Vegas „Tom’s Diner“ vom Album „Solitude Standing“ – die Hallanteile in der Aufnahme wurden mit dem 60x wie auf dem Silbertablett präsentiert, die Suchscheinwerfer nach diesen Details des Songs konnten ausgeschaltet werden. Sehr beeindruckend, zugleich die unterschiedlichen Qualitätsstufen offenlegend, war es auch, Beethoven in hoher Auflösung via Qobuz zu hören. Karajan und die Berliner Philharmoniker brachten hier Musikalität und Klang gekonnt unter einen Hut.

Schon der 60er machte Spaß, ließ das Orchester als kompletten Klangkörper erscheinen und verstand es ausgezeichnet, die enorme dynamische Bandbreite der Philharmoniker abzubilden. Was der 325x draufsetzte, war wiederum ein Mehr an Präzision, ein fülligeres Gesamtklangbild und mehr Luft um einzelne Instrumente.

Bei Kopfhörern von Raumabbildung zu sprechen, fällt ja meist nicht ganz leicht, aber hier gab es zumindest eine schöne räumliche Abgrenzung und klare Zuordnung im Panorama. Wenn die Erwartungshaltung bezüglich der auftretenden Unterschiede eher gering ist, darf es als vernünftig gelten, die Differenzen mit vertrautem Musikmaterial aufzuspüren. Naheliegend also, dass wir uns Ray Brown auswählten, um „Cry Me A River“ einige weitere Male zu hören.

Beeindruckend, wie natürlich schon der 60x für gerade einmal 130 Euro klang und seiner Aufgabe, Freude und Entspannung zu liefern, gerecht wurde. Den Genussfaktor weiter zu steigern, war dann die Aufgabe des 400 Euro kostenden 325x.

Hier wurde selbst an eher mickrigen Kopfhörerausgängen deutlich, dass die Mehrausgabe zum kleinen 60x zwar erheblich ist, aber als Langzeitinvestition dennoch für jeden Musikliebhaber absolut empfehlenswert. Ein Eindruck, der sich abermals verfestigte, als der Wechsel auf einen hochwertigen Kopfhörer-Amp von Lehmannaudio erfolgte. Brachiale Auflösung ohne aufgesetzte Effekte, voluminöse, körperhafte Wiedergabe des Kontrabasses, dazu eine ansatzlose Dynamik, die sich bereits bei geringen Pegeln fein abgestuft zeigte. Das Ganze garniert mit richtig präziser, trockener, aber nicht steriler Basswiedergabe. Unter dem Strich sind die Argumente für die Grado-Kopfhörer also noch stichhaltiger geworden, zumal sich auch die Preiserhöhung in überschaubaren Grenzen hält. ■

Grado SR60x

Preis: um 130 €

Garantie: 2 Jahre

Kontakt: High Fidelity-Studio

Tel.: +49 821 37250

www.high-fidelity-studio.de

150 Gramm leicht, offen und mit hohem Wirkungsgrad sowie einer Impedanz von 38 Ohm auch für Mobilgeräte tauglich, überzeugt der schlicht auftretende Kopfhörer der New Yorker Manufaktur mit strenger Qualitätskontrolle, hervorragend natürlichem Klang und angenehmem Tragekomfort.

Ausstattung

Offener Kopfhörer, Impedanz 38 Ohm, Wirkungsgrad rund 99 dB; Ohrpolster können selbst ausgetauscht werden, Kabelwechsel im Servicefall kostengünstig beim Händler; Kabellänge ca. 180 cm; Adaper Miniklinke auf 6,3-mm-Klinke im Lieferumfang

Grado SR325x

Preis: um 400 €

Garantie: 2 Jahre

Kontakt: High Fidelity-Studio

Tel.: +49 821 37250

www.high-fidelity-studio.de

260 Gramm leicht, offen und mit hohem Wirkungsgrad und einer Impedanz von 38 Ohm ebenfalls für Mobilgeräte tauglich. Der auch in Details sehr sorgfältig hergestellte Kopfhörer der New Yorker Manufaktur überzeugt mit strenger Qualitätskontrolle, hervorragend natürlichem Klang und angenehmem Tragekomfort.

Ausstattung

Offener Kopfhörer, Impedanz 38 Ohm, Wirkungsgrad rund 99 dB; Ohrpolster können selbst ausgetauscht werden, Kabelwechsel im Servicefall kostengünstig beim Händler. Kabellänge ca. 180 cm; Adaper Miniklinke auf 6,3-mm-Klinke im Lieferumfang

DAMIT HABEN WIR GEHÖRT

Karajan, Berliner Philharmoniker: Beethoven 9 Symphonies (1963)

Kraftvoll, dynamisch und packend. Vor fast 60 Jahren aufgezeichnet, hat diese Einspielung den Wettkampf gegen die Zeit lässig gewonnen.