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Geschichte: Das Nebenstreckennetz im Münsterland: Münsterland im Wandel: Nebenstrecken im Münsterland


eisenbahn magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2019 vom 16.08.2019

Massiv verändert hat sich das Bahnnetz im Münsterland abseits der Magistralen. Be schauliche Bahnhöfe sind zumeist nüchternen Haltepunkten gewichen. Christoph Riedel dokumentierte den Wandel und erinnert an die Idylle der letzten Bundesbahn-Jahre


Artikelbild für den Artikel "Geschichte: Das Nebenstreckennetz im Münsterland: Münsterland im Wandel: Nebenstrecken im Münsterland" aus der Ausgabe 9/2019 von eisenbahn magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: eisenbahn magazin, Ausgabe 9/2019

624 502 mit Uerdinger Kopfform passiert am 5. August 1992 Raestrup. Zu diesem Zeitpunkt waren die Signale hier bereits durchgeschaltet


Das Streckennetz im Münsterland musste teilweise starke Schrumpfkuren hinnehmen; die rot markierten Linien sind zum Teil bereits abgebaut


Im ehemaligen Bahnknoten Burgsteinfurt dient der Bahnhof längst nicht mehr Bahnzwecken. Die ...

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Mitte der 1980er-Jahre gab es noch Güterverkehr auf Münsterländer Nebenbahnen. 260 914 erreicht am 30. Oktober 1986 den Bahnhof Altenberge


Der Bahnverkehr im Münsterland abseits der Magistralen des Schienenverkehrs war in den vergangenen Jahrzehnten einem massiven Wandel unterworfen. War in den frühen Jahren der Bundesbahn, in den 1950er- und 60er-Jahren noch Beschaulichkeit und Leben auf den Bahnhöfen zu erleben, so herrscht heute an vielen Stationen Endzeitstimmung.

Dennoch hat sich für die Fahrgäste auch manches zum Guten gewendet. Fuhren früher nur wenige Personenzüge auf den Strecken, hat inzwischen ein Stundentakt bis in die späten Abendstunden mit hochmodernen Triebwagen Einzug gehalten, der den Reisenden Anschlüsse auf dem nächsten größeren Bahnhof garantiert. Kürzere Reisezeiten und größerer Fahrkomfort trösten den Fahrgast über die etwas unpersönlich gewordene und menschenarme Eisenbahnwelt der heutigen Nebenbahnen hinweg.

Ein dichtes Streckennetz

Nichtsdestotrotz ist die Situation im Personenverkehr im Münsterland heute eine andere als vor 60 Jahren, denn eine Stilllegungswelle zog über das Land und schrumpfte das Netz. Noch Ende der 1950er-Jahre war das Netz untergeordneter Bahnstrecken im Münsterland dicht geknüpft. Insbesondere im Westmünsterland waren zahlreiche heute vom Schienennetz abgekoppelte Ortschaften noch mit der Eisenbahn erreichbar. 1961 begann dann eine Stilllegungswelle, die erst 1984 ihren Abschluss gefunden hat. Am 30. September 1961 endete der Schienenpersonenverkehr zwischen Empel-Rees und Isselburg-Anholt der Strecke Empel-Rees – Münster sowie zwischen Borken und Burlo der früher bis in die Niederlande führenden Linie Bismarck – Winterswijk. Genau ein Jahr später traf es den 4,5 Kilometer langen Abschnitt Haltern–Wesel der ehemaligen Hamburg-Venloer Bahn, der in der Bundesbahnzeit bereits bedeutungslos geworden und 1958 werktags nur noch von drei Zugpaaren befahren worden war. Der östliche Abschnitt dieser Strecke von Wanne-Eickel nach Hamburg gehört heute aber zu den bedeutendsten Hauptbahnen des nordwestdeutschen Raumes.

Stilllegungen schrumpfen das Netz

Am selben Tag endete auch der Personenverkehr auf der Linie Ahaus – Burgsteinfurt der Westfälischen Landeseisenbahn (WLE). Bis 1974 folgten weitere vier Stilllegungen: Gronau – Gildehaus-Mitte (13,5 km / 29. Mai 1965), Ahaus – Alstätte der Ahaus-Enscheder Eisenbahn (9 km / 29. September 1966), Ibbenbüren – Versmold der Teutoburger Wald-Eisenbahngesellschaft (TWE, 24 km / 24. Mai 1968) und Rheine – Ochtrup (12,4 km / 27. September 1969). Ab 1974 setzte dann das große „Nebenbahnsterben“ im Münsterland ein. Zunächst endete der Schienenpersonenverkehr auf der 62 Kilometer langen Strecke Isselburg-Anholt – Coesfeld quer durch das ganze Westmünsterland. Danach stellte die Westfälische Landeseisenbahn auf ihren restlichen Münsterländer Strecken den Personenverkehr ein: Lippstadt – Neubeckum (35 km / 31. Mai 1975), Münster – Neubeckum (36 km / 27. September 1975), Lippstadt – Warstein (31 km / 27. September 1975) und Ahaus – Borken (30 km / 27. September 1975). Zwischen Ahaus und Borken fuhr allerdings bereits ab dem 30. September 1962 nur noch ein einziges Eilzugpaar, der sogenannte Grenzlandexpress. Das Zugpaar hatte bis zum Sommer 1958 als E 863/864 zwischen Düsseldorf und Rheine verkehrt, danach als E 867/868 zwischen Mönchengladbach und Bentheim. Dabei wurden sowohl DB-Strecken als auch die der WLE bedient. Die TWE stellte 1977 und 1978 auch den restlichen Personenverkehr auf der Strecke Ibbenbüren – Hövelhof ein (Versmold – Gütersloh-Nord: 24 km/22. Mai 1977 und Gütersloh-Nord – Hövelhof: 24,6 km/ 0. Oktober 1978). Ein Jahr später beendete die DB den Personenverkehr zwischen Rheda und Lippstadt (24 km/30. November 1979) und am 26. September 1981 wurde der grenzüberschreitende Verkehr zwischen Gronau und den Niederlanden eingestellt. Die letzte Stilllegung im Münsterland fand am 29. September 1984 auf dem 46,4 Kilometer langen Abschnitt Rheine – Coesfeld der ehemaligen Hauptbahn Duisburg – Quakenbrück statt. Damit verlor Burgsteinfurt seine Rolle als ländlicher Bahnknoten und wurde zum Durchgangsbahnhof der Strecke Münster – Gronau.

Altenberge besitzt 1986 noch drei Formsignale an der Ausfahrt Richtung Münster


(Foto vom 30. Oktober 1986)

Schülertransport sicherte das Überleben mancher Bahn: 515 536 hat am 22. Mai 1992 Schüler aus Borken nach Rhade gebracht


Bekannt für seinen Blumenschmuck ist das Stellwerk Zweckel bei Dorsten. Am 25. April 1988 ist 221 113 hier auf dem Weg Richtung Ruhrgebiet


Reaktivierung statt Stilllegung

Inzwischen hat es aber auch eine Streckenreaktivierung gegeben. Am 16. November 2001 wurde der Personenverkehr in die Niederlande bei Gronau wieder aufgenommen, die Züge verkehren zwischen Münster und Enschede. Auch die Regionalbahnen von Dortmund, die früher in Gronau endeten, rollen heute bis in die niederländische Großstadt. Dadurch ergibt sich zwischen Gronau und Enschede ein Halbstundentakt. Weitere Reaktivierungen scheinen darüber hinaus möglich zu sein. Im westlichen Münsterland wird über erneuten Schienenpersonenverkehr zwischen Win-terswijk und Borken sowie zwischen Bocholt und Coesfeld diskutiert. Als Teil des zusammenwachsenden Europas könnten Fahrgäste dann aus dem niederländischen Raum Winterswijk umsteigefrei in Richtung Essen und mit Umsteigen in Borken auch nach Münster gelangen. Während die denkbaren Reaktivierungen im Westmünsterland noch Zukunftsmusik sind, gibt es im Raum Münster seit Anfang Juli 2019 einen Termin für die Wiederinbetriebnahme der WLE-Strecke von Münster nach Neubeckum im Abschnitt Münster – Sendenhorst. Hier sollen 2023 die ersten Züge im 20-Minuten-Takt zwischen Münster und Sendenhorst. Die 25,7 Kilometer lange Strecke soll künftig im 60-Minuten-Takt bedient werden. Zugleich stimmte der Verkehrsausschuss im nordrheinwestfälischen Landtag der Aufnahme der Reaktivierung der Teutoburger-Wald-Eisenbahn (TWE) zwischen Verl und Harsewinkel in den derzeit gültigen ÖPNV-Bedarfsplan zu. So bleibt zu hoffen, dass in Zukunft nicht nur weitere Hochgeschwindigkeitsstrecken gebaut, sondern auch weitere untergeordnete Linien mit ausreichender Nachfrage wieder in Betrieb genommen werden.


Nachgedacht wird über die Reaktivierung einiger Bahnstrecken im Großraum Münster


Im Jahr 2019 verkehren Regionalbahnen und Regionalexpresszüge auf den Linien Münster – Gronau –Enschede (RB 64 / DB Regio), Münster-Zentrum-Nord – Coesfeld (RB 63 / DB Regio), Münster – Rheda-Wiedenbrück – Bielefeld (RB 67 / Eurobahn), Borken – Dorsten – Essen (RE 14 / Nordwestbahn), Dorsten – Coesfeld (RB 45 / Nordwestbahn) und Dortmund – Gronau – Enschede (RB 51/DB Regio). Wenn man den Streckenabschnitt südlich von Dorsten betrieblich dem Münsterland zuschlägt, kommen noch Teile der Linien Dorsten – Oberhausen (RB 44 / Nordwestbahn) und Dorsten – Dortmund (RB 43 / DB Regio) hinzu.

Zwischen Dortmund, Coesfeld und Gronau gab es einst Telegrafenleitungen und zahllose Schrankenposten. Am 11. Oktober 1989 passiert 216 114 bei Holtwick den Posten 48


Die Eurobahn (Keolis) bedient heute die Strecke Münster – Rheda-Wiedenbrück. Bei Clarholz ist VT 3.10 am 18. September 2018 unterwegs

Buchtipp

Dieser Text ist dem Buch „Auf Nebenstrecken durchs Münsterland“ entnommen, das in der Reihe Zeitreise im Sutton-Verlag erschienen ist.

Christoph Riedel:Auf Nebenstrecken durchs Münsterland – Unterwegs zwischen Ems und Lippe

128 Seiten, ca. 160 Abbildungen, Format 17,0 x 24,0 cm, Hardcover: ISBN-13: 978-3-96303- 049-9; Erschienen im Sutton Verlag, Erfurt 2019

Erhältlich unterwww.verlagshaus24.de