Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 9 Min.

GENTECHNIK: Gentechnik im Pferdefutter?


St.GEORG - epaper ⋅ Ausgabe 80/2018 vom 30.07.2018

Die wichtigsten Fragen zurGENTECHNIK– ein Blick in die Tröge unserer Pferde. Bei den eigenen Lebensmitteln achten wir sehr auf Herkunft, Qualität und Gentechnikfreiheit. Doch was landet eigentlich bei unseren Pferden im Futter?


Artikelbild für den Artikel "GENTECHNIK: Gentechnik im Pferdefutter?" aus der Ausgabe 80/2018 von St.GEORG. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Qualität ist beim Pferdefutter sehr wichtig. Doch wie sieht es hier mit der Gentechnik-Frage aus?


Foto: www.galoppfoto.Foto: Fotolia de

Wenn etwas „gentechnisch verändert“ ist, dann sind die Informationen des Erbguts (also der DNA) mithilfe einer bestimmten Methode gezielt verändert worden. Hierbei spricht man oft von „Genmanipulation“ und dem Resultat als „gentechnisch ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von St.GEORG. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 80/2018 von LESERBRIEFE: BRIEF DES MONAS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LESERBRIEFE: BRIEF DES MONAS
Titelbild der Ausgabe 80/2018 von PFERDE & LEUTE: PFERD DES MONATS: Explosion W – Nomen est Omen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
PFERDE & LEUTE: PFERD DES MONATS: Explosion W – Nomen est Omen
Titelbild der Ausgabe 80/2018 von SPORT: NOTIZEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
SPORT: NOTIZEN
Titelbild der Ausgabe 80/2018 von PFERDE & LEUTE: DOSSIER: Abschied von Hans Günter Winkler. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
PFERDE & LEUTE: DOSSIER: Abschied von Hans Günter Winkler
Titelbild der Ausgabe 80/2018 von PFERDE & LEUTE: NAMEN DES MONATS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
PFERDE & LEUTE: NAMEN DES MONATS
Titelbild der Ausgabe 80/2018 von AACHEN: DAS AACHEN DES MEGA-MARCUS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
AACHEN: DAS AACHEN DES MEGA-MARCUS
Vorheriger Artikel
AKTUELL
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel IM TEST
aus dieser Ausgabe

... veränderten“ (GVO) bzw. „modifizierten Organismen“ (GMO).

In der Gentechnik isoliert und analysiert man beispielsweise Gene sowie Gensequenzen, verändert sie gezielt und baut sie in eine andere Zelle ein. So können Gene artentreu oder auch artübergreifend genutzt werden, indem man z.B. Gene eines Bakteriums in eine Pflanze einsetzt.

Je nachdem auf welchem Forschungsfeld die Gentechnik genutzt wird, spricht man auch von roter (Medizin), grüner (Agrar) oder weißer Gentechnik (diese umfasst alle sogenannten „Hilfsstoffe“, wie z.B. Enzyme und Hefen).

1 WAS HEISST ÜBERHAUPT „GENTECHNISCH VERÄNDERT“?

Mais wird oft in mehreren Eigenschaften gentechnisch verändert.


2 WELCHE FUTTERMITTEL SIND BETROFFEN?

Bei gentechnisch verändertem Pferdefutter geht es z.B. um Komponenten wie Mais und Soja. Sie finden sich in verschiedenen Pferdemüslis, Pellets und Mash, aber auch als Einzelfuttermittel wie z.B. Maisflakes oder Sojaextraktionsschrot zur Rationsaufwertung. Hinzu kommen Zuckerrübenschnitzel- und Melasse sowie Rapsprodukte, die ebenfalls meist extra gefüttert werden. Aber auch Hefen, Enzyme oder bestimmte Vitamine können mithilfe gentechnisch veränderter Mikroorganismen erzeugt werden.

In Deutschland ist der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen verboten. Der Import und die Verwendung in Futter- und Lebensmitteln im Rahmen der EU-Regelungen sind aber trotzdem erlaubt.

In der EU dürfen Futtermittel, die entweder selbst gentechnisch verändert oder mithilfe von gentechnisch veränderten Organismen hergestellt sind, nur verwendet werden, wenn sie einer EU-Sicherheitsbewertung unterzogen wurden und offiziell zugelassen sind.

DIE EXPERTEN

Prof. Dr. Dirk Winter,
Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen-Geislingen (HfWU). Studiendekan Pferdewirtschaft, Leiter des Lehr- und Versuchsgutes Pferdewirtschaft Jungborn und Prodekan der Fakultät Agrarwirtschaft, Volkswirtschaft und Management.

Dr. Dirk Zimmermann,
Agrarbiologe bei Greenpeace e.V. Forschungsarbeit über fünf Jahre im Bereich der Pflanzenphysiologie. Arbeitsschwerpunkte: Agro-Gentechnik und zukunftsfähige, nachhaltige Landwirtschaft.

3 WARUM WERDEN SOJA, MAIS UND CO. ÜBERHAUPT GEFÜTTERT?

Eiweiß und Energie für eine leistungsfähige Muskulatur.


Foto: www.toffi-images.de

Als hochwertiger Eiweißlieferant wird Sojaextraktionsschrot häufig bei Zucht- und Sportpferden eingesetzt. Das darin enthaltene Eiweiß hat einen hohen Anteil wertvoller Aminosäuren, die wichtig sind z. B. für Muskeln, Wachstum und Entwicklung. Mais hingegen liefert durch den hohen Anteil an Stärke vor allem sehr viel Energie und wird meistens in hydrothermisch aufgeschlossener Form (Behandlung mit Wärme und Wasserdampf) z. B. als Maisflakes im Pferdefutter eingesetzt. Durch dieses Verfahren kann das Pferd die Maisstärke gut verdauen und die Energie somit gut nutzen.

Einzelfuttermittel wie Zuckerrübenschnitzel oder Rapsöl werden ebenfalls als Energielieferanten eingesetzt. Sie werden daher oft in der Rekonvaleszenz (Aufbauphase nach einer Krankheit), bei älteren Pferden oder solchen mit Zahnproblemen gefüttert. Raps- und Sojaöl werden oft zur zusätzlichen Energieversorgung und Unterstützung von Haut und Fell gegeben. Bierhefe und Biotin gehören zu den Zusatzstoffen und Enzymen und werden zumeist gefüttert um die Verdauung zu verbessern und Haut, Huf und Fell zu stärken.

4 WO LIEGT BEI GENMANIPULIERTEM FUTTER DAS PROBLEM?

Die Raupe des Maiszünslers gehört zu den Hauptschädlingen.


Foto: Grant Heilman Photography / Alamy

Viele Maissorten sind gentechnisch so verändert, dass sie durch ein zusätzliches Gen eines Bakteriums (Bacillus thuringiensis-Stamm) aktiv ein Protein produzieren, das pflanzenschädliche Insekten wie den Maiszünsler tötet. In Anlehnung an die Bezeichnung Bacillus thuringiensis wird dieser veränderte Mais auch Bt-Mais genannt. Obwohl es nach Herstellerangaben Richtwerte für diese Toxinproduktion in GV-Pflanzen gibt, zeigen unabhängige Feldstudien wie z.B. von Nguyen, H.T. & Jehle, dass die Werte im realen Anbau extrem variieren. Die neuste gentechnische Entwicklung des Saatgutherstellers Monsanto (gerade von der deutschen Bayer AG übernommen), ein sogenannter „SmartStax-Mais“, produziert fünf verschiedene Toxine und besitzt daneben noch zwei Herbizidresistenzen. Die Pflanze widersteht also gewissen Unkrautbekämpfungsmitteln.

Sojabohnen werden über die Genmanipulation meistens mit Herbizidresistenzen sowie unterschiedlichen Ölsäurezusammensetzungen versehen, damit weniger Spritzmittel gegen Unkräuter eingesetzt werden müssen. „In dem Zusammenhang wird allerdings auch die Resistenzbildung bei Unkräutern gegen Spritzmittel beobachtet, so dass im Ergebnis noch mehr Pestizide eingesetzt werden müssen“, berichtet Dr. Dirk Zimmermann, Agrarbiologe bei Greenpeace e.V. „Es geht bei der Frage ob gentechnikfrei oder nicht, auch immer um die Frage, welche Form der Landwirtschaft ich unterstütze und damit um die Nachhaltigkeit.“

5 BIRGT GENMANIPULIERTES FUTTER RISIKEN FÜR MEIN PFERD?

Foto: Slawik

In der Grünen Gentechnik (bei Pflanzen) gestaltet sich die Beweisführung zu möglichen Risiken äußert schwierig.

Es gibt Studien, die zu dem Ergebnis kommen, dass GV-Pflanzen völlig unbedenklich sind. Es gibt allerdings auch andere Studien, die aufzeigen, dass gesundheitliche Risiken möglich und nicht alle Auswirkungen vorhersehbar sind.

Insbesondere die 2015 veröffentlichte Studie zum Bt-Mais „Chronic Responses of Daphnia magna Under Dietary Exposure to Leaves of a Transgenic (Event MON810) Bt–Maize Hybrid and its Conventional Near-Isoline” zeigt, dass sich das isolierte und gekürzte Gen zur Produktion des aktiven Bt-Toxins im GV-Mais anders verhält, als in der ursprünglichen Form im Bakterium. Im Verlauf der Studie zeigte sich, dass dieses aktive Bt-Toxin auch auf sogenannte „Nicht-Zielorganismen“ wirkt. Also auf andere Lebewesen, als von den Herstellern beabsichtigt und angegeben. Welche möglichen Risiken (kurz- und langfristig) durch solche Genveränderungen in Futterpflanzen für unterschiedliche Lebewesen im Einzelnen bestehen, bedarf den Verfassern dieser Studie nach noch weiteren unabhängigen und ausführlichen Untersuchungen.

„Wer sicher gehen will, sollte auf Gentechnik im Futter verzichten“, sagt Greenpeace-Biologe Dr. Zimmermann. „Sofortige akute Schäden sind zwar nicht zu erwarten, aber Langzeiteffekte und Effekte, die über Generationen auftreten, sind bisher immer noch unzureichend erforscht.“

6 WO KOMMT DAS GENTECHNISCH VERÄNDERTE FUTTER HER?

Soja wird nach Europa vor allem aus den USA und Südamerika importiert.


quelle: transGEN und Ovid

Um den gesamten Futter- und insbesondere den Eiweißbedarf bei Pferden, aber auch Nutztieren wie Rindern, Schweinen und Hühnern zu decken, wird Soja überwiegend aus den USA, Argentinien und Brasilien importiert. Der regelmäßige Bericht des Verbandes der Ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (Ovid) zeigt, dass die Sojabohnen dort fast ausschließlich nur noch als genmanipulierte Sorten angebaut werden. „Die gentechnische Veränderung mit Herbizidresistenzen hat bei gleicher Qualität keinen Einfluss auf die inhaltsstofflichen Werte, wie z.B. Rohprotein, Rohfett, Rohfaser und Rohasche“, weiß Prof. Dr. Winter von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen-Geislingen. Eine gentechnische Veränderung könne man aber immer über die Proteinstruktur der Komponente nachweisen. „Bei Sojaöl hingegen ist eine gentechnische Veränderung am Endprodukt selbst nicht mehr nachweisbar, da Öl kein Protein enthält. Hier besteht aber genauso eine Deklarationspflicht, die dokumentiert und regelmäßig überprüft wird.“

Ebenfalls schwerpunktmäßig in den USA und Kanada werden neben Soja auch gentechnisch veränderter Mais, Raps und Zuckerrüben angebaut und genutzt.

In Europa darf zwar noch gentechnisch veränderter Mais importiert und angebaut werden, allerdings größtenteils beschränkt auf eine genmanipulierte Bt-Maissorte. Den Aufstellungen der Internetplattform für unabhängige Verbraucherinformationen transGEN zufolge, wird der GV-Mais aktuell noch in Spanien und Portugal angebaut. „Der GV-Mais spielt in Deutschland kaum eine Rolle, da in der EU genügend unveränderter Mais angebaut wird“, erklärt Prof. Dr. Winter.

7 WAS IST MIT DEM FUTTER, DAS IN DEUTSCHL AND ANGEBAUT WIRD?

In Deutschland gilt neben einem Anbauverbot gentechnisch veränderter Pflanzen über die sogenannte „Opt-Out-Regelung“ nach Europäischem Recht (EURichtlinie 2015/412) für das gesamte Saatgut eine strikte Nulltoleranz für GVO, um ungewollte Verunreinigungen zu vermeiden. Um die Sicherheit der Reinheit des Saatguts zu gewährleisten, werden dazu vor der Aussaat von den Landwirtschaftsministerien regelmäßig Saatgutproben genommen und auf Gentechnikspuren hin kontrolliert. Fällt eine Saatgutcharge durch eine positive GV-Probe auf, wird sie aus dem Verkehr gezogen und vernichtet. Damit bleiben in Deutschland angebaute Pflanzen und das daraus hergestellte Futter gentechnikfrei.

Bei den von den Landwirtschaftsministerien der Bundesländer im letzten Jahr insgesamt 877 gezogenen Proben fielen bei Luzerne, Mais, Sommer- und Winterraps, Zuckerrüben und Sojabohnen, nur noch eine Probe bei Sojabohnen in Sachsen auf.
www.lag-gentechnik.de

8 ENTHÄLT MEIN PFERDEFUTTER GENTECHNISCH VERÄNDERTE BESTANDTEILE?

Ab mehr als 0,9 Prozent GVO muss die Komponente deutlich gekennzeichnet werden.


Das lässt sich recht leicht über das Waren-Etikett (Deklaration) auf dem Futtermittelsack oder -eimer bzw. auf dem Lieferschein erkennen. Hier sind die Zusammensetzung und Inhalts- sowie Zusatzstoffe aufgelistet. Gentechnisch veränderte Komponenten müssen hier ebenfalls entsprechend ersichtlich sein.

Bereits seit April 2004 müssen in der EU alle gentechnisch veränderten Futter- und Lebensmittel gekennzeichnet werden. Diese Kennzeichnung erfolgt mit Hilfe von sogenannten „Toleranzwerten“, damit Spuren von GVO nicht gleich zur Vernichtung kompletter Futterchargen führen müssen.

Auch wenn die Transportwege von GVO und non-GVO strikt getrennt sind, können kleinste Mengen gentechnischer veränderter Substanzen beispielsweise auf dem Transportweg über Lagerstätten und Behälter eingetragen werden. Verunreinigungen bleiben da nicht aus. „Eine Kontamination kann somit beim Import nicht zu 100 Prozent ausgeschlossen werden“, sind sich der Agragwissenschaftler und der Greenpeace-Mitarbeiter einig.

Das heißt, dass Futtermittel grundsätzlich gentechnisch veränderte Bestandteile bis zu 0,9 Prozent enthalten können und dürfen, wenn diese Verunreinigung „zufällig“ oder „technisch unvermeidbar“ war und diese gentechnische Veränderung in der EU zugelassen ist. Auch Verunreinigungen mit einer in der EU nicht zugelassen GV-Sorte werden bis zu 0,5 Prozent toleriert. Es bedarf also keiner ausdrücklichen Kennzeichnung und umfasst die große Mehrheit der Pferdefuttermittel.

Wer sich zur Thematik der Gentechnik auf den Seiten des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft informiert, findet dort den Hinweis, dass nach der EUBio-Verordnung ebenfalls 0,9 Prozent Toleranz gelten.

„Bio“ ist also nicht immer gleich gentechnikfrei und es heißt genau hinsehen, welches Biosiegel welche Richtlinien verfolgt.

Ab einem Anteil von mehr als 0,9 Prozent GVO je Komponente in einem Futtermittel, muss das Etikett darauf hinweisen. Hier lassen sich in so einem Fall zusätzliche Hinweise wie „aus genetisch veränderten Sojabohnen hergestellt“ oder „enthält genetisch veränderten Mais“ finden.

Um welche gentechnisch veränderte Sorte es sich handelt, muss aber nicht explizit deklariert sein.

9 TRANSPARENZ DURCH SIEGEL MIT QUALITÄTSUND HERKUNFTSKONTROLLEN

Futterqualität wirkt sich auf die Gesundheit aus.


Foto: Marc Ruehl

Pferdefütterung ist bei vielen Besitzern Vertrauenssache. Die Siegel der Futtermittelhersteller können dabei helfen, einen Überblick zu bewahren und Qualität, weitestgehende Gentechnikfreiheit und eine Rückverfolgbarkeit sicherzustellen. Manche dieser Siegel, wie das „Cert ID NON-GMO“ berücksichtigen die GVO-Frage stärker, andere hingegen stellen die grundsätzliche Qualität und Sicherheit der Produktionsabläufe in den Vordergrund und messen den erlaubten GVO-Verunreinigungen bis 0,9 Prozent keine besondere Bedeutung bei.

Prof. Dr. Winter wertet die grundsätzliche Qualität der Futtermittel als besonders wichtig: „Die Qualitäts- und Produktionssiegel sind gut, man muss sich nur immer fragen: Was ist das für ein Siegel und worauf bezieht es sich?“

Viele Qualitätssiegel kommen aus dem Humanbereich und aus dem Bereich der Futtermittel für Nutztiere (Rinder, Schweine, Geflügel) zur Lebensmittelgewinnung. „Seit der BSE Krise hat sich extrem viel verändert und die Unternehmen haben sich in den Punkten Dokumentation, Nachweisbarkeit und Überprüfung deutlich weiterentwickelt. Damit ist die Sicherheit auch sehr hoch“, betont Prof. Dr. Winter. „Wir können uns bei dem industriell hergestellten Futter darauf verlassen, dass drin ist was drauf steht.“

Anerkannte und zertifizierte Unternehmen müssen die Qualitätsanforderungen, die sich aus dem Futtermittelrecht und der Futtermittelhygieneverordnung ergeben, strikt einhalten. Dabei ist besonders die Sicherheit in der Produktion der Futtermittel sowie Dokumentation und Rückverfolgbarkeit bis zum ursprünglichen Erzeuger wichtig.

Werden Futtermittel nach einem besonderen Siegel produziert, sind die Hersteller verpflichtet, die einzelnen Siegelanforderungen einzuhalten und nachzuweisen. Beispielsweise nur Bioqualität einzusetzen oder auch auf gentechnisch veränderte Komponenten zu verzichten. Die Einhaltung wird durch den jeweiligen Siegelgeber kontrolliert.

Einen großen Vorteil den Prof. Dr. Winter bei den Qualitätsmanagementsystemen sieht: „Die Sicherheit der Futtermittel für Tier und Mensch steht an erster Stelle und hat oberste Priorität. Sollte doch mal etwas passieren, kann genau festgestellt werden, wo das Problem herkommt und wie man es schnellstmöglich behebt. Das schafft Vertrauen!“

Er empfiehlt den Pferdebesitzern sich die Futtermitteldeklaration genau anzusehen: Welche Inhaltsstoffe, Zusatzstoffe und Komponenten sind enthalten? Auf der Deklaration ist auch ein Ansprechpartner mit Kontaktdaten angeben, dem man Fragen kann. „Das sollte man bei Bedarf unbedingt nutzen“, bestärkt Prof. Dr. Dirk Winter. „Die Hersteller geben gerne Auskunft: anrufen – nachfragen – erklären lassen!“

PFERDEFÜTTERUNG, PFERDEHALTUNG UND PFERDEZUCHT: WEITERBILDUNG PFERD

Sie wollen selbst ganz genau wissen, worauf es beim Pferdefutter ankommt? Dann gibt es die Weiterbildung Pferd „für Jedermann“. Wissenschaftlich fundiert, verständlich und praxisnah auch außerhalb der Hochschule, aber auf Wunsch mit Prüfung und Abschlusszertifikat. Zurzeit können Pferdefütterungsmanagement, -haltung und -zucht angeboten werden. Alle ausführlichen Infos und Anmeldemöglichkeiten auf: ◆www.weiterbildung-pferd.de

PRAXISBEISPIELE: WAS BEDEUTEN WELCHE SIEGEL?

● Cert ID NON-GMO:

Gewährleistet eine lückenlose Rückverfolgung vom Endprodukt ausgehend bis zum Anbau und steht für eine maximale Toleranz von 0,1 Prozent GVO-Spuren. Es kommt vor allem bei Soja zum Einsatz.

● VLOG-geprüft

Kennzeichnet Futtermittel, die eingesetzt werden dürfen, wenn Folgeprodukte (z.B. Eier, Milch, Fleisch) das „ohne Gentechnik-Siegel” tragen sollen. Regelmäßige Beprobung, zufällig eingetragene GVO-Spuren bis 0,9 Prozent dürfen enthalten sein.

● QS

Sicherungs- und Qualitätssystem. Verwendung einwandfreier Rohwaren und kontinuierliche Kontrolle und Überprüfung von Hygiene und Qualität. Keine Verunreinigungen und sachgerechte Lagerung der Futtermittel.

● A-Futter

Sicherungssystem für Mischfutter. Garantie der einwandfreien Beschaffenheit von Futtermitteln. Einmal jährlich Analyseproben auf Rückstände und Übereinstimmung mit der Deklaration durch eine unabhängige Stelle.

● Pastus+

Qualitätssicherungssystem für Einzel- und Mischfuttermittel. Dieses Siegel darf nur getragen werden, wenn es die garantiert nachvollziehbare Herkunft der Rohstoffe, ausgezeichnete Qualität und unabhängige Kontrollen gewährleistet.

● GMP+

Siegel einer unabhängigen internationalen Organisation, auf Qualitätsmanagement (ISO 9001) und Risikolenkung (HACCP) ausgerichtet. Nachweisbare und transparente Qualitätssicherung mit regelmäßigen Kontrollen. Rückverfolgbarkeit muss gesichert und ein lückenloser Überblick über die Vorund Nebenprodukte verfügbar sein.


Foto: Fotolia