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Gentleman’s Hot Rod: 1968er Buick Riviera GS


Gasoline - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 21.11.2019

„The iron fist in a velvet glove“ – dieser durchaus zutreffende Claim zur ersten Generation des 1963 eingeführten Buick Riviera trifft auch auf Markus’ Personal Luxury Coupé des Jahrgangs 1968 zu.


Artikelbild für den Artikel "Gentleman’s Hot Rod: 1968er Buick Riviera GS" aus der Ausgabe 6/2019 von Gasoline. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Gasoline, Ausgabe 6/2019

„Ich war schon immer ein großer Fan der Rivieras von 1963–1973, wobei der 1968er mein absoluter Favorit ist. Speziell als GS verbindet er Muscle-Car-Performance mit der Eleganz eines formvollendeten Luxus-Coupés. Um einen guten zu finden, habe ich lange gesucht. Die meisten waren Blender, oder die Farbgestaltung von Interieur und Exterieur erinnerte an die Nachtwäsche reiferer Damen. Mein Riviera hat nicht nur ...

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... meine Wunschfarbe Elfenbein-Gold-Nebel-Metallic, sondern auch das schwarze Vinyldach, das ganz hervorragend zur Lackierung passt; dass es noch dazu ein originaler GS ist, war pures Glück: Die Autos sind so selten, dass ich auch einen Standard-Riviera genommen hätte. Der GS hat zwar nicht mehr PS als der normale, aber durch die geänderte Achse bekommt man die Leistung des Big Blocks auch souverän auf die Straße.“ O ja, der Big Block: Während die herausstechenden optischen Änderungen am 1967er Riviera ein neuer Kühlergrill und andere Polstermuster waren, gab es beim 68er einige signifikante Neuheiten. Die größte war ein brandneuer 430-ci-V8 mit regulärem doppelflutigem Auspuff, den auch andere Fullsize-Buicks nutzten. Unter anderem wurde jener 430er entwickelt, um wegen der strengeren Abgasgesetze die Emissionen zu reduzieren. Er hob sich vom alten Nailhead-V8 durch größere Ventile und eine bessere Gasführung ab, sodass nun mit einem Rochester Quadrajet-Vergaser die Leistung des vorigen Super Wildcat aus dem Riviera GS von 360 PS erreicht wurde. Doch der 425er Nailhead verlangte dazu nach einem Dual-Quad-Setup, das Buick wegen der Marge nur allzu gern einsparte. Da der Standard-Riviera jetzt eine höhere Achsübersetzung von 3,07 hatte, war es unwahrscheinlich, dass der durchschnittliche Besitzer einen Leistungsunterschied bemerkte. Die Standard-Trommelbremsen wurden wegen des größeren Motors geringfügig verbessert. Jene Trommeln trägt auch der Buick von Markus: Zwar boten die Händler ab 1967 große Scheibenbremsen vorn an, doch die wurden trotz ihres recht erschwinglichen Preises eher weniger nachgefragt. Ist ja nicht so, dass die kraftstrotzenden Nobelwagen ausschließlich behutsam bewegt wurden – auch wenn die Buicks als hochpreisige, gediegene Fahrzeuge wie allgemein üblich von eher fortgeschrittenen Semestern gekauft wurden: „Viel eher ist es so, dass die Scheiben nur von sehr wenigen Käufern bestellt wurden, weil sie nicht mit den beliebten verchromten Stahlrädern von Buick kompatibel waren. Außerdem habe ich die Trommeln als durchaus bissig kennengelernt und im Vergleich zu anderen derartigen Bremsanlagen der 60er auch als sehr fading-resistent.“

Die wuchtige einteilige Frontstoßstange mit geteiltem Grill war wesentlichstes Erkennungsmerkmal der Modellpflege 1968


Das gepfeilte Heck greift die Form der Front auf. Wer will, sieht im nachfolgenden Boattail die logische Weiterentwicklung


Gran Street

Trendbewusst hatte die Buick Division 1965 die dynamischer abgestimmte GS-Variante des Riviera eingeführt, aber im Gegensatz zum Midsize-Muscle Gran Sport gab es in der 1966 lancierten zweiten Baureihe des Thunderbird-Herausforderers allein im Debütjahr besonders kräftige Motoren für den GS. „Ich wusste beim Kauf gar nicht, dass Buick am GS so viel Detailarbeit geleistet hat und ging nur von Emblemen auf Kotflügeln sowie Armaturenbrett und den attraktiven Rädern aus.“ Tatsächlich gehörten die Stahlsporträder nicht zum für schlanke 138 Dollar erhältlichen GS-Paket, die mussten wie das von gut 76 Prozent der Riviera-Kunden georderte Vinyldach gesondert geordert werden. Vielmehr umfasste das von rund jedem zehnten Käufer gewählte Paket einen Chromdeckel auf dem Luftfilter. Schön und gut, aber die wahren Vorzüge der GS-Ausstattung waren neben dem Positraction-Sperrdifferential die sportlichere Hinterachs-Übersetzung von 3,42:1, die straffer ausgelegte Heavy Duty Suspension und breite Weißwandreifen im Format 8,85-15; serienmäßig rollte der Riv 1968 auf 8,45-15er Pneus. Die zeitgenössische Presse zeigte sich vom Handling äußerst begeistert, gerade im Vergleich zum oberschwammigen T-Bird; und auch Markus ist voll des Lobes: „Das Handling, die Bremsen und die Fahrstabilität sind im Vergleich zu vielen anderen US-Cars dieser Zeit deutlich besser. Man kann ihn auch im heutigen Verkehr recht normal fahren. Er ist ein wunderbarer Cruiser und kann zu jedem Zeitpunkt die Krallen zeigen.“

Das Facelift umfasste auch einen neuen gepolsterten Amaturenträger mit Rundinstrumenten, der den vorigen Walzentacho in Rente schickte


Das GS-Paket kostete 138 und die hier verbauten Extras knapp weitere 1.300 Bucks; damit standen ohne Steuern und Lieferung rund 6.000 Dollar auf der Liste – das war Cadillac-Niveau!


Die Verkäufe legten 1968 um fast 6.500 auf 49.284 Fahrzeuge zu – neuer Absatzrekord!


Gran Style

Trotz des sportlichen Auftritts, der allen Unkenrufen zum Trotz bestens zu Buicks Image als Anbieter potenter Gentleman’s Hot Rods passte, sparte sich die Trishield Division eine Viergang-Handschaltung. Aber gut, derlei war in keinem Personal Luxury Coupé zu bekommen, denn Luxus hieß Automatik. Immerhin war der Shifter jener Super Turbine 400 im Falle vorderer Einzelsitze in prominenter Dual-Gate-Ausführung auf breiter, holzgetäfelter Mittelkonsole zu bekommen. Luxus hieß aber auch mehr als Automatik. Denn am Ende wünschte sich die absolute Mehrheit der Kunden kein veredeltes Pony oder Muscle Car, sondern vielmehr eine vierrädrige Couchgarnitur mit aberwitziger Beschleunigung und nahezu jeder erdenklichen Annehmlichkeit. So gab es zum Einstandspreis von 4.615 Dollar Servolenkung, Bremskraftverstärker, Zweiton-Fanfare, Wischer mit zwei Geschwindigkeiten, höhenverstellbares Lenkrad, Kofferraumlicht und Kennzeichenrahmen. „Der Erstbesitzer“, freut sich Markus, „war erfreulich großzügig und gönnte sich auch vier elektrische Fensterheber, die elektrische Sitzverstellung sowie das Sonomatic-Stereoradio mit elektrischer Antenne. Klimaanlage, sechsfach elektrische Sitzverstellung und getönte Scheiben gefielen ihm außerdem.“ Gänzlich ohne Aufpreis wiederum kamen die den amerikanischen Autoherstellern 1968 neu verordneten Sicherheitsmerkmale. Die bescherten dem Riviera unter anderem eine energieabsorbierende Lenksäule und einen gepolsterten Armaturenträger samt entschärfter Bedienelemente. Zudem gab es nun für jeden Insassen einen Gurt und nicht nur wie zuvor nur für die Fensterplätze, und die Passagiere in der ersten Reihe profitierten zusätzlich von verkleideten A-Säulen und gepolsterten Sonnenblenden.

Außen sportlich, innen chic: Der Buick Riviera rüttelte als erster ernsthaft und 1969 schließlich erfolgreich am Thron des Personal-Luxury-Pioniers Ford Thunderbird


Das Sonomatic-Radio war ein Extra, dafür war Rauchen als Volkssport noch für jeden erschwinglich: der Ascher darunter ist äußerst geräumig


Polierte Metalloberflächen statt Holzimitat: Buicks Personal Luxury Coupé gab sich sehr gediegen


Gran Success

Die Scheinwerfer drehten sich wie 1966 und 1967 um die eigene Achse in Betriebsstellung. Ein Luftfilter mit Chromdeckel krönte den 430-ci-V8 mit 360 PS nur im GS


Vinyl ab Werk belegt der Chromstreifen am Fuß der C-Säule. Bei lackierten Dächern fehlte er


Ein Vinyldach bekamen drei von vier 68er Rivieras. Neben Schwarz war es in Blau, Beige und Avocado erhältlich. Der breite Chromstreifen am Schweller kostete ebenfalls extra.


Für 1968 hatte es aber nicht nur ein neues Interieur gegeben, das Modelljahr brachte dem Riviera wie auch dem ähnlich gezeichneten, aber frontgetriebenen Mitbewerber Toronado der Schwestermarke Oldsmobile ein umfangreicheres Facelift. Es war abermals die Arbeit von Dave Holls, obwohl Donald Lasky ihn als Buick-Chefstylist noch vor dem Debüt der 68er-Modelle abgelöst hatte. Wie der aufgefrischte Toronado verfügte auch der überarbeitete Riviera über eine neue Frontpartie mit großem umlaufendem Stoßfänger, einem geteilten Kühlergrill und einer längeren Motorhaube, die die Scheibenwischer verbarg. Abgesehen von neuen Zierleisten blieb das Profil des neuen Riviera weitgehend unverändert, aber die neuen Front- und Heckstoßstangen machten das Auto 109 mm länger und spürbar schwerer als sein Vorgänger. Mehr Novitäten waren auch gar nicht nötig, denn offenkundig schätzte die solvente Zielgruppe den neuen Look des Riviera sehr, da die Verkäufe 1968 um fast 6.500 auf 49.284 Fahrzeuge stiegen – neuer Absatzrekord! Und mit nur ganz behutsamen Änderungen ließ sich 1969 ein weiterer, überaus bedeutsamer Verkaufsrekord einfahren: Mit 52.872 Einheiten wurde nicht nur die 50.000er-Marke geknackt, sondern auch erstmals der Thunderbird mit exakt 3.600 Exemplaren souverän überholt.

Überholt werden musste auch die Lackierung und das Vinyldach des Riviera, als Markus ihn übernahm. „Der Buick lief toll, als ich ihn kaufte, und er war in einem sehr guten originalen, kompletten und unverpfuschten Zustand. Und vor allem war er komplett rostfrei. Der Wagen kommt ursprünglich aus Kalifornien und hat dort wohl seine Zeit in einer Garage verbracht, da die Innenausstattung keinerlei Risse oder Brüche hat, wie es sonst bei sonnengeplagten Autos üblich ist. Der originale Lack war matt, hatte kleine Kratzer und war leider nicht mehr zu retten, aber die tadellose Karosserie war unfallfrei und alle Zier- und Anbauteile in gutem Zustand. Ich habe ihn dann von einem Lackierermeister im Original-Farbton Ivory Gold Mist Metallic, also Elfenbein-Gold-Nebel-Metallic, lackieren lassen. Seit noch das originale schwarze Vinyldach von einem Profi neu bezogen wurde, sieht er wieder aus wie aus dem Prospekt.“

Gran Statement

„Ich favorisiere den 1968 sehr, ich finde die Form dieses Jahrgangs sehr ausgewogen und harmonisch, sie verzichtet auf unnötige Gimmicks und ist völlig zeitlos. Die Buick-Designer haben einen Superjob gemacht und eine Karosserie geformt, die von allen als wunderschön empfunden wird. Ich finde ihn vergleichbar mit Designikonen wie dem Jaguar E‑Type oder dem Rundheckspider von Alfa. Die Reaktionen von anderen bestätigen das. Ich habe schon einige Oldtimer und auch schöne US-Klassiker besessen, aber bei keinem waren die Reaktionen so überwältigend und gleichzeitig frei von Neid. Alle finden ihn völlig faszinierend und freuen sich, ihn gesehen zu haben. Selbst Leute, die keinen Bezug zu Autos haben – wie einer meiner Freunde; der hat als überzeugter Radfahrer und Veganer beim Anblick des Riviera spontan seine Lebensphilosophie infrage gestellt. Doch manchmal muss man im Leben Prioritäten setzen. Das sieht auch Markus so: „Ich hatte tolle Stunden mit dem schönen Stück, doch ich habe mich schweren Herzens entschlossen, ihn zu verkaufen. Meine Freundin ist schwanger, und nun will ich den Riviera gegen einen größeren Alltagswagen und eine geräumigere Wohnung eintauschen. Jetzt hoffe ich, dass ich das gute Stück in liebevolle Hände geben kann.“

1968 Buick Riviera GS

Motor: V8, OHV; Hubraum: 7.041 cm³ (430 ci); Bohrung: 106,36 mm, Hub: 99,06 mm; Verdichtung: 10,25:1; Leistung: 360 PS bei 5.000 U/min; Drehmoment: 644 Nm bei 3.200 U/min. Gemischaufbereitung: Vierfach-Vergaser. Auspuffanlage: doppelflutig. Antrieb: Hinterachse, Dreistufen-Automatik. Aufhängung: Vorderachse: Einzelradaufhängung, doppelte Querlenker, Spiralfedern, Teleskopstoßdämpfer; Hinterachse: Starrachse, Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer. Bremsen: rundum Trommelbremsen. Räder: 6×15-Zoll-Stahlräder. Reifen: Weißwandreifen 225/75 R15. Karosseriemaße (mm): L: 5.467, B: 1.994, H: 1.356. Gewicht (kg): 1.908. Radstand (mm): 3.023. Tankinhalt (l): 79. Kraftstoffverbrauch (l/100km): ca. 27. Höchstgeschwindigkeit (km/h): 212. Preis (1968): ab 4.615 Dollar.


Fotos: Markus Wabersky