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Genossenschaft der Großhändler: näher an der Blume


TASPO - epaper ⋅ Ausgabe 23/2018 vom 09.06.2018

Serie Good News: Christian Willeke sah den Konzentrationsprozessen im Blumenhandel nicht tatenlos zu und fand 13 Mitstreiter für die „Flora Blumenimport und Handels eG“. VonMartin Hein


Artikelbild für den Artikel "Genossenschaft der Großhändler: näher an der Blume" aus der Ausgabe 23/2018 von TASPO. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TASPO, Ausgabe 23/2018

Der direkte Kontakt zu den Einzelhandelskunden und zu den Produzenten gilt als großer Vorteil.


Ein Blick zurück, rund zehn Jahre, kann hilfreich sein. Damals hieß es von allen möglichen Seiten: Nicht nur im Blumeneinzelhandel, auch auf der Großhandelsebene wird kein Stein auf dem anderen bleiben. Die Digitalisierung wird den internationalen Blumenhandel immer transparenter machen, der Online-Handel den etablierten ...

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... Vertriebsformen Marktanteile abknöpfen, neue Spieler werden auf einen Markt kommen, der einen enormen Konzentrationsprozess erleben wird.

Die Prophezeiungen haben sich weitgehend erfüllt. Die Digitalisierung wächst in großen Sprüngen, neue Online-Anbieter wie Florismart etablieren sich in großer, nicht nur räumlicher Nähe zum Fachverband Deutscher Floristen (FDF), alte Spieler wie Fleurop erweitern ihr Geschäftsmodell und werden zu Blumengroßhändlern – und bei all dem werden natürlich die Einheiten größer (und die Kleinen verschwinden).

Ausgerechnet in der ostwestfälischen Provinz, die ja gern als etwas hinterwäldlerisch dargestellt wird, hat jemand die Prophezeiungen ernst genommen. Christian Willeke aus Büren (bei Paderborn) hat sich ins Auto gesetzt, ist quer durch Deutschland gefahren und hat Mitstreiter gesucht.

Idee: Auf Wachstum setzen und direkten Weg zum Kunden suchen

Die Idee des Schnittblumengroßhändlers: Der Konzentration muss man Wachstum entgegensetzen. Es gilt, die Transparenz zu nutzen und den Weg direkt zum Produzenten zu suchen – um die Abläufe in der Handelskette bis zum Einzelhandel möglichst selbst zu bestimmen. Das Ergebnis dieser Überlegungen war – anfangs mit zehn und heute mit 13 Mitstreitern – die „Flora Blumenimport und Handels eG“.

Man könnte das Unternehmen als Blumenimporteur in der Hand von Blumengroßhändlern bezeichnen – doch das ist nur die halbe Wahrheit. Ein großer Unterschied des Start-ups (vor zehn Jahren) zum traditionellen Import ist – es wird just-in-time ohne Vorratshaltung gearbeitet.

Die Bestellungen gehen in der von Geschäftsführer Matthias Hucke mit fünf Mitarbeitern geleiteten Zentrale in Straelen ein, sie werden dort gebündelt, weitergeleitet und rund fünf Tage nach der Bestellung trifft die Ware aus Übersee ein.

Dieser Zeitablauf bringt es mit sich, dass man „als Großhändler länger vorausplanen muss“, erklärt Christian Willeke.

Die gelernte Praxis ist ja: Der Muttertag läuft gut an, also wird beim vorratshaltenden Importeur am Donnerstag Ware bestellt, die, bitte schön, am Freitag da sein muss. Diese Kurzfristigkeit kann die Genossenschaft der Blumengroßhändler nicht leisten.

Direkter Kontakt zu Produzenten ist Wettbewerbsvorteil

Aber: Wann ist solch eine Kurzfristigkeit überhaupt gefragt? Es gibt doch nur ein halbes Dutzend Verkaufsschwerpunkte, zu denen der Blumeneinzelhandel unkalkulierbar kurzfristig die Nachfrage nach oben schraubt. Aufs Jahr gesehen sind die Schwankungen nicht so stark, Bestellungen sind mit einer Woche Vorlaufzeit durchaus planbar.

Auf der Habenseite steht: Es gibt keine Zwischenlagerung, just-in-time ist ein Frischevorteil. „Ebenso wichtig ist, dass die Nähe zur Blume, zu den Produzenten wiederhergestellt wird“, nennt Christian Willeke einen weiteren Vorteil. Die Produzenten in Übersee werden nicht nur von der Geschäftsführung, sondern auch von den Genossenschaftsmitgliedern besucht. Man kennt sich, man tauscht sich aus – unmittelbarer Kontakt ist bekanntlich immer ein Wettbewerbsvorteil.

Zur Rolle des Logistikers gehört ein entsprechender Fuhrpark.


Erzeuger sehen ihr Geld vergleichsweise schnell

Einen Wettbewerbsvorteil haben auch die Produzenten in Ecuador, Kolumbien, Mexiko, Südafrika oder Spanien. Das Zahlungsziel der Genossenschaft der Großhändler liegt bei einer Woche, die Erzeuger sehen ihr Geld schnell, bezogen auf den internationalen Zahlungsverkehr sehr schnell. Der gegenwärtig so inflationär genutzte Begriff vom „fairen Handel“ erhält dadurch eine reale Dimension – wenn man bedenkt, dass das Zahlungsziel im traditionellen Importhandel bis zu 60 Tage betragen kann. Neben den Produzenten in Mittel- und Südamerika wurden auch erfolgreich Geschäftskontakte nach Israel, Italien, Frankreich und in die Niederlande aufgebaut.

Auch in Deutschland gibt es Lieferanten, etwa für die im Markt prosperierenden Sommerblumen. Wobei keiner der Genossenschaftsmitglieder verpflichtet ist, bestimmte Produkte, bestimmte Mengen abzunehmen. Auch die Vertriebswege sind frei. Einige Großhändler sitzen in Mannheim, Frankfurt, Dortmund und Bremen auf Blumengroßmärkten, andere bedienen Web-Shops und klassischen Fahrverkauf.

Aufsichtsrat und Vorstand auf der jüngsten Genossenschaftssitzung (v. l.): Christian Willeke, Bernd Köhler, Joachim Dietz, Stefan Ritzka und Matthias Hucke. Aufsichtsratsmitglied Peter Weber war beim Fototermin abwesend.


Internet-Handelsplattform als nächster logischer Schritt

Auf der Generalversammlung der Genossenschaft Ende April ging es unter anderem auch um den nächsten logischen (und logistischen) Schritt in die Zukunft: eine Internet-Handelsplattform, in die auch der Blumeneinzelhandel direkt eingebunden ist.

Bestellt werden kann dann direkt bei den Produzenten in den Niederlanden, „Flora Blumenimport“ übernimmt vor allem die Aufgabe des vermittelnden Logistikers.

Mindestens ein Tag Zeitersparnis soll die Plattform bringen, Anfang 2019 wird es soweit sein. Gegründet wird ein eigenes Unternehmen in den Niederlanden, zudem sollen zukünftig weitere Genossenschaftsmitglieder aufgenommen werden.

Vorteile durch Organisationsform der Genossenschaft

Die fast zehnjährige Erfolgsgeschichte zeigt mehrere Dimensionen. Schnittblumengroßhändler reagieren auf die Veränderung der Marktstrukturen. Sie haben dafür die Organisationsform der Genossenschaft gewählt, was im Raiffeisen-Jubiläumsjahr eine schöne Bestätigung für diese Idee ist. Die notwendigen Investitionen fließen in die eigene eG, je besser die Ergebnisse der einzelnen Genossenschaftsmitglieder, desto besser für die eigene Genossenschaft.

Für die Produzenten gibt es nur Vorteile – gute Zahlungsbedingungen und unmittelbaren Kontakt zu den Partnern des Großhandels, die wiederum persönlichen Kontakt zu den Partnern des Einzelhandels (immerhin rund 2.500 Blumeneinzelhändlern) unterhalten.

Da stellt sich schon die Frage, warum im deutschen Schnittblumengroßhandel diese Handelsidee nicht längst Nachahmer gefunden hat.

Der Autor

Martin Hein , langjähriger freier Journalist unter anderem für Gartenbau und Floristik


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